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Johann Schweißgut
Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 4314
Erfahrung:  Psychotherapeut
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Johann Schweißgut ist jetzt online.

Guten Tag, ich brauche Hilfe für meinen Sohn. Er ist 13

Diese Antwort wurde bewertet:

Guten Tag,
ich brauche Hilfe für meinen Sohn. Er ist 13 Jahre alt und ich glaube, bei ihm Zeichen von Asperger zu erkennen, bin aber nicht sicher. Es würde jetzt zu weit führen, sein Wesen in Gänze zu beschreiben, aber ich würde gern die Besonderheiten aufführen, die mir auffallen.Mein Sohn hat große Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion. Schon im Kindergarten hat er im Grunde nur mit einem Freund gespielt, an Gruppenspielen hat er sich kaum beteiligt, hier spielte er eher parallel. In der Grundschule kam es dann zu ersten Mobbingproblemen, die anderen Jungen haben ihn nie ganz ernst genommen. Auch hier hat er sich vier Jahre lang quasi nur an einen Freund gehangen.
Da er in der ersten Klasse einige Wutausbrüche hatte und da er sich Lesen und Schreiben bereits vor der Schule selbst beigebracht hatte, wurde auf Bitten der Klassenlehrerin ein IQ-Test gemacht, bei dem als Ergebnis 124 herauskam. Die Dame vom Testinstitut wies uns damals darauf hin, dass sie bei ihm eine autistische Störung für möglich hält. Wir haben das damals leider nicht weiter verfolgt, weil wir diese Vermutung nicht nachvollziehen konnten.Auf dem Gymnasium hatte er zunächst keine Probleme, seine Noten waren stets sehr gut und auch die Klassengemeinschaft, zufälligerweise eine Inklusionsklasse, war unauffällig.
Jetzt sind wir allerdings umgezogen, er lebt nun in einer anderen Stadt und besucht die achte Klasse. Hier kam es zu meinem Entsetzen schon in den ersten Wochen zu massiven Problemen. Er wurde von einem Mitschüler verprügelt und anschließend sogar wegen Beleidigung und Bedrohung angezeigt, weil er sich verbal sehr heftig zur Wehr setzte.
Dass er als eigentliches Opfer angezeigt wurde, stieß sowohl bei der Polizei als auch an der Schule auf Kopfschütteln, ändern konnte man daran aber leider nichts.
Er beschreibt oft, dass die Schüler der Parallelklasse ihn seit diesem Vorfall oft anstarren und auslachen. Auf mich wirkt die Situation insgesamt sehr angespannt, ich habe täglich Sorge, dass wieder etwas passiert. Trotz seiner wiederholten Versuche, Anschluss zu finden, ist er recht isoliert. Er wird niemals angerufen oder besucht und seine Erzählungen klingen nicht, als würden seine Mitschüler seine Nähe suchen. Im Gegenteil, Einladungen von seiner Seite werden ausgeschlagen.Ausgelöst wurde meine aktuelle Sorge dadurch, dass sein Cousin, der dieselbe Schule besucht, kürzlich erwähnte, dass mein Sohn unter den Jugendlichen unangenehm auffällt. Er beschrieb, dass er oft in kleinere Gesprächsgruppen hineingrätscht, aber keine passenden Beiträge leisten würde. Stattdessen würde er entweder lachen oder Dinge sagen, die niemand recht nachvollziehen könnte. Über ernste Themen könne man mit ihm überhaupt nicht sprechen. Auch würde es schrecklich nerven, dass er immer wieder dieselben Fragen stellt. Mich hat diese Aussage deswegen verunsichert, weil sie mich an die Vermutung der Dame vom Testinstitut erinnerten. Daraufhin habe ich mich tiefergehend mit Autismus beschäftigt und meine, einige „Symptome“ bei ihm wiederzukennen.
Neben den Schwierigkeiten, Freunde zu finden, ist er auch im weiteren sozialen Kontext öfter auffällig. Er ist kaum in der Lage, Menschen in die Augen zu sehen, was häufig zu Irritation führt. Floskeln wie Begrüßungen hat er nur mit viel Mühe gelernt, bis heute spürt man dabei seine fehlende Herzlichkeit. Auch Smalltalk ist mit ihm nicht möglich, lieber schweigt er.
Zu Empathie ist er überhaupt nicht in der Lage. Wir hatten 2019 einen entsetzlichen Todesfall in der engsten Familie, der uns alle erschüttert hat - außer ihm. Er hat die Nachricht nahezu teilnahmslos aufgenommen. Auch sonst interessiert ihn das Leid anderer nicht. Weder Naturkatastrophen berühren ihn noch kleine Anlässe. Als er kürzlich versehentlich über unseren Hund gestolpert ist, hat er gelacht, statt, wie alle Umstehenden, den Hund zu bedauern oder gar zu trösten. Dabei liebt er das Tier sehr.Körperliche Nähe mag er nicht, schon als Kind wollte er nicht gerne kuscheln.Das alles klingt für mich jetzt, da ich mich mit dem Thema Asperger beschäftige, schon etwas auffällig. Andererseits beobachte ich bei ihm kein stereotypisches Verhalten und auch keine besonde besonderen Interessen. Zwar interessiert er sich seit einigen Wochen sehr für Fußball, aber das würde ich normalerweise als vorübergehendes Phänomen betrachten. Dass er sonst keine großen Hobbys hat, außer Playstation, ist für einen Jungen seines Alters nicht ungewöhnlich, denke ich.Ich und mein Mann sind etwas überfordert mit der Situation. Wir haben im März einen Termin für eine Diagnosenstellung, sind aber unsicher, ob wir tatsächlich eine Diagnose stellen lassen sollten, da wir mögliche Nachteile fürchten. Halten Sie es aufgrund der Beschreibungen für möglich, dass eine ASS vorliegt? Und würden Sie uns zur Diagnosenstellung raten? Kennen Sie evtl. Beratungsstellen, an die wir uns auch ohne gesicherte Diagnose wenden können?
Herzlichen Dank!

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, vielen Dank, ***** ***** sich mit Ihrer Frage justanswer anvertrauen. Mein Name ist Johann Schweißgut

Kunde: hat geantwortet vor 10 Monaten.
Guten Tag, Herr Schweißgut. Was denken Sie über die Schilderungen?

Guten Tag,

Sie und Ihr Sohn haben es mit einem komplexen Problem zu tun.

Zunächst: Aufgrund Ihrer Beschreibung halte ich es für wahrscheinlich, dass Ihr Sohn Asperger-Autist ist.

Und: Diese Störung ist unter Fachleuten schon sehr lange bekannt und es gibt Hilfen. Der Autismus kann leider nicht geheilt werden, aber der Betroffene und sein Umfeld können lernen, damit umzugehen.

Zur Diagnose-Stellung: Es ist durchaus sinnvoll, eine Diagnostik machen zu lassen, um offizielle Klarheit zu haben. Eine andere Sache ist es, wie man mit der Diagnose umgeht. Man muss sie ihm ja nicht auf die Stirn schreiben. Aber in bestimmten Situationen kann sie sehr nützlich sein.

Kunde: hat geantwortet vor 10 Monaten.
Aber ist eine Aspergerdiagnose auch möglich, wenn eben die Spezialinteressen fehlen? Oder würde das für Atypischen Autismus sprechen?

Es gibt Diagnostik-Stellen, Beratungsstellen und Schulen für Asperger Autisten.

Hier https://www.autismus.de/fileadmin/user_upload/autismus_Adressen_heft_79.pdf eine Bundesweite Adressenliste. Da finden Sie sicher auch in Ihrer Region etwas.

Hier als Beispiel eine Schule für Autisten https://herder-schule.de/anmeldung/

Die verschiedenen Merkmale können unterschiedlich ausgeprägt sein. Als Laie übersieht man dann auch manches, und in der Öffentlichkeit tritt anderes nach vorne.

Aber ich kann natürlich hier keine endgültige Diagnose treffen, ich kenne ihn ja gar nicht. Aber ich halte es für wahrscheinlich, dass er Autist ist. Sowieso sollten Sie aus der Adressenliste eine Stelle heraussuchen, in der das überprüft wird.

Guten Tag,

nochmals vielen Dank für die Nutzung von justanswer.

Wenn noch etwas unklar ist oder wenn Sie weitere Fragen haben - bitte lassen Sie es mich wissen, ich helfe Ihnen gerne weiter.

Und darf ich Sie noch bitten, diesen Chat mit einer positiven Bewertung (3-5 Sterne) zu beenden, damit der Bezahlvorgang abgeschlossen werden kann?

Falls Sie dann doch noch Rückfragen haben, werde ich diese selbstverständlich beantworten.

Vielen Dank ***** ***** Grüße

Johann Schweißgut und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.