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BJnD8
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1330
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Mit meinem Ehemann haben wir große Kommunikationsprobleme

Diese Antwort wurde bewertet:

Mit meinem Ehemann haben wir große Kommunikationsprobleme. Ich hatte mir bereits professionelle Hilfe geholt, da ich herausfinden wollte, welche Muster und Prägungen meinerseits dafür verantwortlich sind, und daraufhin auch versucht, mein Verhalten entsprechend zu ändern. Mein Ehemann sieht oft alles und alle negativ, seit geraumer Zeit auch mich - wenn ich was tue, ist es falsch (oder er fühlt sich ungenügend, weil er es nicht getan hat), wenn ich nichts tue oder eine Aufgabe nicht sofort erledige, dann "ist da ja wieder typisch". SElbst wenn ich ihm etwas freundliches sage, wird dies als Vorwurf interpretiert. Gleichzeitig hat mein Ehemann eine beginnende Schwerhörigkeit, die unsere Kinder, Freunde und Verwandte wahrnehmen, die er aber nicht akzeptiert und mich dann immer beschuldigt, ich würde so undeutlich sprechen.
Ich habe seine Vorwürfe lange Zeit ohne große Reflexion akzeptiert und immer gedacht, ich muss nur "lieb" sein und das hinnehmen und mich damit auch ein Stück weit ihm überlegen gefühlt, da ich ja so großzügig bin... Das habe ich nun aufgearbeitet und daraufhin auch mein Verhalten angepasst. Das führt jetzt natürlich zu massiven Problemen, weil ich jetzt viel mehr meine Meinung sage (auch abweichende Meinungen, durch die er sich leider sofort persönlich angegriffen fühlt) und seine negativen Ausbrüche und Bewertungen mir und oft auch unseren Kindern gegenüber nicht mehr akzeptiere.
Das negative Muster, das hier dahinter steckt, ist m.E. in seiner Kindheit begründet. Er wurde von seinem Vater nicht akzeptiert, hat seit 13 Jahren keinen Kontakt mehr mit ihm, die Mutter hatte sich untergeordnet, und war wohl in den Anfangsjahren, aber später nur wenig offen für ihn und hatte ihm nach eigener Aussage "nie wirklich zugehört". Seinem Vater konnte er es niemals recht machen. Der Vater war noch vor 14 Jahren bei unserer Hochzeit, hat dann aber noch nicht mal zur Geburt unserer ersten Sohnes gratuliert, der meinen deutschen Nachnahmen erhielt und nicht den arabischen meines Mannes (der halb Deutscher, halb Araber ist). Besonders extrem geworden ist das Verhalten meines Mannes nach einem Anlass, der sich vor 12 Monaten ergab. Sein 10 Jahre jüngerer Bruder, um den wir uns in schwierigen Situationen (Jobverlust, der Bruder leidet an phasenweise an Depressionen, lässt sich aber nicht professionell behandeln, Freundin verloren usw.) immer wieder gekümmert und ihn sogar mehrmals bei uns in der Wohnung aufgenommen haben, kam von einem Besuch beim Vater, der gerade ein Haus für 1 Mio. verkauft hatte und mit dem der Bruder eine enge Verbindung pflegt, und sagte dann, er solle meinem Mann den Vorschlag des Vaters überbringen, 100.000 Euro vom Erbe vorzeitig zu akzeptieren und dafür auf alles andere zu verzichten. Sei ja ohnehin so kompliziert (der Vater lebt in Jordanien) usw. Das Angebot war zwar schmerzhaft für meinen Mann, aber er hätte es akzeptiert, unter der Bedingungen, dass der Vater ihm seine persönlichen Gegenstände aus der Kindheit und Jugend, Geschenke der Mutter (die schon lange verstorben ist) und der Großeltern zukommen lässt. Dabei stellte sich heraus, dass der Vater wohl zusammen mit dem Bruder beim Umzug all diese Gegenstände und Erinnerungen vernichtet hat. Das hat meinen Mann sehr getroffen, er fühlte sich "vernichtet", "aus dem Leben getilgt", so seine Worte - er hat dies aber nur genau 1 Mal mir gegenüber artikuliert und dann wenige Tage später behauptet, er habe dies jetzt alles verarbeitet und jetzt sei alles wieder gut. Sein Verhalten hat sich danach aber wie gesagt, stark verändert.
Ich habe den Verdacht, durch dieses Ereignis sind seine Verletzungen aufgebrochen und überfluten ihn regelrecht. Er projiziert das aber leider alles auf mich, will das aber natürlich nicht einsehen. Leider ist er auch sehr verschlossen und wirkt auf mich wie ein gepanzerter Igel, er äußert keinerlei Gefühle mehr (auch keine positiven mir gegenüber), sagt immer " es geht mir gut", und lässt niemanden an sich ran. Mit seinen früheren Freunden hat er den Kontakt ohnehin aufgegeben, die hatten alle irgendwie in seinen Augen einen Fehler. Wenn das so weiter geht, würde dies unsere Beziehung definitiv zerstören, wenn das so weiter geht, weil ich das nicht aushalten kann, obwohl ich ihn sehr liebe (und sehr lange kenne, seit dem Studium). Ich möchte absolut nicht ausschließen, dass ich auch viele Fehler mache und dass meine Muster mit seinen in unguter Weise interagieren. Dass Kommunikation zweiseitig ist, ist auch klar.
Nun würde ich ihm gerne meine Beobachtungen mitteilen und ihn auch bitten, das zu bearbeiten. Das klappt aber nicht, weil er kein Gespräch zulässt und sofort sagt, ich sei ja schuld an allem und müsse mich einfach nur bessern, dann werde alles gut.
Haben Sie einen Rat für mich, wie ich das angehen kann ? Ein Gespräch mit einem Paartherapeuten vorschlagen ?? Danke ***** ********

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, vielen Dank, ***** ***** sich mit Ihrer Frage justanswer anvertrauen. Mein Name ist Johann Schweißgut

Guten Tag.

vielen Dank für die ausführliche Beschreibung Ihre Problems.

Darf ich trotzdem noch etwas nachfragen?

Sie schreiben, dass sie 47 Jahre alt sind - wie alt sind Ihr Mann und Ihre Kinder und wie ist deren Altersreihenfolge und Geschlecht?

War das Verhalten Ihres Mannes vom Anfang Ihrer Beziehung an in dieser Art? Falls nicht, wann etwa haben Sie die ersten Anzeichen dieses Verhaltensmusters wahrgenommen?

Hat Ihr Mann noch irgendeinen Kontakt zu seinem Geburtsland (?) Jordanien? Wie steht er zu seiner Herkunft - "unabhängig" von der Beziehung zu seinen Eltern? Wie stehen Ihre Kinder zur Herkunft Ihres Vaters?

Vielen Dank ***** ***** für Ihre Ergänzungen.

Kunde: hat geantwortet vor 5 Monaten.

Lieber Herr Schweißgut, vielen Dank für Ihre Nachfragen.
Mein Mann ist 48 Jahre alt, unsere Jungs sind jetzt 11 und 13, er hat noch einen Sohn aus einer Studentenbeziehung die sehr rasch zerbrach, der teilweise bei uns aufgewachsen ist und jetzt 24 Jahre alt ist und mich als eine Art mütterliche Freundin sieht. Wir finanzieren sein Studium und seinen Lebensunterhalt voll, da die Mutter wenig Geld hat.
Mein Mann hat keinerlei Beziehung zu seinem Vaterland Jordanien (sein "Mutterland" ist ja Deutschland). Er will auch mit den Jungs und mir nicht hinfahren. Er war über 15 Jahre nicht mehr dort (ich interessanterweise schon: beruflich). Ich hätte gerne gehabt, dass die Jungs Jordanien und die Familie kennen lernen, aber das lehnt er ab und das kann ich akzeptieren. Unsere Kinder sind nicht zweisprachig aufgewachsen, denn mein Mann wollte das nicht. Er hat auch arabisch erst als 3. Sprache mit ca. 9 Jahren gelernt. Vorher Deutsch (in der Familie) und Englisch in Kindergarten und Schule in Qatar, wo seine Familie einige Jahre gelebt hat. Er fühlt sich in der Sprache nicht sicher und sprach auch mit dem Bruder (der ist 38) nur Deutsch. Meine Söhne finden es interessant, dass sie Viertel-Araber sind, in ihren Schulklassen sind ja andere Kinder mit solchem Hintergrund. Sie finden es nur schade, dass sie ihren 2. Opa nicht kennen, denn zu meinen Eltern und meiner Familie und Geschwistern haben wir und sie einen sehr guten Kontakt.
Das Verhalten meines Mannes war nicht von Anfang an so - erst mit den Jahren und früher eigentlich nur, wenn er beruflichen Stress hatte. Er hat übriges auch massive Schlafstörungen, das aber auch schon seit Jahren, das ist jetzt seit einiger Zeit massiver geworden. Er liegt oft nachts mehrere Stunden wach oder ist gegen 4 oder 5 Uhr wach und dann natürlich abends entsprechend erschöpft.
Ich hoffe, das hilft weiter ?
Herzlichen Dank im Voraus und beste Grüße ***

Vielen Dank, ***** ***** tatsächlich für mein Verständnis sehr hilfreich.

Sie haben offenkundig über die Probleme in Ihrer Beziehung und über Ihren Mann sehr viel nachgedacht und reflektiert. Dadurch haben Sie einen sehr differenzierten Blick auf die Situation und können sie gut beschreiben.

Sie waren wohl über viele Jahre eine sehr duldsame Ehefrau. Als sich das in der jüngeren Vergangenheit änderte, haben sich die Probleme folgerichtig verschärft. Ihr Mann könnte sicher entspannter leben, wenn seine Frau alles macht und nichts sagt.

Was ihn angeht, möchte ich als erstes sagen: Er hat offenkundig schwere psychische Probleme. Das zeigt sich nicht nur an seinem Verhalten Ihnen gegenüber, sondern noch viel stärker an seiner Schlafstörung. Sie haben ein gutes Bild dafür gewählt: Irgendwann haben ihn seine Probleme aus seiner Herkunftsfamilie überschwemmt, er schwimmt noch, aber er hält sich nur sehr mühsam und mit viel Energieaufwand über Wasser.

Ich kann verstehen, dass Sie verzweifelt einen Weg suchen, mit ihm darüber zu kommunizieren. Auch von außen betrachtet sieht das nahezu aussichtslos aus. Deshalb möchte ich kurz meine Gedanken zu den Ursachen beschreiben. Zum Teil sind es wohl die selben wie Ihre Gedanken dazu.

Ganz allgemein scheint mir nicht unwichtig, dass er 1/2 Araber ist. Die Tradition der "Herrschaft des Mannes" ist in der arabischen Geschichte und Kultur noch viel stärker verankert als in der europäischen. Das zeigt sich an seinem Vater ebenso wie an ihm.

Er hat zwar oberflächlich betrachtet mit seiner Familie gebrochen, aber die Bindungen sind auf einer tieferen Gefühlsebene sehr stark. Umso mehr schmerzt ihn der Abbruch der Kontakte und vor allem die Vernichtung seiner Erinnerungsstücke.

Aber der Schmerz darf nicht gezeigt werden. Ein arabischer Mann zeigt keine "Schwäche". In der alten arabischen Tradition wäre das lebensgefährlich. Also schweigt er.

Seine Erfahrungen aus seiner Herkunftsfamilie überträgt er dennoch 1 zu 1 auf seine eigene Familie. Er verhält sich wie sein Vater (dem er das selbe Verhalten zum Vorwurf macht), kann das aber nicht reflektieren, weil er dann auch seine Beziehung zu seinem Vater reflektieren müsste.

Ich habe das jetzt so beschrieben, weil ich deutlich machen möchte, dass es auch von außen betrachtet schwierig ist, einen Weg aufzuzeigen. Ich denke, dass er langfristig gesehen eine Psychotherapie braucht. Aber kurzfristig wird er sicher nicht dazu bereit sein. Ich fürchte, er wird bei jedem Vorschlag, den Sie machen, zunächst ablehnen.

Aber Sie müssen auch an sich und die Kinder denken.

Deshalb sollten Sie versuchen, ihm deutlich zu machen, dass Sie mit dieser Situation nicht mehr klar kommen. Stellen Sie Ihr Problem der Hilflosigkeit mit der Lage in den Vordergrund. Das kann Sie auch ohne Vorwurf gegen ihn. Und schlagen Sie auf dieser Grundlage eine Paarberatung vor. Als Ziel könnten Sie nennen, dass Sie besser mit der gegebenen Lage umgehen können.

Vielleicht ergibt sich auf diesem Wege eine Gelegenheit, dass der Paarberater ihn auf die Möglichkeit einer Psychotherapie hinweist. Oder Sie können das im geschützen Rahmen der Paarberatung selbst ansprechen.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg. Rückfragen beantworte ich selbstverständlich und gern.

Freundliche Grüße

BJnD8 und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 5 Monaten.
Lieber Herr Schweißgut, vielen Dank für Ihre hilfreiche Antwort. Sie haben mir in der Tat einen guten Denkanstoß gegeben mit Ihrem Hinweis auf die kulturelle Prägung. Das hatte ich noch nicht so betrachtet, weil mein Mann sehr stark seine "deutsche" Seite betont. Er verhält sich auch in vielem sehr gleichberechtigt, im Haushalt usw. Wobei ich auch schon manchmal dachte, dass er seinem Vater ähnlicher ist im Verhalten als man meinen sollte. Er hatte übrigens bereits mit Ende 20 eine kürzere Gesprächstherapie absolviert mit einer Psychotherapeutin (damals waren wir noch nicht zusammen) und ich glaube, das hatte ihm auch vorübergehend geholfen, denn als wir dann zusammenkamen mit Anfang 30, da war er noch viel entspannter und mehr mit sich und der Welt im Reinen. Er erzählte mir, er habe sich damals immer so traurig gefühlt und daher diese Therapie gemacht. Ich werde ihn darauf ansprechen in einer ruhigen Minute und ihm einen Besuch bei einem Paartherapeuten vorschlagen. Als ich ihm neulich sagte, dass mich sein Verhalten fertig macht und dass es viellicht Sinn macht, sich zu trennen, bzw. warum er sich dann niemand anderen sucht, wenn er mich so wenig wertschätzt, da ist er übrigens sehr erschrocken und er gibt sich jetzt viel Mühe. Trotzdem kann das jeden Moment kippen und das macht es so anstrengend. Aber ich denke, so etwas zu sagen ist ein Fehler, oder was meinen Sie ? Mir ist das im Zorn so rausgerutscht - aber ganz fair ist das ja nicht, denn ich habe sein Verhalten auch viel zu lange zugelassen. Es hat sich so schleichend verändert und auch nicht linear, das macht es ja so schwierig, die Sache richtig einzuschätzen. Und meinen Sie, es macht Sinn, auch einen unserer gemeinsamen Freunde / Bekannten darauf anzusprechen und ihn zu bitten, ob er nicht mal mit ihm sprechen kann ? Oder ist das nicht sinnvoll ? Es handelt sich um einen etwas älteren, "väterlichen" Freund von uns, der selber sehr reflektiert ist. Danke ***** ***** und viele Grüße, E. Richter

Mit dem "väterlichen" Freund erscheint mir riskant, Ihr Mann könnte das als Vertrauensbruch Ihrerseits ansehen, wenn Sie derart Privates aus der Familie nach außen tragen. Es müsste daher ein Freund sein, dem Ihr Mann selbst in der Vergangenheit schon Privates anvertraut hat. Aber es bleibt ein Risiko.

Es ist richtig gewesen, dass Sie ihn auf die Möglichkeit einer Trennung hingewiesen haben. Es hatte ja auch einen positiven Effekt. Aber so etwas kann man nur einmal machen.

Der Vorschlag einer Paarberatung scheint mir das beste zu sein. Wenn er schon Psychotherapieerfahrung hat, wird er vielleicht einem entsprechenden Vorschlag des Beraters offen gegenüber sein.