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Tierarzt - Homöopathie
Tierarzt - Homöopathie, Tierarzt
Kategorie: Hunde
Zufriedene Kunden: 12820
Erfahrung:  Approbation (1986), Zusatzbezeichnung Homöopathie (1991), eigene Kleintierpraxis (seit 1996)
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Tierarzt - Homöopathie ist jetzt online.

Hallo, habe folgendes Problem mit meinem Hund, und zwar ist

Kundenfrage

Hallo, habe folgendes Problem mit meinem Hund,
und zwar ist er mittlerweile anderen Menschen gegenüber aggressiv bzw. bellt und knurt bekannte menschen an. Es is ein Podengo mix, er wird im dezember 5 jahre alt. Ich habe ihn vor ein paar wochen aus dem Tierheim geholt. Ich weiß mittlerweile vom Tierheim das er schon mal sehr agressiv war was futterneid bzw verteidigung bedeutet. was kann ich dagegen machen? mfg Georg
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Hunde
Experte:  Tierarzt - Homöopathie hat geantwortet vor 4 Jahren.
Hallo,

haben Sie vom Tierheim mitgeteilt bekommen, in welchem Alter die Aggressivität begonnen hat? (nach besonderem Erlebnis)?. Haben sich die Vorbesitzer nicht gegen den Hund durchsetzen können? Ist das Allgemeinverhalten (Appetit, Durst, Munterkeit, Laufen, Streichelbedürfnis...) Ihres Hundes ansonsten völlig normal?

Sinnvoll wäre eine Blutuntersuchung zum Ausschluss von Entzündungen, incl. T4- Wert (Schilddrüsenüberfunktion).
Auch die Kastration kommt als unterstützender Therapieversuch in Frage, Sie könnten zunächst eine chemische Kastration (Suprelorin Chip wirkt je nach Stärke 6-12 Monate) versuchen, sehr wichtig ist aber auch dann weiter ein intensives begleitendes Verhaltenstraining.
Möglich wären leider auch Veränderungen im Gehirn, diese lassen sich leider meist nur durch ein CT feststellen.

Sollte es keine körperlichen Probleme geben , könnten folgende Maßnahmen helfen, das Problem zu beheben:

1.Verhaltenstraining
-evtl. ist für eine Zeit auch die Verwendung eines Maulkorbes sinnvoll. Wichtig wäre aber, daß der Maulkorb für den Hund etwas eher Angenehmes oder zu Mindest Neutrales ist. Dies erreicht man durch Maulkorbtraining in der nächsten Zeit:
--Lieblingsfutter nur noch im Maulkorb füttern ein paar Tage, dann
--Maulkorb lose anlegen , Lieblingsfutter geben, ein paar Tage, dann
--Maulkorb kurz festmachen, sofort danach Lieblingsfutter ein paar Tage, dann
--Dauer des Maulkorbtragens allmählich verlängern, dann
--angenehme Dinge (spazieren, streicheln...) beginnen immer mit einer Phase Maulkorbtragen
So wird der Maulkorb vom Hund mit Angenehmem verbunden und er läßt sich ihn problemlos jederzeit anlegen, ohne daß der Hund schon deshalb gereizt ist.

-Wichtig ist , dem Hund im Alltag klar zu machen, daß er in der Rangfolge tiefer als alle Menschen steht: Lieblingsfutter gibt es nur noch wenn Ihr Hund sich ruhig verhält und nach Erfüllung einer Aufgabe.

-Lassen Sie die angegriffene Person (nur unter Ihrer Aufsicht!!) den Hund füttern, nachdem sie den Hund eine Aufgabe hat machen lassen (z.B. Sitz, evtl. müssen Sie den Befehl in der Anfangszeit wiederholen und dem Hund klar machen, dass Sie das selbe wollen wie Ihr Kind) und der Hund die Aufgabe durchgeführt hat (Fütterung muss unbedingt unmittelbar innerhalb von 2 Sekunden nach Aufgabenerfüllung erfolgen)

- Beschäftigen Sie Ihren Hund möglichst viel (Spazieren, Spiele, Suchspiele (einen Teil des täglichen Futters suchen lassen). Hilfreich sind insbesondere Suchspiele, da sie die Ruhe und Ausgeglichenheit des Hundes stärken und der Hund lernt, sich auf etwas zu konzentrieren. Schwierigkeit allmählich steigern und bei Erfolg loben (der Futterbrocken an sich ist natürlich auch schon eine Belohnung)

-Hunde haben eine Assoziationszeit von 2-4 Sekunden, d.h. sie verbinden die Reaktion des Menschen mit dem, was sie in den letzten 3-4 Sekunden gemacht haben. Stoppen kann man ein Verhalten demzufolge nur bei Beginn (Nein und Sitz machen lassen). Wenn Ihr Hund in Stressituationen auf den Befehl zunächst nicht reagiert und aggressiv in Richtung einer "Zielperson" zieht, sollten Sie mit "Nein", "Komm" und "Fuß" in eine andere Richtung gehen, als der Hund gezogen hat. Seine Aggression müssen Sie ansonsten unbedingt ignorieren (Kein Beruhigen, da es verstärkend wirkt); Zuwendung dürfen Sie Ihrem Hund erst wieder geben, wenn er sich beruhigt hat. Sitz machen lassen und ein paar Futterbröckchen geben.

-Vor jeder angenehmen Tätigkeit (Fressen, Spazieren, Streicheln, Spielen etc.) einen Befehl (z.B. Sitz) ausführen lassen. Nichts ist umsonst. Fördert das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit Ihrer Befehle ("Es lohnt sich auf Frauchen/Herrchen zu hören!").

-Rangfolgetraining: Hund geht erst als 2. durch eine Tür; Hund wird erst gefüttert, nachdem Besitzer gegessen hat; Manche Plätze (z.B. Sofa) dürfen nur mit Erlaubnis und Aufforderung durch Besitzer betreten werden. Im Hunderudel ist es ganz klar, daß man macht, was der Rudel-Chef sagt. Daher ist die klare Rangordnung für das Gehorchen und Ruhigbleiben in den genannten Stresssituationen hilfreich.

-Gehorsamkeitstraining (mit kleinen erbsengroßen Trockenfutterbelohnungen durchführen, Hund sollte sich einen Teil seines Futters mit den Übungen erarbeiten müssen)
1. Komm-Training: Name rufen und Futterbrocken zeigen, sobald Hund aufmerksam ist: Komm rufen, wenn Hund kommt, sofort (innerhalb von höchstens 1 Sekunde) Belohnung geben
2. Sitz Training: Futterbrocken vor die Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futterbrocken langsam nach oben-hinten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft aufs Hinterteil des Hundes drücken, dabei "Sitz!" sagen, sobald Hund sich gesetzt hat: Innerhalb von 1 Sekunde Belohnung geben und loben
3. Platz-Training: aus der Sitzposition heraus, Futterbrocken vor Nase halten, sobald Hund interessiert: Hand mit Futter langsam nach vorn-unten bewegen, mit der anderen Hand evtl. sanft auf Rücken drücken, dabei "Platz" sagen. sobald Hund in Platz-Position: sofort (1Sekunde!) Belohnung geben
4.Bleib-Training: aus Platz- oder Sitz-Position heraus: "Bleib" sagen, 1 Schritt weggehen, sofort wieder zum Hund gehen und Belohnung geben (sollte Hund doch aufgestanden sein: ignorieren, neuer Versuch und noch schneller zum Hund zurückkehren), allmählich die Abstände vergrößern, später dann 2, 3, 5... Minuten , noch später verläßt der Mensch auch mal kurz das Zimmer.
Schließlich sollte der Hund so gut "Platz" können, daß er auch bei Erscheinen von Besuch erst dann aufsteht, wenn Sie es ihm gestatten (ihn dazu auffordern).
Wenn Ihr Hund "Bleib" kann, sollte er außerdem sofort nach einem Ansatz zu Aggressivität für ein paar Minuten an einem Platz bleiben müssen ("Nein!, Platz!, Bleib!" innerhalb von 3 Sekunden nach der "Tat")

-Generell gilt: Erwünschtes Verhalten beachten und belohnen (schon das Beachten eines Hundes ist für ihn eine Belohnung) , unerwünschtes Verhalten ignorieren (soweit möglich) bzw. den Hund schnellstmöglich und ohne zu Reden aus der Situation führen ( evtl. muß man den Hund (ohne zu reden!, außer "Komm!") die ersten Meter hinter sich her ziehen), Zuwendung unbedingt erst wieder bei ruhigem, normalem Verhalten.

-Wenn Besuch kommt, zunächst generell nur an der kurzen Leine führen, lobend mit ihm sprechen, wenn er ruhig ist,; ab und zu "Sitz" machen lassen dann sofort (< 3 Sekunden) bei Befehlausführung ein Futterbröckchen geben

-Sehr gut und hilfreich wäre natürlich auch der Besuch einer Hundeschule vor Ort, um dort Situationen mit fremden Menschen üben zu können.

-Im Notfall wäre auch der Einsatz eines Therapiekäfigs sinnvoll. Diesen (und die entsprechenden Anweisungen) könnten Sie von einem verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierarzt erhalten. Notfalls könnten Sie von diesem auch spezielle Psychopharmaka erhalten (falls Sie mit den genannten Maßnahmen keinen Erfolg haben sollten)

2. Medikamente
Unterstützen könnte man die Verhaltenstherapie mit :
-Hyoscyamus D30 jeden 3.Tag 1 Gabe (5 Globuli oder 1 zerpulverte Tablette)
- Aggressionsmindernde Psychopharmaka wie Fluvoxamin (Floxyfral) oder Fluoxetin (Fluctine) sollten nur unter Aufsicht eines verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierarztes gegeben werden
- (chemische) Kastration zum Ausprobieren des Kastrationseffektes (Suprelorin-Implantat, tardastrex)

Ich hoffe, daß ich Ihnen etwas helfen konnte, und bitte Sie, nicht zu vergessen, meine Antwort positiv zu bewerten, da meine Arbeit ansonsten unbezahlt bliebe. Im Voraus besten Dank.

Alles Gute & freundliche Grüße aus Nürnberg,

Udo Kind