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Dr.Schürmann
Dr.Schürmann, approbierter Arzt, Facharzt für Innere Medizin
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 1501
Erfahrung:  22 Jahre Erfahrung in eigener allgemedizinisch/internistischer Praxis mit entsprechendem Schwerpunkt
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Dr.Schürmann ist jetzt online.

Hallo Herr Dr. Winkler, ich nehme seit 15 Jahren SSRI

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo Herr Dr. Winkler, ich nehme seit 15 Jahren SSRI (Cipralex). Von zwei Absetzversuchen (sehr langsam über Monate) in 2013 und 2016 habe ich mich nie wieder ganz erholt. Meine psychische Stabilität wurde nicht mehr so gut wie vor den Absetzversuchen. Beide Absetzversuche haben jeweils zusätzliche Medikamente im Nachgang erforderlich gemacht um den verschlechterten Zustand zu stabilisieren. Das Wiedereinnehmen von Cipralex reichte jeweils nicht mehr aus. Vor allem bleibende Schlafstörungen wurden durch die Absetzversuche ausgelöst bzw. verschlechtert. Ich nehme nun wieder Cipralex 15 und Valdoxan 50, mein Befinden wurde aber nie wieder so stabil wie zuvor. Nun habe ich in einem Fachartikel von einem Psychiater G. Fava gelesen, der behauptet, das es Hinweise darauf gäbe, dass dieLangzeiteinnahme von SSRi "depressogen wirken könne, die Vulnerabilität für Rückfälle erhöhen könne. „Antidepressiva in der Therapie der Depression
mögen kurzfristig hilfreich sein, verschlimmern jedoch das Fortschreiten der Erkrankung auf lange Sicht, indem sie die biochemische Vulnerabilität für
eine Depression erhöhen... Die Anwendung von Antidepressiva kann die Krankheit in einen
malignen und auf eine Behandlung nicht mehr ansprechbaren Verlauf treiben.
--Giovanni Fava, Psychotherapy and Psychosomatics, 1995Die Aussage hat mich sehr erschreckt, da sie letztlich auf meinen Verlauf zutrifft. Meine Beschwerden sind Depressionen (rez) und mittlerweile nach den Absetzversuchen eine Panikstörung, die ich trotz einjähriger Verhaltenstherapie noch nicht losgeworden bin. Meine Fragen: sind solche Verläufe auch aus Ihrer Erfahrung häufig? Mein Psychiater meinte dazu eher lapida: "Ja, die Leute versuchen abzusetzen, dann landen sie in der Klinik und dann bekommen sie neue/weitere Medikamente. Das ist typisch." Ich war auch in einer Klinik, da wollte die Ärzte aber auf meine Fragen nach Langzeitwirkungen von SSRI/Stduien gar nicht eingehen. Für die Beschwerden boten sie wahlweise Neuroleptika, Antipsychotika oder Lithium an. Darauf habe ich verzichtet. Mich treibt die Frage um, wie häufig so ein nicht mehr ansprechbarer Verlauf ist, wie ihn Fava beschreibt. Seine Artikel sind auch in Fachzeitungen veröffentlicht worden. Werden solche Aussagen unter Ärzten diskutiert?Ich hatte mich schon damit abgefunden, lebenslang SSRI zu nehmen, um nicht wieder völlig abzustürzen in die Depression. Nunschreibt dieser Arzt, dass man dadurch den Verlauf immer wieter verschlechtern kann, bis gar nichts mehr hilft. Verstehen Sie, dass einem das große Angst macht? Letztlich racker ich mich in der Psychotherapie ab, aber es gibt keine Verbesserung - weil vielleicht die SSRi Langzeitschäden gemacht haben? Haben Sie zudem Erfahrungen, dass ein SSRi nach einigen Jahren nicht mehr so gut wirkt wie am Anfang?

Guten Tag,

Dr.Winkler ist leider derzeit nicht verfügbar, weshalb ich mir erlaube Ihnen zu antworten.

Meine ganz persönliche Meinung ist, dass SSRI auch in der Langzeittherapie recht sichere Medikamente sind und vor allem den Rückfall in eine neue Depression verhindern können. Absetzversuche (so wie bei Ihnen geschehen) führen bei unipolaren Störungen (entspricht in etwa einer chronischen Depression) regelmässig zum Rückfall, oft mit der Folge, dass danach höhere Dosen als vorher nötig sind. Dies wird aber m.E. nicht durch die vorausgegangene SSRI verursacht. Das Absetzen ist das Problem.

Aus meiner Sicht sind Artikel wie der von G.Fava nicht hilfreich, da Sie Zweifel an einer (notwendigen) SSRI Langzeittherapie wecken und letztlich zu unproduktiven Therapieabbrüchen motivieren.

Vielleicht sprechen Sie mit Ihrem Psychiater über die alternative Gabe von trizyklischen Antidepressiva (Amitryptilin) oder auch Mirtazapin. Es muss nicht immer ein SSRI sein.

Wenn Sie weitere Zusatzinformationen benötigen, stehe ich Ihnen jederzeit ohne Zusatzkosten zur Verfügung. Ich möchte Sie bitten eine positive Bewertung mit BEWERTUNGSSTERNEN ( 3-5 Sterne) abzugeben, damit meine Bemühungen entlohnt werden.

Vielen Dank ***** ***** Gute!

Kunde: hat geantwortet vor 1 Monat.
Vielen Dank für Ihre Antwort. Die Ärzte sind sich bei mir einig, dass ein Absetzen der SSRI nicht mehr in Frage kommt, allenfalls eine Ergänzung zum SSRi mit weiterem Medikament. TZA hatte ich anfangs mal ohne Erfolg und zu vielen NW. Bitte können Sie nochmal etwas hierzu sagen:
1.Gibt es Erklärungen, warum nach Absetzversuchen höhre Dosierungen notwendig sind? Physiologisch ist es ja nicht zwingend logisch, praktisch aber wohl häufig.
2. Haben Sie selbst Patienten, die SSRI in der Langzeiteinnahme anwenden? >10 Jahre
3. Hilfreich fand ich die Artikel von Fava auch nicht, allerdings beschreibt er eine Entwicklung, die mir bei eingetreten ist. Sie meinen, besser irgnorieren? Dass man damit eine therapieresistente Depression provozieren könnte, macht natürlich Angst, verstehen Sie?
4. Der Arzt in der Klinik berichtete auch, dass SSRi manchmal nach Absetzen, Rückfall und Wiedereinsetzen nicht mehr wirken. Das ist doch absolut gruselig. Eine Erklräung hierfür gibt es wohl nicht?
Danke für Ihre Mühe

Danke für Ihre Rückmeldung

zu 1.

Bei Patienten mit erfolglosen Absetzversuchen ist davon auszugehen, dass eine chronische Depression vorlegt. In der Absetzphase stabilisieren sich die zugrundeliegenden krankmachenden Mechanismen (u.a. gestörte Sekretion von Neurotransmittern) auf höherem Niveau, weil die chronische Krankheit in der Absetzphase ja fortschreitet. Dann braucht natürlich mehr Medikamente.

zu 2. Ich habe Patienten, die SSRI über 10 Jahre einnehmen, die unter Therapie mit Ihrer Krankheit gut leben können.

zu 3. Ich würde - so schwer das jetzt natürlich ist- tatsächlich versuchen den Artikel zu ignorieren. Mit SSRI provoziert man keine Therapieresistenz!

zu 4. In der Regel hilft das Medikament, das bei Ersttherapie wirkte, auch in der Therapie des Rückfalls, nur eben meist in einer höheren Dosierung.

Ich wäre daher optimistisch. Nachdenken sollte man , falls erforderlich, über eine Augmentation (Wirkungsverstärkung) des SSRI mit Lithium. Das kann unter Umständen eine niedrigere SSRI Dosis ermöglichen.

Das wäre aus meiner Sicht aber nicht der erste Schritt. Ein SSRI sollte genügen.

Über eine positive Bewertung Ihrerseits (Anklicken von 3-5 Bewertungssternen) würde ich mich sehr freuen, weil ich sonst für meine Arbeit nicht honoriert werden kann.

Dr.Schürmann und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 1 Monat.
Vielen Dank, ***** ***** so genau auf die Fragen eingegangen sind.