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Tobias Rösemeier
Tobias Rösemeier, Rechtsanwalt
Kategorie: Familienrecht
Zufriedene Kunden: 16816
Erfahrung:  selbständiger Rechtsanwalt
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Meine tochter ist 12 und leidet an mutismus. das ist eine

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meine tochter ist 12 und leidet an mutismus. das ist eine anerkannte wenn auch seltene Erkrankung. sie bedeutet das sie nicht mit erwachsenen sprechen kann. daher hat sie auch angst vor der schule und diese in den letzten 2 jahren nur selten besucht. auf druck des judendamtes wurde beim familiengericht ein beschluss erwirkt und sie wurde in die geschlossene pychatrie eingeliefert. dort halten wir sie aber völlig fehl am platz, da sie weder eine Therapie erhält noch Selbstmordgefährdet ist. was passiert wenn wir sie gegen den rat der Ärzte dort herausnehmen? geht das überhaupt? und kann uns das Jugendamt das Sorgerecht entziehen?

Sehr geehrte Fragesteller, vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne wie folgt beantworte.

Eine geschlossene Unterbringung in der Psychatrie ist nur dann gerechtfertigt, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung Ihrer Tochter vorliegt. Alleine der Umstand, dass Ihre Tochter aufgrund des Mutismus die Schule nicht besucht, stellt keine Kindeswohlgefährdung dar. Die geschlossene Unterbringung in der Psychiatrie ist das Ultima ratio, also das Äußerste, was nur in entsprechenden Ausanhmesituationen erlaubt ist.

Gerade bei Mutisten ist eine unsachgemäße "Behandlung" in einer Psychiatrie nicht förderlich. Vielmehr bedarf es der Behandlung durch entsprechende Spezialisten.

Soweit der Beschluss noch nicht rechtskräftig geworden ist, können Sie gegen den Beschluss das Rechtsmittel der Beschwerde einlegen und sollten sich in diesem Fall von einem erfahrenen Fachanwalt für Familienrecht vertreten lassen.

Das Sorgerecht kann Ihnen hier nicht sofort entzogen werden, aber es droht die Entziehung der Gesundheitsfürsorge, so dass das Jugendamt sich diesen Teilbereich der elterlichen Sorge übertragen lassen kann und damit die weitere Behandlung Ihrer Tochter entscheidet.

Da meine Tochter selber Mutistin ist, kenne ich Ihre Sorgen und Bedenken. Mutismus ist keine Krankheit, die sich verwächst oder gar von alleine verschwindet. Das Stummsein selbst ist auch nur ein Symptom der Krankheit. In den meisten Fällen ist Auslöser für den Mutismus eine schwere Angststörung, so dass die besten Erfolge in der Therapie erzielt werden, wenn die Ängste therapiert werden.

Mir ist ebenso bewusst, dass man sich als Elternteil schützend vor sein Kind stellt. Bei Mutisten ist es aber besonders wichtig, dass diese eigenständig werden.

Nun geht Ihre Tochter schon sehr lange unregelmäßig zur Schule. Allerdings gibt es mildere Mittel als eine Unterbringung in der Klinik. Zum Beispiel könnten Sie über das SGB VIII einen Antrag auf einen Schulbegleiter für Ihre Tochter beim Jugendamt stellen. Ebenso käme ein Aufenthalt in einer auf Mutisten spezialisierten Klinik in Frage, wo dann auch tatsächlich Ihrer Tochter geholfen werden kann und auch eine Beschulung erfolgt.

Entscheidend ist, dass sie nicht passiv bleiben, sondern Ihren eigenen Plan entwickeln, wie Sie weiter vorgehen wollen.

Tobias Rösemeier und weitere Experten für Familienrecht sind bereit, Ihnen zu helfen.