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Manuel Metzger
Manuel Metzger, Dr. med.
Kategorie: Kindermedizin
Zufriedene Kunden: 721
Erfahrung:  FA für Kinder- und Jugendmedizin
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Manuel Metzger ist jetzt online.

Sehr geehrter Herr Dr. Metzger! Vor einiger Zeit habe ich

Diese Antwort wurde bewertet:

Sehr geehrter Herr Dr. Metzger!Vor einiger Zeit habe ich mich schon einmal an Sie um das Stuhlproblem meiner voll gestillten Tochter gewendet. Sie ist momentan 9 Wochen alt. Meine Tochter hat seit Anfang an festen Stuhl mit etwas Geruch alle 5-7 Tage. Das Kindspech war auch schon etwas fester und von der Menge her mehr als ich das von ihren drei Geschwistern her kenne.
Unser Kinderarzt meint, dass sie eventuell eine leichte Form von Morbus Hirschsprung hat oder einfach nur einen langen trägen Darm. Zur Abklärung hätte er uns eine Überweisung in die Klinik gegeben wo eine Untersuchung mit Narkose gemacht werden würde oder wir warten einfach ab, es könnte sich auch mit der Zeit „herauswachsen“.
Mir ist nun eine „Veränderung“ aufgefallen. Vielleicht bedingt da ich momentan öfters Stille. Und zwar hat sie 2x zeitverzögert Stuhlgang. Gestern abends und jetzt einige Stunden später noch einmal. Nach dem ersten Stuhlgang kam es mir auch so vor, als ob noch was folgen müsste da die Menge zu wenig war. Bevor der zweite Stuhlgang kam lies sie einige übel riechende Winde.
1x verabreichte ich ihr Laevolac und sie hatte danach bald Stuhlgang, zum 1x einen ganz normalen Muttermilchstuhl ohne schlechten Geruch. Wenn ich ihr Laevolac verabreichen würde hätte sie normalen Stuhlgang.
Ich habe es jedoch bei dem einen Versuch belassen, möchte ihr jetzt nicht unnötig ein Medikament geben. Sie muss Generell nicht mehr so stark Pressen. Aber vermutlich ist diese „Verbesserung“ auf das öftere Anlegen (mehr Vormilch) zurückzuführen.
Welchen Rat haben Sie an uns? Auch wenn Sie eine Engstelle im Enddarm hat gibt es ja keine „Behandlung“? Man kann nur hoffen dass es besser wird und bei massiveren Problemen Laevolac verabreichen. Unser Kinderarzt meinte ich könnte ihr das Laevolac Generell 2x täglich geben. Was meinen Sie? Soll ich ihr das wirklich einmal über ein paar Tage/Wochen über verabreichen? Aber es würde das eigentliche Problem ja nicht aus der Welt schaffen? Eventuell vielleicht Kümmelzäpfchen? Oder gar nichts?
Vor dem Stuhlgang ist sie etwas weinerlich und Unruhig, und der unterste Teil vom Bauch hart, sonst ist der Bauch unauffällig. Wenn ich die harten Stellen massiere werden sie weicher.Schöne Grüße
Melanie

Sehr geehrte Melanie,
vielen Dank für Ihr Vertrauen. Ich erinnere mich noch gut, dass wir vor kurzem über diese Probleme bereits gesprochen hatten. Gerne helfe ich Ihnen bei diesem Thema weiter und werde mir am Sonntag im Verlauf des Tages Zeit nehmen, Ihnen ausführlich zu antworten.
Herzliche Grüße,
Ihr Dr. med. M. Metzger

Kunde: hat geantwortet vor 11 Tagen.
Vielen Dank! Sie hatte jetzt nochmals Stuhlgang (zum 3x innerhalb 12 Stunden). Dieses Mal kam normal riechender Muttermilchstuhl und die Farbe auch heller, so wie es sein sollte. Aber zuerst etwas härterer Stuhl, dann normale Konsistenz und zum Schluss flüssig. Ich vermute, dass jetzt dann wieder 5 Tage kein Stuhlgang sein wird.

Sehr geehrte Melanie,

vielen Dank für Ihre Geduld. Es freut mich, dass es Ihrer Kleinen etwas besser geht und sie auf die von Ihrem Kinderarzt empfohlene Therapie mit Lactulose (Laevolac ®) auch gut anspricht. Ich kann verstehen, dass noch viele Fragen offen sind und werden Ihnen versuchen, Ihnen auf alles zu antworten.

Mögliche Ursachen
Bei unserem letzten Gespräch hatte ich ja schon angedeutet, dass eine mögliche Ursache darin bestehen könnte, dass Darmabschnitte nicht so beweglich sind, wie sie sein sollten. Ihr Kinderarzt hat anscheinend in eine ähnliche Richtung gedacht, da er den Verdacht auf einen leichten Morbus Hirschsprung geäußert hat. Das ist der medizinische Fachbegriff für dieses Erkrankungsbild. Kinder mit Morbus Hirschsprung haben im Prinzip seit der Geburt Probleme mit dem Stuhlgang. Oft geht dabei schon das Kindspech (Mekonium) etwas verspätet ab. Die Probleme werden mit zunehmendem Alter dabei nicht besser, sondern verschlimmern sich eher noch.

Möglich sind natürlich auch viel harmlosere Ursachen, wie schon bei unserem letzten Gespräch überlegt, könnte es sich einfach auch um vorübergehende Probleme handeln, die vor allem mit dem Erlernen der richtigen Koordination von Anspannung der Bauchmuskulatur und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur besteht. Manche Menschen haben auch konstitutionell einen etwas trägen Darm, wie Ihr Kinderarzt ja auch bereits vermutet hat.

Mögliche Untersuchungen

Um auszuschließen, dass ein Morbus Hirschsprung vorliegt, müssten Proben aus der Enddarmschleimhaut entnommen werden. Diese kurze Untersuchung wird in der Regel unter einer sogenannten „Sedierung“ durchgeführt. Die Kinder erhalten dabei ein Medikament, das sie kurz schlafen lässt, atmen aber selbstständig dabei weiter. Nach der Untersuchung müssen die Kinder noch ein paar Stunden im Krankenhaus zur Überwachung bleiben, können aber in der Regel am selben Tag noch nach Hause (im Gegensatz zu einer vollen Narkose, bei der die Kinder künstlich beatmet werden müssen und auch nicht unbedingt am selben Tag nach Hause gehen können).
Diese Untersuchung sollte durchgeführt werden, wenn die Beschwerden zunehmen oder nicht besser werden möchten.

Mögliche Therapie

Wenn ein Morbus Hirschsprung bestätigt wird, hilft nur eine operative Therapie. Diese Erkrankung „verwächst“ sich nicht, sie wird also nicht mit der Zeit besser.

Bei einem etwas „langen und trägen Darm“, wie Ihr Kinderarzt es ausdrückte, dürfen Sie gerne mit der Lactulose (Laevolac ®) behandeln. Dieses Präparat wird vom Körper nicht weiter aufgenommen, fördert aber eine gesunde Darmflora im Dickdarm, wo es von den dort lebenden Bakterien verarbeitet werden kann. So bindet Lactulose auch Wasser im Stuhl, der dadurch weicher und leichter abzusetzen wird. Das Präparat darf bei Säuglingen verwendet werden und hat keine wesentlichen Nebenwirkungen (bei Überdosierung: Durchfall und Bauchschmerzen). Allerdings kann sich mit der Zeit ein leichter Gewöhnungseffekt einstellen, und die Wirkung der Lactulose lässt dann nach.
Insgesamt würde ich mit der Empfehlung des Kinderarztes einig gehen, zunächst mit Lactulose zu behandeln, gerne auch zu Beginn regelmäßig, bis sich eine gute Routine einstellt und dann wieder langsam und schrittweise reduzieren. Die Behandlung sollte über mehrere Wochen durchgeführt werden, damit Ihre Kleine merkt, dass sie ohne Beschwerden Stuhlgang absetzen kann. Falls die Beschwerden trotz allem nicht ganz verschwinden, sollte nochmal über die Diagnostik in Richtung Morbus Hirschsprung nachgedacht werden.
(Kümmel-) oder allgemein Zäpfchen ohne besonderen Wirkstoff wirken durch die Aufweitung des Enddarms Stuhlgang-auslösend. Dabei stellt sich allerdings auch rasch ein Gewöhnungseffekt ein, solche Therapien wären daher aus meiner Sicht nur eine Notlösung, wenn sie sich mal sehr quält mit einem Stuhlgang.
In jedem Fall sollte weiter Größen- und Gewichtszunahme regelmäßig kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass Ihre Kleine sich körperlich gut entwickelt. Auch blutige Stühle sollten unbedingt weiter abgeklärt werden.
Ich hoffe, diese Übersicht hilft Ihnen etwas weiter. Wenn Sie noch Fragen zum Thema haben, können Sie mir natürlich weiter gerne hier schreiben.
Herzliche Grüße,
Ihr Dr. med. M. Metzger

Manuel Metzger und weitere Experten für Kindermedizin sind bereit, Ihnen zu helfen.