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Melanie Winkelmann
Melanie Winkelmann, Steuerberaterin
Kategorie: Steuern
Zufriedene Kunden: 6
Erfahrung:  Rechnungslegung (IFRS, HGB), Steuerrecht
31484300
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Melanie Winkelmann ist jetzt online.

HGB-Abschreibungen + Konsequenzen f r steuerlichen Gewinn

Kundenfrage

Mein Steuerberater behauptet, dass die Handelsbilanz nach Bilanzrechtmodernisierungsgesetz nicht weiterentwickelt werden kann in eine Steuerbilanz, in der beispielsweise die linearen Abschreibungen auf das Anlagevermögen durch die bis 31.12.2010 möglichen degressiven Abschreibungen auf das Anlagevermögen ersetzt werden. Ist dies richtig? - Nach meiner Auffassung ist nach dem Wegfall der umgekehrte Maßgeblichkeit diese Position des Steuerberater nicht haltbar! Gibt es hierzu im EStG eine Regelung oder bereits eine BMF-Schreiben?

Kann ich heute. 08.06.2011, noch mit einer Antwort rechnen?
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Steuern
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Erneut posten: Noch keine Antwort.
Experte:  Melanie Winkelmann hat geantwortet vor 6 Jahren.

Hallo!

 

Also, die umgekehrte Maßgeblichkeit ist tatsächlich weggefallen, nicht aber die Maßgeblichkeit. Vor BilMoG galt: Wurde in der Handelsbilanz degressiv abgeschrieben, so hatte dies auch in der Steuerbilanz zu erfolgen; sollte umgekehrt in der Steuerbilanz degressiv abgeschrieben werden, musste dieses Wahlrecht auch in der Handelsbilanz ausgeübt werden.

 

Ihr Steuerberater hat recht, wenn er sagt, dass letzteres nicht mehr möglich ist, wenn objektive wirtschaftliche Gründe gegen eine degressive Abschreibung sprechen und diese nur aufgrund des steuerrechtlichen Wahlrechtes so vorgenommen werden sollen.

 

Im Einkommensteuergesetz heißt es hierzu: Bei Gewerbetreibenden, die auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, oder die ohne eine solche Verpflichtung Bücher führen und regelmäßig Abschlüsse machen, ist für den Schluss des Wirtschaftsjahres das Betriebsvermögen anzusetzen (§ 4 Absatz 1 Satz 1), das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung auszuweisen ist, es sei denn, im Rahmen der Ausübung eines steuerlichen Wahlrechts wird oder wurde ein anderer Ansatz gewählt.

 

Das heißt, dass die Abschreibungsmethode, die in der Handelsbilanz gewählt wurde und nach Handelsrecht zulässig ist auch in der Steuerbilanz angewendet werden muss, es sei denn, es gibt ein steuerliches Wahlrecht, hiervon abzuweichen.

 

Zur degressiven Abschreibung schreibt das Einkommensteuergesetz weiter: Bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die nach dem 31. Dezember 2008 und vor dem 1. Januar 2011 angeschafft oder hergestellt worden sind, kann der Steuerpflichtige statt der Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen die Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen bemessen.

 

Dass degressiv abgeschrieben werden "kann" stellt ein Wahlrecht dar. Daher gilt, dass die steuerlichen Abschreibungsmethoden jetzt unabhängig von der Abschreibungsmethode in der Handelsbilanz vorgenommen werden darf. So kann beispielsweise in der Handelsbilanz linear abgeschrieben werden, während in der Steuerbilanz degressiv abgeschrieben wird. Die degressive Abschreibung reduziert das steuerliche Ergebnis zu Beginn des Abschreibungszeitraums; bei gleichzeitig linearen Abschreibungen in der Handelsbilanz fällt das handelsrechtliche Jahresergebnis vergleichsweise höher aus. Die Abgrenzungsnotwendigkeit latenter Steuern ist hierbei daher zu beachten.

 

Wenn Sie für Neuanschaffungen steuerlich die degressive Abschreibung vornehmen wollen, diese aber handelsrechtlich nicht zulässig ist, müssen Sie zwei Wertansätze weiterentwickeln. Sie haben also zukünftig keine Einheitsbilanz mehr.

 

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte.

 

Mit freundlichen Grüßen

Melanie Günnewig

Dipl.-Kffr. Steuerberaterin

http://www.meltax.de

Melanie Winkelmann und weitere Experten für Steuern sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
09.06.2011

Hallo Frau Günnewig,

m.E. habe Sie sehr gute Arbeit geleistet! - Persönlich hoffe ich, dass ich Sie richtig verstanden haben. Final wird meine Auffassung durch Ihre Aussagen gestützt. Danach bin ich der Meinung, dass die Nutzung des steuerlichen Wahlrechts nach §7EStG hinsichtlich der Abschreibung des Anlagevermögens auch bei lineare Abschreibung solcher Vermögensgegenstände im handelsrechtlichen Abschluss möglich ist. Der für steuerliche Zwecke ermittelte Gewinn eines Unternehmens ist damit in einem solchen Fall unterschiedlich vom handelsrechtlichen Gewinn eines Unternehmens.

Falls meine Schlussfolgerung nicht richtig ist, bitte ich um Stellungnahme. Ihr Honorar werde ich dann in diesem Fall nochmals vergüten!

Mit freundlichen Grüßen
J. Hakenmüller
Experte:  Melanie Winkelmann hat geantwortet vor 6 Jahren.
ja, Ihre Schlussfolgerung ist richtig. Handelsbilanz linear, Steuerbilanz degressiv ist möglich.

Zugegeben, war ich mir bei Ihrer ursprünglichen Fragestellung nicht sicher, ob Sie wissen möchten, ob eine solche Abweichung möglich ist oder ob die Frage darauf abzielt, dass Sie auch im handelsrechtlichen Abschluss dann degressiv abschreiben wollen. Aber dann ist es ja nun klar.

Danke für Ihre positive Bewertung!

Mit freundlichen Grüßen
Melanie Günnewig
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz - Fokus: bilanzielle Abschreibungen des Anlagevermögens nach BilMog (linerar + betriebsindividuell nach gewöhnlicher Nutzungsdauer) versus steuerliche Afa. des Anlagevermögens (degressiv + laut steuerl. AFA-Tabelle)

Sehr verehrte Frau Günneweg,
welche Auffassung ist richtig?
(1) Steuerberater: Die nachträgl. Änderung der betriebsgewöhnl. Nutzgs.-dauern für die ALT-AV-Gegenstände in der Handelsbilanz führt bei einer steuerl. Betriebsprüfung zur Nachversteuerung. So wird damit aufgedeckt, dass die "kürzeren" Nutzungsdauern laut steuerlicher AFA-Tabelle nicht "betriebsgewöhnlich" waren.
(2) Hakenmüller: Der Begriff "betriebsgewöhnl. Nutzungsdauern" laut Steuerrecht ist nicht identisch mit demjenigen des HGB. So sind die in der AFA.-Tabelle genannten Nutzungsdauern Untergrenze für die Festlegung des Abschreibungszeitraums. Die steuerliche AFA. ist neben dem Wahlrecht zwischen degressiver bzw. linearer AFA.-Methode von außen, also nicht betriebsspezifisch determiniert. Die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz besteht hier nicht. Vielmehr können relativ zu der vorherigen Einheitsbilanz die bisher gültigen AFA.-Verfahren und Nutzungsdauern in der HGB-Bilanz vollständig ersetzt werden.

Beste Grüße
J. Hakenmüller