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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3889
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
54307587
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Guten Tag Mein Mann und ich leben seit ca. 19 Jahren

Diese Antwort wurde bewertet:

Guten Tag
Mein Mann und ich leben seit ca. 19 Jahren getrennt, ohne jemals die richterliche Trennung oder Scheidung eingereicht zu haben. Nun meine Frage: Mein Mann ist bereits seit ca. 5 Jahren in Rente und ich noch im Arbeitsverhältnis. Ist es sinnvoller mich scheiden zu lassen, oder bekomme ich dann keine Witwenrente mehr?(Wir sind seit 36 Jahren verheiratet). Auch würde ich gerne 1 Jahr früher aufhören zu Arbeiten, was mein Mann sicher nicht absegnen würde.
Besten Dank für Ihre Antwort
H.G.

Sehr geehrte JustAnswer-Nutzerin

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage nach Schweizer Recht mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Zunächst ist zwischen der Witwenrente der AHV und der Witwenrente der Pensionskasse (BVG) zu unterscheiden.

Nach Art. 24a AHVG haben Sie auch als geschiedene Witwe Anspruch auf eine Witwenrente, wenn:

  • Sie eines oder mehrere Kinder haben und die geschiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat;
  • die geschiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat und die Scheidung nach Vollendung des 45. Altersjahres erfolgte oder wenn
  • das jüngste Kind sein 18. Altersjahr vollendet hat, nachdem die geschiedene Person ihr 45. Altersjahr zurückgelegt hat.

Aufgrund Ihrer Ausführungen nehme ich an, dass Sie jedenfalls die zweite dieser Voraussetzungen erfüllen, mithin über zehn Jahre verheiratet waren und jetzt (bzw. bei der Scheidung) über 45 Jahre alt sind.

Sie haben also selbst nach einer Scheidung noch Anspruch auf eine Witwenrente, sofern Sie sich nach der Scheidung nicht wieder verheiraten und nicht selber schon eine AHV- oder IV-Rente beziehen.

Der Anspruch auf eine Witwenrente der Pensionskasse ergibt sich aus Art. 19 Abs. 3 BVG und Art. 20 BVV2. Nach diesen Bestimmungen haben Sie auch nach der Scheidung Anspruch auf eine BVG-Witwenrente, wenn:

  • die Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat; und
  • Ihnen bei der Scheidung eine Rente nach Artikel 124e Absatz 1 oder 126 Absatz 1 ZGB zugesprochen wurde.

Ihre Ehe hat mehr als zehn Jahre gedauert. Bei der Scheidung müssten Sie also darauf achten, dass Ihnen vom Gericht eine Ehegattenrente bzw. Ehegattenunterhalt zugesprochen wird. Gegebenenfalls sieht das Pensionskassenreglement Ihres Mannes eine günstigere Lösung vor, was zu prüfen wäre.
Da bei Ihrem Ehemann der Vorsorgefall bereits eingetreten ist und Sie berufstätig sind, kann ich hier nicht abschliessend beurteilen, ob Sie mit der Zusprechung von nachehelichem Unterhalt rechnen können.

Nach der Scheidung steht es Ihnen natürlich frei, sich frühpensionieren zu lassen oder bis 64 zu arbeiten. Bei der Berechnung bzw. Zusprechung von Ehegattenunterhalt würde eine Frühpensionierung allerdings als "freiwillige Einkommensverminderung" bewertet. D.h. ein Gericht würde Ihnen ab der freiwilligen Frühpensionierung nicht mehr Ehegattenunterhalt zusprechen. Anders wäre es, wenn Ihr Mann zustimmt oder Sie nicht freiwillig vorzeitig in Rente gehen (z.B. wegen Krankheit oder Arbeitgeber-Kündigung).

Sollten Sie noch verheiratet sein, gilt das gleiche. Sie können zwar in einem Trennungs- bzw. Eheschutzverfahren beantragen, dass Ihnen Ehegattenunterhalt zugesprochen wird. Hierbei würde sich aber eine freiwillige Frühpensionierung nicht zu Ihren Gunsten auswirken.

Insgesamt verlieren Sie also den Anspruch auf Witwenrente der AHV nicht durch Scheidung. Ob Sie den Anspruch auf Witwenrente der Pensionskasse verlieren, hängt von den Modalitäten des Scheidungsurteils und/oder vom Pensionskassenreglement der PK Ihres Mannes ab.

Aus meiner Sicht spielt bei der Beantwortung Ihrer Frage aber auch noch eine Rolle, ob Ihr Ehemann vermögend ist oder nicht. Durch die Scheidung verlieren Sie nämlich sämtliche Erbansprüche. Solange Sie noch verheiratet sind, sind Sie pflichtteilsgeschützte Erbin Ihres Mannes und sind von der Erbschaftssteuer befreit. Falls Ihr Ehemann also vermögend ist, ist von einer Scheidung wohl eher abzuraten. Bei dieser Beurteilung kann aber auch eine Rolle spielen, ob Sie gemeinsame Kinder haben, die als Erben Ihres Mannes in Betracht kommen.

Abschliessend noch folgender Hinweis:
Solange Ihre tatsächliche Trennung nicht durch ein Gerichtsurteil (Trennungs- oder Eheschutzurteil) festgestellt wurde, werden die AHV-Renten von Ihnen und Ihrem Mann plafoniert, d.h. gekürzt. Die AHV-Rente beträgt für sie beide zusammen (plafoniert) maximal CHF 3'525.-. Sind Sie und Ihr Mann hingegen gerichtlich getrennt (oder geschieden), erhalten Sie jeweils eine Einzelrente in Höhe von je max. CHF 2'350.-. Eine tatsächliche Trennung ohne Gerichtsentscheid genügt also nicht, um die Plafonierung abzuwenden.
Vor diesem Hintergrund wäre zu überlegen, ob Sie sich vor Ihrer Pensionierung nicht wenigstens gerichtlich trennen oder eben tatsächlich scheiden lassen wollen.

Insgesamt kann Ihre Frage hier nicht abschliessend beantwortet werden, weil viele Faktoren beim Entscheid für eine Scheidung eine Rolle spielen, so z.B. erbrechtliche Aspekte und Aspekte der Witwenrente nach BVG. Auf jeden Fall aber sollten Sie eine gerichtliche Trennung in Erwägung zu ziehen, um die Plafonierung der AHV-Rente zu verhindern.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Über die positive Bewertung meiner Antwort (Anklicken von drei bis fünf Sternen) würde ich mich sehr freuen.

Freundliche Grüsse

RA lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.

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