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Sandra100784
Sandra100784, staatlich anerkannte Erzieherin
Kategorie: Erziehung
Zufriedene Kunden: 6
Erfahrung:  Arbeit in einer U3 Gruppe, Fortbildung im Bereich Sprache, LES, Psychomotorik u. Erste Hilfe am Kind
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Sandra100784 ist jetzt online.

Guten Tag, Wann ist es der richtige zeitpunkt sein kind ins

Diese Antwort wurde bewertet:

Guten Tag,
Wann ist es der richtige zeitpunkt sein kind ins kindergarten zu schicken? Meine kleine neffe ist schon mit 1 Jahr in kindergarten obwohl die mutter nicht arbeitet. Sie meint es ist gut für seine entwicklung..? Ich finde es persönlich zu früh. Er braucht noch die mutter-kind beziehung und braucht eigentlich nur nähe und liebe. Nur meine meinung. Habe auch viele meinungen dazu gehört. Was sagen Sie dazu?
Liebe Fragestellerin,

das ist natürlich eine sehr individuelle Frage und von vielen Faktoren und Überzeugungen abhängig.
Der gesellschaftliche Trend und auch das staatliche Angebot geht natürlich mehr und mehr dazu über Kinder früh in externe Einrichtungen (Krippen, Kindergarten) zu geben.
Und natürlich hat dies auch seine Berechtigung.

Sie sollten sich fragen, was ist für Sie als Mutter, Familie und für Ihre Tochter gut und alltagstauglich.
Wer sollte den Erziehungsauftrag in den ersten Lebensjahren wahrnehmen, wer sollte mit eingebunden werden (Kindergarten, Großeltern...).
Nimmt man Ganztagsangebote oder nur stundenweise Betreuung in Anspruch, engagiert man eine Tagesmutter oder nimmt an Kinderspielkreisen teil.
Vielleicht spüren Sie den Gefühlen und damit verbundenen Fragen in Ihnen noch mal nach.

Zur Beachtung

Bitte vergessen Sie nicht eine hilfreiche Antwort mit "Akzeptieren" zu honorieren.

Homoeopathie, Systemischer Familienberater
Kategorie: Erziehung
Zufriedene Kunden: 73
Erfahrung: Systemischer Familienberater in eigener Praxis
Homoeopathie und weitere Experten für Erziehung sind bereit, Ihnen zu helfen.
LiebeCustomer

gerne versuche ich Ihre Frage weitestgehend objektiv zu beantworten.
Wie Sie bereits selbst erwähnen, gibt es viele Meinungen zu diesem Thema und auch nach wie vor große Diskussionen unter allen Beteiligten, wie Eltern, Betreuer und dem Staat. Leider ist es nur so, dass die Kinder in jenem Alter nicht wirklich selber Stellung nehmen, geschweige denn verbal ihre Meinung äußern können.
Wobei ich auch schon an jenem kritischen Punkt angekommen wären.
Das Äußern des eigenen Befindens bei einem Einjährigem gestaltet sich demnach schwierig, da es noch nicht in der Lage ist seine Bedürfnisse verbal zu äußern.
Hier kommt es dann sehr auf die betreuende Person an, die das Verhalten des einjährigen Kindes zu deuten hat.
Ob ihr das gelingt, hängt vom Einfühlungsvermögen der jeweiligen Person und der Beziehung bzw. Bindung der Betreuungsperson zum Kind ab.
Als Eltern oder Elternteil kennt man das Kind von Geburt an und lernt von Anfang an seine Verhaltensweisen zu deuten. Man wird ein eingespieltes Team.
Eine neue Betreuungsperson, in dem Fall die Erzieherin in der Tagesstätte wird einige Zeit benötigen, dieser Aufgabe annähernd gerecht zu werden, also zu wissen, wie verhält sich das Kind in welchen Situationen und warum verhält es sich so und wie reagiere ich darauf.
Dabei ist es ganz wichtig, dass eine vertraute Bezugsperson (Mutter oder Vater) in der Anfangszeit (Eingewöhnungsphase) immer in greifbarer Nähe ist. Diese Zeit der Eingewöhnung sollte mindestens zwei Wochen betragen, bei Schwierigkeiten länger. Hier ist eine individuelle Anpassung durch genaue Beobachtung des Kindes durch Erzieherin und Eltern nötig. Sollte das Kind auch nach den zwei Wochen Eingewöhnung immer noch gar ängstlich reagieren oder sich von der Erzieherin nicht beruhigen lassen wenn es weint, ist zu überlegen wie weiterhin vorgegangen wird. Dazu muss man alle Aspekte betrachten, wie die Bindung zwischen Erzieherin und Kind, die Kompetenz der Erzieherin und letztendlich natürlich auch ob psychosomatische Probleme beim Kind vorliegen (beispielsweise Probleme in der Mutter-Kind-Bindung).

Ich persönlich bekomme es mit, dass der Trend dahin geht Kinder immer früher in Betreuung anderer zu geben, oft bedingt durch finanziellen Druck bzw. sich wieder im gelernten Job zu verwirklichen. Jedoch sollte man mit Vorsicht und sehr viel Einfühlungsvermögen an die Sache heran gehen.
Das Vertrauen zur Erzieherin und eine hohe Aufmerksamkeit der Eltern ist unabdingbar, bei der Betreuung eines (vor allem so jungen) Kindes.
Ich selber habe auch Kinder und arbeite in einer KiTa für Kinder ab zwei Jahren. Deshalb kann ich die Situation aus der einen wie der anderen Sicht betrachten und bin zu dem Entschluss gekommen, dass Kinder zwar in einer Gruppe von anderen Kindern profitieren, dies aber nicht davon abhängt, ob die Mutter nun dabei ist oder nicht.
Das heißt in einer Spiel- oder Krabbelgruppe die in Anwesenheit der Eltern stattfindet, profitiert ein Kind im Alter von einem Jahr mindestens genauso viel. Hier hat es sogar noch den deutlichen Vorteil die Sicherheit und Nähe der Mutter/ des Vaters zu spüren, wodurch sich sein neugieriger Forscherdrang ohne Einschränkung entfalten kann (vorausgesetzt die Bindung zwischen Kind und Elternteil ist unauffällig). Diesbezüglich ist noch zu erwähnen, dass Kinder bis zu einem Alter von ca. 3 Jahren sogenannte Einzelgänger sind (laut der berühmten Pädagogin Maria Montessori) und sich ein Zusammenspielen unter Kindern diesen Alters ohne das Agieren eines Erwachsenen schwierig gestaltet.

Mein persönliches Fazit ist also, sollten Sie oder die betreffende Person, um die es hier geht, eine normale und gute Bindung zum Kind haben und sie nicht unter finanziellem Druck stehen, tut dem Kind die Nähe der Mutter nur gut und eine unbedingtes "Weitergeben" oder "Abgeben" der Betreuung des Kindes ist nicht nötig; jedoch möglich und auch nicht abwegig oder gar zu verurteilen.
Heutzutage wird immer mehr Fachpersonal im Bereich frühkindliche Entwicklung ausgebildet und eingesetzt, dass es unbedenklich sein sollte ein Kind unter drei Jahren in die Obhut einer Tagesstätte zu geben. Vertrauen ist hier das "A und O".

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen.
Entschuldigen sie das "Ausholen" und die umfangreiche Antwort, doch jede kurze Antwort zu diesem Thema rechtfertigt die ganze Thematik nicht. Sie haben mit dieser Frage ein sehr aktuelles Thema angesprochen, dass wahrscheinlich für reichlich Diskussion in den nächsten Jahren sorgen wird.

Lieben Gruß
Sandra
Sandra100784, staatlich anerkannte Erzieherin
Kategorie: Erziehung
Zufriedene Kunden: 6
Erfahrung: Arbeit in einer U3 Gruppe, Fortbildung im Bereich Sprache, LES, Psychomotorik u. Erste Hilfe am Kind
Sandra100784 und weitere Experten für Erziehung sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 7 Jahren.
Vielen Dank! Das hat mir sehr weitergeholfen. Ist auch ein empfindliches thema.

Eine weitere frage: Wann ist die persönlichkeit des Menschen fertig entwickelt? Habe irgendwo gelesen das die erste 3 monate im unsere leben die wichtigste sind? Und wo anders die erste 3 Jahre?

Ich lese gern über erziehung, es interessiert mich sehr wie unsere 'talenten'/fähigkeiten/persönlichkeiten sich entwickeln.

Deswegen denke ich halt, dass wenn ein kleinkind sehr lange in kindergarten ist und vor allem sehr früh, nicht mehr so viel von die Eltern kriegt aber eigentlich von die Erzieherin erzogen wird.? Ich meine, ein Kind das von 8 bis 16.30 Uhr in Kindergarten ist montag bis freitag und um 8 Uhr ins bett geht sieht ja die Eltern weniger als die Erzieherinnen.

Die kleine Kinder von heute sind ja die nächste Generation, und von mir aus sieht unsere nächste generation von menschen alle ähnlich aus, alle erzogen von tagesstätten und haben kein kultur, moral oder eigene identitet..

Ok, ich übertreibe es ein bisschen. Aber auf Dänisch sagen wir so schön: Übertreibung vördert das Verständnis.

Also, wie wichtig sind die ersten Jahren unseres Lebens? Und kann es dazu kommen das die Eltern nicht mehr einfluss haben auf die entwicklung von kindern weil die Kinder zu viel bei anderen sind? Oder haben die Eltern immer den stärksten einfluss.. ??

Hallo nochmal:)

Um auf Ihre erste Frage einzugehen, wann die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen abgeschlossen ist kann ich mich an einen sehr interessanten Text erinnern, in dem beschrieben wurde, dass -ich zitiere: "die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen erst mit dem Tode abgeschlossen ist". Was eigentlich sinnig erscheint, da man im Leben immer wieder neue Erfahrungen macht, durch die sich die Persönlichkeit weiter entwickelt.

Zur kindlichen Entwicklung ist zu sagen, dass die Theorie, mit Vollendung des dritten Lebensjahres sei diese abgeschlossen, überholt ist. Heute wissen wir: es gibt in jeder Lebensphase wichtige Entwicklungsschritte. Denken Sie z.B. einmal an die Pubertät, welche für Jugendliche nochmal eine ganz wichtige physische wie psychische Entwicklung ausmacht; genauso wie die Vorschulphase.
Darüber hinaus ist auch noch zu unterscheiden, dass es verschiedene Entwicklungsbereiche, die sogenannten Kompetenzen gibt.
Denn ein Kind, bei dem beispielsweise die geistige (kognitive) Kompetenz und die Sprachkompetenz ausgeprägt entwickelt sind, muss nicht ebenso die Sozialkompetenz auf gleicher Höhe entwickelt haben.
Es passiert alles zu seiner Zeit und in gewissen sogenannten "Zeitfenstern". Kinder entscheiden selbst wann sie für etwas aufnahmebereit sind. Beispiel: Das Kind(3) interessiert sich für Zahlen und Buchstaben, hat aber kein Interesse an Fahrzeugen (Fahrrad, Roller, Laufrad etc.). Dann wird es wenig Sinn machen, diesem Kind unbedingt das Radfahren beibringen zu wollen, sondern in erster Linie seiner Vorliebe für Zahlen und Buchstaben nachzugehen.
Diese Phasen können von kurzer oder längerer Dauer sein, jedoch gilt es diese erhöhte Aufmerksamkeit dann zu nutzen, also wenn das "Zeitfenster" des Kindes geöffnet ist, um einen Lern- und Entwicklungserfolg ohne Frust und Zwang zu erzielen.
Das heißt natürlich nicht, dass dieses Kind gar nicht Radfahren lernt, nur zu einem anderen, ihm passenden Zeitpunkt.

Um zur frühkindlichen Entwicklung zu kommen, die ebenfalls die ersten drei Monate der Entwicklung des Kindes beinhaltet. Hier ist zu sagen, dass dem ersten Lebensjahr eine wichtige Bedeutung insofern zukommt, da dieser Abschnitt ganz besonders mit der Mutter-Kind-Bindung (Bindungstheorie) und dem Urvertrauen des Kindes zu tun hat, was, Nachforschungen zufolge, auch noch in späteren Lebensjahren bis hin zum Erwachsenenalter, eine Rolle spielen soll.
Ist zum Beispiel die Bindung zwischen Mutter/Vater, also der primären Bezugsperson und dem Kind gestört soll sich diese Bindungsstörung beispielsweise in seinen späteren Beziehungen widerspiegeln. Was sich doch schon erstaunlich anhört, da die Mutter im Prinzip dafür verantwortlich sein soll, wie beziehungsfähig ihr Kind einmal wird.

Hier noch einige interessante Adressen zu den vorangegangenen Themen:

-Tabelle mit den einzelnen Etappen der geistigen Entwicklung-
http://www.kindergesundheit-info.de/fuer-eltern/kindlicheentwicklung/entwicklung/etappen-in-der-geistigen-entwicklung/

-Thema Bindung-
http://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie

-Thema Urvertrauen-
http://de.wikipedia.org/wiki/Urvertrauen


Weiterhin zum Thema Kindergarten:

Brezinkas (1989): "Die Eltern sind noch immer die wichtigsten Erzieher, und die Lebensgemeinschaft der Familie ist zugleich die wichtigste Erziehungsgemeinschaft. Alle anderen Erzieher in Kindergärten und Horten, Schulen und Heimen können nur ergänzen, was die Eltern erzieherisch leisten sollen, aber sie können es nicht vollwertig ersetzen. Sie sind bloß für Teile der gesamten Erziehung verantwortlich. Die Verantwortung für die Erziehung als Ganzes liegt bei den Eltern"

Ich finde dieses Zitat beschreibt sehr schön welche große Bedeutung der elterlichen Präsenz und Fürsorge zukommt.
Und diese Einstellung sollte auch jede Einrichtung für Kinder verfolgen, damit eine Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachpersonal möglich wird und somit auch die gesunde, freie Entwicklung des Kindes.

Ich hoffe, ich konnte erneut weiterhelfen und Anregungen geben.

Lieben Gruß

Sandra100784, staatlich anerkannte Erzieherin
Kategorie: Erziehung
Zufriedene Kunden: 6
Erfahrung: Arbeit in einer U3 Gruppe, Fortbildung im Bereich Sprache, LES, Psychomotorik u. Erste Hilfe am Kind
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