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InternetCoach
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Kategorie: Beziehung
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Psychotherapeutin, Familientherapeutin, Drogenberatung
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Hallo für meine Frage muss ich etwas ausholen: Meine Frau

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo

für meine Frage muss ich etwas ausholen: Meine Frau ist seit 2 Jahren an CFS (chron. Erschöpfungssyndrom) erkrankt. Seit etwa 15 Monaten verbringt sie die meiste Zeit des Tages liegend. Um für sie da zu sein habe ich meinen Job reduziert auf 70% mit der Hälfte HomeOffice. Wir haben zwei kleine Kinder und ich gebe mein Bestes um für meine Familie und den Haushalt zu sorgen. Weitere Hilfe durch unsere Eltern kommt in Form von Essen (2 x die Woche) sowie Wäsche waschen. Die Pflege und Betreuung (v.a. auch psychologischer Art) übernehme komplett ich, weil meine Frau das anders nicht möchte. Liegt auch daran, dass die Erschöpfung auch neurologische Symptome hervorruft, die vor allem durch Stress entstehen. Stress entsteht immer auch wenn sie mit "Fremden" redet, selbst bei ihrer Mutter. Ich bin wirklich sehr gerne für meine Familie da - ohne das jetzt ein Aber kommt. Wirklich gerne. Ich liebe meine Frau und will alles tun damit sie wieder gesund wird.

Das als Vorrede.

Nun zum Problem:
Meine Frau hat wenig Selbstwertgefühl, obwohl sie eine hübsche und auch liebenswerte Person ist. Mir gelingt es nicht, dieses Gefühl dauerhaft zu stärken. Dinge und Worte, von denen ich denke, sie müssten meiner Frau zeigen wie sehr ich sie liebe, kommen zumindest nicht nachhaltig an. Es genügen immer Kleinigkeiten, um sie zweifeln zu lassen. Z.B. habe ich kürzlich beim Elternabend unseres Sohnes (5. Klasse) als Elternbeirat kandidiert und wurde gewählt. MEine Frau deutete dies als Vorbereitung für ein Entfernen von der Familie (neuer Wirkungskreis, neue Bekannte und damit Abkehr von dem jetzigen Leben), ich habe mich entschuldigt und das Mandat zurückgegeben. Oder: In meiner Freizeit male ich viel, was mir auch den nötigen Ausgleich gibt und mir für die schwierige Situation mit der KRankheit meiner Frau Kraft gibt. Vor wenigen Monaten hat unsere Lokalzeitung über mich berichtet, weil ich eine Serie limitierte Kunstdrucke in den USA aufgelegt habe. Meine Frau sah dies als weiteres Indiz dass ich alles andre für Wichtiger halte als sie. Um ihr zu beweisen wie sehr ich sie liebe habe ich zahlreiche meiner Originalzeichnungen vernichtet und wollte das ZEichnen aufgeben. Das habe ich aber nur 3 Monate durchgehalten, leider....

Ich habe auch schon viele wertvolle Kunstbildbände weggeworfen weil weibl. Porträts oder Akte enthalten waren. Denn meine Frau hielt mir vor, dass diese Fantasiefrauen mir besswer gefielen als sie.

Heute nun gabs erneut ein Problem: Meine Frau sah eine Zeitschrift bei mir rumiegen, die sie mal weggeworfen hatte, die ich aber dann nahm weil ein Artikel über einen ünstler sowie ein Berlin-Reiseführer drin war. Hab die Zeitung aber nie genauer angeschaut aus Zeitmangel. Nun hat mich meine Frau zur Rede gestellt, weil dort 3 Seiten mit Aktfotos drin waren (was mir nicht auffiel). Diesmal habe ich nicht wie sonst versucht mich zu rechtfertigen, sondern eine Diskussion angefangen, zu der es aber nicht kam weil sie, wie meist in solchen Situationen dann weint und mich rausschickt. Sie sagte dann auch, es wäre immer dasselbe mit mir, sie hätte noch mit keinem Mann solche Probleme gehabt und jedesmal täte ich so wie wenn sie die Böse wäre. Aber ich kann doch nicht sagen: Du hast recht, wenns nicht so ist....
Ich versuche schon alles zu vermeiden was sie auf falsche Gedanken bringen könnte. Ich gehe außer mit meinen Kindern und außer ins Büro, nicht weg. Abends bin ich ab 8 im Schlafanzug und lege mich ins Bett zu meiner Frau bis sie Schlafen geht. Dann geh ich ins Wohnzimmer wo ich auf der Couch schlafe. Denn sie hat einen unruhigen Schlaf und ich neige zum Schnarchen, ab und zu.

Nun die Frage:

Ich bin wirklich ratlos wie ich am besten reagiere um nicht bei Dingen, wo ich mir nix denke in Konflikte zu geraten. Soll ich mich dann entschuldigen, auch wenn ich mir keiner Schuld bewusst bin? Odersoll ich ihr dann einfach auf ausgefallene Weise immer wieder zeigen wie sehr ich sie liebe oder ihr das mehrmals täglich sagen? Ich denke halt, wenn einer ständig sagt "Ich liebe dich" wirkt das auch schnell "abgedroschen". Ich versuch das lieber durch Taten zu zeigen, bringe ihr oft geschenke mit, oder versuche sie im Alltag zu überraschen. So dass sie das Gefühl kriegt, dass die Pflege, die Hausarbeit keine Belastung sind, sondern ich alles gerne tue - für uns.
Sehr geehrter Fragesteller,
Sie beschreiben eine sehr komplexe Situation. Ich bin sehr beeindruckt von Ihrer Bereitschaft so viel von sich selbst fuer Ihre Frau aufzugeben. Ich sehe in diesem Verhalten aber ein grosses Problem: Jedesmal, wenn Sie sich entschuldigen oder etwas aufgeben (Zeichnen, Mandat), dann sendet das die Botschaft, dass Ihre Frau ja Recht hatte, dass diese Dinge tatsaechlich beweisen, dass Sie Ihre Frau nicht ausreichend lieben. Verstehen Sie wie ich das meine? Wenn jemand sagt: Das machst du falsch und ich gebe es auf, dann bezeugt mein Verhalten ja, dass diese Person Recht hatte und ich auch glaube, dass es falsch war. Aber diese Dinge haben ja gar nichts damit zu tun, wie sehr Sie Ihre Frau lieben. Die Beispiele, die Sie geben, sind ja relativ unabhaengig davon, wie sehr Sie Ihre Frau lieben.
Ich befuerchte eher, dass Sie sich selbst und die Dinge, die Ihnen wichtig sind immer mehr aufgeben und dass Sie irgendwann anfangen, das Ihrer Frau uebel zu nehmen. Und dass Sie dann irgendwann anfangen, sie wirklich weniger zu lieben. Man muss als Mensch mit dem eigenen Leben, dem eigenen Schaffen, der eignen Seele zufrieden sein, um lieben zu koennen. Wenn man sich selbst und die Dinge, die einem Spass machen, aufgibt, dann verliert man sich und kann irgendwann auch nicht mehr lieben (man ist ja gar nicht mehr da).

Es scheint offensichtlich, dass es nicht darum geht, dass Sie "mehr" beweisen, wie sehr Sie Ihre Frau lieben, sondern dass Ihre Frau sich entscheidet, Ihnen zu glauben. Und leider kann diesen Schritt nur Ihre Frau machen. Sie scheinen oft und gerne zu zeigen, dass Sie Ihre Frau lieben. Jetzt ist es an ihr, das zu akzeptieren und zu glauben. So sehr Sie sich das auch wuenschen, Sie koennen sie nicht dazu "ueberreden", dass Sie vertrauenswuerdig sind. Ihre Frau muss die Entscheidung treffen, dass sie Ihnen glaubt. Sie sehen, ich schreibe "Entscheidung" nicht Gefuehl. Es handelt sich dabei nicht um ein Gefuehl, sondern um eine klare, logische Entscheidung. DANN folgt das Gefuehl. Wer darauf wartet, dass sich das Gefuehl aendert, wird ewig warten.

Sie sagen, dass Sie sich um Ihre Frau auch psychologisch kuemmern - es waere wahrscheinlich sinnvoll, das an jemand anderen abzugeben, z.B. an jemanden, der Telefontherapie anbietet - aber in der Zwischenzeit wuerde ich vorschlagen, dass Sie gemeinsam mit Ihrer Frau, das folgende Buch durcharbeiten, damit Ihre Frau versteht, dass ihre eigenen Gedanken und Glaubenssaetze dazu fuehren, dass sie Ihnen nicht vertraut und es zeigt auch, wie sie das veraendern kann.

Gedanken verändern Gefühle: Fertigkeiten, um Stimmungen, Verhalten und Beziehungen grundlegend zu verbessern von XXXXX XXXXXberger, Christine A. Padesky, Theo Kierdorf und Hildegard Höhr von Junfermann (Oktober 2007).


Es gibt auch ein gutes online Programm, das aehnliche Strategien lehrt: www.novego.de - vielleicht waere das etwas fuer Ihre Frau?

Die kurze Antwort auf Ihre Frage ist: Tun Sie mehr fuer sich selbst. Tun Sie die Dinge, die Ihnen gut tun. UND zeigen Sie Ihrer Frau weiterhin durch all die lieben Dinge, die Sie aufgelistet haben UND durch Worte (auch wenn diese fuer Sie nicht so wichtig scheinen, kann es gut sein, dass diese fuer Ihre Frau wichtig sind, darum sagen Sie ruhig 5mal am Tag, dass Sie sie lieben), wieviel sie Ihnen bedeutet. Wenn Ihnen etwas wirklich leid tut, dann sagen Sie es. Wenn es Ihnen nicht leid tut, dann sagen Sie es nicht. Die Botschaft an Ihre Frau sollte klar und deutlich sein: "Ich habe dich lieb UND ich tue all diese anderen Dinge auch (und die haben nichts mit meiner Liebe fuer dich zu tun)." Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen, denn BEIDEs ist moeglich: Ihre Frau von Herzen zu lieben UND zu malen. Ihrer Frau zur Seite zu stehen UND in der Schule aktiv zu sein.

Es wird nicht leicht fuer Ihre Frau sein, das zu verstehen, aber sie wird es schaffen und v.a. werden Sie dann auch in 3 Jahren noch da sein koennen, denn wenn Sie so weitermachen, dass Sie sich immer mehr aufgeben, dann sind Sie in 3 Jahren nicht mehr fuer Ihre Frau da. Dann sind Sie entweder wuetend auf sie und machen gar nichts liebevolles mehr oder Sie trennen sich....

Ich hoffe, dass Ihnen diese nicht ganz einfache Antwort weiterhilft. Fuer Nachfragen stehe ich natuerlich gerne zur Verfuegung. Sie haben hier nachgefragt - und sind bereit fuer eine Antwort zu bezahlen- weil Sie die Meinung eines Experten wollten. Es waere nicht sehr professionell von mir, Ihnen eine "einfache" Antwort zu gehen, die Ihnen falsche Hoffnungen macht oder Ihnen verspricht, dass es eine "magische" Loesung gibt.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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