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InternetCoach
InternetCoach, Master
Kategorie: Erziehung
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Autorin von 2 Buechern zur Erziehung
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Guten Tag, mein Sohn ist jetzt 1 Jahr alt und soll jetzt

Diese Antwort wurde bewertet:

Guten Tag,
mein Sohn ist jetzt 1 Jahr alt und soll jetzt in die Kita gehen. Da er sehr zurückhaltend (nur bei Kindern und Fremden) ist, haben wir schon Krabbelgruppen und Schwimmkurse für Babys besucht. Es ist auch besser geworden, aber nach einer halben Stunde ist er nur noch bei mir. Nun waren wir letztens bei dem Vorab-Gespräch für die Kita und er hat die ganze Zeit bitterlich geweint. Ist er noch nicht bereit für die Kita? Gibt es eventuell Testfragen, um das festzustellen? Ab wann ist es sinnvoll, dass ein Kind in die Kita geht? Muss er da einfach "durch" oder sollte man bei dem Verhalten doch besser noch warten? Vielen Dank.
MfG
J. Rudolph
Sehr geehrte Fragestellerin und Mutter,
Ihr Kind ist mit 1 Jahr noch sehr jung und von dem, was Sie beschreiben, scheint Ihr Sohn sich in einer groesseren Gruppe relativ schnell "ueberfordert" zu fuehlen - wahrscheinlich weil da ja oft sehr viel los ist und sehr viel neues auf einen einstuermt. Er scheint das fuer eine halbe Stunde alles "aufnehmen" zu koennen und dann braucht er anscheinend eine Pause. Ich finde Ihren Weg, ihn immer wieder in Gruppen zu haben, aber ihm auch einen "Ausweg" zu geben, wenn er genug hat, sehr gut. Sie geben ihm die Moeglichkeit, neue Dinge langsam und in SEINEM Tempo aufzunehmen und zu erfahren - und dann hat er Zeit, sie zu verarbeiten.
Gerade schuechterne Kinder sind oft sehr sensibel ihrer Umwelt gegenueber und merken viele von den Dingen, die wir gekonnt ignorieren (das Schreien eines anderen Kindes auf der anderen Seite des Raumes, die Musik nebenan, das laute Gespraech ein paar Meter entfernt bemerken wir oft kaum), koennten fuer Ihren Sohn einfach "zu viel" sein. Dazu kommt das fuer Kleinkinder normale "Fremdeln". Auch das ist absolut normal.

Für kleine Kinder ist jede Trennung von der Bezugsperson ein grosser Schritt. Damit Kinder diesen schweren Schritt gehen können, brauchen sie primär viel Sicherheit, ein gutes Gefühl, Nestwärme, gutes Selbstvertrauen und einen klar definierten Rhythmus. Nur ein Kind, das diesbezüglich stark genug ist, kann eine Trennungssituation gut bewältigen. Entgegen der allgemein verbreiteten Meinung, dass ein Kind keine Trennungsangst bekommt, wenn man nur früh genug zu üben anfängt, plädieren Fachleute dazu, dass man den Kleinen lange Zeit lassen sollte, bevor man sie anderen Betreuungs- oder Bezugspersonen überlässt. Eltern aber, die darauf angewiesen sind, ihre Kinder schon sehr früh fremd betreuen zu lassen, müssen sich bewusst sein, dass die Eingewöhnphase viel Zeit und Einfühlungsvermögen abverlangt. Auch moegliche Ängste der Eltern übertragen sich rasch und unweigerlich auf das Kind – es zögert und wird schliesslich den sicheren Hafen an Mamis Rockzipfel wieder ansteuern. Bevor man von einem Kind erwartet, dass es loslassen kann, muss man als Eltern sicher sein, dass man selbst bereit ist,das Kind loszulassen

Oft sind es sehr individuelle Dinge, die sich auf das "Fremdeln" auswirken können, wie z.B. Veränderungen im Umfeld (Trennung der Eltern, Verlust eines Elternteils, Geburt eines Geschwisterchens), familiäre Spannungen (Streit zwischen den Eltern, Streit zwischen Eltern und Grosseltern) oder aber Spannungen im neuen Umfeld (streitende Kinder in der Spielgruppe) können alle dazu führen, dass sich ein Kind unsicher fühlt und fluechten moechte.

Um eine moeglichst angstfreie Trennung hinzubekommen, braucht es ganz viel Zeit, Behutsamkeit, Geduld. Kinder müssen die Gelegenheit haben, in aller Ruhe Vertrauen zu einer neuen, vorübergehenden Bezugsperson zu fassen (Tagesmutter, Krippen-Leiterin, etc.). Nur wenn es sich ganz darauf verlassen kann, dass man auch der anderen, neuen Person vertrauen kann, ist ein Kind bereit, seine Bezugsperson wenigstens für einige Stunden zu tauschen. Wird eine Trennung zu stark forciert, läuft man Gefahr, dass das Kind – aus lauter Angst – schlicht nicht in der Lage sein wird, eine Beziehung zur neuen Bezugsperson aufzubauen.

Je anonymer das neue Umfeld ist, desto schwieriger und problematischer ist es für ein Kind, sich von seiner Bezugsperson zu trennen. Betreute Spielplätze und Spielgruppen liegen zwar im Trend, für Kinder unter drei Jahren sind sie aber nicht ideal. Sicher, Eltern schwören darauf, dass es ihrem Kind, insbesondere dem Einzelkind, gut tut, wenn es schon früh soziale Kontakte zu anderen Kindern knüpfen kann. Aber je jünger ein Kind ist, desto grösser ist sein Wunsch, eine enge Bezugsperson zu haben, eine Bezugsperson, die jederzeit erreichbar ist. Stellt man sich die Situation in einer Spielgruppe mit zehn Dreijährigen vor, so wird klar, dass eine einzige Betreuerin diesen Ansprüchen auch mit grösstem Einsatz nicht gerecht werden kann.

Eine traumatische Geburt kann dazu beitragen, dass die Trennungsangst staerker ausgepraegt ist.


Trösten Sie Ihr Kind, wenn es Angst hat oder in Panik ist, das gibt ihm ein sicheres Gefühl. Natürlich wird es irgendwann lernen, dass es auch anderen Menschen vertrauen kann, aber geben Sie ihm die Zeit. Sie können es nicht dazu zwingen.

Andererseits spüren Kinder es auch sehr gut, wenn Eltern selbst Schwierigkeiten mit der Angst des Kindes haben und zu krampfhaft damit umgehen. Wenn Sie Ihr Kind in eine Kindertagestätte bringen, halten Sie den Abschied kurz. Bleiben Sie nicht zu lange beim Kind und schauen Sie nicht noch mal nach, wie es ihm geht. Das macht es für das Kind nur schwieriger.Ein weiterer Weg, um einem Kind zu helfen, sich an neue Routinen zu gewoehnen sind Rituale.

Halten Sie sich also so gut es geht an feste Rituale, zum Beispiel beim Bringen des Kindes zum Babysitter oder in die Krippe. (z.B.: Jacke ausziehen, noch kurz mit dem Kind mit seinem Lieblingsspielzeug spielen, dem Kind sagen, dass Sie jetzt gehen und mittags wiederkommen, Abschied nehmen, Weggehen.) Lassen Sie die Betreuerin das Kind dann trösten wenn es nötig ist.

Vielleicht geht es auch, dass Sie Ihren Sohn anfangs tatsaechlich nur 30 Minuten in die Krippe bringen. Versuchen Sie mit der Krippe zusammenzuarbeiten um da eine Loesung zu finden, die Ihren Sohn nicht ueberfordert. Es ist auch absolut okay, noch ein paar Monate zu warten bis Sie es wieder versuchen - wenn das moeglich ist und in der Zwischenzeit weiter an anderen Gruppenaktivitaeten teilzunehmen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Antwort helfen konnte. Fuer Nachfragen stehe ich natuerlich gerne zur Verfuegung.

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.


 

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