So funktioniert JustAnswer:
  • Fragen Sie einen Experten
    Tausende Experten in über 200 Kategorien.
  • Erhalten Sie eine professionelle Antwort
    Per E-Mail oder sofortiger Benachrichtigung, während Sie auf unserer Website warten. Stellen Sie ggf. weitere Anschlussfragen.
  • 100%ige Zufriedenheit garantiert
    Bewerten Sie die erhaltene Antwort.
Stellen Sie Ihre Frage an drwbischof.
drwbischof
drwbischof, Dr.med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 379
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
51941891
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Psychiatrie hier ein
drwbischof ist jetzt online.

Mein Mann befindet sich derzeit total in der Midlife crisis

Beantwortete Frage:

Mein Mann befindet sich derzeit total in der Midlife crisis und meiner Meinung nach leidet er dadurch auch an schwerer Depression. Er will sich scheiden lassen, ist sich aber auch bei dieser Entscheidung nicht wirklich sicher. Er will alles ändern, obwohl er auch gleich wieder sagt, dass auch dies wahrscheinlich falsch ist. Er sagt, dass sich seine Gedanken immer im Kreis drehen und er nicht heraus kommt. Da er im Moment auch alles was ich sage falsch ist, sehe ich mich total machtlos und weiß auch nicht wie ich ihn dazu bewegen könnte professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Können Sie mir hier einen Tipp geben?
Gepostet: vor 8 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 8 Jahren.
Guten Tag,

das ist eine sehr verfahrene Situation. Natürlich wäre es das Beste, wenn ihr Mann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen würde, um so auch zu einer Entscheidung für sich kommen zu können und so ggf. auch zu erkennen, dass er an einer behandlungsbedürftigen Depression leiden könnte. Nun solange er das nicht tut sind sie diesebezüglich natürlich erst einmal machtlos.

Wichtig ist, dass ihr Mann spürt, dass nicht nur er eine Entscheidung treffen kann, sondern auch sie. Es ist wichtig, dass er spürt, was sein Verhalten mit ihnen macht und dass sie (natürlich nur wenn es denn tatsächlich so sein sollte) nicht in der Lage und auch nicht bereit sind, diesen Zusatnd langfristig zu ertragen. Er muss spüren, dass er sich nicht beliebig Zeit lassen kann und sie "schön auf ihn warten".
Er muss spüren, dass er sie nicht wie selbstverständlich als seine Partnerin hat. Wenn er den tatsächlich drohenden Verlust spürt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er sich in Bewegung setzt.
Es geht dabei nicht um lautsatrke Konflikte, sondern darum, dass sie ihm ruhig und leise ihre Situation schildern, wie sie sich fühlen und mögliche Konsequenzen aufzeigen (nicht als Drohung) sondern weil sie irgendwann nicht mehr können.

Natürlich kann das auch dazu führen, dass er sich relativ rasch zur Trennung entscheidet. Es gibt keine Erfolgsgarantie. Aber sie sind auch wer. Eine Zeit lang Verständnis, mittragen und aushalten ist in Ordnung, aber es gibt eine Grenze und die muss auch er wahrnehmen.

Solange er in seiner Krise untertauchen kann und weiß, er kann jederzeit auftauchen und alles was ihm wichtig ist, ist noch da, so lange existiert nur wenig Veränderungsdruck.
Kunde: hat geantwortet vor 8 Jahren.

Vielen Dank für Ihre erste Antwort.

Ich habe leider keine Idee welche Konsequenzen ich meinem Mann mitteilen (ich sage bewusst nicht "androhen") kann, dass er wach wird. Ich will die Scheidung ja nicht .. also welche Alternativen habe ich?

 

Ich habe auch noch nicht erwähnt, dass eine andere Frau im Spiel ist, die er Mitte Juli kennengelernt hat und seitdem mit ihr regelmäßig Kontakt hat (Sms, Telefon, facebook). Laut seiner Aussage hat er die Frau nach dem Kennenlernen nicht mehr getroffen. Er meint, dass er das mir gegenüber, so lange wir nicht geschieden (bzw. dies fix sei) unfair finden würde. Irgendwie glaube ich ihm, auch wenn ich es nicht verstehe. Er hätte schon hunderte Chancen gehabt sie zu treffen - ja sogar bei ihr zu übernachten.

Frauen spielen meiner Meinung nach in seiner aktuellen Krise auch eine große Rolle. Er war vor unserer Beziehung kein Kostverächter und hatte viele, viele Frauen. Er hat mir auch gesagt, dass ich die Erste sei, die er nicht betrogen hat. Meinem Gefühl nach will er auch seine frühere Freiheit in dieser Hinsicht wieder zurück. Kennt es aber nicht, dass man an jemandem hängt, bzw. jemandem gegenüber Verantwortung hat. Früher hat er die Frauen genommen wie er wollte und auch wieder fallen gelassen .. ohne zu überlegen.

 

Wie gesagt, ich bin ziemlich ratlos und es fällt mir so schwer machtlos zusehen zu müssen. Und ich kann es dann nur schwer lassen, wieder mit dem Sticheln zu beginnen und mich z. B. auch nach der neuen Frau zu erkundigen und wie hier der aktuelle Stand der Dinge sei. Ich muss auch zugeben, dass ich sehr eifersüchtig bin. Das habe ich auch nie verleugnet.

 

Würde mich freuen bald wieder von Ihnen Tips zu bekommen.

 

Lg

Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 8 Jahren.

Guten Tag,

sie schreiben, dass sie die Scheidung nicht wünschen. Das ist mir natürlich klar. Aber wie wäre es, wenn die augenblickliche Situation so bliebe? Könnten sie das auf Dauer aushalten? Verletzt sie das, macht sie das wütend? Wie geht es ihnen mit der Vorstellung, dass eine andere Frau in irgendeiner Form eine Rolle spielt. Wie groß ist die Angst vor dem Alleine sein?

Das sind Fragen, die sie für sich klären müssen.

Grundsätzlich gilt, dass ein anderer Mensch sich nur dann verändert, wenn er es von sich aus will oder wenn er spürt, dass er etwas zu verlieren hat, dass es Nachteile hätte, nichts zu verändern und er dann in der Folge eine Veränderungsmotivation entwickelt.

Der erste Fall, der eigene Veränderungswunsch scheint nicht da zu sein.

Also stellen sich mir die Fragen wie lange sie bereit sind, die gegenwärtige Situation mit zu tragen und auszuhalten und an welcher Stelle ihre persönliche Grenze erreicht ist.

Ganz allgemein formuliert ergeben sich meines Erachtens 3 Verhaltensebenen

1: Sie halten es aus, teilen ihm mit, wie sehr sie darunter leiden und wie sehr sie sich wünschen, dass er etwas verändert und warten einfach ab. Wenn sie ihm wichtig sind, könnte man ja eigentlich erwarten, dass er sich irgendwann in Bewegung setzt.

2: Sie suchen sich einen Weg, auf dem sie die gegenwärtige Situation besser ertragen können. D.h. Weg 1 wird dadurch ergänzt, dass sie ihrem Mann mitteilen, dass sie so sehr unter der Situation leiden, dass sie sich ein Stück aus der Beziehung zurückziehen und selbst keine Initiative mehr ergreifen (z.B. das Gespräch suchen) werden. Sie teilen ihm mit, dass er jetzt dran ist, Initiative zu entwickeln. Sie gehen z.B. alleine aus, gehen ins Kino oder Theater, treffen sich mit Freunden, machen einen VH-Kurs, ... was auch immer, so dass ihr Mann spürt, bei meiner Frau verändert sich etwas. Sie genießt ihr Leben auch alleine. Sie ist nicht unendlich geduldig.

3: Sie sprechen an, dass sie nicht mehr bereit sind, die gegenwärtige Situation auszuhalten und dass sie nun ihrerseits mit dem Gedanken an Trennung spielen, falls sich weiterhin nichts ändern sollte.

Welche Ebene für sie bis zu welchen Zeitpunkt die richtige ist, können sie nur über ihr Gefühl ermitteln. Wenn sie ein sehr gutmütiger, geduldiger Mensch sind, dauert es natürlich länger, bis sie Konsequenzen ziehen.

Sollte es ihnen extrem schwer fallen, selbst aktiv zu werden und irgendwann auf eine Entscheidung hinzuwirken, würde ich ihnen empfehlen, selbst z.B. bei einer psychologischen Beratungsstelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

drwbischof und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.