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Dr. Schaaf
Dr. Schaaf, Privatpraxis, Online-Beratung
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 2012
Erfahrung:  Spezialisiert auf fachübergreifende Zweite Meinung
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Dr. Schaaf ist jetzt online.

Mein Vater ist nach schwerem Herzinfarkt mehrere Wochen auf

Diese Antwort wurde bewertet:

Mein Vater ist nach schwerem Herzinfarkt mehrere Wochen auf der Intensivstation gewesen, wo ihm ein Blasenkatheter gelegt worden ist. Anschließend war er mehrere Wochen in einer Frühreha, wo man in den letzten Tagen versuchte, den Blasenkatheter zu entfernen, aber nach zwei Tagen erneut einen legen musste, weil die Blase sich nicht entleeren konnte. Nach Verlegung in eine geriatrische Reha und diesbezüglicher Medikamentöser Behandlung (die einzelnen Medikament sind mir nicht bekannt), wurde ein zweiter Versuch einer Entfernung durchgeführt. Wieder gab es keine befriedigende Blasenentleerung, so dass wieder ein neuer Katheter gelegt werden musste.

Mein Vater hatte schon vorher (vor dem Krankenhausaufenthalt) Probleme mit einer vergrößerten Prostata und der Blasenentleerung, so dass er medikamentös behandelt werden musste. Dadurch hatte er das Problem vorher in den Griffe bekommen.

Wie groß sind die Chancen, dass er überhaupt noch einmal ohne Blasenkatheter leben kann, und wie kann man dies am besten vorbereiten?
Guten Tag,

niemand gibt gern eine Prognose ab, weil Prognosen immer nur Anhaltswerte sind, die letztlich nicht auf das Individuum anwendbar sind. Es klappt oder nicht, es kann ja nicht 60 % klappen. Verstehen Sie, was ich meine...

Man geht zwei Wege, um vom Blasenkatheter wieder weg zu kommen: Erst mal trainiert man die Blase, die ja nun ewig leer war, dass sie wieder voll wird und !!! dass sie sich melden muss!!! Dazu gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Z.B. kann man erst mal nur tagsüber abklemmen und nachts den Katheter laufen lassen. Und natürlich kann man sich für dieses Training mehr oder weniger Zeit nehmen. Zwei Tag sind keine starre Grenze.

Wenn die Blase wieder gelernt hat, sich zu melden, kommt der nächste Schritt: Wird die Blase ausreichend entleert bei jedem Wasserlassen oder bleibt eine nennenswerte Menge Restharn. Das kann man mittels Katheter feststellen (nach dem Wasserlassen) oder der Urologen stellt es mittels Ultraschall fest und macht dann auch einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen. Die Ursache des Restharns ist meist die vergrößerte Prostata, die man medikamentös oder operativ behandeln kann. Der Urologe kann noch vor Behandlungsbeginn ganz gut abschätzen, ob eine medikamentöse Therapie erfolgversprechend ist oder ob es nur mit OP klappen kann. Ohne Untersuchung lässt es sich leider nicht abschätzen.

Haben Sie dazu Fragen?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Schaaf

Kunde: hat geantwortet vor 5 Jahren.


Verstehe ich das richtig, dass der Katheter tagsüber wieder entfernt werden muss, damit die Blase tagsüber trainiert werden kann, und abends wieder eingeführt werden muss? Oder wie kann man den Katheter "abklemmen"?


 


Welche medikamentöse Therapie gibt es, die diesen Vorgang bei einer vergrößerten Prostata unterstützt?


 


Wie hoch sind die Chancen, dass ein 83jähriger Mann mit Prostatavergrößerung wieder ohne Blasenkatheter leben kann?

Abklemmen bedeutet, dass man den Katheter mit Stöpsel verschließt und erst wieder öffnet, wenn der Patient sich meldet.

Das Blasentraining kann man nicht medikamentös unterstützen, nur die Probleme infolge der Prostatavergrößerung. Zur Anwendung kommen pflanzliche Extrakte, Alpha-Blocker, 5α-Reduktasehemmer, Phosphodiesterasehemmer, Anticholinergika und β3-Agonisten. Am häufigsten werden Tamsulosin und verwandte Substanzen eingesetzt.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gut, wenn er auf die medikamentöse Therapie anspricht. Das ist unabhängig vom Alter. Nachdem er vor der OP ohne Katheter ausgekommen ist, würde ich das Ganze optimistisch sehen. Anders wäre es, wenn er vorher schon effektiv medikamentös therapiert wurde und trotzdem hohe Restharnmengen hatte. Dann bestand nämlich schon vorher die relative Notwendigkeit, über eine OP nachzudenken. Da zu habe ich keine Informationen und Sie vermutlich auch nicht, oder?

MfG

Dr. Schaaf

Kunde: hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sie würden also folgenden Weg gehen: Tamsulosin (o.ä.) geben, gleichzeitig den Katheter tagsüber abstöpseln, den Patienten viel trinken und auf den Harndrang warten sowie dann Toilettengänge trainieren lassen. Wie lange sollte so ein Vorgang durchlaufen werden, damit man sagen kann "das klappt schon noch" oder "das wird nichts mehr"?

Meist erkennt man binnen weniger Tage, ob es klappt oder nicht.

Sollte sich zeigen, dass es mit dem Toilettengang nicht so klappt wie erwünscht, hat man immer noch mehrere Möglichkeiten: Wenn kein nennenswerter Restharn da ist, kann man sich entscheiden, den Katheter aus pflegerischen Gründen zu belassen oder aber dem Patienten eine Windel zumuten. Das ist nicht schön, vermeidet aber das Risiko des Infektes, welches beim Katheter immer besteht.
Wenn relevante Restharnmengen bestehen, die sich medikamentös nicht in den Griff bekommen lassen, braucht man entweder dauerhaft den Katheter oder man muss die Prostata operieren.

Anbei ein Link, wo das Training am Beispiel des suprapubischen Katheters gut erklärt ist.
http://www.barbaraschilcher.de/blasentraining.html

Mit freundlichen Grüßen
Kunde: hat geantwortet vor 5 Jahren.


Eine letzte Frage: Das Training, dessen Link Sie mir geschickt haben, bezieht sich auf einen suprapubischen Katheter. Mein Vater hat aber einen Katheter, der durch seinen Penis in die Harnröhre geschoben wurde. Kann man mit so einem Katheter auch dieses Training machen, und wenn ja, wie?: Wird der Katheter unter dem Penis abgeklemmt??

Schon klar, dass Ihr Vater einen transurethralen Katheter hat. Das Prinzip der geschrumpften Blase durch die wochenlange ständige Entleerung stimmt aber trotzdem.

Den Katheter Ihres Vaters kann man auch abklemmen oder viel einfacher abstecken (Beutel weg) und zustöpseln. Später Stöpsel wieder raus und Beutel wieder dran.

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