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diplompsychologe
diplompsychologe, Diplom
Kategorie: Erziehung
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Abschluss Pädagogische Psychologie
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diplompsychologe ist jetzt online.

hallo ich habe mal eine frage ich lebe mit meiner freundin

Kundenfrage

hallo ich habe mal eine frage
ich lebe mit meiner freundin und ihren sohn(7) zusammen und seit kurzen weigert er sich in seinem bett zu schlafen und heult total und beleidigt uns am tag ist alles in ordnung aber abends eskaliert es total er will immer bei uns im bett schlafen langsam haben wir echt keine gedult mehr weil es jeden abend ist und wenn wir dann schlafen gehen kommt er jedesmal ins schlafzimmer und heult,wir schicken ihn dan mal wieder in sein bett aber wir können nicht die ganze nacht wach bleiben und ihn in sein zimmer schicken.Was machen wir falsch oder wie kann uns geholfen werden lg
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Erziehung
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 6 Jahren.


Sehr geehrter
Fragesteller,

vielen Dank
für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte
mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.



Ihre Sorgen
im Bezug auf das Verhalten (die Probleme die Sie beschreiben) sind durchaus
nachvollziehbar und aus fachlicher Sicht kann ich Ihnen da nur zustimmen, denn
Sie sollten die Umstände, die zu diesen Auffälligkeiten führten in den letzten
Tagen gründlich diagnostisch abklären lassen. Im Rahmen der somatischen
Abklärung kann es sich um ein organisch bedingtes Schlafproblem bei Ihrem Stiefsohn
handeln (ICD 10 Klassifikation G47) und dies ist in einem Schlaflabor ggf.
durch einen Schlafmediziner zu untersuchen (finden Sie an jeder
Universitätsklinik auch für Kinder). Jedoch auch eine psychische
Ursachenzuschreibung (was eher näher zu liegen scheint) wie z.B.
Trennungsängste sowie eine nichtorganische Schlafstörung (ICD 10 Klassifikationssystem
F 51.0) könnte hier in Frage kommen und
sollte durch einen Kinder- und Jugendpsychologen ggf. Psychiater untersucht
werden.



Leider
reagieren aus meiner Erfahrung her Eltern sehr häufig zu spät, denn
Auffälligkeiten, woher Sie auch immer her kommen mögen haben einen Grund. hier
kann es im Rahmen der Psyche zu unverarbeiteten Konflikten kommen, die Ihren Stiefsohn emotional belasten (eventuell eine traumatische
Situation im Fernsehen o.ä.), er deshalb Schlafprobleme hat und es zum Teil zu
Wahrnehmungsverzerrungen kommen kann. Dies kann auch auf Grund einer Angst
entstehen, die für dieses Alter (gerade im Hinblick auf die Verhaltensweisen
Ihres Stiefsohnes typisch sein können) und unbedingt vlt. auch präventiv
(vorbeugend) behandelt werden sollten bzw. abgeklärt werden.



Im Folgenden
möchte ich Ihnen ein Mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel dieser Thematik zu
bringen und vielleicht können Sie ja dadurch schon durch den besseren Umgangs
bzw. dem "Mehrwissen" Ihrem Stiefsohn besser hilfreich zur Seite
stehen.



Trennungsängste
sind zunächst ganz normale Ängste und sind in jeder kindlichen Entwicklung,
aber auch bei Erwachsenen (z.B. Trennung vom Lebenspartner) Bestandteil
gewöhnlicher Lebenserfahrung. Insbesondere Kleinkinder haben Trennungsängste.
Trennungsängste vermindern sich mit zunehmendem Alter (Sechsjährige leiden
doppelt so viel unter Trennungsängsten, wie Zehnjährige.)



In der
beobachtbaren kindlichen Entwicklung treten am frühesten Separationsängste
(Trennungsängste und Verlustängste) bei Kindern auf. Mit der Vergrößerung des
Wahrnehmungsbereiches ergeben sich auch zusätzliche Angstreize. Das heißt, die
angstmachenden Situationen werden mehr. Die Trennungsangst wird besonders stark
im Dunkeln und beim Alleinsein (Einschlafschwierigkeiten, Schlafstörungen,
nächtliche Angstattacken). Nach Freud ist die Trennungsangst der Schlüssel für
alle neurotischen Ängste. Nach Bolwby ist die Trennung von der geliebten Person
oder deren Verlust der mögliche Schlüssel für alltägliche Ängste des Kindes.
Weitere Psychologen gehen davon aus, dass alleine Eltern dafür verantwortlich
sind und unbewusst bzw. durch bewusste Handlungen (zu langes klammern und nicht
los lassen wollen) Ihre eigene Angst (die vlt. auch schon seit der Kindheit
oder z.B. durch eine aktuelle Trennungsproblematik bei den Eltern vorliegen
könnte, auch Streitigkeiten zwischen den Eltern die Ihr Stiefsohn mitbekommt)
übertragen wird und das Kind damit völlig überfordert ist. Hat das Kind schon
einen gewissen Grad an Autonomie erlangt, dominiert die Angst davor, die
Zuneigung der Eltern verlieren zu können. Nach und nach kommt die Angst vor
Strafe dazu. Darüber hinaus verinnerlicht das Kind im Laufe der Entwicklung die
Forderungen der Eltern und die sozialen Regeln ("ich meine als Kind es
allen Elternteilen Recht machen zu müssen, ansonsten fühle ich mich
schlecht" usw.).



Angst steht
manchmal versteckt hinter der Konkurrenz und dem Wettbewerb etwa durch die Notenzensur
(später in der Schule durch Leistungsbezug) aber auch durch Geschwisterrivalität,
die bei vielen Kindern nur deshalb "motivierend" wirken, weil diese -
meist sozialisationsbedingt - Angst haben vor dem Verlieren oder dem
Unterliegen, Angst vor einer Blamage oder gar Angst vor der Einschränkung ihrer
existentiellen Möglichkeiten in Form von Zukunftsangst haben bzw. als
"Außenseiterin" da zu stehen.




  • Angst haben müssen, verlassen
    zu werden (real oder weil Mutter/Vater selbst diese Angst hat, darüber
    spricht, oder weil die Phantasie darüber besteht),

  • Angst haben, sich selbst
    überlassen zu werden (real oder weil Eltern diesbezüglich Schuldgefühle
    äußern).

  • häufig am Tag mit Gewalt und
    Bedrohungen konfrontiert werden (real oder z. B. im Fernsehen und diese
    nicht verarbeitet werden können).



Die Ängste
werden stärker, wenn das Kind für sie bestraft oder verspottet wird (dies
könnte ja auch im Kindergarten vorkommen), oder wenn es dafür übermäßig viel
Zuwendung erfährt.





Was können
Sie tun?





Eine weitere
Möglichkeit ist die Hilfe über den Sozialpsychiatrischen Dienst des
Gesundheitsamtes meist untergliedert in Kinder u. Jugendbereich und/ oder
Erwachsenenbereich zu erhalten, denn dort sind speziell ausgebildete
Psychologen vor Ort ggf. auch schnell einen Termin zu bekommen.



Sie haben,
bedingt durch das Lebensalter Ihrer Stiefsohnes, noch das alleinige
Mitspracherecht und sollten dies auch nutzen. Hier ist jedoch immer die
Voraussetzung, dass Ihr Sohn bereit ist
sich helfen zu lassen (entsprechend des Lebensalters), zur Einsicht gelangt
entsprechend des Alters, dass sich sein Verhalten verändern sollte und er
dahingehend auch von Ihnen motiviert werden kann (auch begleitet und
unterstützt).





Wichtig ist
erst ein Mal und das betone ich gerne wiederholend aus meiner Sicht, die
Ursachen fachlich adäquat diagnostisch abklären zu lassen. Denn irgendwoher
müssen die Verhaltensauffälligkeiten/ Ängste und Problem ja herkommen. Jedoch
muss man erst ein Mal konkret wissen, worum es sich genau handelt (z.B. liegt
schon eventuell eine psychische Störung vor oder nicht ect.) um dann
entsprechende weiterführende Behandlungen durchführen zu können.



Sie können
sich auch an einen ambulant niedergelassenen Kollegen (Psychologin oder
Psychologen für Kinder- und Jugendpsychotherapie) in Ihrer Nähe wenden und
einen Termin ausmachen. Aus meiner Sicht eher im verhaltenstherapeutischen
Therapiekontext. Die Kosten dafür werden im Regelfall von der Krankenkasse
übernommen. Über die Krankenkasse erfahren Sie auch ohne Probleme welche Kollegen
für eine psychotherapeutische Behandlung in Ihrem Umfeld hierfür in Frage
kommen. Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich
schneller
, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches
Ausbildungsinstitut für verhaltenstherapeutische Psychotherapie im Bereich
Kinder und Jugend wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B.
psychotherapeutische Ausbildung für Kinder und Jugend Verhaltenstherapie +
entsprechendem Ort in Ihrer Nähe z.B. München) und diese Institute haben in der
Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren
Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen
Ambulanz vereinbaren.



Es besteht
für Sie auch die Möglichkeit sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige
(Eltern) auch für z.B. "verhaltensauffällige" Kinder und Jugendliche
anzuschließen. Hierzu erfahren Sie mehr über Gruppen in Ihrer Nähe über
sogenannte Selbsthilfekontaktstellen und Ihre Krankenkasse. Natürlich können
Sie sich auch im Internet bestimmten hierzu bestehenden Foren im Internet
besuchen u.a. www.selbsthilfenetz.de/, www.eltern.de/, www.angstportal.de/Trennungsangst.de, http://www.imedo.de/





Es ist
wichtig, wenn Sie Ihrem Stiefsohn weiter
helfen wollen sich Informationen zu beschaffen und wenn Sie dies zu sehr
belasten sollte, sich auch umgehend z.B. psychologische Hilfe zur Begleitung
suchen. Dies kann auch über eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Nähe
geschehen und die Beratung ist hier in der Regel kostenlos und es gibt dort
häufig sehr schnell einen Termin.





Als letzten
Hinweis den ich mir noch erlauben möchte zu geben ist Ihnen ein gutes Buch zu
diesem Thema zu empfehlen. Es heißt ganz einfach Trennungsangst und ist von
Franz Petermann.





Ich hoffe,
ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiter helfen und wünsche Ihnen für
Ihren weiteren Weg alles Gute.



Mit
freundlichen Grüßen





Die
Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich
ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur
punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen
Problemen sowie Konflikten.





Wenn meine
Ausführungen für Sie hilfreich waren, würde ich mich über eine positive
Bewertung sehr freuen.