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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3886
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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Es geht um die Abklärung eines Rekursverfahrens für eine mit

Diese Antwort wurde bewertet:

Es geht um die Abklärung eines Rekursverfahrens für eine mit Note 3.75 (Schweizer Notenskala) nicht bestandene Prüfung.
Die Prüfung dauerte 60 Minuten und bestand aus zwei Teilen:
1. Teil: 16 Aufgaben Multiple Choice Aufgaben, welche je 4 Aussagen beinhalten. Bei jeder einzelnen Aufgabe sind alle 4 Aussagen auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und alle Kombinationen sind möglich (4 korrekt, 3 korrekt, 2 korrekt, 1 korrekt oder 0 korrekt). Nur wer 4 von 4 Aussagen korrekt beurteilt, kriegt die 2 Punkte pro Aufgabe, sonst gibt es sofort 0 Punkte. Dies gibt insgesamt 32 mögliche Punkte für Teil 1.
2. Teil: 8 Aufgaben mit Single Choice Aufgaben, welche bei korrektem ausfüllen 4 Punkte je geben (32 Punkte für Teil 2).
Im ersten Teil der Prüfung waren 2 Schreibfehler enthalten, weshalb der Prüfungsleiter zwei Mal die Prüfung mit einer Durchsage unterbrochen hat um auf seine Schreibfehler hinzuweisen. Auch innerhalb der ersten 30 Minuten des Prüfungsablauf musste der Prüfungsleiter eine dritte Durchsage machen, da seine Prüfungsanweisungen für mehrere Studenten nicht eindeutig auf dem Merkblatt erklärt waren. Da seine insgesamt drei Durchsagen mehrere Minuten dauerten, fragte eine Studentin aus dem Prüfungspublikum, ob er uns die Prüfungszeit verlängern könnte, worauf er verneinte.
Meine Argumentation ist, dass die starke Störung des Konzentrationsflusses und verkürzte Prüfungsdauer, beides aufgrund der drei Durchsagen des Prüfungsleiters stark zum Scheitern meines Prüfungserfolgs beigetragen haben. Für ein bestehen der Prüfung haben mir 2 von 64 Punkten gefehlt, was mit dem korrekten Lösen einer einzigen weiteren Aufgabe gelungen wäre. 1 von 124 Häckchen anderst angekreuzt hätten gereicht, und ich hätte die Prüfung bestanden.
Für die starke Beeinflussung meines Prüfungsresultat spricht die starke Korrelation meiner Fehler mit den Unterbrechungen des Prüfungsleiters: im ersten Teil während den drei Unterbrechungen habe ich 12.5% der Prüfung korrekt gelöst, im zweiten und reibungslos ablaufenden Teil habe 75% korrekt gelöst.
Was ist ihre Meinung? Hätte solch ein Rekurs eine Chance durchzukommen?
Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
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Ihr JustAnswer Moderatoren-Team

Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Anfrage mit folgender Rechtsauskunft nach Schweizer Recht beantworten:

Rekurse gegen Prüfungsentscheide bzw. Benotungen sind in aller Regel nicht erfolgreich. In den meisten Fällen beruft sich die Rekursinstanz auf das Argument, dass Sie das Ermessen der Vorinstanz (= Prüfungsinstanz / Benotungsinstanz) nicht beurteilen dürften.

In Ihrem Fall geht es u.a. um Ermessenentscheidungen, welche die Prüfungsinstanz getroffen hat, nämlich:

  1. dass Multiple-Choice-Bewertung im ersten Teil ("alles oder nichts") zu einer korrekten Leistungsbeurteilung führte.

Diese Ermessensentscheidung kann man natürlich zu Recht in Frage stellen, führen aber in aller Regel zur Rekursabweisung, weil die Rekursinstanz Ermessensentscheidungen nicht korrigiert / nicht korrigieren darf, es sei denn, sie sei offensichtlich rechtswidrig oder willkürlich erfolgt.

Im Gegensatz zu Ermessenfragen darf/muss die Rekursinstanz aber Rügen in Bezug auf ein mangelhaftes Verfahren bzw. eine fehlerhaften Prüfungsablauf prüfen, so also Fragen, die den äusseren Ablauf von Prüfungen betreffen (vgl. Bundesgerichtsentscheid, BGE 106 Ia 1).

  1. dass die Unregelmässigkeiten (Unterbrechnungen, Schreibfehler in der Prüfung, Unklarheit Merkblatt) zu keiner Erhöhung des Notenspiegels führten,
  2. dass Unterbrechnungen zu keiner Verlängerung der Prüfungszeit führten und

Auch in Bezug auf diese Fragen scheitern Rekurse aber regelmässig. Zum einen wird regelmässig verlangt, dass Störungen bzw. eine Beeinträchtigung Ihrer Prüfungsfähigkeit unverzüglich, d.h. innerhalb von 10 Tagen, seit der Prüfung reklamieren. Wird hingegen die Benotung abgewartet und erst bei Vorliegen des Ergebnisses mit dem Argument rekurriert, die Prüfungsfähigkeit / Konzetration sei während der Prüfung gestört worden worden, wird der Rekurs (wegen verspäteter Rüge) regelmässig abgewiesen.

Selbst wenn die Rüge noch rechtzeitig erfolgt ist, müsste der Rekurrent beweisen, dass die Störungen tatsächlich seine Leistungsfähigkeit beeinträchtigt hat. Dies könnte in Ihrem Fall ggf. gelingen, da Sie den ersten Teil (während der Unterbrechnungen) weniger erfolgreich lösten, als den störungsfreien Prüfungsteil.

Oft ist in Rekursentscheidungen in Bezug auf Verfahrensfragen das Argument zu lesen, dass andere Prüfungskandidaten trotz der Unregelmässigkeiten die Aufgabe besser gelöst hätten. Dieses Argument ist aber aus meiner Sicht willkürlich, weil nicht jeder Kandidat gleich auf Störungen regaiert.

Immer mit Erfolg korrigieren lassen sich offensichtliche Fehler bei der Korrektur (je nach Einrichtung auch im Rahmen eines Wiedererwägungsgesuchs, statt Rekurs).

Aus meiner Sicht sind die Chancen für einen erfolgreichen Rekurs grundsätzlich schlecht, es sei denn, sie hätten die Störungen nachweislich unverzüglich nach der Prüfung gerügt. Falls Sie die Störungen/Unterbrechungen erst mit dem Rekurs rügen, müssen Sie damit rechen, dass der Rekurs wegen verspäteter Rüge abgewiesen wird.

Selbst wenn der Rekurs durchdringen mit den von Ihnen genannten Argumenten erfolgreich sein sollte, werden Sie wohl höchstens eine Wiederholung der Prüfung (ohne Wertung der nicht erfolgreichen Prüfung) erreichen, nicht aber, dass die nicht bestandene Prüfung als "bestanden" gewertet wird.

Ich bedauere, Ihnen keine besseren Erfolgsaussichten machen zu können, hoffe aber dennoch, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Sollten Sie den Rekurs einreichen, interessiert mich freilich der Rekursentscheid. Ich drücke Ihnen die Daumen.

Über die positive Bewertung meiner Antwort (Anklicken von 3-5 Sternen) würde ich mich sehr freuen.

Freundliche Grüsse

RA lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.

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