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InternetCoach
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Kategorie: Beziehung
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Erfahrung:  Psychotherapeutin, Familientherapeutin, Drogenberatung
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Hallo,habe meine einjährige fernbeziehung (250 km eine

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo, habe meine einjährige fern/tanz/beziehung (250 km eine strecke) wegen verschiedener probleme beendet. wir haben uns über den tanzsport kennengelernt, zuerst waren wir tanzpaar und dann hat sich schnell eine beziehung entwickelt. aufgrund der distanz sahen wir uns einmal wöchentlich und von samstag nachmittag bis sonntag abend. diese zeit wurde fast ausschließlich für trainings, trainderstunden bzw. turniere verwendet. weitere aktivitäten deshalb kaum möglich. das stellte für mich ein ziemliches problem dar, da mir das „privatleben“ gefehlt hat. mein partner übernahm den großteil der fahrten, fühlte sich deswegen zuhause oft unter zeitdruck und hatte probleme mit dem zeitmanagement im haushalt mit den (erwachsenen) kindern, die bei ihm leben. außerdem fehlte ihm zeit für sich selbst. vor zwei monaten kamen bei ihm gesundheitliche probleme (kreislauf, burn out?) dazu. deshalb hatten wir in den letzten zwei monaten privat und tänzerisch eine krise. viele lange, gemeinsame gespräche drehten sich im kreis und blieben ohne ergebnis. mein partner möchte jetzt nur noch gemeinsam tanzen (wäre zeitlich möglich) und die beziehung beenden. mehr oder weniger gefühle sind auf beiden seiten noch vorhanden. die entscheidung die beziehung zu beenden habe ich jetzt getroffen. da mir/uns der sport wichtig ist, überlege ich ev. weiterzutanzen. wie ist ihre einschätzung?

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie sagen, dass Sie die Entscheidung getroffen haben, den "romantischen Teil" der Beziehung zu beenden und ueberlegen jetzt, ob es moeglich und sinnvoll ist, die Tanzpartnerschaft trotzdem aufrecht zu erhalten. Letztendlich ist die Entscheidung natuerlich Ihre, aber ich wuerde Ihnen gerne aus meiner Erfahrung mit Paaren dazu etwas sagen.


In der Regel ist es schwierig, angemessen um eine Beziehung zu trauern, wenn man den Partner regelmaessig sieht. Andererseits machen genau das ja viele geschiedene/getrennte Paare, die z.B. gemeinsame Kinder haben. Die Tatsache, dass es noch "Gefuehle" gibt, macht das ganze noch etwas komplizierter, denn das bedeutet leider oft, dass Gesten und Worte misinterpretiert werden, weil man etwas anderes "hoeren" moechte als gemeint ist.


Es ist wahrscheinlich sehr wichtig, dass Sie gemeinsam ganz klare Grenzen und Erwartungen festlegen, damit eine Tanzpartnerschaft klappen kann. Dazu gehoert z.B. auch, dass man offen anspricht, wenn eine Bemerkung oder eine Geste Gefuehle in einem ausloest, oder wenn man sich auf eine gewisse Weise abgrenzen muss, um diesen Gefuehlen Einhalt zu gebieten. Am hilfreichsten waere es wahrscheinlich, vorher zu besprechen, wie Sie damit umgehen werden, damit es das gemeinsame Tanzen nicht zu sehr beeinflusst.


Ausserdem ist es wichtig, dass Sie sich erlauben, wirklich zu trauern um diese Beziehung anstatt "an der Hoffnung festzuhalten", dass Sie wieder zueinander finden. Diese Versuchung ist oft gross, wenn man so nah miteinander umgeht wie das beim Tanzen ja oft geschieht. Darum hier Ausfuehrungen zum Trauerprozess (aus "Maulende Rebellen, beleidigte Zicken"):

Die Gefühle, die man nach einem Verlust durchläuft, scheinen sich an eine bestimmte Ordnung zu halten. Die erste Reaktion auf Verlust ist oft der Versuch, die Realität wegzuleugnen. Man kann und will nicht glauben, dass das Geschehene wirklich passiert ist. Typische Gedanken sind: “Das ist alles nur ein Traum.” “Morgen ist alles wieder in Ordnung.” “Das kann einfach nicht wahr sein.” „Ist das wirklich passiert?“

Die Phase des Verleugnens kann von ein paar Minuten bis hin zu einigen Wochen dauern, je nach der Größe des Verlusts. Danach folgt normalerweise eine Zeit des Verhandelns. Man versucht mit Gott, der Welt, dem Universum, sich selbst oder anderen Menschen zu verhandeln, um das Geschehene ungeschehen zu machen. Typische Gedanken sind: “Wenn ich nur hart genug arbeite, wird keiner merken, was wirklich passiert ist.” “Wenn ich von jetzt an alles richtig mache, dann wird er wieder zurückkommen.” “Ich muss nur wirklich danach suXXXXX, XXXXXn werde ich es schon finden.” „Es wird schon besser werden, wenn ich nur....“ Für Erwachsene und Jugendliche, die in der Regel einen recht guten Realitätssinn haben, dauert die Zeit des Verhandelns normalerweise nicht besonders lange. Sie merken schnell, dass man noch so viel versprechen kann, letztendlich kann man den Verlust nicht ungeschehen machen. Jüngere Kinder, die noch eine rege Fantasiewelt haben, brauchen oft etwas länger, um den Verlust als Tatsache anzuerkennen.

Nach dem Verhandeln kommen Wut und Trauer. Diese beiden Gefühle wechseln sich oft ab. Vielen Menschen fällt es leichter, wütend zu sein als traurig. Wut gibt Energie und beschützt. Wenn man wütend ist, kann man wenigstens morgens aufstehen und zur Arbeit gehen. Man kann sich gegen die unbedachten Worten der Menschen wehren, die den Verlust nicht verstehen. Trauer dagegen nimmt Energie. Man kann sich kaum bewegen und es ist schwer, die einfachen Aufgaben des täglichen Lebens zu erfüllen. Manchmal führt Trauer zu Depressionen. Depressionen machen es nicht nur schwer sondern fast unmöglich morgens aufzustehen, zu essen, sich anzuziehen, zur Arbeit zu gehen, und im täglichen Leben zu funktionieren. Menschen, die nach einem Verlust in Depressionen verfallen, brauchen oft professionelle Hilfe, um den Weg zurück zu finden. Die Länge dieses Prozesses hängt natürlich von der Grösse des Verlusts ab. Wenn ein Kind oder ein Partner unerwartet stirbt, ist es normal 4-5 Jahre lang zwischen Wut und Trauer hin- und herzuschwanken. Sollten die Gefühle des Trauerns dann noch immer so stark sein wie gleich nach dem Verlust, ist es wahrscheinlich eine gute Idee, um Hilfe zu bitten. Das Gefühl von Verlust und Leere wird vor allem an Verjährungsdaten wiederkommen. Aber es sollte mit der Zeit weniger akut und intensiv werden. Sowohl Trauer als auch Wut sind nötig, um den Verlust zu verarbeiten. Die Anteile der beiden Gefühle variieren von Mensch zu Mensch, aber Menschen, die nur eins dieser Gefühle zulassen, werden es schwer finden, den Verlust wirklich zu akzeptieren.

Nach der Zeit der Trauer und Wut, folgt dann irgendwann die Akzeptanz. Man muss akzeptieren, dass das Leben nie wieder so sein wird wie zuvor. Aber im Gegensatz zur Resignation, die den Verlust zwar akzeptiert, aber zwangsläufig entscheidet, dass damit das Leben schlechter und weniger lebenswert ist, bedeutet wahre Akzeptanz, dass man von ganzem Herzen glaubt, dass das Leben zwar anders, aber trotzdem im grossen und ganzen gut ist. Akzeptanz ist nicht nur ein Gefühl sondern auch, und vielleicht sogar vor allem, eine Entscheidung. Es gibt Verluste im Leben, bei denen man sich eine lange Zeit lang jeden Tag neu entscheiden muss, sie zu akzeptieren. Erst dann folgt irgendwann das Gefühl und macht das Akzeptieren etwas leichter. Nachdem man den Verlust tatsächlich akzeptiert hat, kann man sich erneut auf das Leben einlassen. Erst dann kann man neue Beziehungen knüpfen und die kleinen Freuden des Lebens wieder geniessen. Viele Menschen bemerken zu diesem Zeitpunkt, dass sie wieder unbedarft lachen, dass sie sich am Geruch einer Blume erfreuen, dass ihnen das Essen wieder schmeckt, dass sie wieder Lust haben, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen.

Leider erlauben sich nur wenige Menschen, dem Prozess des Trauerns seinen Lauf zu lassen. Es gibt so viele gute Gründe, schnell wieder funktionieren zu wollen. Da sind die Arbeit, die Erwartungen der Familie und der Freunde, die zeitgebundenen Projekte, die Bedürfnisse der Menschen um einen herum. Sechs Monate nach dem Tod einer geliebten Person bekommt man keine Karten mehr zugeschickt oder Worte der Anteilnahme zu hören. Es wird normalerweise erwartet, dass man seinen Verlust „weggesteckt“ hat. Und wenn sich dann doch jemand nach dem persönlichen Befinden erkundigt, sagt man, dass man über den Verlust hinweg ist, denn man hat sich mittlerweile selbst davon überzeugt, dass sechs Monate mehr als genug sind, um zu trauern. In einer Gesellschaft, die wenig Raum zum Trauern lässt, ist es darum kein Wunder, dass viele Menschen versuchen, diesen Prozess abzukürzen oder ganz zu vermeiden.

Man kann sich einreden, dass der Verlust gar nicht so schlimm war, dass man jetzt mit dem Trauern fertig sein sollte, dass man keine Zeit hat, dass das Leben einfach weitergehen muss. Damit verdrängt man die Gefühle, stopft sie tief in sich hinein und hofft, dass sie irgendwie verschwinden. Wenn man sich weit genug von seinen Gefühlen abgegrenzt hat und nur auf den Kopf und nicht auf die Seele hört, dann kann man sich oft selbst davon überzeugen, dass man nicht wirklich trauern muss. Oder man kann versuchen, sich von seinen Gefühlen abzulenken. Drogen, Alkohol, Essen, Arbeit, Glücksspiele oder Sport sind beliebte Wege, von den den unangenehmen Gefühlen abzulenken und sie nicht spüren zu müssen. Menschen werden oft sehr kreativ, um diese Gefühle zu vermeiden. Leider funktioniert keine der beiden Strategien wirklich. Entweder kann man irgendwann die Gefühle nicht mehr unterdrücken oder die Ablenkungsmanöver haben einen zu hohen Preis. Die unterdrückten oder ignorierten Gefühle kommen einem dann mit voller Kraft ins Bewusstsein. Man spürt sie so klar und deutlich, als ob der Verlust gerade erst passiert sei. So kann es sein, dass ein Alkoholiker, der endlich clean ist, 30 Jahre nach dem Tot eines geliebten Menschen auf einmal weint und trauert als ob der Mensch gestern gestorben sei. Wenn sich jemand jahrelang durch unermüdliche Arbeit davon abgelenkt hat, dass er ein Kind verloren hat, kann es passieren, dass er während des nächsten Urlaubs (auf den er sich nur widerwillig eingelassen hat) auf einmal Gefühle von Wut und Traurigkeit spürt, die keine wirkliche Ursache zu haben scheinen. Die unverarbeiteten Verluste machen es ihm unmöglich den Urlaub zu geniessen. Ohne sich auf seine Arbeit konzentrieren, und dadurch von seinen Gefühlen ablenken zu können, erlebt man auf einmal Gefühle, die man verloren gehofft hatte. In anderen Worten, man kann das Trauern aufschieben, aber nicht wirklich vermeiden.


Emotional einfacher waere es auf jeden Fall, wenn Sie tatsaechlich Abstand (also keinen Kontakt) halten wuerden. Oft sagt man, dass es 1/3-1/2 so lange dauert zu "heilen" wie die Beziehung angedauert hat. Und oft ist es wichtig, sich 6-8 Wochen ueberhaupt nicht zu sehen und keinen Kontakt zu haben, um zu trauern und den Heilungsprozess anzufangen.



Ich hoffe, dass Ihnen diese Ausfuehrungen helfen, die fuer Sie richtige Entscheidung zu treffen. Ich beantworte natürlich auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze. Vielen Dank.

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