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Johann Schweißgut
Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1832
Erfahrung:  Psychotherapeut
75300426
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Johann Schweißgut ist jetzt online.

ich arbeite als rechtliche Betreuerin und habe daher viel

Diese Antwort wurde bewertet:

ich arbeite als rechtliche Betreuerin und habe daher viel Kontakt zu Menschen mit seelischer Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Außerdem interessiere ich mich sehr für die menschliche Psyche. Ich belese mich besispielsweise sehr viel aus Fachbüchern und besuche entsprechende Seminare. Es ist als rechtliche Betreuerin außerdem sehr wichtig zu wissen, an welchen Erkrankungen/Behinderungen meine Klienten leiden. Nur wenn ich die Symptome verstehe, weiß ich, wie ich unterstützend Hilfestellung leisten kann ohne jemanden z. B. zu überfordern.

Nun kenne ich seit einigen wenigen Jahren einen jungen Mann (Mitte 20). Diesen habe ich privat kennen gelernt. Es hat sich eine kleine Freundschaft entwickelt. Immer mehr wurde ich zum Mittelpunkt dieses Mannes, obwohl ich seit vielen Jahren in einer zufriedenen Partnerschaft lebe.

Der Freund entwickelte z. B. Eifersucht gegenüber anderen Freunden. Ich bin zur Hauptbezugsperson geworden. Ich drängte ihn daraufhin einen Psychologen aufzusuchen, bei dem er bereits 2x mal vorstellig wurde. Eine Therapie wird angestrebt.

Da ich eine Intelligenzminderung vermute (er scheint eine LRS zu haben und besuchte auch die Förderschule), stehe ich ihm natürlich mit meinem Fachwissen stes mit Rat und Tat zur Seite. Schnell merkte ich, dass er große Schwierigkeiten mit dem Durchsetzungsvermgen hat. So schloß er in der Vergangenheit z. B. fragwürdige Verträge, gab Schlüssel zum Prvatgelände fremden Menschen aus der Hand usw. Er brachte sich also mehrfach in unangenehme und gefährliche Situationen. Es ging bis dato so weit, dass er selbstständig beim Gericht einen Antrag auf Betreuung stellte. Ich denke, er benötigt professionelle Unterstützung. Natürlich ist es sein Wunsch, dass ich die Betreuung führe.

Nun bin ich kürzlich auf eine Erkrankung gestoßen, bei der 90% der Merkmale auf meinem Freund zutreffend sind: die depedente Persönlichkeitsstörung.

Mein Freund ist geplagt von Selbstzweifeln und besitzt kein Selbstwertgefühl. Alltagsentscheidungen kann er ohne fremde Hilfe nicht treffen. Er ist unterwürfig, und klammert sehr an mir. Die Angst, von mir "verlassen" werden zu können spricht er oft bei mir an. Außerdem kommt er ohne "Arschtritt" nicht voran.

Die Beschreibung der depedenten Persönlichkeitsstörung passt also ohne Zweifel und die Charaktereigenschaften meines Freundes.

Nun stelle ich mir die Frage, wie ich mit meiner Vermutung vorgehen soll. Ist es hilfreich, ihm davon zu erzählen? Ist es hilfreich, mich eventuell mit dem behandelden Psychologen in Verbindung zu setzen? Oder sollte ich gar nichts tun? Sollte ich mein Verhalten gegenüber meinem Freund ändern? Sollte ich ihn weiterhin unterstützen? Was passiert, wenn ich es nicht tue? Was kann ich tun, um ihm zu helfen?

Denn Menschen mit einer solchen Erkrankung leiden sehr unter ihren Druck und den Ängsten. Und auch ich war teilweise mit seinem Verhalten überfordert.

Vielleicht können Sie meine Gedanken verstehen und mir hier einen Rat geben. Ich bedanke ***** ***** und verbleibe
mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
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Vielen Dank ***** ***** Geduld.
Ihr JustAnswer Moderatoren-Team

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, vielen Dank, ***** ***** sich mit Ihrer Frage justanswer anvertrauen. Mein Name ist Johann Schweißgut

Guten Morgen,

vielen Dank für Ihre ausführliche Beschreibung. Es ist erkennbar, dass Sie sich viel und konstruktiv mit psychologiscen Themen beschäftigen.

Allerdings muss ich Sie an einer Stelle korrigieren. Eine Dependente Persönlichkeitsstörung ist keine Krankheit im Sinne der im Krankheits-Kathalog gelisteten Krankheiten. Es könnte deshalb für den Psychologen schwierig werden, mit der Krankenkasse abzurechnen. Meistens finden sich aber bei den Patienten auch noch andere Störungen, die dann als Krankheit behandelt werden können.

Ich gebe Ihnen darin recht, dass Ihr "Freund" wohl an einer Dependenten Persönlichkeitsstörung leidet. Das macht allerdings das Problem nicht kleiner, vielmehr wird es dadurch noch vergrößert. Denn eine solche Störung kann nach heutigem Stand der Erkenntnis nicht verändert oder erfolgreich "behandelt" werden. Was auch immer Sie oder der Psychologe oder andere machen - die Persönlichkeitsstörung bleibt.

Der junge Mann kann daher leider für Sie eine zunehmende Belastung werden. Deshalb möchte ich Ihnen empfehlen: Achten Sie auf sich selbst. Es besteht die Gefahr, dass er Sie "auffrisst".

Sie sollten versuchen, ihn parallel auch in andere Hände zu geben, damit die Last verteilt ist.

Regelmäßige Termine, die er beim Psychologen wahrnimmt, gehören dazu. Diese Behandlung wird wahrscheinlich keine wesentliche Veränderung bei der Persönlichkeitsstörung ergeben, aber er wird eine weitere "Bezugsperson" haben.

Es ist auch sinnvoll, den Gedanken an eine gesetzliche Betreuung für ihn umzusetzen. Allerdings sollten Sie selbst diese Betreuung auf keinen Fall annehmen, das würde Ihre Belastung unerträglich machen. Sie könnten ihm gegenüber argumentieren, dass die Betreuung durch eine neutrale Person erfolgen muss und Sie als seine Freundin dafür nicht geeignet seien.

Vielleicht kommen noch andere Betreungsansätze in Frage, z.B. Fördereinrichtung bei Schule und Beruf.

Wenn er diese neuen Bezugspersonen hat, dann können Sie Anliegen, die er an Sie heranträgt, dorthin verschieben. Sie könnten ihm sagen, dass die anderen beiden für bestimmte Dinge zuständig sind und damit Ihre Zuständigkeit dafür beendet sei.

Auf diese Weise sollten Sie versuchen, größeren Abstand zwischen ihnen herzustellen. Vielleicht wird es dann irgendwann sogar möglich sein, dass Sie eine Entscheidung treffen können, ob Sie die Beziehung ganz beenden. Denn solange die Beziehung besteht, wird er bei ihnen anhänglich wie ein Kind sein. Sie sollten dann irgendwann entscheiden, ob Sie bereit sind, diese Verantwortung weiter zu tragen.

Rückfragen beantworte ich selbstverständlich und gern.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in dieser Angelegenheit und alles Gute.

Kunde: hat geantwortet vor 3 Monaten.
Guten Morgen Herr Schweißgut,ich bedanke ***** *****ürlich recht herzlich für Ihre ausführliche Schilderung, auch wenn diese für mich nicht sehr zufriedenstellend ist. Ich trotz aller Schwierigkeit meinen Freund und Abstand gewinnen, bis hin zur Beendigung der Beziehung ist nicht gerade das, was ich mir gewünscht hätte. Dennoch erkenne ich die beschriebene Problematik und kann Ihnen nur zustimmen. Auffressen darf mich niemand. Und eine solche Freundschaft ist auch eigentlich keine Freundschaft!Mich wundert, dass die Erkrankung dependete Persönlichkeitsstörung keine gelistete Krankheit ist. Im ICD 10 ist sie als F60.7 abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung gelistet, oder bringe ich hier etwas durcheinander?Im zweiten Abschnitt schreiben Sie "Freund". Ich habe gelesen, dass Menschen mit dieser Erkrankung nicht in der Lage wären, Freundschaften zu führen. Sie würden sich nicht ernsthaft für die Bezugsperson(en) interessieren, sondern es ginge ihnen unbewusst nur darum, den Bezug zu erhalten um dadurch nicht alleine sein zu müssen. Meinen Sie dies damit? Auch schreiben Sie, dass diese Erkrankung nicht erfolgreich behandelt werden kann. Ich habe gelesen, dass die Erkrankung durch Gruppentherapien, Verhaltenstherapien gut zu bewäligen sei. Manche Betroffene erhalten sogar Medikamente. Ist das im Falle meines Freundes nicht so? Oder sind die Informationen einfach nur veraltet?Das ich strikte Grenzen und Konsequenzen bei meinem Freund benötige, ist mir vor einiger Zeit schon bewusst geworden. Und da er mich nicht verlieren will, hält er diese auch weitesgehend ein. Jedoch gerade in seiner Angst neigt er dazu, nochmehr zu klammern. Aber auch hier ziehe ich klare Grenzen. Die ich auch ziehen muss, denn wie eingangs erwähnt, lebe ich seit vielen Jahren in einer festen Partnerschaft.Ihren Rat, weitere Bezugspersonen zu involvieren und die Last somit zu verteilen, werde ich einhalten. Nun ist mein Freund berufstätig als Pflegehelfer in Vollzeit und verdient genügend Geld, um nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Welche Hilfsangebote gäbe es noch, ausser die Einrichtung einer Betreuung und der bereits behandelnde Psychologe. Sie sprachen hier Fördereinrichtungen an. Was sind das für Einrichtungen?Bitte entschuldigen Sie meine Nachfragen. Ich versuche nur, die Erkrankung und die betroffene Person zu verstehen. Denn das es doch so ernst ist, ist für mich erschreckend.Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Tag und verbleibemit freundlichen Grüßen

Guten Morgen,

diese und andere Persönlichkeitsstörungen gelten als nicht heilbar. Eine Therapie kann dann nur das Ziel haben, dem Betroffenen Strategien zu vermitteln, die ihm helfen, mit der Störung zu leben. Sie bleibt aber im wesentlichen unverändert erhalten. Beschönigend wird dann manchmal gesagt, die Therapieerfolge seien bescheiden, unabhängig von der Therapiemethode oder deren Kombinationen. Die klassische Einordnung solcher Störungen war: Das ist ein Dauerzustand und nicht heilbar und damit eine "Behinderung" und keine Krankheit. Bei den Diagnose-Katalogen ist in jüngerer Zeit eine Inflation von Krankheiten zu beobachten gewesen. Das steht neuerdings unter heftiger fachlicher Kritik sowohl im deutschen (DSM) wie auch im internationalen (ICD) Raum. Vermutlich stehen da in absehbarer Zeit Änderungen an. Sie haben da also nichts verwechselt, ich habe bei meiner ersten Antwort den Fehler gemacht, nicht differenziert genug zu formulieren.

Eine Beziehung als Freund in Augenhöhe mit seinem/r Freund/in ist ihm leider nicht möglich. Seine Beziehung sind durch seine emotionale Abhängigkeit geprägt. Es geht also darum, ausschließlich für die eigene emotionale Versorgung einen Menschen verfügbar zu haben, die Gefühle dieses Menschen interessieren nicht und werden auch nicht wirklich wahrgenommen.

Ich wusste und weiß ja nicht, wie weit er in seiner Lebensführung beeinträchtigt ist. Sie schreiben jetzt, dass er berufstätig ist und seinen Unterhalt selbst erarbeitet zeigt eine gewisse Selbstständigkeit. Im Übrigen gibt es Einrichtungen für dauerhafte Betreuung für psychisch Behinderte, die manchmal eine hilfreiche Alternative sein können. Ob das für ihn infrage käme, kann ich natürlich von hier aus nicht beurteilen.

Ich konnte und kann auch nicht beurteilen, wie groß Ihre persönliche Belastbarkeit ist. Wenn es Ihnen auf die Dauer gelingt, sich nicht "auffressen" zu lassen, können Sie durchaus eine für ihn entlastende "Freundin" sein. Ich möchte Ihnen allerdings empfehlen, auf sich selbst zu achten. Die Grenze zum "Aufgefressen werden" sind fließend und manchmal kaum wahrnehmbar.

Ich kann Ihnen leider nicht mehr Hoffnung machen. Dennoch hoffe ich, dass ich Ihre Fragen jetzt zu Ihrer Zufriedenheit beantworten konnte.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Kunde: hat geantwortet vor 3 Monaten.
Sehr geehrter Herr Schweißgut,ich gebe Ihen absolut Recht bzgl. Ihrer Bedenken und werde mit dem Hintergrundwissen nun noch deutlicher auf mich achten. Weiterhin werde ich versuchen, andere Bezugspersonen zu involvieren. Und als letzten Schritt werde ich natürlich Abstand nehmen, sollte meine Belastbarkeit nicht genügen. Ich habe - auch durch meinen Beruf - Verantwortung für andere Menschen. Und dieser möchte und muss ich in jedem Fall nachkommen. Für Ihren Rat möchte ich mich daher herzlichst bedanken.Ich gebe Ihnen dahingehend Recht, dass diese Persönlichkeitsstörung eher als Behinderung einzustufen wäre.Eine Nachfrage ergibt sich jedoch noch für mich: Ist es ratsam, meinem Freund mit der Behinderung zu konfrontieren? Einerseits ist es vielleicht sinnvoll, damit er sich selbst versteht und sich mit der Behinderung auseinandersetzen kann. Oder meinen Sie, es würde niemanden helfen und ich sollte es vollständig dem behandelnden Arzt überlassen? Dieser wird hoffentlich ebenfalls mit ihm Hilfsmöglichkeiten besprechen.Ich bedanke ***** *****ür Ihre letzte Rückmeldung, wünsche ein schönes Osterfest und verbleibemit freundlichen Grüßen

In diesem Zusammenhang könnte ein Psychologe vor Ort sehr gut wirksam werden. Wenn er bei einen fachkundigem Arzt (Psychiater) in Behandlung ist, kommt dieser ebenfalls infrage. Ich meine also, dass Sie diese heikle Aufgabe der Aufklärung diesen Behandlern überlassen sollten. Wenn Sie es machen, könnte das Ihre Beziehung unnötig belasten.

Ihnen ebenfalls ein gutes und entspannendes Osterfest.

Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1832
Erfahrung: Psychotherapeut
Johann Schweißgut und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.