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Christian Lee
Christian Lee, Dr. Med.
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 375
Erfahrung:  Facharzt für Allgemeinmedizin (12 Jahre Praxis) & Spezialist für Infektiologie (10 Jahre)
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Christian Lee ist jetzt online.

Sehr geehrte Damen und Herren! Mein Sohn (10 Jahre) war vor

Diese Antwort wurde bewertet:

Sehr geehrte Damen und Herren!
Mein Sohn (10 Jahre) war vor drei Wochen mit einer Akuten Mandelentzündung beim Arzt und hat für 5 Tage Amoxicillin 250mg (4xtägl.10ml)erhalten. Am Ende der Einnahme schien alles gut, aber schon nach drei Tagen waren die Halsschmerzen wieder da. Dann hat er wieder für 5 Tage Cefaclor 250mg (3x5ml tägl.)erhalten. Die Beschwerden waren wieder sehr schnell verschwunden und nach dem Absetzen WIEDER nach drei Tagen wieder da. Jetzt wurde endlich mal ein Schnellabstrich gemacht, mit dem Ergebnis: immer noch Streptokokken ! Die Milz wurde geschallt und Blut abgenommen: kein Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber ! Nun sollte er ebenfalls für 5 Tage noch einmal Isocillin 300.000 150ml für fünf Tage (3x10ml)einnehmen. Dazu muss ich sagen, dass schon nach der Einnahme des 2.Antibiotikums einige Hautreaktionen auftraten, die aber nach der Gabe von Cetirizin verschwanden.Jetzt hat er nur vier Tage das Medikament nehmen können und hat eine sehr heftige Urtikaria.Das Med.haben wir abgesetzt,können wir noch was gegen die Urtikaria tun? Der Arzt hat gesagt, das müßte von alleine weg gehen, aber das ganze Kind ist voll.Was wäre denn mit Kortison? Es ist eine Urtikaria mit starker Quaddelbildung.
Guten Abend,
hat Ihr Sohn die Antibiotika zuverlässig eingenommen (hoffen wir ja, aber manchmal sind unsere Kinder da etwas speziell...)?
Die mit dem Schnelltest nachgewiesenen Streptokokken sind die sog. "betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A", auch Strept. pyogenes genannt. Diese sind immer noch hoch sensibel auf Aminopenicilline (Amoxicillin) und Cephalosporine (Cefaclor). Bisher sind, trotz jahrzehntelanger Anwendung, noch nie Resistenzen von S.pyogenes gegen diese Antibiotika aufgetreten.

Allerdings gibt es mehrere Grunde weshalb es trotzdem zu Rückfällen kommen kann:
  • in/auf den Mandeln wo die Keime sitzen befinden sich auch andere Bakterien (Staphylokokken, versch. anaerobe Bakterien) die zwar direkt keine Symptome machen, die aber z.B. das Amoxicillin enzymatisch abbauen können und damit dessen Wirkung herabsetzen können
  • die Streptokokken sitzen in den Mandeln manchmal in Eitertaschen die relativ schlecht erreicht werden vom Antibiotikum und erst nach längerer Behandlung eliminiert werden können
  • zudem: falls nur ein Schnelltest gemacht wurde (also keine Kultur, was aber kein Fehler ist) kann keine Information über die Menge der Streptokokken erhalten werden. Viele Menschen sind nämlich von einer geringen Menge an Streptokokken besiedelt ohne dabei krank zu werden. Wenn es nun z.B. zu einer virusverursachten Mandelentzündung kommt so können die (wenigen) nachgewiesenen Streptokokken unter Umständen ohne Bedeutung sein. Als Virus-Erreger kämen vor allem Adenoviren in Frage. Eine Mononukleose (Pfeiffer) kann übrigens ausgeschlossen werden weil das Amoxicillin umgehend zu einem heftigen Hausausschlag geführt hätte, was direkt als diagnostischer Test auf Pfeiffer'sches Drüsenfieber gebraucht werden könnte!
Aus diesen Gründen ist bei der Angina eine relativ langdauernde Behandlung (10 Tage) erforderlich, weil es ansonsten zu Rückfällen kommt.
Hinter Rückfällen kann auch eine Mischinfektion mit Streptokokken der Gruppe C stehen, die gerade bei Jugendlichen praktisch identische Symtome wie A-Streptokokken machen.

Das Präparat Isocillin ist eine Variante des gewöhnlichen Penicillins und ebenfalls bei der Labortestung gegen Strept. pyogenes unverändert wirksam seit Jahrzehnten. Ein Problem ist hingegen die notwendige mehrfach-tägliche Dosierung und dies in den nüchternen Magen. Weil dies schwierig korrekt zu machen ist kommt es auch mit diesem (sehr alten) Medikament gerne zu Rückfällen. An sich ist es aber korrekt, mit diesem (Phenoxymethyl-)Penicillin zu behandeln.

Am geringsten wäre die Rückfallgefahr mit dem Cefaclor oder mit einem andern Cephalosporin (da Cefaclor wenig stabil ist gegen die oben genannte Zersetzung durch andere Bakterien).

Andererseits gibt man, wenn schon Urtikaria aufgetreten ist, nicht gerne weitere Medikamente. Falls die Mandelentzündung klinisch abgeheilt ist kann wohl auf weitere Antibiotika verzichtet werden und das Beste wäre ws. schon alles Abzusetzen.

Obschon Cortison kein Teufelsding, ist wie es gewisse Kreise in Unkenntnis medizinischer Zusmmenhänge behaupten, würde ich doch eher zur Vorsicht raten und möglichst ohne Medis den Verlauf abwarten, zumindest solange die Atmung nicht behindert ist.

mit freundlichem Grüssen, ChristXXXXX XXXXX
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falls die Info hilfreich war, danke XXXXX XXXXXür die Honorierung mit "Akzeptieren"
Kunde: hat geantwortet vor 10 Jahren.
Danke für die ausführliche und verständliche Antwort!Smile
Sollte man die nicht unerheblichen Symptome der Urtikaria jetzt wirklich "aussitzen" oder kann man z.B.mit VitaminC+Zink / Calcium Trinkampullen die Beschwerden möglicherweise etwas lindern und mit ganz viel Flüssigkeitszufuhr die Dauer verkürzen? Wird der "Spuk" den in wenigen Tagen vorbei sein ? An Schule ist im Moment in dem Zustand absolut nicht zu denken, mein Sohn erträgt noch nicht mal Kleidung auf der Haut und sitzt hier ganz nackt, weil jede Wärmeeinwirkung von Kleidung die Beschwerden und den Ausschlag sofort wieder verschlimmert....Cry
Kunde: hat geantwortet vor 10 Jahren.
Danke für die ausführliche und verständliche Antwort!Smile
Sollte man die nicht unerheblichen Symptome der Urtikaria jetzt wirklich "aussitzen" oder kann man z.B.mit VitaminC+Zink / Calcium Trinkampullen die Beschwerden möglicherweise etwas lindern und mit ganz viel Flüssigkeitszufuhr die Dauer verkürzen? Wird der "Spuk" den in wenigen Tagen vorbei sein ? An Schule ist im Moment in dem Zustand absolut nicht zu denken, mein Sohn erträgt noch nicht mal Kleidung auf der Haut und sitzt hier ganz nackt, weil jede Wärmeeinwirkung von Kleidung die Beschwerden und den Ausschlag sofort wieder verschlimmert....Cry
Ach so: mein Sohn hat die Medikamente immer SEHR gewissenhaft genommen und auch die ganze Zeit KOMPLETT auf Milchprodukte verzichtet. Da ich auch im medizinischen Bereich tätig bin (Zahnarzthelferin), war mir das sehr wichtig.Aber eine derartige Hautreaktion wie bei ihm habe ich noch nie gesehen.....
Hallo, hier einige weiter Aspekte der Urticaria:
  • auf Antihistaminika therapierefraktäre Urtikaria, die aber anspricht auf das Antibiotikum (!) Azithromycin (CH: Zithromax), wird bei Kindern mit Mycoplasma pneumoniae - Infektion beschrieben (wäre differenzialdiagnostisch bei Ihrem Sohn sicher eine Möglichkeit obschon nicht absolut typische Klinik für M. pneumoniae (Mykoplasmen sind nicht sensibel auf Penicilline da sie keine Zellwand haben).
    Dies wäre dann eine Urticaria, verursacht durch den Erreger selbst
  • allerdings stehen Betalactam-Antibiotika, Penicilline etwas häufiger als Cephalosporine, ganz vorne in der Liste der potenziell Urtikaria-induzierenden Medikamente. Ich ging zunächst von der Annahme aus dass die Urtikaria aetiologisch in Zusammenhang mit dem Cetricin steht. Wahrscheinlicher, wenn es denn ein Medikament war, ist aber eines der Antibiotika dafür verantwortlich, vor allem das neu begonnene Phenoxymethyl-Penicillin. Jedenfalls würde ich Ihren Sohn, bis zum Beweis des evtl. Gegenteils, als Penicillin-Allergiker ansehen. Sicher ist sicher. Als Alternative wäre wie für die Mykoplasmen erwähnt auch bei Strept. pyogenes das Azithromycin eine Möglichkeit, bei einer Resistenzquote (je nach geograf. Region) um ca. 10% (oder mehr).
  • Ob die vorgeschlagene Behandlung gegen die Urtikaria Wirkung zeigen würde kann ich Ihnen leider nicht sagen, kenne mich ehrlich gesagt, da zu wenig aus.



Verändert von ChristXXXXX XXXXX am 29.06.2010 um 18:31 Uhr EST
Kunde: hat geantwortet vor 10 Jahren.
..... geht der Text noch weiter:
- allerdings werden Urtikaria....

Muss gestehen, der obere Teil der Antwort war mir sehr "medizinisch", habe ich leider nicht so ganz verstanden....
Meine Frage war, ob ich die Ausheilung des wahrscheinlich durch den Medikamentencocktail verursachten Hautausschlages mittels VitaminC+Zink und Calcium beschleunigen kann....
Ich befürchte, Cetirizin sollten wir wohl besser weglassen,oder? Da werden auch Hautausschläge als Nebenwirkungen genannt.... Da hat das Kind aber momentan keinen "Platz" mehr für, der ist nämlich VOLL....
sorry, der Server hat wieder mal seine Tücken..., fahren wir eben hier weiter:
  • betreffend der Urtikaria stellt sich bei diesem Schweregrad doch die Frage, ob das Kind nicht doch noch weiter untersucht werden sollte. Jedenfalls wäre eine Urinuntersuchung (Proteinurie etc.) und eine Blutentnahme für ein Differenzialblutbild (wichtig: Leukozyten-Differenzierung), laborchemischer Status.
  • Evtl. Kryoglobulinbestimmung (Achtung, delikates Procedere: in 37°C vorgewärmter Spritze Blut abnehmen und in 37°C-Röhrchen ohne Antikoagulans bei 37°C im Wasserbad gerinnen lassen und immer noch bei 37°C zentrifugieren!!!), dann im Labor aus dem Serum die Kryoglobuline bei 4+C präzipitieren über 48-72h.
  • Allfällige weitergehende Laboruntersuchungen sollten im Kontext der Beschwerden und klinischen Symptome erfolgen. Evtl. Ausschluss einer Vaskulitis etc.
Sie sehen, leider wird das Ganze etwas komplexer und im Vordergrund stehen nicht nicht alleine die direkten Urtikaria-assoziierten Beschwerden. Ich würde Ihnen deshalb jetzt doch empfehlen, sich mit dem Haus- oder Kinderarzt noch in Verbindung zu setzen und heute noch die Dringlichkeit zu evaluieren. Ich denke zwar dass auch morgen noch genug Zeit ist, Sie sollten aber nicht alleine gelassen werden diese Nacht und wissen wie Sie vorgehen können.

Tut mir leid dass ich nicht besser helfen konnte, aber hier wär meines Erachtens ein klinischer Eindruck schon sehr hilfreich.

mit freundlichem Gruss, ChristXXXXX XXXXX
Christian Lee und weitere Experten für Medizin sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 10 Jahren.
Danke für Ihre Ehrlichkeit und die wirklich umfassenden Antworten, Sie haben uns zumindest das Gefühl gegeben, das wir nicht alleine mit der ganzen Misere sind....
Wir denken über den Gang in eine Kinderklinik nach, haben den Streuselkuchen jetzt aber erstmal schlafen gelegt.....
Vielen lieben Dank für schnelle Antworten auch noch in den Abendstunden...!

Familie Stratmann aus dem Sauerland
Ich wünsche Ihrem Sohn (und Ihnen) alles gute. Habe selbst wieder einiges dazugelernt bei der Recherche.

Die Kommunikation war so schwierig weil das Editierfeld mehrfach unterbrochen war und ich wieder von vorne beginnen musste. Deshalb ist es leider auch inhaltlich zu Verschiebungen und Auslassungen gekommen weil nicht mehr ganz klar war 'was nun rübergekommen ist und was nicht', sorry.