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Tierarzt - Homöopathie
Tierarzt - Homöopathie, Dr. med. vet.
Kategorie: Tiermedizin
Zufriedene Kunden: 12820
Erfahrung:  Approbation (1986), Zusatzbezeichnung Homöopathie (1991), eigene Kleintierpraxis seit 1996
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Tierarzt - Homöopathie ist jetzt online.

Hallo wir haben einen 8 Monate alten Labbl-Schnautzer-Mix.

Kundenfrage

Hallo wir haben einen 8 Monate alten Labbl-Schnautzer-Mix. Schultermaß ca 60cm bei 24kg Gewamtgewicht. Er ist nicht unser erster Hund aber unser erster Rüde.
Er ist ein eher drahtiges, hochbeiniges und lauffreudiges Tier. Seit gut 6 Wochen "besteigt" er nun alles was greifbar ist. Mittlerweile "klammert" er auch schon sehr stark dabei. Wir haben gleich erzieherisch dagegen gehalten, allerdings wir die Sache langsam problematisch, da er in der letzten Zeit deutlich an Muskelmasse zugelegt hat, so dass meine 11 jährige Tochter mit ihren 44 kg mittlerweile schon mal Probleme bekommt, wenn er mal wieder "seinen Vogel kriegt" und Hündinenn nachsteigt, denen man begegnet.
Nun zur Frage...
Mit welchem Alter würde eine operative Kastration anzuraten sein?
Ich habe da einiges an pro und contra über die sogenannte Frühkastration gelesen... Sollte man warten bis er 10-12 Monate ist???
Was meinen Sie?
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Tiermedizin
Experte:  Tierarzt - Homöopathie hat geantwortet vor 5 Jahren.

Hallo,

eine Kastration mit etwa 8-9 Monaten ist in Ordnung, insbesondere wenn sehr rüpelhaftes Verhalten gezeigt wird (dann wäre sogar auch etwas frühere Kastration mit 7 Monaten möglich gewesen).

Das Besteigen wird auf jeden Fall weniger. Da es aber auch eine Dominanzgeste darstellt, muß man - da ja auch Menschen "bestiegen" werden - gleichzeitig auch an der Rangordnung arbeiten.
Eine Kastration wird voraussichtlich außerdem folgende Veränderungen bringen:
- keine Ruhelosigkeit durch läufige Hündinnen mehr
- Aggression von anderen Rüden vermindert, evtl. etwas vermehrte Aggression durch fremde Hündinnen (einzelne Hündinnen sind gegen kastrierte Rüden etwas aggressiv)
- das vermutlich liebenswürdige Verhalten Ihres Rüden wird sich nicht ändern
- keine Prostataentzündungen oder -vergrößerungen
Nachteil:
- evtl. etwas ruhiger
- etwas höhere Neigung zum Dickwerden (läßt sich aber durch disziplinierte Fütterung und genug Bewegung (gut wäre ein festes Bewegungsprogramm) vermeiden)

Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, würde ich zunächst die chemische Kastration zum Ausprobieren durchführen .

Das gebräuchlichste und nebenwirkungsärmste Präparat ist ein Chip, ein Suprelorin-Implantat. Es wird zwischen den Schulterblättern unter die Haut injiziert und kann dort in der Regel folgenlos lebenslang verbleiben. Die Wirkung tritt nach etwa 4-6 Wochen ein und hält etwa ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr (je nach Stärke des Implantats).
http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?tak/05000000/00059061.01?inhalt_c.htm

Ein anderes Mittel ist Delmadinon (Gestagen und Antiandrogen, tardastrex, pfizer), hier sind die Nebenwirkungen höher und es wird daher kaum noch verwendet. http://139.18.70.138/fachinfo/t/tardastrex_10mgml_spc_2007-12.pdf

Früher wurde in Deutschland oft Androcur (Cyproteron, Antiandrogen, Gestagen) verwendet, gibt es aber nicht mehr http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?wir/00000209/8660_05.htm?wir/00000209/8660_00.htm


Bei der chirurgische Kastration werden die Hoden in der Regel durch einen einzigen Schnitt in der Mittellinie entfernt. Dies geschieht natürlich unter Vollnarkose. Die Operation ist in der Regel ohne Probleme oder Komplikationen.
Ergänzendes Verhaltenstraining , um das Besteigen zu reduzieren:

- Beschäftigen Sie Ihren Hund möglichst viel (Spazieren, Spiele, Suchspiele ( einen Teil des täglichen Futters suchen lassen). Hilfreich sind insbesondere Suchspiele, da sie die Ruhe und Ausgeglichenheit des Hundes stärken und der Hund lernt, sich auf etwas zu konzentrieren. Schwierigkeit allmählich steigern und bei Erfolg loben (der Futterbrocken an sich ist natürlich auch schon eine Belohnung)
-Hunde haben eine Assoziationszeit von 3-4 Sekunden, d.h. sie verbinden die Reaktion des Menschen mit dem, was sie in den letzten 3-4 Sekunden gemacht haben. Stoppen kann man ein Verhalten demzufolge nur bei Beginn (Nein und Sitz machen lassen). Zuwendung dürfen Sie Ihrem Hund erst wieder geben, wenn er sich beruhigt hat. Sitz machen lassen und ein paar Futterbröckchen geben.
-Vor jeder angenehmen Tätigkeit (Fressen, Spazieren, Streicheln, Spielen etc.) einen Befehl (z.B. Sitz) ausführen lassen. Nichts ist umsonst. Fördert das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit Ihrer Befehle ("Es lohnt sich auf Frauchen/Herrchen zu hören!").
-Rangfolgetraining: Hund geht erst als 2. durch eine Tür; Hund wird erst gefüttert, nachdem Besitzer gegessen hat; Manche Plätze (z.B. Sofa) dürfen nur mit Erlaubnis und Aufforderung durch Besitzer betreten werden. Im Hunderudel ist es ganz klar, daß man macht, was der Rudel-Chef sagt. Daher ist die klare Rangordnung für das Gehorchen und Ruhigbleiben - auch in Situationen, wo er sonst aufgeritten wäre - hilfreich.
-Gehorsamkeitstraining (mit kleinen erbsengroßen Trockenfutterbelohnungen durchführen, Hund sollte sich einen Teil seines Futters mit den Übungen erarbeiten müssen)
1. Komm-Training: Name rufen und Futterbrocken zeigen, sobald Hund aufmerksam ist: Komm rufen, wenn Hund kommt, sofort (innerhalb von höchstens 1 Sekunde) Belohnung geben
2. Sitz Training: Futterbrocken vor die Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futterbrocken langsam nach oben-hinten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft aufs Hinterteil des Hundes drücken, dabei "Sitz!" sagen, sobald Hund sich gesetzt hat: Innerhalb von 1 Sekunde Belohnung geben und loben
3. Platz-Training: aus der Sitzposition heraus, Futterbrocken vor Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futter langsam nach vorn-unten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft auf Rücken drücken, dabei "Platz" sagen. sobald Hund in Platz-Position: sofort (1Sekunde!) Belohnung geben
4.Bleib-Training: aus Platz- oder Sitz-Position heraus: "Bleib" sagen, 1 Schritt weggehen, sofort wieder zum Hund gehen und Belohnung geben (sollte Hund doch aufgestanden sein: ignorieren, neuer Versuch und noch schneller zum Hund zurückkehren), allmählich die Abstände vergrößern, später dann 2, 3, 5... Minuten , noch später verläßt der Mensch auch mal kurz das Zimmer
-Generell gilt: Erwünschtes Verhalten beachten und belohnen (schon das Beachten eines Hundes ist für ihn eine Belohnung) , unerwünschtes Verhalten ignorieren (soweit möglich) bzw. den Hund schnellstmöglich und ohne zu Reden aus der Situation führen

 

Ihr Tochter sollte den Hund oft füttern und den Hund vorher Aufgaben erfüllen lassen. Außerdem sollte es Plätze geben, die für den Hund tabu sind, die Ihre Tochter aber öfter benutzt. (Zeichen von höherem Rang) Hund wird als letzter gefüttert, geht als letzter durch Türen...

 

Viel Glück!

 


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Alles Gute & freundliche Grüße aus Nürnberg,

Udo Kind

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Experte:  Tierarzt - Homöopathie hat geantwortet vor 5 Jahren.

Hallo,

danke für´s Akzeptieren!


Freundliche Grüße,

Udo Kind