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Tierarzt - Homöopathie
Tierarzt - Homöopathie, Dr. med. vet.
Kategorie: Tiermedizin
Zufriedene Kunden: 12820
Erfahrung:  Approbation (1986), Zusatzbezeichnung Homöopathie (1991), eigene Kleintierpraxis seit 1996
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Tierarzt - Homöopathie ist jetzt online.

Ich habe einen Schäferhund und der hat jetzt das 2. mal einen

Kundenfrage

Ich habe einen Schäferhund und der hat jetzt das 2. mal einen Menschen gebissen. Das erste mal einen Jogger den er kannte, mit den Schneidezähnen gezwickt(blauer Fleck,keine Bisswunde) und heute einer Fahrradfahrerin in den Fuß, durch den Schih durch. Wir haben viel Besuch und hier bei uns auf dem Grundstück ist noch nie was passiert. Der Rüde ist bei uns zu Hause gebohren. Wir kennen ihn seit Welpen und verstehen das nicht. Die Fahrradfahrerin ist unsere Nachbarin und er hat durch den Schuh durch bis auf den Knochen durchgebissen. Natürlich hat sie jetzt große Angst und will das er eingeschläfert wird. Ich kann sie verstehen, aber einen gesunden 7 jährigen Rüden der eigentlich mehr ein Schmuser ist als sonst was, fällt es mir sehr schwer eine Entscheidung zu treffen. Ich liebe meinen Hund und es würde mir in der Seele weh tun dem nach zu kommen. Was meinen sie?
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Tiermedizin
Experte:  Tierarzt - Homöopathie hat geantwortet vor 5 Jahren.
Hallo,

zeigt Ihr Hund die Beißneigung wirklich ausschließlich nur gegen Fremde oder auch schon mal gegen Familien-Mitglieder? Wann hat das Verhalten begonnen (nach besonderem Erlebnis)? Möglicherweise verbindet Ihr Hund Fremde mit irgendeinem früheren bedrohlichen Erlebnis. Ist das Allgemeinverhalten (Appetit, Durst, Munterkeit, Laufen, Streichelbedürfnis...) Ihres Hundes ansonsten vollkommen unverändert? Handelt es sich um einen unkastrierten Rüden? (falls ja, kommt auch die Kastration als Therapieversuch in Frage).

Sollte es keine körperlichen Probleme geben (wurde schon eine Blutuntersuchung gemacht und war beim Blutbild keinerlei Entzündung nachweisbar und war der T4- Wert (Schilddrüsenüberfunktion) mit dabei?), könnten folgende Maßnahmen helfen, das Problem zu beheben:

1.Verhaltenstraining

-zunächst sollten Sie Ihren Hund bei problematischen Begegnungen nur noch an der Leine führen. Wenn Ihr Hund durch das unten beschriebene Training vollkommen auf Sie hört, können Sie ihn evtl. wieder frei laufen lassen und das Training genauso durchführen, wie in der ersten Phase mit Leine (evtl. Übergangsphase mit langer Leine, an der Sie den Hund ruckartig zu sich ziehen können und ihn aus der Situation führen können, wenn er aggressiv ist).

-sicher ist auch die Verwendung des Maulkorbes sehr sinnvoll, wenn Ihr Hund sich draußen aufhält. Dies könnte z.B. auch vom Veterinäramt als Auflage gemacht werden, wenn Ihr Hund nicht eingeschläfert werden soll. Wichtig wäre aber, daß der Maulkorb für den Hund etwas eher Angenehmes oder zu Mindest Neutrales ist. Dies erreicht man durch Maulkorbtraining in der nächsten Zeit:
--Lieblingsfutter nur noch im Maulkorb füttern ein paar Tage, dann
--Maulkorb lose anlegen , Lieblingsfutter geben, ein paar Tage, dann
--Maulkorb kurz festmachen, sofort danach Lieblingsfutter ein paar Tage, dann
--Dauer des Maulkorbtragens allmählich verlängern, dann
--angenehme Dinge (spazieren, streicheln...) beginnen immer mit einer Phase Maulkorbtragen
So wird der Maulkorb vom Hund mit Angenehmem verbunden und er läßt sich ihn problemlos jederzeit anlegen, ohne daß der Hund schon deshalb gereizt ist.

-Allmähliche Desensibilisierung: Üben Sie zunächst in ganz leichten Situationen (Die normalerweise angegangene Person ist noch weit entfernt) "Sitz" und "Platz", steigern Sie die Schwierigkeit (also die Entfernung allmählich verkleinern) ganz allmählich. Loben Sie ruhiges Verhalten (auch mit Trockenfutterbröckchen), ignorieren Sie Ihren Hund bei Unruhe. (dann neues Training in einer noch etwas leichteren Situation). Das Training kann insgesamt einige Wochen dauern.

-Sie brauchen übrigens zu keinem Zeitpunkt zu schreien (Hunde hören besser als wir). Schreien wird vom Hund manchmal als "Mitbellen" empfunden

-Lieblingsfutter gibt es nur noch wenn Ihr Hund sich ruhig verhält

-Lassen Sie die angegriffene Person (nur unter Ihrer Aufsicht!!) den Hund füttern, nachdem sie den Hund eine Aufgabe hat machen lassen (z.B. Sitz, evtl. müssen Sie den Befehl in der Anfangszeit wiederholen und dem Hund klar machen, dass Sie das selbe wollen wie Ihr Kind) und der Hund die Aufgabe durchgeführt hat (Fütterung muss unbedingt unmittelbar innerhalb von 2 Sekunden nach Aufgabenerfüllung erfolgen)

- Beschäftigen Sie Ihren Hund möglichst viel (Spazieren, Spiele, Suchspiele (einen Teil des täglichen Futters suchen lassen). Hilfreich sind insbesondere Suchspiele, da sie die Ruhe und Ausgeglichenheit des Hundes stärken und der Hund lernt, sich auf etwas zu konzentrieren. Schwierigkeit allmählich steigern und bei Erfolg loben (der Futterbrocken an sich ist natürlich auch schon eine Belohnung)

-Hunde haben eine Assoziationszeit von 2-4 Sekunden, d.h. sie verbinden die Reaktion des Menschen mit dem, was sie in den letzten 3-4 Sekunden gemacht haben. Stoppen kann man ein Verhalten demzufolge nur bei Beginn (Nein und Sitz machen lassen). Wenn Ihr Hund in Stressituationen auf den Befehl zunächst nicht reagiert und aggressiv in Richtung einer "Zielperson" zieht, sollten Sie mit "Nein", "Komm" und "Fuß" in eine andere Richtung gehen, als der Hund gezogen hat. Seine Aggression müssen Sie ansonsten unbedingt ignorieren (Kein Beruhigen, da es verstärkend wirkt); Zuwendung dürfen Sie Ihrem Hund erst wieder geben, wenn er sich beruhigt hat. Sitz machen lassen und ein paar Futterbröckchen geben.

-Vor jeder angenehmen Tätigkeit (Fressen, Spazieren, Streicheln, Spielen etc.) einen Befehl (z.B. Sitz) ausführen lassen. Nichts ist umsonst. Fördert das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit Ihrer Befehle ("Es lohnt sich auf Frauchen/Herrchen zu hören!").

-Rangfolgetraining: Hund geht erst als 2. durch eine Tür; Hund wird erst gefüttert, nachdem Besitzer gegessen hat; Manche Plätze (z.B. Sofa) dürfen nur mit Erlaubnis und Aufforderung durch Besitzer betreten werden. Im Hunderudel ist es ganz klar, daß man macht, was der Rudel-Chef sagt. Daher ist die klare Rangordnung für das Gehorchen und Ruhigbleiben in den genannten Stresssituationen hilfreich.

-Gehorsamkeitstraining (mit kleinen erbsengroßen Trockenfutterbelohnungen durchführen, Hund sollte sich einen Teil seines Futters mit den Übungen erarbeiten müssen)
1. Komm-Training: Name rufen und Futterbrocken zeigen, sobald Hund aufmerksam ist: Komm rufen, wenn Hund kommt, sofort (innerhalb von höchstens 1 Sekunde) Belohnung geben
2. Sitz Training: Futterbrocken vor die Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futterbrocken langsam nach oben-hinten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft aufs Hinterteil des Hundes drücken, dabei "Sitz!" sagen, sobald Hund sich gesetzt hat: Innerhalb von 1 Sekunde Belohnung geben und loben
3. Platz-Training: aus der Sitzposition heraus, Futterbrocken vor Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futter langsam nach vorn-unten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft auf Rücken drücken, dabei "Platz" sagen. sobald Hund in Platz-Position: sofort (1Sekunde!) Belohnung geben
4.Bleib-Training: aus Platz- oder Sitz-Position heraus: "Bleib" sagen, 1 Schritt weggehen, sofort wieder zum Hund gehen und Belohnung geben (sollte Hund doch aufgestanden sein: ignorieren, neuer Versuch und noch schneller zum Hund zurückkehren), allmählich die Abstände vergrößern, später dann 2, 3, 5... Minuten , noch später verläßt der Mensch auch mal kurz das Zimmer
Wenn Ihr Hund "Bleib" kann, sollte er sofort nach einem Ansatz zu "Wadenbeißen" für ein paar Moinuten an einem Platz bleiben müssen ("Nein!, Platz!, Bleib!" innerhalb von 3 Sekunden nach der "Tat")

-Generell gilt: Erwünschtes Verhalten beachten und belohnen (schon das Beachten eines Hundes ist für ihn eine Belohnung) , unerwünschtes Verhalten ignorieren (soweit möglich) bzw. den Hund schnellstmöglich und ohne zu Reden aus der Situation führen ( evtl. muß man den Hund (ohne zu reden!, außer "Komm!") die ersten Meter hinter sich her ziehen), Zuwendung unbedingt erst wieder bei ruhigem, normalem Verhalten.

-Wenn Besuch kommt, zunächst generell nur an der kurzen Leine führen, lobend mit ihm sprechen, wenn er ruhig ist,; ab und zu "Sitz" machen lassen dann sofort (< 3 Sekunden) bei Befehlausführung ein Futterbröckchen geben

-Sehr gut und hilfreich wäre natürlich auch der Besuch einer Hundeschule (falls nicht allzu weit entfernt), um dort Situationen mit fremden Menschen üben zu können.

-Im Notfall wäre auch der Einsatz eines Therapiekäfigs sinnvoll. Diesen (und die entsprechenden Anweisungen) könnten Sie von einem verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierarzt erhalten. Notfalls könnten Sie von diesem auch spezielle Psychopharmaka erhalten (falls Sie mit den genannten Maßnahmen keinen Erfolg haben sollten)

2. Medikamente
Unterstützen könnte man die Verhaltenstherapie mit :
-Hyoscyamus D30 jeden 3.Tag 1 Gabe (5 Globuli oder 1 zerpulverte Tablette)
- Aggressionsmindernde Psychopharmaka wie Fluvoxamin (Floxyfral) oder Fluoxetin (Fluctine) sollten nur unter Aufsicht eines verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierarztes gegeben werden
- (chemische) Kastration zum Ausprobieren des Kastrationseffektes (Suprelorin-Implantat, tardastrex)

Generell wichtig ist für den Hund Zuneigung (wenn er vom Besitzer erwünschtes Verhalten zeigt) und Konsequenz des Besitzers (Folge: Hund vertraut und macht das, was der Besitzer will)

Ich hoffe, dass ich Ihnen etwas helfen konnte und bitte Sie, nicht zu vergessen auf "akzeptieren" zu klicken. Über eine positive Bewertung würde ich mich natürlich auch freuen. Im Voraus besten Dank.

Alles Gute & freundliche Grüße aus Nürnberg,

Udo Kind

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