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Tierarzt - Homöopathie
Tierarzt - Homöopathie, Dr. med. vet.
Kategorie: Tiermedizin
Zufriedene Kunden: 12819
Erfahrung:  Approbation (1986), Zusatzbezeichnung Homöopathie (1991), eigene Kleintierpraxis seit 1996
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Tierarzt - Homöopathie ist jetzt online.

Halloich habe seit einer Woche einen 2 jährigen Zwergpudel

Kundenfrage

Halloich habe seit einer Woche einen 2 jährigen Zwergpudel aus der Zucht.
Mein Problem ist , daß er ungewöhnlich ängstlich ist, und seit neuesten Spaziergänger, die uns beim Laufen anknurt, eszeigt auch Zähne.
Was kann ich tun, das zu unterbinden?

Einen schonen Sonntag von

Heide oigt
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Tiermedizin
Experte:  Tierarzt - Homöopathie hat geantwortet vor 5 Jahren.

Hallo,

danke für Ihre Anfage.

vermutlich hat der Hund wenig Bekanntschaften und dann meist schlecht mit Fremden gemacht und sollte nun ganz allmählich an fremde Menschen gewöhnt werden.

Diese Maßnahmen können oft helfen:

1.Verhaltenstraining
-Allmähliche Desensibilisierung: Üben Sie zunächst in ganz leichten Situationen (in der Wohnung, im vertrauten Garten, draußen: andere Leute sind noch weit weg) der fremde Menschh soll in größerer Entfernung sein und Ihren Hund ignorieren. Loben Sie ruhiges Verhalten (auch mit Trockenfutterbröckchen, Lieblingsfutter), ignorieren Sie Ihren Hund aber vollkommen, falls er Unruhe zeigt.Draußen ziehen Sie ihn an der Leine bei Beginn von Aggression mit Nein! sofort in eine andere Richtung. Dies ist sehr wichtig. Dann neues Training in einer noch etwas leichteren Situation, d.h. noch etwas mehr Abstand. Reduzieren Sie den Abstand ganz allmählich. Das Training kann insgesamt einige Wochen dauern.
- Beschäftigen Sie Ihren Hund möglichst viel (Spazieren, Spiele, Suchspiele ( einen Teil des täglichen Futters suchen lassen). Hilfreich sind insbesondere Suchspiele, da sie das Selbstbewusstsein des Hundes stärken und der Hund lernt, sich auf etwas zu konzentrieren. Schwierigkeit allmählich steigern und bei Erfolg loben (der Futterbrocken an sich ist natürlich auch schon eine Belohnung)
-Hunde haben eine Assoziationszeit von 3-4 Sekunden, d.h. sie verbinden die Reaktion des Menschen mit dem, was sie in den letzten 3-4 Sekunden gemacht haben. Sollte sich Ihr Hund von sich aus dem Besuch etwas mehr genähert haben als bisher, müssen Sie ihn sofort (< 3 Sekunden) loben und ihm ein Lieblingsfutterbröckchen geben. Dieses Lieblings-Trockenfutter gib es ab jetzt ausschließlich nur noch, wenn Besuch im Haus ist
-Vor jeder angenehmen Tätigkeit (Fressen, Spazieren, Streicheln, Spielen etc.) einen Befehl (z.B. Sitz) ausführen lassen. Nichts ist umsonst. Fördert das Vertrauen in den Sinn Ihrer Befehle ("Es lohnt sich auf Frauchen/Herrchen zu hören!").
-Rangfolgetraining: Hund geht erst als 2. durch eine Tür; Hund wird erst gefüttert, nachdem Besitzer gegessen hat; Manche Plätze (z.B. Sofa) dürfen nur mit Erlaubnis und Aufforderung durch Besitzer betreten werden. Im Hunderudel ist es ganz klar, dass man macht, was der Rudel-Chef sagt. Daher ist die klare Rangordnung für das Gehorchen und Ruhigbleiben in allen Stresssituationen hilfreich.
-Gehorsamkeitstraining (mit kleinen erbsengroßen Trockenfutterbelohnungen durchführen, Hund sollte sich einen Teil seines Futters mit den Übungen erarbeiten müssen)
1. Komm-Training: Name rufen und Futterbrocken zeigen, sobald Hund aufmerksam ist: Komm rufen, wenn Hund kommt, sofort (innerhalb von höchstens 1 Sekunde) Belohnung geben
2. Sitz Training: Futterbrocken vor die Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futterbrocken langsam nach oben-hinten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft aufs Hinterteil des Hundes drücken, dabei "Sitz!" sagen, sobald Hund sich gesetzt hat: Innerhalb von 1 Sekunde Belohnung geben und loben
3. Platz-Training: aus der Sitzposition heraus, Futterbrocken vor Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futter langsam nach vorn-unten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft auf Rücken drücken, dabei "Platz" sagen. sobald Hund in Platz-Position: sofort (1Sekunde!) Belohnung geben
4.Bleib-Training: aus Platz- oder Sitz-Position heraus: "Bleib" sagen, 1 Schritt weggehen, sofort wieder zum Hund gehen und Belohnung geben (sollte Hund doch aufgestanden sein: ignorieren, neuer Versuch und noch schneller zum Hund zurückkehren), allmählich die Abstände vergrößern, später dann 2, 3, 5... Minuten , noch später verläßt der Mensch auch mal kurz das Zimmer
-Wenn Ihr Hund diese Übungen sicher beherrscht, wenn Ihr Besuch nicht da ist, können Sie ihn auch üben lassen, wenn Besuch zunächst in größerer Entfernung da ist. Auch hier gilt: Entfernung allmählich verkleinern.
-Generell gilt: Erwünschtes Verhalten beachten und belohnen (schon das Beachten eines Hundes ist für ihn eine Belohnung) , unerwünschtes Verhalten ignorieren (soweit möglich).
- Wenn Ihr Hund Angstverhalten zeigt, auf keinen Fall beruhigend auf ihn einreden, da dies als Bestätigung und Belohnung verstanden wird. Mit einem kurzen Befehl irgendeine Aufgabe (Sitz, Voran, Komm, Such...) ausführen lassen, Zuwendung unbedingt erst wieder bei ruhigem, normalem Verhalten.
-Gut wäre natürlich generell viel loser Kontakt mit anderen Menschen, auch der Besuch einer Hundeschule und allgemein möglichst viel Kontakt mit anderen Hunden, mit denen Ihr Hund toben kann und mit denen im Idealfall auch der Kontakt mit anderen Menschen gut geübt werden könnte (Ein ausgeglichener anderer möglichst ranghöherer Hund, der erwünschtes Verhalten vormacht, wirkt manchmal Wunder!)
-Erst wenn sich Ihr Hund mit diesem Training von sich aus bis in die Nähe anderer Menschen getraut hat, hält dieser ihm (in die Hocke gehend, wegschauend; keinesfalls den Hund fixieren, da dies von Hunden als Bedrohung gesehen wird) ohne zu Reden ein paar Bröckchen Lieblingstrockenfutter hin. Der Hund wird von Ihnen gelobt, wenn er das Futter genommen hat. Wenn er nichts genommen hat, wird er ignoriert und man muss das Ganze in ein paar Tagen noch einmal versuchen. Allmählich wird der Besuch so zu etwas immer Tollerem und wird Ihren Hund auch bald berühren (dabei auch loben und etwas Lieblingsfutter) dürfen. Nichts überstürzen, alles ganz allmählich.

- Fremde Menschen müssen mit möglichst vielen angenehmen Dingen koordiniert werden; wenn ein fremder Mensch da ist , sollte es für den Hund - solange er ruhig ist! - immer etwas Angenehmes (Futter, Lob , Streicheln...) geben.

-Lassen Sie später Fremde auch mal mit Ihrem Hund spielen.

2. Medikamente
Unterstützen könnte man die Verhaltenstherapie mit folgenden Medikamenten:
- Rescue-Bachblütentropfen (4x täglich für 7-10 Tage und dann jedes Mal, wenn neuer Besuch kommt
-Zylkene (wirkt allgemein angstreduzierend, gibt´s beim Tierarzt)
-Unterstützend könnten Sie Argentum nitricum D6 3x täglich 1 Gabe (5 Globuli oder 1 zerpulverte Tablette) geben, insbesondere falls Ihr Hund insgesamt eher ängstlich ist .
- DAP-Halsband (beruhigende Stoffe von säugenden Hündinnen)
- wenn Ihr Hund für den Besuch wirklich gefährlich werden könnte, müßte er vorher - wenn der Besuch noch nicht da ist - einen Maulkorb bekommen. Dieser würde dann -sobald der Hund ruhiger ist - in Gegenwart des Besuches wieder ausgezogen.

- Falls Sie mit diesen Tipps immer noch nicht weiterkommen, könnte man auch angsreduziernde Psychopharmaka wie Clomicalm oder Selgian einsetzen, diese Mittel gibt es aber nur beim Tierarzt. Die volle Wirkung dieser Mittel tritt erst nach etwa 3 Wochen ein, die Hunde lernen oft aber leichter und schneller, da sie weniger Angst empfinden.
.
Generell wichtig ist für den Hund Zuneigung (wenn er vom Besitzer erwünschtes Verhalten zeigt) und Konsequenz des Besitzers (Folge: Hund vertraut und macht das, was der Besitzer will)

Ich hoffe, dass ich Ihnen helfen konnte, und bitte Sie, nicht zu vergessen auf "akzeptieren" zu klicken. Über eine positive Bewertung würde ich mich natürlich auch freuen. Im Voraus besten Dank.

Alles Gute & freundliche Grüße aus Nürnberg,

Udo Kind

PS: falls Sie einen Maulkorb einsetzen müssen:
Wichtig wäre dann, daß der Maulkorb für den Hund etwas eher Angenehmes oder zu Mindest neutrales ist. Dies erreicht man durch Maulkorbtraining in der nächsten Zeit:
--Lieblingsfutter nur noch im Maulkorb füttern ein paar Tage, dann
--Maulkorb lose anlegen , Lieblingsfutter geben, ein paar Tage, dann
--Maulkorb kurz festmachen, sofort danach Lieblingsfutter ein paar Tage, dann
--Dauer des Maulkorbtragens allmählich verlängern, dann
--angenehme Dinge (spazieren, streicheln...) beginnen immer mit einer Phase Maulkorbtragen
So wird der Maulkorb vom Hund mit Angenehmem verbunden und er läßt sich ihn problemlos auch vor Besuch anlegen, ohne daß der Hund schon deshalb gereizt ist

Experte:  Tierarzt - Homöopathie hat geantwortet vor 5 Jahren.
Hallo,

haben Sie noch eine Frage? Ich antworte gerne noch einmal.
Falls Sie keine Ergänzungsfrage mehr haben, würde ich Sie bitten, fairer Weise und den allgemeinen Abläufen bei just-answer entsprechend auf "Akzeptieren" zu klicken. Vielen Dank im Voraus!

Freundliche Grüße,

Udo Kind

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