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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Liebeskummer-Beziehung sabotiert wegen PTSD

Diese Antwort wurde bewertet:

Guten Tag. Ich habe ein ziemlich komplexes Problem. Ich leide an einer mehrfachen posttraumatischen Belastungsstörung wegen Verlassenwerden als Kind und anschließenden Misshandlungen und Missbrauch. Dadurch stehe ich ständig unter Strom und kann meine Gefühle in bestimmten Situationen, die das Erlebte und alte Ängste triggern, nicht kontrollieren, verhalte mich destruktiv. Ich bin deswegen in Therapie. Dort arbeiten wir vor Allem an Alltagsstabilisierung und Traumabewältigung. Konkret brauche ich aber dringend einen Rat. Vor einigen Monaten habe ich einen Mann kennengelernt mit dem ich eine große Vertrautheit gespürt habe. Je intensiver die Beziehung jedoch wurde, je mehr er mir gezeigt hat, dass er eine ernsthafte Beziehung möchte und eine Zukunft sieht, desto mehr bin ich abgedriftet. Das äußert sich dann in großen Selbstzweifeln, die ich dem anderen mitteile, Vorwürfen, Agressivität, Eifersucht. Ich habe gefordert und geklammert und ihn gleichzeitig weggeschubst. Ich habe nicht an uns geglaubt, war negativ und habe mich nicht zur Beziehung bekannt. Je gefährlicher mir ein Mann wird, desto schlimmer mein Verhalten. Er hat ganz viel in mir ausgelöst, ich habe tatsächlich so etwas wie Seelenverwandschaft gespürt. Aber aus Angst habe ich mich sabotiert und ihn schlecht gemacht, nichts Positives angenommen. Er hat das ein paar Monate mitgemacht, sich immer mit mir auseinandergesetzt. Ich habe ihm Zweifel eingepflanzt indem ich ständig alles in Frage gestellt habe. Dieser Mann hat sich schließlich von mir getrennt, weil er nach eigener Ausage nicht mehr konnte. Ich solle mir jemanden suchen der mich glücklich macht, da er es offensichtlich nicht könne.


Nun hatten wir die letzten Monate weiter "freundschaftlichen" Kontakt, bei dem es immer wieder intim und zärtlich war. Ich habe mir natürlich Hofffnung gemacht, er bleibt aber bei seiner Überzeugung und sagt er habe sich mit dem Glauben ans Schicksal getröstet. Aus Verzweiflung darüber habe ich wieder stärker geklammert und das was nach der Trennung von ihm zu spüren war, dass er traurig ist über den Zustand, dass er noch sehr an mir hängt, dass er den Kontakt gesucht hat, völlig platt gemacht, bin ihm nachgelaufen habe weiter Vorwürfe gemacht bis er mir sagte dass sich seine Überzeugung nur verfestigt hat. Dass ich nach vorne sehen soll, da ja genug Zeit vergangen ist um abzuschließen. Er sagte aber auch dass er zerrissen ist, sich zu mir hingezogen fühlt und wünschte er könnte mir alles geben was ich brauche...


Ich kann seine Entscheidung gut verstehen und weiss auch, dass ich im Moment keine Beziehung führen könnte. Allerdings will ich ihn nicht ganz verlieren. Ich leide darunter dass er damit abschließen kann und glaubt es sei dann ein Zeichen, dass wir eben nicht füreinander bestimmt sind. Was würden Sie mir raten?

Sehr geehrte Fragestellerin,
Sie beschreiben tatsaechlich eine komplexe Situation. Leider sehe ich wenig Hoffnung, das sich diese Beziehung noch einmal aendern wird. Wenn ein Mann so abgeschlossen hat mit einer Beziehung, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass er seine Meinung noch einmal aendert.

Was sagt denn Ihre Therapeutin zu dieser Situation?
Kunde: hat geantwortet vor 5 Jahren.

Danke für Ihre Antwort. Er sagte mir auch, dass es keine Basis ist, wenn er nicht daran glaubt. Dass er denkt, wenn er jetzt sagen würde, wir versuchen es nochmal, wären wir ganz schnell wieder an dem gleichen Punkt.

Meine Therapeutin will dass ich mich für einen Weg entscheide und dann würde sie mir helfen. ich solle also entweder Mut fassen und Hoffnung haben oder ganz loslassen. Aber so täte mir der Kontakt nicht gut, wenn wir uns küsssen und uns nahe sind und ich wieder traurig und wütend reagiere.

Gibt es denn gar keine Chance? Es muss doch etwas geben, das zu retten, was ich selbst zerstört habe!

Sehr geehrte Fragestellerin,
vielen Dank XXXXX XXXXX weitere Information. Ich denke auch, dass Sie zu diesem Zeitpunkt wieder ganz schnell am gleichen Punkt waeren, denn Ihre Angst vor einer Beziehung hat sich ja nicht geaendert. Meist hat diese Angst Ihre Ursache in der Angst vor Ablehnung.

Die Angst vor Ablehnung ist eng mit der Selbstablehnung verbunden. Je mehr man sich selbst ablehnt, je mehr man sich für minderwertig oder nicht liebenswert haelt, je mehr man an seinem eigenen Wert zweifelt, umso groesser ist die Angst vor Ablehnung, umso mehr leidet man unter der negativen Bewertung durch seine Mitmenschen und umso schmerzlicher empfindet man diese Ablehnung.

In den meisten Fällen entsteht die Angst vor Ablehnung schon in der Kindheit, genauer gesagt in den ersten 7 Lebensjahren. In dieser Zeit lernt man oft:

  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich perfekt bin.

  • Ich bin nur liebenswert, wenn ich mich richtig verhalte.

  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich eine gute Leistung bringe.

Wenn man von den Eltern nur angenommen oder geliebt wird, wenn man sich so verhaelt, wie sie es sich wünschen, und sie einen ablehnen, wenn man sich anders verhaelt, dann lernen man, dass man nur gemocht wird, wenn man tut, was andere verlangen. Tue ich, was ich will, stoße ich auf Ablehnung.

Dabei reicht es schon, dass man als Kind den Eindruck hat, nicht bedingungslos gemocht zu werden. Es müssen keine Worte fallen und man muss nicht geschlagen werden, um das Gefühl zu haben, nicht in Ordnung zu sein und abgelehnt zu werden. Schon ein strafender oder tadelnder Blick reicht oft, um sich in Lebensgefahr zu sehen. Oder die Krankheit und Abwesenheit eines Elternteils, die vom Kind als Ablehnung interpretiert wird.

Warum nimmt man sich als Kind solche Worte so zu Herzen und warum reagiert man als Erwachsener immer noch so verängstigt? Als Kind weiss man, dass man völlig abhängig von der Zuwendung und Fürsorge der Eltern ist. Ohne sie kann man nicht überleben. Eine Ablehnung empfinden Kinder immer als ein lebensgefaehliches Verlassen oder Verstossen werden. Und das kommt für ein kleines Kind gefühlsmäßig einem Todesurteil gleich.

Als Erwachsener hängt das Leben nicht mehr vom Urteil anderer Menschen ab. Dennoch empfindet man bei Ablehnung reflexartig so, wie das kleine Kind, das seinen Eltern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war, denn man traegt immer noch das kleine veraengstigte Kind in sich, das eine Ablehnung als existenzielle Bedrohung oder Todesurteil empfindet.

Eine andere Lektion in der Kindheit und Jugendzeit bestand vielleicht darin, auf sehr persönliche und verletzende Weise auf Fehler und Schwächen aufmerksam gemacht worden zu sein. Wenn man sich häufig anhören muss: Du taugst nichts. Du bist ein Tollpatsch. Du bist so was von blöd. Wegen dir muss man sich schämen. - dann glaubt man das irgendwann und lernt, an sich selbst zu zweifeln und wenig Selbstvertrauen zu entwickeln. Man hat Angst davor als Mensch und in Beziehungen zu versagen, nicht zu genügen und abgelehnt zu werden.

Und oft hatten auch Erfahrungen mit Spiel- und Schulkameraden einen Einfluss auf die seelische Entwicklung. Vielleicht wurde man in der Schule gemobbt. Vielleicht wurden man durch körperliche oder persönliche Auffälligkeit zur Zielscheibe von Spott und Hänseleien, die weiter am Selbstwertgefühl genagt haben und von denen man sich bis ins Erwachsenenalter nicht erholt hat.

Wenn wir lernen, unseren Selbstwert und damit unser Selbstwertgefuehl zu stärken, dann machen wir uns unabhängiger von der Reaktion anderer und erleben eine Ablehnung nicht mehr als Todesurteil. Eine Ablehnung ist dann nur noch bedauerlich und schade, aber nicht mehr bedrohlich. Und damit verlieren wir unsere Angst vor der Ablehnung. ABer das ist ein langer Prozess, wenn man eine Geschichte wie die Ihre hat. Solange Sie noch Angst haben, dass Sie abgelehnt werden, wenn jemand Ihr tiefstes Inneres kennen lernt, werden Sie weiterhin die Beziehung sabotieren. Erst wenn Sie sich als liebenswert (wert geliebt zu werden) sehen koennen und darauf vertrauen koennen, dass jemand anderes es ernst meint und sie nicht verlaesst auch wenn Sie mal streiten oder anderer Meinung sind, dann werden Sie aufhoeren koennen, Beziehungen zu sabotieren.

Das ist ja etwas, woran Sie wahrscheinlich in Ihrer Therapie arbeiten. Ich finde es in dem Fall oft hilfreich, sich auf das "Schicksal" zu verlassen. Wenn Sie wirklich "Seelenverwandte" sind, dann werden Sie in der Zukunft, wenn SIE in der Lage sind, sich auf eine Beziehung einzulassen, zu einander finden. In der Zwischenzeit waere es wahrscheinlich sinnvoll, ihm zu sagen, dass Sie daran arbeiten, beziehungsfaehig zu sein und dass Sie ihm hoffentlich dann wieder begegnen und dann zueinander finden, wenn Sie dieses Therapieziel erreicht haben. Je mehr Sie versuchen, es "fuer ihn" zu tun, desto weniger ERfolg wird es wahrscheinlich haben. Wenn Sie wirklich daran arbeiten, dass Sie sich liebenswert fuehlen und keine Angst vor Beziehungen mehr haben muessen, dann wird Ihnen jemand begegnen, mit dem Sie eine Beziehung eingehen koennen - vielleicht ist es dieser Mann, vielleicht auch jemand anders. ABer erst einmal ist es wichtig, dass Sie zu einem Punkt kommen, wo Sie sich selbst anders sehen, damit Sie aufhoeren koennen zu sabotieren.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Antwort helfen konnte. Fuer Nachfragen stehe ich natuerlich gerne zur Verfuegung.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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