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K. Severin
K. Severin, Rechtsanwalt
Kategorie: Steuern
Zufriedene Kunden: 858
Erfahrung:  Fachanwaltslehrgang Steuerrecht
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K. Severin ist jetzt online.

Hallo,Ich lebe in Thailand und habe keinen festen Wohnsitz

Kundenfrage

Hallo, Ich lebe in Thailand und habe keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Allerdings arbeite ich als Unternehmensberater für verschiedene Kunden in Deutschland. Muss ich Steuern in Deutschland bezahlen? Wie ist es mit der 183-Tageregel? Muss ich in meinen Rechnungen 19% Umsatzsteuer verlangen? Kann ich meine Kosten geltend machen inkl. 19% Umsatzsteuer? MfG
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Steuern
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Erneut posten: Noch keine Antwort.
Experte:  K. Severin hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrter Fragesteller,

 

vielen Dank für ihre Frage, die ich gern wie folgt beantworten möchte:

 

Sie sind gemäß § 1 Abs.1 Einkommensteuergesetz in Verbindung mit § 9 Abgabenordnung in Bezug auf ihre Einkünfte als Unternehmensberater nur dann unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn Sie sich in der BRD zum Zwecke der Berufsausübung durchgehend mehr als 6 Monate im Jahr aufhalten. Hierbei bleiben kurz Unterbrechungen gegebenenfalls außer Betracht.

Sofern Sie sich weniger als 6 Monate in der BRD zur Berufsausübung aufhalten, kann sich für Sie eine beschränkte Steuerpflicht in Bezug auf die von Ihnen durch ihre Beratungtätigkeit erzielten Einkünfte in der BRD aus § 49 Abs.1 Nr.2 Einkommensteuergesetz als Gewerbebetrieb oder aus § 49 Abs.1 Nr.3 Einkommensteuergesetz ergeben, sofern Sie ihre Tätigkeit als Unternehmensberater als Selbständiger ausüben sollten. Dies ist nach den Katalogberufen gemäß § 18 Abs.1 Nr.1 Einkommensteuergesetz dann der Fall, wenn Sie ihre beratende Tätigkeit als Betriebswirt oder Volkswirt erbringen würden. Verfügen Sie nicht über einen dieser beiden akademischen Abschlüsse, dann üben Sie ihre Tätigkeit als Unternehmensberater gewerblich aus.

Beschränkt Steuerpflichtig sind Sie als gewerbliche tätiger Unternehmensberater gemäß § 49 Abs.1 Nr.2 a.) in der BRD dann, wenn Sie für die in der BRD ausgeübte Unternehmensberatung eine Betriebsstätte unterhalten oder einen ständigen Vertreter bestellt haben. Unter einer Betriebsstätte ist gem. § 12 Satz 1 Abgabenordnung jede feste Geschäftseinrichtung zu verstehen, die der Tätigkeit ihres Unternehmens dient.

Darunter fallen gemäß § 12 Satz 2 AO insbesondere:

- die Stätte der Geschäftsleitung

- Zweigniederlassungen

- Geschäftsstellen

Unter einem ständigen Vertreter ist gemäß § 13 S.1 AO eine Person zu verstehen, die nachhaltig die Geschäfte eines Unternehmers besorgt und dabei dessen Sachweisungen unterliegt. Ständiger Vertreter ist gemäß § 13 S.2 AO insbesondere eine Person, die für einen Unternehmer nachhaltig Verträge abschließt, vermittelt oder Aufträge einholt.

 

Erzielen Sie die Einkünfte aus ihrer Unternehmensberatung in der BRD hingegen als selbständiger Berater (= freiberuflich beratende Tätigkeit als Betriebs oder Volkswirt), so ergibt sich gemäß § 49 Abs.1 Nr.3 EStG eine beschränkte Steuerpflicht in Bezug auf die in der BRD durch Sie erzielten Einküfte dann, wenn ihre freiberufliche Tätigkeit in der BRD ausgeübt oder verwertet, oder wenn für diese eine feste Einrichtung oder Betriebsstätte in der BRD unterhalten wird.

 

Sie können sowohl bei Vorliegen einer unbeschränkten Einkommensteuerpflicht als auch bei Vorliegen einer beschränkten Einkommensteuerpflicht in der BRD bei der steuerlichen Gewinnermittlung für ihre Unternehmensberatung die Kosten, die im wirtschaftlichen Zusammenhang mit ihren Betriebseinnahmen stehen, als Betriebsausgaben im Rahmen der dafür geltenden gesetzlichen Bestimmungen von den Betriebseinnahmen abziehen.

 

Sofern sich aufgrund ihres ständigen Wohnsitzes in Thailand eine unbeschränkte Einkommensteuerpflicht nach thailändischen Einkommensteuerrecht ergibt, sind Sie dort mit ihrem Welteinkommen, also auch mit ihren durch ihre Berufsausübung in der BRD erzielten Einkünften steuerpflichtig. Sind Sie infolge unbeschränkter oder beschränkter Einkommensteuerpflicht auch in der BRD mit diesen Einkünften steuerpflichtig, so ergibt sich das Problem einer Doppelbesteuerung der in der BRD erzielten Einkünfte aus ihrer Beratungstätigkeit in Thailand und der BRD.

 

Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung ist zunächst Art.14 des Doppelbesteuerungsbkommens zwischen der BRD und Thailand zu beachten.

Dieser lautet wie folgt:

 

Artikel 14

(1) Vorbehaltlich der Artikel 15, 16 und 17 können Vergütungen, die eine in einem Vertragstaat ansässige natürliche Person für unselbständige oder selbständige Arbeit (einschließlich einer freiberuflichen Tätigkeit) bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn, daß die Arbeit in dem anderen Vertragstaat ausgeübt wird. Wird die Arbeit dort ausgeübt, so können die dafür bezogenen Vergütungen in diesem anderen Staat besteuert werden.

(2) Ungeachtet des Absatzes 1 können Vergütungen, die eine in einem Vertragstaat ansässige natürliche Person für die in dem anderen Vertragstaat ausgeübte unselbständige oder selbständige Tätigkeit bezieht, nur in dem erstgenannten Staat besteuert werden, wenn

a) der Empfänger sich in dem anderen Staat insgesamt nicht länger als 183 Tage während des betreffenden Steuerjahres aufhält, und

b) die Vergütungen von einer Person oder für eine Person gezahlt werden, die nicht in dem anderen Staat ansässig ist, und

c) die Vergütungen nicht von einer Betriebsstätte getragen werden, welche die Person, die die Vergütungen zahlt, in dem anderen Staat hat.

(3) Ungeachtet der Absätze 1 und 2 können Vergütungen für unselbständige Arbeit, die an Bord eines Seeschiffes oder Luftfahrzeuges ausgeübt wird, das von einem Unternehmen eines Vertragstaates im internationalen Verkehr betrieben wird, in diesem Staate besteuert werden.

Wenn sich für Sie aufgrund Art.14 Abs.1 Satz 1 und 2 diesen Doppelbesteuerungsabkommens eine Doppelbesteuerung ihrer in der BRD erzielten Einkünfte als Unternehmensberater wegen einer in der BRD und in Thailand bestehenden Steuerpflicht ergeben sollte, so wird diese durch Art. 22 Abs.3 a) Satz 1 des DBA zwischen der BRD und Thailand vermieden, indem dort bestimmt ist, dass von der Bemessungsgrundlage für die thailändische Einkommensteuer die Einkünfte aus Quellen in der BRD ausgenommen sind, die nach diesem Abkommen in der BRD besteuert werden können. Gemäß Art. 22 Abs.3 a) Satz 2 können aber die von der Bemessungsgrundlage ausgenommenen Einkünfte aus der BRD bei der Besteuerung ihres übrigen Einkommens durch den thailändischen Staat bei der Festsetzung des Steuersatzes berücksichtigt werden, was zu einer Steuerprogression für dieses Einkommen führt.

Ob Sie Umsatzsteuer in Bezug auf die von Ihnen erzielten Umsätze in der BRD ihren Kunden berechnen müssen oder nicht hängt davon ab, an welchem Ort die Beratungsleistungen von Ihnen erbracht werden. Liegt der Leistungsort in der BRD, besteht eine Verpflichtung zum Ausweis von 19 % Umsatzsteuer auf die von Ihnen berechneten Nettoumsätze. Sonst nicht. Ob der Leistungsort ihrer Beratungsleistung in der BRD oder in Thailand liegt, richtet sich nach § 3 a Abs.1 Umsatzsteuergesetz. Nach dieser Bestimmung liegt der Ort der sonstigen Leistung dort, von wo der Unternehmer sein Unternehmen betreibt. Dies ist der Ort, wo sich die Geschäftsleitung bzw. bei mehreren Betrieben die geschäftliche Oberleitung befindet. Unterhalten Sie eine Betriebsstätte in der BRD, von der aus Sie ihre Beratungsleistungen erbringen, so ist der Ort der Leistung diese Betriebsstätte (zur Definition des Begriffs der Betriebsstätte siehe bitte meine Ausführungen oben). Ist der Ort bei natürlichen Personen nicht eindeutig bestimmbar, so ist der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt nach den Umsatzsteuerrichtlinien maßgeblich. Sollten sich der Ort der Beratungsleistung für Sie in der BRD befinden, so müssen Sie dennoch keine Umsatzsteuer auf die Nettobeträge berechnen, die Sie für ihre Beratungsleistungen in Rechnung stellen, wenn Sie Kleinstunternehmer sind. Die Voraussetzungen dafür ergeben sich aus § 19 Abs.1 UStG, der wie folgt lautet:

 

§ 19 Besteuerung der Kleinunternehmer

(1) 1 Die für Umsätze im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 geschuldete Umsatzsteuer wird von Unternehmern, die im Inland oder in den in § 1 Abs. 3 bezeichneten Gebieten ansässig sind, nicht erhoben, wenn der in Satz 2 bezeichnete Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 EUR nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50 000 EUR voraussichtlich nicht übersteigen wird. 2 Umsatz im Sinne des Satzes 1 ist der nach vereinnahmten Entgelten bemessene Gesamtumsatz, gekürzt um die darin enthaltenen Umsätze von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens. 3 Satz 1 gilt nicht für die nach § 13 a Abs. 1 Nr. 6, § 13 b Abs. 2, § 14 c Abs. 2 und§ 25 b Abs. 2 geschuldete Steuer. 4 In den Fällen des Satzes 1 finden die Vorschriften über die Steuerbefreiung innergemeinschaftlicher Lieferungen (§ 4 Nr. 1 Buchst. b, § 6 a), über den Verzicht auf Steuerbefreiungen (§ 9), über den gesonderten Ausweis der Steuer in einer Rechnung (§ 14 Abs. 4), über die Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummern in einer Rechnung (§ 14 a Abs. 1, 3 und 7) und über den Vorsteuerabzug (§ 15) keine Anwendung.

 

Ich hoffe damit ihre Frage beantwortet zu haben und stehe Ihnen für Anschlussfragen gegebenenfalls gern zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

K. Severin

Rechtsanwalt

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