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Johann Schweißgut
Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1962
Erfahrung:  Psychotherapeut
75300426
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Johann Schweißgut ist jetzt online.

Hallo, seit einem Jahr bin ich wieder mit meinem Ex-Partner

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo,
seit einem Jahr bin ich wieder mit meinem Ex-Partner zusammen. Wir sind beide Mitte 30 und hatten eine neunjährige Beziehung, waren dann fünf Jahre getrennt und haben im letzten Jahr wieder zueinander gefunden. Grundsätzlich sind wir glücklich miteinander und lieben uns. Wir haben gemeinsame Interessen, gemeinsame Ziele und schöne Pläne für die Zukunft, die auch gut zueinander passen. In den Jahren, die wir getrennt waren, haben wir stets Kontakt gehalten und einander auch vermisst.
Allerdings ergeben sich immer wieder schwerwiegende (Kommunikations)schwierigkeiten in unserer Beziehung und ich bin ratlos, wie ich damit umgehen kann:
- das Äußern von Kritik ihm gegenüber ist nahezu unmöglich, auch wenn diese rhetorisch geschickt verpackt wird und konstruktiv ist (also keine Anklagesätze etc.); er wird fast sofort aufbrausend, dramatisiert ("ja ich bin ja sowieso immer der Böse... mit mir kann man es nicht aushalten.. ich bin halt so...in jeder Beziehung habe ich immer dasselbe Drama"...usw.)
- schon Kleinigkeiten bringen ihn in Rage, er wird sofort laut, äußert Vorwürfe
- er hat permanent körperliche Beschwerden, in die er sich dann auch massiv hineinsteigert (täglich Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen...er sagt, das kommt von seiner beruflichen Tätigkeit...wenn diese Beschwerden auftreten, steht er teilweise nachts immer wieder auf und macht Rückenübungen, falls ich mich dann beschwere, dass er zu laut ist und mich aufweckt, reagiert er sofort beleidigt und greift mich an "Was kann ich denn dafür, dass ich solche Schmerzen habe?! Du hast ja keine Probleme und liegst hier nur rum und schläfst!")
- er ist kaum belastbar, schon kleine Unwägbarkeiten verursachen ihm großen Stress (z.Bsp. ein Fehlkauf führte zu tagelangen Diskussionen und Frustanfällen)
- er überreagiert teilweise massiv (eine Kritik an einer Bemerkung von ihm in einem sozialen Netzwerk führte dazu, dass er mich aus der Kontaktliste entfernt hat)
Ich bin hilflos und weiß nicht, wie ich auf solche Vorfälle reagieren soll. Wenn ich sauer werde und argumentieren will, wird er noch wütender und anklagender, wenn ich weine, weil es mich traurig macht, sagt er Dinge wie "ja ich bin so ein böser Mensch und bringe alle zum Weinen...ich muss ja ein Monster sein...dann lassen wir das am Besten, wenn du wegen mir immer weinen musst"...etc.
Im Anschluss an solche Episoden beruhigt er sich schnell und sucht die Versöhnung, entschuldigt sich zwar, möchte aber die Situation nicht besprechen, sondern es soll einfach "alles wieder gut sein". Im Alltag ist er ein sehr lustiger, charmanter, gutmütiger und liebesbedürftiger Mensch, der sportlich und unternehmungslustig ist und auch gerne kuschelt. Er feiert auch gerne und trinkt manchmal recht viel.
Ich kann mir vorstellen, dass hier eine Persönlichkeitsstörung zugrunde liegt...evtl. auch ein Burnout? Er ist in seinem Job eher unzufrieden, fühlt sich überlastet, möchte aber nicht wechseln, da er schon so lange in diesem Unternehmen ist (aus Angst vor etwas Neuem?).
Wie ist Ihre Einschätzung? Welche Maßnahmen erscheinen Ihnen sinnvoll? Ich freue mich auf Ihre Inputs!

Sehr geehrte Kundin,

guten Tag und vielen Dank, ***** ***** sich mit Ihrem Problem justanswer anvertrauen.

Sie beschreiben eine sehr schwierige Situation mit ihrem Freund.

Ich Freund hat offenbar eine sehr schwierige Persönlichkeit. Er reagierft sehr empfindlich auf Kritik und fühlt sich leicht überfordert. Ich kann ja hier keine Diagnosen machen, weil ich den Betreffenden nicht persönlich untersuchen kann. Aber aus Ihrer Beschreibung ergibt sich für mich durchaus der Verdacht, dass er an einer psychischen Störung, wahrscheinlich an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Sein Verhalten zeigt deutliche narzistische Züge.

Wenn es sich um eine derartige Störung handelt, dann muss man auch davon ausgehen, dass er aus eigener Kraft dieses Verhalten nicht unter Kontrolle bringen kann. Er wird es nicht durch eigene Motivation oder durch seinen Willen verändern können.

Vielleicht sollten Sie versuchen, bei günstiger Gelegenheit mit ihm darüber zu sprechen, dass es für solche Probleme psychotherapeutischen Hilfen gibt, die er in Anspruch nehmen könnte. Ich vermute, seine Bereitschaft wird nicht sofort da sein, aber mit ein wenig Geduld können Sie ihn vielleicht dafür motivieren.

Sie werden sicher Rückfragen haben. Schreiben Sie sie mir hier, ich werde sie selbstverständlich beantworten.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Freundliche Grüße

Kunde: hat geantwortet vor 3 Jahren.
Hallo Herr Schweißgut,vielen Dank für Ihre Antwort. Das Wort "Narzissmus" geistert mir öfter durch den Kopf, wenn ich meinen Freund so beobachte...ich finde es schade und traurig, dass er offenbar in seinen Strukturen so gefangen ist. Er ist ein sehr ich-bezogener Mensch, das ist mir schon häufig aufgefallen. Ich bin mir zudem aber auch ganz sicher, dass er keinem etwas Böses will und ich glaube auch, dass er mich sehr liebt.Ich denke es ist eine gute Strategie, zuerst einmal eine Paarberatung zu besuchen...die Therapeutin dort wird dann hoffentlich Lösungsansätze finden und ggf. auch für die Partner einzeln entsprechende Maßnahmen vorschlagen. Vielleicht kommen wir so auf einen guten Weg.Einige Fragen habe ich noch an Sie:
- Wie soll ich im Moment bei Auseinandersetzungen am besten reagieren? Rückzug, Konfrontation oder sollte ich Auseinandersetzungen am besten ganz vermeiden?
- Ich glaube wirklich, dass mein Freund eine Persönlichkeitsstörung hat, bzw. hat sein Verhalten für mich ganz klar unnormale und ungesunde Züge - sollte ich ihm das ehrlich sagen? Ich habe die Befürchtung, ein solches Gespräch könnte leicht eskalieren.
- Gibt es generell Strategien im Umgang mit leicht reizbaren Personen/Narzissten?
- Glauben Sie, dass es möglich ist, mit einem Menschen, der diese Züge aufweist, dauerhaft eine glückliche Beziehung zu führen? Wie sind die Erfolgsaussichten von therapeutischen Maßnahmen, wenn jemand eine narzisstische Störung hat? Kann das Verhalten so weit angepasst werden, dass irgendwann eine Konfliktfähigkeit und -kompetenz erreicht wird?Ich freue mich auf Ihre Nachricht. Herzliche Grüße,Frau L.

Guten Tag,

ja, versuchen Sie es mit einer Paarberatung, das wäre eine Chance.

Zu Ihren weiteren Fragen:

Ich befürchte, dass Sie Auseinandersetzungen nicht vermeiden können. Ein narzistisch veranlagter Menschen reagiert bei leisester Kritik oder leisestem Zweifel an ihm. Für einen normalen Menschen sind das Standardäußerungen im gemeinsamen Alltag, für ihn sind sie eine schwere Verletzung und Beleidigung. Deshalb denke ich, Sie können meistens gar nicht vorausahnen, ob eine Aussage eine Auseinandersetzujng hervorruft.

Wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt, halten Sie sich zurück und schweigen Sie. Jede Art von Widerspruch oder gar Konfrontation führt zu weiterer, fruchtloser Exkalation. Denn es ist in so einem Moment unmöglich, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.

Eine solche generelle Strategie zur Verhinderung von Auseinandersetzungen kann allerdings keine Partnerin auf die Dauer durchhalten, sie müsste sich dafür gewissermaßen selbst aufgeben.

Ich muss Ihnen recht geben, wenn Sie sein Verhalten als unnormal bezeichnen, verschärft das die Auseinandersetzungen erheblich. Überlassen Sie solche Rückmeldungen an ihn dem Paarberater.

Wenn ich davon ausgehe, dass er ein Narzist ist, dann ist die Prognose nicht sehr günstig. Ich kann nicht beurteilen, wie ausgepägt die Persönlichkeitsstörung bei ihm ist. Bei leichten Fällen kann eine Therapie zu einer Abschwächung der Störung führen, aber nur, wenn der Betreffende sich auf die Therapie einlässt. In schweren Fällen hat auch eine Therapie keine Aussichten auf Erfolg.

Die Chancen für eine glückliche Beziehung hängen also von dem Ausprägungsgrad der Störung. Ein wichtiges Kriterium ist, ob der Narzist in der (Paar-)beratung sich wirklich einlässt und die Hilfen der Beraterin annimmt. In so einem Falle halte ich eine relativ stabile Beziehung zum Wohle von beiden Partnern für möglich, es bleibt aber eine schwierige Beziehung. Wenn sich in der Beratung zeigen sollte, dass er vollkommen uneinsichtig ist und sich nichts annimmt, dann glaube ich, dass eine Partner nur zufrieden in der Beziehung sein kann, wenn sie in der Lage ist, sich selbst aufzugeben und sich zu 100 % nur auf ihn einzustellen. Ob das dann aber für die psychische Gesundheit der Partnerin eine günstige Lebenssituation ist muss bezweifelt werden.

Johann Schweißgut und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 3 Jahren.
Hallo,vielen Dank :-) Herzliche Grüße...