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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Hallo, Guten Tag, Mein Name ist Regina. Mir wurde von einem

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo, Guten Tag,
Mein Name ist Regina.
Mir wurde von einem Psychologen bestätigt, daß ich unter emotionaler Abhängigkeit leide.
In Beziehungen und Partnerschaften kann ich nicht loslassen und klammere sehr.
Was kann ich dagegen tun? Kann ich es alleine schaffen? Wenn ja- wie?
Sehr geehrte Fragestellerin,
emotionale Abhaengigkeit ist ja keine wirkliche Diagnose. Meist umschreibt man damit die Angst davor, abgelehnt zu werden oder alleine zu sein. Die Angst vor Ablehnung ist eng mit der Selbstablehnung verbunden. Je mehr man sich selbst ablehnt, je mehr man sich für minderwertig oder nicht liebenswert haelt, je mehr man an seinem eigenen Wert zweifelt, umso groesser ist die Angst vor Ablehnung, umso mehr leidet man unter der negativen Bewertung durch seine Mitmenschen und umso schmerzlicher empfindet man diese Ablehnung.

In den meisten Fällen entsteht die Angst vor Ablehnung schon in der Kindheit, genauer gesagt in den ersten 7 Lebensjahren. In dieser Zeit lernt man oft:

  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich perfekt bin.

  • Ich bin nur liebenswert, wenn ich mich richtig verhalte.

  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich eine gute Leistung bringe.

Wenn man von den Eltern nur angenommen oder geliebt wird, wenn man sich so verhaelt, wie sie es sich wünschen, und sie einen ablehnen, wenn man sich anders verhaelt, dann lernen man, dass man nur gemocht wird, wenn man tut, was andere verlangen. Tue ich, was ich will, stoße ich auf Ablehnung.

Dabei reicht es schon, dass man als Kind den Eindruck hat, nicht bedingungslos gemocht zu werden. Es müssen keine Worte fallen und man muss nicht geschlagen werden, um das Gefühl zu haben, nicht in Ordnung zu sein und abgelehnt zu werden. Schon ein strafender oder tadelnder Blick reicht oft, um sich in Lebensgefahr zu sehen. Oder die Krankheit und Abwesenheit eines Elternteils, die vom Kind als Ablehnung interpretiert wird.

Warum nimmt man sich als Kind solche Worte so zu Herzen und warum reagiert man als Erwachsener immer noch so verängstigt? Als Kind weiss man, dass man völlig abhängig von der Zuwendung und Fürsorge der Eltern ist. Ohne sie kann man nicht überleben. Eine Ablehnung empfinden Kinder immer als ein lebensgefaehliches Verlassen oder Verstossen werden. Und das kommt für ein kleines Kind gefühlsmäßig einem Todesurteil gleich.

Als Erwachsener hängt das Leben nicht mehr vom Urteil anderer Menschen ab. Dennoch empfindet man bei Ablehnung reflexartig so, wie das kleine Kind, das seinen Eltern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war, denn man traegt immer noch das kleine veraengstigte Kind in sich, das eine Ablehnung als existenzielle Bedrohung oder Todesurteil empfindet. Darum klammert man als ob das eigene Leben davon abhaengt - denn so fuehlt es sich ja an.

Eine andere Lektion in der Kindheit und Jugendzeit bestand vielleicht darin, auf sehr persönliche und verletzende Weise auf Fehler und Schwächen aufmerksam gemacht worden zu sein. Wenn man sich häufig anhören muss: Du taugst nichts. Du bist ein Tollpatsch. Du bist so was von blöd. Wegen dir muss man sich schämen. - dann glaubt man das irgendwann und lernt, an sich selbst zu zweifeln und wenig Selbstvertrauen zu entwickeln. Man hat Angst davor als Mensch und in Beziehungen zu versagen, nicht zu genügen und abgelehnt zu werden. Darum versucht man staendig "zu beweisen", dass man gut genug ist.

Und oft hatten auch Erfahrungen mit Spiel- und Schulkameraden einen Einfluss auf die seelische Entwicklung. Vielleicht wurde man in der Schule gemobbt. Vielleicht wurden man durch körperliche oder persönliche Auffälligkeit zur Zielscheibe von Spott und Hänseleien, die weiter am Selbstwertgefühl genagt haben und von denen man sich bis ins Erwachsenenalter nicht erholt hat.

Wenn wir lernen, unseren Selbstwert und damit unser Selbstwertgefuehl zu stärken, dann machen wir uns unabhängiger von der Reaktion anderer und erleben eine Ablehnung nicht mehr als Todesurteil. Eine Ablehnung ist dann nur noch bedauerlich und schade, aber nicht mehr bedrohlich. Und damit verlieren wir unsere Angst vor der Ablehnung.

Wichtig ist auch sich zu fragen über wen die Ablehnung etwas aussagt. Über den Abgelehnten oder den Ablehnenden? Letztlich eigentlich nur über den Ablehnenden. Seine Ablehnung ist Ausdruck seiner Werte, seiner Ansichten, seiner Moral, seines Geschmacks, seiner Weltanschauung, seiner Glaubenssaetze.

Wenn man ein modernes Gemälde oder eine bestimmte Musikrichtung schrecklich findet, bedeutet das nicht zwangslaeufig, dass dieses Bild oder diese Musik wertlos sind. Wahrscheinlich gibt sogar es viele Menschen, denen dieses Gemälde oder diese Musik gefällt. Folglich sagt die Ablehnung nichts über den Wert oder die Qualität des Bildes oder der Musik aus, sondern lediglich etwas über den Geschmack der betreffenden Person.

Die meisten Menschen, die in Beziehungen klammern, haben irgendwann in ihrem Leben entschieden, dass sie minderwertig, nicht liebenswert, unwichtig oder wertlos sind, wenn sie alleine sind. Darum setzen sie alles daran, nicht alleine zu sein, denn dann koennen sie vermeiden, sich so zu fuehlen. Oft fuehrt das dazu, dass sie versuchen, anderen deren Wuensche und Beduerfnisse vom Gesicht abzulesen und oft entsprechend handeln bevor ein Wunsch ausgesprochen wurde. Oder, dass sie sich nie eigene Beduerfnisse goennen, denn das koennte ja dazu fuehren, dass die andere Person einen als Last empfindet und verlaesst.
Oft leben Menschen, die diese Schlussfolgerung gezogen haben, in staendiger Angst, etwas falsch zu machen und darum verlassen zu werden. Diese Menschen sind auch bewundernswert sensibel und haben ein riesengrosses Einfuehlungsvermoegen, was sie zu wunderbaren Freunden macht. Andererseits, werden sie auch oft ausgenutzt.
Was kann man jetzt tun, um diese Angst loszuwerden? Eine kognitive Verhaltenstherapie zeigt oft recht gute Erfolge, denn da findet man heraus, warum man diese Schlussfolgerung gezogen hat (Allein = Wertlos), und kann diese Glaubenssaetze dann herausfordern und aendern. Es gibt dazu auch Buecher und online Programme, die hilfreich sein koennten, wie Z.B.

Gedanken verändern Gefühle: Fertigkeiten, um Stimmungen, Verhalten und Beziehungen grundlegend zu verbessern von XXXXX XXXXXberger, Christine A. Padesky, Theo Kierdorf und Hildegard Höhr von Junfermann (Oktober 2007).


oder www.novego.de

 

 

Hier finden Sie Informationen zur Kognitiven Verhaltenstherapie, die sich als die hilfreichste Therapieform fuer diese Art von Problem gezeigt hat. Wenn Ihr Psychologe also etwas anderes benutzt, dann schadet das natuerlich nichts, hilft moeglicherweise aber auch nicht effektiv:

http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-kognitive-verhaltenstherapie.491.de.html

 

 

Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort weiterhilft. Fuer Nachfragen stehe ich natuerlich gerne zur Verfuegung.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.



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