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InternetCoach
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Kategorie: Beziehung
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Psychotherapeutin, Familientherapeutin, Drogenberatung
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Hallo, mein Mann ist 56J., ich bin 47 J. und wir sind seit

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo, mein Mann ist 56J., ich bin 47 J. und wir sind seit 14 Jahren verheiratet. Wir haben gemeinsam 3 Kinder und mein Mann aus 1. Ehe 2 Kinder (die sind aber erwachsen). Seit etwa 6 Monaten zieht sich mein Mann zunehmend zurück, z.B. übernachtet er auf dem Sofa (Begründung, er möchte noch fernsehen, kann nicht gut schlafen, möchte mich nicht stören), Körperlichkeiten gibt es gar nicht, kein in den Arm nehmen, kein Schmusen, kein Sex. Auch gegenüber den Kindern ist er auffällig genervt; schon bei den ersten Anzeichen habe ich versucht mit ihm zu reden, auch Therapeutische Hilfe für die ganze Familie vorgeschlagen (denn auch die Kinder bemerken das geänderte Verhalten, sie sind 14,16,18 Jahre alt). Momentan sieht ein gewöhnlicher Abend so aus: er verlässt nach einem 14Std. Tag seine Praxis im Haus, kommt gegen 20.30h in die Küche, isst alleine, setzt sich mit einer Flasche Wein vor den Fernseher, schläft dort mit Klamotten ein, steht früh morgens auf, duscht, frühstückt selten, spricht wenig, geht in seine Praxis (im Haus). Zum Mittagessen kommt er ins Haus, ich habe gekocht, wir sprechen (möglichst keine Probleme oder Sorgen thematisieren, sonst geht er) kurz, er legt sich 20 Minuten aufs Sofa und schläft, dann geht er nach ca. 1 Std. Mittagpause wieder in seine Praxis.
Alle Geprächsversuche um die Ursache für sein verändertes Verhalten herauszufinden laufen ins Leere, nach kurzer Zeit ist er genervt, wird laut/aggressiv in der Wortwahl, steht auf, geht. Was kann ich nur machen, er wird mir so fremd, das macht mich so traurig... noch ein Beispiel:vergangenen Samstag waren wir z.B. zusammen in einem Bierlokal, ich hatte das vorgeschlagen (er schlägt gar nichts mehr vor) und er fands o.k; wie saßen an der Bar neben einander, zuerst hat er die Karte studiert, als das Essen kam, sich aufs Essen konzentriert und wenn ich versucht habe, ein Gespräch zu führen, wurde das immer in 2,3 Sätzen beendet, Körperhaltung von mit abgewandt; ich hatte mehr Unterhaltung mit der Bedienung und dem Barmann als mit meinem Mann. Auf meine Frage, ob es ihm gefallen würde, seine Antwort "ja". (er sieht keinen Bedarf an Hilfe von Außen, eine andere Frau ist auch nicht im Spiel, sich trennen will er auch nicht, es ist´für ihn o.k. so, wie es ist. Zu einem Arzt geht er auch nicht ("weil er nichts hat und sich auch nichts aufbabbeln lässt") Mehrere Gepräche mit seinem besten Freund (der das veränderte Verhalten auch bemerkt hat) haben auch nicht weiter geholfen. Seine letzte Aktivität, war an Weihnachten, wir saßen in der Küche (vor der Bescherung) und hatten gemeinsam gekocht, alles soweit gut, zwei blöde, nicht ernst gemeinte Kommentare meiner pubertierenden Jungs zu seiner Figur und seinen Kochkünsten und ein aufkeimender Streit mit mir (ich wollte die Stichelein beenden) führten dazu, dass er die Küche verließ, ins Auto stieg und knappe 2 Stunden verschwunden war. Wir haben am Tisch gesessen und geweint...zum ersten Mal kamen bei meinen Kindern Trennungsängste auf... als er später wieder kam, gab es kein Gespräch, keine Erklärung...es wurde einfach weitergemacht. Seither konfrontiert ihn keiner mehr mit seinem Verhalten uns gegenüber oder gar mit den Gefühlen, die wir haben... die Kinder drücken das irgendwie weg, verharmlosen, lassen sich nichts anmerken (gehen ihm aus dem Weg, suchen keinen körperlichen Kontakt mehr, wie in den Arm nehmen, Küsschen beim Abschied etc.), wir sprechen manchmal darüber... ich bin alles von wütend bis traurig, aber auch hilflos.
Sehr geehrte Fragestellerin,
Sie haben wirklich schon viel ausprobiert. Ich bin nicht sicher, ob ich Ihnen wirklich etwas komplett neues anbieten kann. Meine Vermutung ist, dass Ihr Mann am Rande eines "Burnout" steht.

Die typischen Symptome von Burnout sind: Chronische Müdigkeit und seelische Erschöpfung, die auch nach einer Erholungs-Auszeit (wie z.B. Urlaub) nicht verschwindet. Distanzierung von der Arbeit (im Fall Ihres Mannes distanziert er sich von der Familie, weil er nur genug Energie fuer entweder Arbeit oder FAmilie hat - und im Moment die Arbeit zu waehlen scheint). Körperliche Beschwerden, wie z.B. Schlafstörungen, höhere Anfälligkeit für Krankheiten, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel, Blutdruckinstabilität, Herzrasen, Tinitus. Psychische Veränderungen, wie erhöhte Gereiztheit, innere Unruhe, die Unfähigkeit, abschalten zu können, Rastlosigkeit, innere Leere, Lustlosigkeit, Angst, Langeweile, Verzweiflung, Resignation, Frustration, Sinnlosigkeitsgefühle, Abstumpfung, Isolation. Kognitive Leistungseinschränkungen, wie z.B. Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunfähigkeit, Selbstzweifel, Wahrnehmung von Leistungsverlust. Änderungen im Verhalten, beispielsweise sozialer Rückzug, Hyperaktivität, Konsum suchtfördernder Substanzen (inklusive Alkohol), und Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.

Burnout bedeutet natuerlich nicht, dass man alle dieser Symptome zeigt. Schon wenn man ein paar dieser Symtome hat, besteht die Gefahr, dass die verringerte Leistungsfähigkeit irgendwann dazu fuehrt, dass sich die Misserfolgserlebnisse auf der Arbeit und im Privatleben häufen. Das Ergebnis ist eine immer stärkere Frustration. Als Abwehrreaktion gibt man leicht pauschal entweder sich oder anderen die Schuld am eigenen Versagen. Im ersten Fall resigniert man und kapselt sich ein, im zweiten wird man zynisch und aggressiv anderen gegenüber. Oft faengt man dann auch an, seine Aufgaben halbherzig zu machen oder zu vernachlaessigen, was weitere Versagenserfahrungen zur Folge hat. Wenn in diese sich selbst verstärkende Entwicklung nicht eingegriffen wird, kann es zu sehr ernsthaften psychischen Erkrankungen wie Depressionen, chronischen Angstzuständen und zu existenzieller Verzweiflung kommen.

 

Das koennte erklaeren, warum Ihr Mann sich so veraendert hat, aber es bietet natuerlich keine Loesung an, denn er sieht das ja nicht so. Meist werden die Symptome - leider - schlimmer, wenn man keine Pause einlegt und etwas veraendert. Darum ist eine moegliche Strategie, dass Sie abwarten bis es Ihrem Mann (so schrecklich sich das auch anhoert) schlechter geht und er sich helfen lassen "muss", weil er wirklich nicht mehr kann. Eine andere Idee waere es, dass Sie Literatur zum Thema "Burnout" im Haus liegen lassen in der Hoffnung, dass er sie vielleicht liest und sich dort wieder findet. Ausserdem koennten Sie einen Termin bei einem Familientherapeuten machen - fuer Sie und die Kinder - um einen Weg zu finden, mit Ihren Gefuehlen diesen Veraenderungen gegenueber umzugehen. Sie wuerden dann Ihren Mann einladen mitzugehen, aber Sie gehen auch ohne ihn. Oft macht das "neugierig" und der andere Partner geht dann doch mit - solange er nicht im Mittelpunkt steht. Und es hilft Ihnen und den Kindern sicherlich egal ob Ihr Mann mitgeht oder nicht.

 

Ich hoffe, dass ich Ihnen ein bisschen weiterhelfen konnte mit dieser Antwort, auch wenn es leider kein "magisches Wort" gibt. Fuer Nachfragen stehe ich natuerlich gerne zur Verfuegung.


Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.



Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung... ich vermute genau das gleiche, Literatur habe ich schon beschafft u. im Haus "liegen" gelassen, aber er bezog das ganze auf mich und fing an an mir herumzukritisieren, ich solle mich jetzt zusammenreißen, ich hätte ja ne "Psychomeise" ... u. dass er nicht zum Kollegen in die Praxis gehen möchte, zeigt mir, dass er sehr wohl auch Veränderungen bemerkt hat bzw. ich weiß, dass ihn auch Freunde darauf angesprochen haben, allerdings hat er alles heruntergespielt. Ich äußere mich nicht mehr, es bringt nichts, allerdings lasse ich mir zunehmend auch nicht mehr mein Leben vermiesen, bzw. suche ständig nach Fehlern bei mir. Ich versuche mich abzugrenzen, u. nicht noch seine unerledigten Dinge zu übernehmen, das versucht er nämlich... das ist schwierig, aber existenzielle Dinge wie z.B. Finanzen/Abrechnungen/Personal/versicherungen...sind sowieso schon immer in meiner Hand; Auch treffe ich gerne Freunde, Familie und mache auch Sport, er geht nicht mit, belächelt alles, od. interessiert sich für nichts was mich oder auch die Kinder anbelangt... das hat mich eine Zeit lang von diesen Dingen abgehalten, dann hatte ich zwar Ruhe zu Hause, aber mir ging es nicht gut, ich brauche meine 2-3 St. "Auszeit" in der Woche, Sozialkontakte, Nähe, Gespräche ... ich kann in dieser emotionalen Isolation nicht leben. Gegenüber den Kindern trage ich jetzt nahezu 200%, er beteiligt sich an nichts, weder an Entscheidungen noch an Gesprächen, Elternabenden, Planungen für die Zeit nach dem Abi, Studium etc. dadurch denken die Kinder oft, es sei ihm nicht recht oder sie befürchten negatives, verletzendes Feedback und vermeiden dXXXXX XXXXXeber den Kontakt. Sie kommen dann zu mir, bzw. ich zu ihnen und das kostet viel Kraft, die mich auch manchmal an meine Grenzen stoßen läßt.

 

Die Idee mit den Kindern in eine Familientherapie zu gehen, finde ich gut, denn sein Verhalten belastet ja unsere ganze Familie; er wird es lächerlich finden. Ich hoffe, ich bekomme das hin, aber zuerst muss ich wohl alleine hin. Haben Sie eine Empfehlung an wen ich mich wenden könnte? Wegen der Bekanntheit meines Mannes muss ich mich wohl auf eine gewisse Entfernung einstellen, denn wenn er den Therapeuten kennt, wird er sicherlich nicht mitgehen wollen. Sollte ich eher nach einer männlichen oder weiblichen Unterstützung suchen (ich persönlich bin nicht voreingenommen, ich habe den möglichen Einstieg meines Mannes im Blick; bei Frauen unterstellt er schnell einen "Komplott", vor Männern spielt er immer alles total runter )

Sehr geehrte Fragestellerin,
ich bin froh, dass Sie sich abgrenzen und Dinge fuer sich tun - unabhaengig davon, wie Ihr Mann das findet und was er dazu sagt. Es ist sehr wichtig, dass Sie "Energie" tanken koennen und auch, dass Sie das Verhalten Ihres Mannes (auch die Vorwuerfe und Kritik) nicht so sehr persoenlich nehmen (auch wenn es sich so anfuehlt).
Wenn wir mit unserer Vermutung Recht haben, dass es sich um ein Burnout handelt, dann besteht ja wie oben schon gesagt - leider - die grosse Wahrscheinlichkeit, dass es schlimmer wird, bis irgendwann gar nichts mehr geht. Ich druecke Ihnen und Ihrem Mann die Daumen, dass es vielleicht doch nicht so weit kommen muss.

Bezueglich des Therapeuten wuerde ich sagen, dass ein Mann moeglicherweise die bessere Wahl sein koennte - das Runterspielen ist weniger destruktiv als das "Komplott". Und hoffentlich kann ein guter Therapeut damit auch umgehen. Wichtig ist v.a. der "Sympathiefaktor", Sie und die Kinder muessen diesen Mann also irgendwie sympathisch finden - und wahrscheinlich waere ein Therapeut wichtig, den Ihr Mann "ernst nehmen" kann. Wenn Ihr Mann also Maenner mit langen Haaren absolut nicht ausstehen kann, dann waere das wahrscheinlich keine gute Wahl.

Meine Empfehlung waere eine "systemische" Therapie. Sie koennen also entweder "Systemische Familientherapie" und den naechsten groesseren Ort bei google eingeben, oder Sie koennen bei "Netzwerkseiten" suchen, wie z.B.
http://www.netzwerk-familientherapie.de/
http://www.familientherapie.org/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/


Ich stimme Ihnen zu, dass es wichtig ist, dass Ihr Mann diesen Therapeuten nicht kennen sollte und dass der Therapeut am besten Ihren Mann nicht kennt. Fragen Sie einfach nach, wenn Sie einen Termin machen.

Wenn Sie sonst noch Nachfragen haben, dann beantworte ich diese natuerlich gerne, ansonsten wuensche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen alles Gute.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.



InternetCoach und weitere Experten für Beziehung sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Vielen lieben Dank und herzliche Grüße auch von mir!