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Johann Schweißgut
Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1100
Erfahrung:  Verhaltenstherapeut, Systemischer Berater und Coach, Supervisor
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Johann Schweißgut ist jetzt online.

Mein Mann und ich betreuen gemeinsam seine geistig

Beantwortete Frage:

Mein Mann und ich betreuen gemeinsam seine geistig behinderte Schwester. Im Glauben für sie das Beste zu tun, haben wir sie streng überwacht und kontrolliert. Sie lebt zur Zeit mit ihrer dementen Mutter in Aschaffenburg zusammen, die ebenfalls von meinem Mann betreut wird. Ein Pfleger kümmert sich um beide Damen. Vor kurzem hatten wir einen sehr guten Heimplatz für Annerose, den wir aber wieder aufgegeben haben, weil Annerose sich händeringend gewehrt hat und bei ihrer Mutter bleiben wollte. Wir wissen auch, dass wir diesen tollen Heimplatz nie wieder bekommen werden und befürchten dass wir sie irgendwann in einem Heim nach dem Motto satt, sauber, trocken unterbringen müssen.
Mittlerweile hat Annerose über das Betreuungsgericht die Betreuung durch ihren Bruder abgelehnt und wünscht einen Berufsbetruer. Wir wissen genau, dass sie das getan hat, um in ihrem Haus in Aschaffenburg bleiben zu können. Dort wird sie versauern, keine Gesellschaft haben und ihr Vermögen in weniger als 5 Jahren verprasst haben. Uns ist ebenfalls klar, dass sie niemals selbst zu dieser Entscheidung gekommen ist, sondern einmal von einem Onkel, dem wir Erbschleicherei unterstellen und von ihrem Pfleger, der sich mit ihr ein lebenslängliches Auskommen verspricht, beeinflusst worden ist. Sie ist im juristischen Sinn geschäftsfähig, aber faktisch ist sie bei einem IQ von 60 nicht zur freien Willensbildung fähig. Auch ein sachliches Gespräch und Einsicht ist mit ihr nicht möglich. Uns ist klar, dass das Gesetz ihr und ihren Einflüsterern Recht gibt.
Es fällt uns schwer, zu beobachten, wie sie fremdgesteuert in ihr Unglück rennt. Ebenso fühlen wir uns ausgenutzt und vor den Kopf gestoßen, weil unsere guten Absichten, nämlich ihr eine gute Langzeitperspektive zu bieten, verdreht werden und wir nun als die Bösen dastehen.
Es ist mir klar, dass die Tatsachen nicht mehr zu ändern sind, aber wie gehe ich mit meinem Gewissen um.
Gepostet: vor 1 Monat.
Kategorie: Psychologie
Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 1 Monat.

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, vielen Dank, ***** ***** sich mit Ihrer Frage justanswer anvertrauen. Mein Name ist Johann Schweißgut

Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 1 Monat.

Guten Tag,

Sie ringen offenbar sehr mit lhrem Gewissen.

Wir haben wohl schon mal hier miteinander gespochen. Damals und jetzt habe ich den Eindruck, dass Sie sehr engagiert für die behinderte Frau sind und alles Ihnen Mögliche getan haben. Sie sind leider mit Ihren Bemühungen an der Realität dieser Frau und ihres Umfeldes gescheitert.

Ich Gewissen scheint ihnen aber dennoch Vorwürfe zu machen. Können Sie erzählen, welche Vorwürfe Sie sich machen.

Kunde: hat geantwortet vor 1 Monat.
Ich glaube, dass ich zu dominant war und ihr mit Druck meinen Willen (immer in Einverständnis mit meinem Mann, ihrem Bruder) aufgedrängt habe. Ich wollte ihr eine gute Schwägerin sein und habe ihr wohl keinen eigenen Spielraum gelassen. Ebenso kämpfe ich damit, für mein Engagement keine Dankbarkeit zu bekommen, sondern für meine Leistungen, die nicht so gelaufen sind, aus ihrem Leben rausgeschmissen zu werden und das auch noch zu Gunsten von Menschen mit unlauteren Hintergedanken.
Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 1 Monat.

Sie haben sich für Ihre Schwägerin verantwortlich gefühlt und wollten sie und Ihren Mann unterstützen. Im Rahmen eines solchen Verwandschaftsverhältnisses ist es immer schwierig, das richtig Maß an Nähe und Distanz, Überreden und Gewährenlassen zu finden. Je größer das gefühlsmäßige Engagement ist, umso schwieriger ist es, die optimale Balance zu finden.

Hier spielt sicher das Umfeld Ihrer Schwägerin eine entscheidende Rolle. Ihre Befürchtungen, dass dort Eigennutz eine große Rolle spielt, halte ich durchaus für berechtigt. Aber das Recht setzt Ihnen da leider Grenzen.

Deshalb meine ich: Sie sind nicht wegen Ihres Verhaltens gescheitert, sondern man hat Sie scheitern lassen in einer Situation, in der die anderen sich vorerst unangreifbar in einer rechtlichen Grauzone verstecken können.

Ihr Wunsch nach Dankbarkeit geht aber - mit Verlaub - an der realen Persönlichkeit Ihrer Schwägerin vorbei. Wenn der genannte IQ zutrifft, dann hat sie kaum die Möglichkeit, eine solche komplizierte Lage zu verstehen und Empfehlungen sinnvoll zu bewerten. Sie kann wahrscheinlich das, was Sie für sie geleistet und geplant haben nicht wirklich beurteilen. Deshalb ist sie sicher auch nicht zu dem Gefühl von Dankbarkeit fähig.

Rückfragen beantworte ich selbstverständlich und gern. Allerdings müsste ich Sie in diesem Falle um etwas Geduld bitten, weil ich sicher erst heute Abend antworden könnte.

Freundliche Grüße

Johann Schweißgut und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.