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Manuel Metzger
Manuel Metzger, Dr. med.
Kategorie: Kindermedizin
Zufriedene Kunden: 591
Erfahrung:  FA für Kinder- und Jugendmedizin
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Manuel Metzger ist jetzt online.

Hallo, ich habe eine "etwas" kompliziertere Frage. bei

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo, ich habe eine "etwas" kompliziertere Frage. bei meiner 10-jährigen Tochter wurde bereits vor mehreren Jahren eine geistige Entwicklungsverzögerung diagnostiziert. Bis heute hat Sie nur einen sehr eingeschränkten Wortschatz, ist extrem launisch und hat so ziemlich alle psychologischen Verhaltensmuster, die ein Kind haben kann wenn es im Säuglingsalter, vermutlich durch Überforderung der Mutter, vernachlässigt wurde. Unsere größere Tochter war zum Zeitpunkt der Geburt der Kleinen 1,5 Jahre alt.
JA: Bitte nennen Sie mir Ihr Alter, Geschlecht und Medikamente, die Sie einnehmen.
Customer: Ich bin 55 Jahre alt und männlich. Ich frage aber für meine Tochter und nicht für mich
JA: Vielen Dank. Gibt es noch etwas, dass der Kinderarzt wissen sollte?
Customer: Ja, bei dem Kind ist nach mehreren Untersuchungen in verschiedenen Uni-Kliniken inzwischen auch ein Gen-Test und mehrfach ein CT durchgeführt worden. Alle Untersuchungen ohne Befund. Meine Frage geht nun in folgende Richtung: muss ein Kind, dass auf Grund einer Vernachlässigung diese psychischen Störungen hat anders ergotherapeutisch und logopädisch behandelt werden als ein Kind, dass mit einer solchen Behinderung zur Welt gekommen ist? Gibt es therapeutisch da verschiedene Ansätze? Eine Form der Vernachlässigung haben weder die Ärzte noch ich bisher als Ursache für die Probleme der Kleinen gesehen. Auch die Geburt verlief übrigens absolut komplikationslos.

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage bei JustAnswer. Mein Name ist Dr. Metzger und ich bin Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit bereits 10jähriger Erfahrung. Gern werde ich mich mit Ihrem Anliegen beschäftigen. Bitte geben Sie mir etwas Zeit, während ich Ihre Antwort formuliere. Vielen Dank für Ihre Geduld.

Sehr geehrter Fragesteller,
ich kann mir gut vorstellen, dass es eine große Herausforderung für Sie ist, sich um ein Kind mit Behinderung zu kümmern. Meine Hochachtung vor Ihrem Einsatz und der Leistung die Sie hier jeden Tag bringen. Vorweg muss ich schicken, dass bei einem Großteil der Fälle von geistiger Entwicklungsverzögerung keine konkrete Ursache festgestellt werden kann. Auch genetische Untersuchungen ergeben nicht unbedingt einen klaren Anhalt für die Ursache. Das heißt nicht, dass die Entwicklungsstörung nicht doch eine genetische Ursache hat. Unsere Tests sind nur nicht immer sensibel genug, um die Ursache festzustellen. Das gesagt habe ich einige Fragen an Sie, damit ich die Situation besser einschätzen kann:

  • wie groß und schwer ist Ihre Tochter aktuell? Wann wurde sie geboren (Monat/Jahr)?
  • welche Verhaltensmuster sind Ihnen aufgefallen, die Sie an eine Vernachlässigung im Säuglingsalter denken lassen?
  • was kann Ihre Tochter, was kann sie nicht? (ein grober Eindruck würde mir zunächst reichen)
  • wie verlief die motorische Entwicklung Ihrer Tochter? Gibt es hier auch Einschränkungen?
  • welcher Kontakt besteht aktuell zur Mutter?
  • wie waren Sie zur Geburt Ihrer Tochter in die Betreuung eingebunden? Wieviel Kontakt hatten Sie zu Ihrer Tochter in der Säuglingszeit?
  • seit wann sind Sie stärker in die Betreuung eingebunden? Wie ist das Sorgerecht aktuell geregelt?
  • Gibt es einen aktuellen Arztbericht, den Sie mir zukommen lassen könnten? Bitte beachten Sie beim Hochladen von Dokumenten, dass JustAnswer ein öffentliches Forum ist und Beiträge von jedermann gelesen werden können. Es sollten also keine persönlichen Details wie Namen oder Adressen auf den Dokumenten zu erkennen sein.
  • welche Therapien erhält ihre Tochter aktuell? Welche Förderung hat sie in der Vergangenheit erhalten?

Ihre Antworten helfen mir, Sie besser zu beraten.
Herzliche Grüße,
Ihr Dr. med. M. Metzger

Kunde: hat geantwortet vor 28 Tagen.
Sehr geehrter Herr Dr. Metzger,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.
Unsere Tochter wiegt aktuell etwa 37 kg bei einer Größe von 135 cm und kam im Mai 2010 zur Welt. Sie hat massive Sprach- und Konzentrationsstörungen. Bei jeder Form von (auch nur leichtester Kritik) reagiert sie extrem "beleidigt" und aufbrausend und zieht sich sofort zurück. Es ist dann nicht einfach wieder Zugang zu ihr zu finden. Generell zieht sie sich relativ häufig zurück und ist sie auch sehr gerne mal alleine in ihrem Zimmer.
Ihre motorische Entwicklung als Kleinkind war im Vergleich zu ihrer Schwester deutlich verlangsamt. Ihre körperliche Entwicklung dafür m.E. deutlich beschleunigt (Schambehaarung und Brustentwicklung ab dem 7. LJ, erste Regelblutung vor etwa 4 Monaten). Bis zu ihrem 9 LJ nässte sie in der Nacht noch regelmäßig ein. Aktuell kann sie bis ungefähr 20 zählen, einige Buchstaben "nachkritzeln" (von korrektem Nachschreiben kann leider nicht die Rede sein), das Lösen von kleinen mathematischen Rechnungen und das Lesen von Texten ist unmöglich. Sie besucht eine private Schule mit Schulbegleitung. Ihre Bewegungsabläufe sind inzwischen sicher (z.B. Fahrradfahren) wirken jedoch manchmal etwas tapsig und unbeholfen. Bezüglich ihrer motorischen Entwicklung habe ich ja bereits geschrieben, dass diese im Vergleich zu ihrer Schwester deutlich verlangsamt war. Bei der Geburt des Kindes war ich anwesend, exakt die ersten 2 Lebensjahre des Kindes war ich noch im Außendienst tätig und habe daher vom Tagesablauf nur sehr wenig mitbekommen. Abends (ab etwa 19 Uhr) war ich in der Regel immer zu Hause. Die Betreuung des Kindes hat meine Frau mit Feststellung der "Fehlentwicklung" massiv an sich gezogen (z.B. gemeinsames dauerhaftes Übernachten im Kinderzimmer bis zum 9. LJ), eine intensive Betreuung durch mich konnte damit gar nicht statt finden. Eine stärkere Einbeziehung in die Betreuung der Kinder ist seit etwa 3 Jahren gegeben. Ich bin selbständig und arbeite von zu Hause aus. Beide Kinder sind allerdings bis Nachmittag um 16 Uhr in dem Hort der jeweiligen Schule. Das Kind lebt noch im gemeinsames Haushalt. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es mir nicht um die Frage von "Schuld" geht sondern nur um eine möglicherweise geänderte, zielgerichtetere Therapie. Die Mutter des Kindes ist nachweislich überfordert mit Beruf und Familie (Unordnung, Sauberkeit etc..) und ich befürchte einfach, dass sie auch mit 2 kleinen Kindern mit relativ geringem Altersabstand ebenso überfordert war. Unsere Tochter ist seit Jahren in dauerhafter logo- und ergotherapeutischer Behandlung. Definitiv aber nicht unter Berücksichtigung des Aspektes "Überforderung". Einen aktuelleren Arztbericht reiche ich Ihnen sehr gerne nach, habe ich aktuell leider nicht zur Hand.
Mit freundlichen Grüßen
Kunde: hat geantwortet vor 28 Tagen.
Sehr geehrter Herr Dr. Metzger, ich habe noch eine weitere Anmerkung und eine Frage bitte.
Zum Thema "Überforderung" möchte ich noch anmerken, dass bedingt durch das regelmäßige einnässen der Tochter diese Bettwäsche natürlich regelmäßig gewaschen wurde. Die Bettwäsche der größeren Tochter allerdings über Monate, wenn nicht Jahre, gar nicht.
Meine Frage bezieht sich auf einen Hormontest. Ich habe gelesen, dass ein Hormontest der Haare/aus den Haaren einen Anhaltspunkt für eine derartige "Vernachlässigung" liefern kann. Gibt es so einen Test?
Besten Dank im Voraus und viele Grüße

Sehr geehrter Fragesteller,
vielen Dank für die ausführlichen Informationen, das gibt mir schon einen sehr guten Eindruck. Falls Sie noch einen aktuellen Arztbericht oder einen Bericht der Logo- oder Ergotherapie zur Hand hätten, wäre das sehr hilfreich. Ich würde mich dann bis zum Abend mit einer ausführlichen Antwort bei Ihnen melden.
Herzliche Grüße,
Ihr Dr. med. M. Metzger

Kunde: hat geantwortet vor 28 Tagen.
Sehr geehrter Herr Dr. Metzger,
aktuell habe ich leider keinen Zugriff auf die Unterlagen meiner Tochter. Leider kann ich Ihnen die Unterlagen daher erst gegen 16-17 Uhr zukommen lassen. Ich hoffen das ist für Sie noch in Ordnung.
Viele Grüße
Das ist vollkommen ausreichend. Ich melde mich nach Erhalt der Unterlagen. Denken Sie daran Namen und Adressen auf den Fotos abzudecken, auch die Angaben zu Arzt- oder Therapeuten. So bleibt Ihre Anonymität gewahrt.
Kunde: hat geantwortet vor 28 Tagen.
Vielen Dank für den Hinweis

Gern geschehen, ich melde mich dann nach Erhalt der Unterlagen mit einer ausführlichen Antwort. Liebe Grüße, Ihr Dr. med. M. Metzger

Kunde: hat geantwortet vor 27 Tagen.
Sehr geehrter Herr Dr. Metzger,
in der Anlage übersende ich Ihnen den Untersuchungsbericht der Uni-Klinik aus dem Jahre 2015. Nach dieser Untersuchung erfolgte noch ein MRT und ein Gentest. Beide Untersuchungen ohne Befund. Weiter Befundberichte liegen nicht vor.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für den Bericht, ich sehe mir alles genau an und melde mich gleich bei Ihnen.

Herzliche Grüße,

Ihr Dr. med. M. Metzger

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Geduld! Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie nach Ursachen für die globale Entwicklungsverzögerung Ihrer Tochter suchen. In der Tat kann Vernachlässigung in ihrer extremsten Form (Hospitalismus) auch zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der motorischen und geistigen Entwicklung führen. Dabei werden Kinder systematisch isoliert und ihnen jede soziale Interaktion entzogen. Allerdings kann ich aus Ihrer Beschreibung der familiären Situation keine solche dramatische Form der Vernachlässigung erkennen, im Gegenteil, Ihre Frau scheint sich mit besonderer Hingabe gerade um diese Tochter gekümmert zu haben (z. B. Übernachten im Kinderzimmer etc.).

Da die Geburt ohne Komplikationen verlaufen ist und auch die MRT-Untersuchung unauffällig geblieben ist, würde ich am ehesten eine genetische Ursache vermuten, die mit den bisher durchgeführten Tests noch nicht entdeckt werden konnte. Dafür würde auch das Auftreten anderer körperlicher Auffälligkeiten sprechen (z. B. das sehr frühe Eintreten in die Pubertät und das lange Einnässen).

Ein Hormontest in Verbindung mit Vernachlässigung würde mir jetzt nicht einfallen. Bei Minderwuchs (der auch in Ausnahmefällen durch schwere Vernachlässigung verursacht werden kann) könnte man mit einer Untersuchung des Wachstumshormonspiegels herausfinden, ob die Vernachlässigung die Ursache war oder es andere körperliche Ursachen gab. Ihre Tochter hat allerdings eine gute Größe und ein gutes Gewicht für ihr Alter, so dass ich hier auf den ersten Blick keinen Anlass zur Wachstumshormondiagnostik sehe. Eher interessant wäre die Abklärung der frühen Pubertät, wurde hier eine weitere Diagnostik veranlasst?

In Bezug auf die Therapie sieht es so aus, dass Ergotherapie und Logopädie ganz individuell auf die Patienten zugeschnitten werden. Es wird analysiert, welche Fähigkeiten vorhanden sind, und welche Fertigkeiten mit spielerischem Training und Übungen gestärkt und neu erreicht werden können. Dabei spielt die konkrete Ursache der Entwicklungsverzögerung nur eine untergeordnete Rolle.

Bei einer potentiell veränderbaren Ursache wie z. B. Vernachlässigung durch Überforderung, gehört natürlich ins Therapiekonzept, den Eltern praktische Hilfen an die Hand zu geben. Hier übernimmt typischerweise das Jugendamt die Verantwortung und organisiert entsprechende Haushalts- oder Erziehungshilfen, falls die Eltern nicht lieber privat solche Hilfen organisieren möchten.

Ich hoffe, diese Überlegungen und Informationen helfen Ihnen schon etwas weiter. Falls noch Fragen offen sind, können Sie mir natürlich gerne schreiben.

Herzliche Grüße,

Ihr Dr. med. M. Metzger

Kunde: hat geantwortet vor 27 Tagen.
Sehr geehrter Herr Dr. Metzger,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Für mich war es einfach nur wichtig zu wissen, ob es unterschiedliche Therapieansätze in der Logo- und Ergotherapie geben könnte. Da dies offenbar ja nicht der Fall ist, ist mir auch eine weitere "Ursachenforschung" nicht wirklich wichtig. Lieben tun alle beiden Elternteile die Kleine.
Bezüglich des doch sehr frühen Eintritts der Pubertät hat uns der Kinderarzt mitgeteilt, dass dies noch unter eine "normale" Entwicklung fällt. Daher haben wir keine weiteren Untersuchungen veranlasst.
Nochmals vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Kunde: hat geantwortet vor 27 Tagen.
Sehr geehrter Herr Dr. Metzger,
sollen wir nach Ihrer Ansicht den frühen Pubertätseintritt weiter untersuchen lassen? Können Sie mir sagen welchen Facharzt wir in diesem Fall aufsuchen sollten? Der Kinderarzt hat ja, wie bereits geschrieben, keinen weiteren Handlungsbedarf gesehen.
Besten Dank und freundliche Grüße

Sehr geehrter Fragesteller,

sieben Jahre für den Beginn der Pubertät (in der Regel ist das erste Zeichen die Brustentwicklung) ist grenzwertig früh. Die Diagnostik sollte ein ausführliche körperliche Untersuchung und eine genaue Überprüfung des bisherigen Wachstums einschließen. Wenn Ihr Kinderarzt sich schon dazu geäußert hat, gehe ich davon aus, dass er diese Basis-Diagnostik bereits durchgeführt hat und keine weiteren Auffälligkeiten gefunden hat. Der Kinderarzt ist in jedem Fall der richtige Ansprechpartner für solche Fragestellungen. Wenn soweit alles unauffällig war und Ihr Kinderarzt keinen Anlass für weitere Diagnostik gesehen hat, rate ich Ihnen seiner Einschätzung zu vertrauen.

Herzliche Grüße,

Ihr Dr. med. M. Metzger

Kunde: hat geantwortet vor 27 Tagen.
Sehr geehrter Herr Dr. Metzger,
nochmals besten Dank für Ihre Antwort.
Viele Grüsse
Sehr gern geschehen!
Manuel Metzger und weitere Experten für Kindermedizin sind bereit, Ihnen zu helfen.