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Johann Schweißgut
Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1084
Erfahrung:  Verhaltenstherapeut, Systemischer Berater und Coach, Supervisor
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Johann Schweißgut ist jetzt online.

Ich lebe mit meinem Mann im gemeinsamen Haus, getrennt von

Beantwortete Frage:

Ich lebe im Trennungsjahr mit meinem Mann im gemeinsamen Haus, getrennt von Tisch und Bett. Der Trennungswunsch ging von mir aus. Wir haben vereinbart, uns friedlich voneinander zu trennen. Mein Mann kommt nur sehr schlecht damit zurecht, dass ich mich trennen will, weil ich einen anderen Mann kennengelernt habe. Die aktuelle Phase ist sehr belastend für mich, aber ich meditiere und habe Kenntnisse in Psychotherapie und Kommunikationstraining. Ich kann für mich sorgen, aber je mehr ich mich distanziere, desto verbal übergriffiger wird mein Mann. Er appelliert ständig an meine Aufmerksamkeit, um mich wieder an sich zu binden. Ich kann das Haus noch nicht verlassen und gerate an meine Grenzen, da ich mich nicht vollständig distanzieren und in das Gäste- bzw. mein Arbeitszimmer zurückziehen kann. Wie kann ich mich kommunikativ gegen dauernde Appelle an meine Aufmerksamkeit (an meine Mütterlichkeit) bzw. ständige Unterbrechungen, wenn ich mich ZB auf eine Dokumentation im Fernsehen konzentrieren oder einfach nur essen will, ohne ständig kauend antworten zu müssen?
Ich bin mit meinen eigenen Fachkenntnissen gerade am Ende.
Ich möchte hier in kürzerer Zeit in Frieden gehen können. Im Moment sieht es eher nach massivem Streit aus.
Ich bedanke ***** ***** voraus für ein möglichst rasche Antwort.
Gepostet: vor 1 Monat.
Kategorie: Psychologie
Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 1 Monat.

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, vielen Dank, ***** ***** sich mit Ihrer Frage justanswer anvertrauen. Mein Name ist Johann Schweißgut

Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 1 Monat.

Guten Morgen.

Sie leben im Trennungsjahr und leben zugleich weiterhin relativ eng zusammen. Dadurch konzentrieren sich die psychischen Belastungen in geballter Form auf Sie und Ihren Mann. Für Sie ist es zusätzlich eine doppelte Brlastung, weil Sie sich auch noch um den psychischen Zustand Ihres Mannes kümmern.

Es ist deshalb sehr nachvollziehbar und verständlich, dass Sie sehr leiden.

Sie haben Ihr zentrales Problem selbst erkannt: Sie sind noch viel zu häufig und zu eng zusammen. Da ist die räumliche und zeitliche Nähe, aber da ist auch die emotionale Nähe zwischen Ihnen.

Zunächst das Äußerliche und Räumliche: Sie sagen, es sei Ihnen nicht möglich, sich zu distanzieren. Sie leben weiter im gemeinsamen Haus und laufen sich regelmäßig über den Weg. Haben Sie alle Möglichkeiten der räumlichen und zeitlichen Distanzierung genutzt? Denn jeden Begegnung, jeder gemeinsame Aufenthalt im selben Raum ist eine nonverbale Aussage: "Wir gehören zusammen". Eine solche nonverbale Aussagen lässt sich durch verbale Vereinbarungen oder Distanzierungen nicht entkräften. Analoge, nonverbale Botschaften wirken immer stärker als digitale, sprachliche. Sie sollten deshalb möglichst alle Möglichkeiten ausschöpfen, sich in Ihrem Haus nicht mehr zu begegnen.

Die emotionale Distanzierung ist noch viel schwieriger zu realisieren. Ihr Mann möchte Sie offenbar nicht freigeben, er klammert heftig. Die schwache räumliche und zeitliche Trennung gibt ihm viel Gelegenheit dazu. Sie sind - in dieser Trennungsphase verständlich - ebenfalls emotional noch gefangen. Es ist Ihnen nicht möglich, sein Klammern zu ignorieren, seine Fragen nicht zu beantworten, sich so zu verhalten, als sei er nicht anwesend. Das wären die angemessenen Botschaften, aber verständlicherweise gelingen sie Ihnen - noch - nicht.

Ich muss Ihnen leider sagen, dass Ihre psychotherapeutischen Fachkenntnisse Ihnen in dieser Situation gar nicht helfen können. Es ist für einen Menschen schlicht unmöglich, in einer solchen Beziehungssituation auf therapeutische Distanz zu gehen. Wenn Sie es dennoch versuchen, überfordern Sie sich. Ihr Mann spürt das, schöpft daraus Hoffnung und klammert noch mehr. Es wäre besser, wenn Sie ihn total ignorieren oder wenigstens ihn mit aller Energie - laut und heftig - zurückweisen würden. Das wäre das Verhalten eines Menschen, der seine Entscheidung zur Trennung für sich ganz klar hat und gar nichts mehr in diese Beziehung investieren will.

Vielleicht greifen Sie auf eine Erkenntnis des berühmten Watzlawik zurück: Man kann nicht nicht kommunizieren. Also jede Anwesenzeit, jedes gemeinsame Verbringen der Zeit in einem Haus oder Raum, auch wenn es total wortlos und ohne Blickkontakt stattfindet, ist Kommunikation: Wir sind (gehören?) zusammen. Eine konsequentes Ignorieren, Nicht-Sehen und -Hören, wie Luft behandeln (vielleicht auch im selben Haus) wäre die angemessene Botschaft für Trennung. Mir ist bewusst, dass dies sehr schwer wäre. Aber Sie sollten versuchen, alle Wege in diese Richtung zu nutzen.

Rückfragen beantworte ich selbstverständlich und gern.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Johann Schweißgut und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 1 Monat.
Lieber Herr Schweißgut,
danke für Ihre dezidierte Antwort. Sie haben in allem den Punkt getrofffen.
Ich möchte mich kurz vorstellen - Literaturweise: Watzlawick lese ich seit 1988, Wilber alles, Beck/Cowan, ... Schulz von Thun usw. usf, nicht zu vergessen Fritz B. Simon - bin aus Heidelberg ...Mit analog/digitaler Kommunikation (Bild/Sprache/Konnotationen auf Bild- und Sprachebene) befasse ich mich seit 1990 im Rahmen meiner Diplomarbeit (Columbus: Tradition und Neuerung (Forschen - Lehren - Lernen / Beiträge aus dem Fachbereich IV (Sozialwissenschaften) der Pädagogischen Hochschule Heidelberg)Januar 1992) - Sie kennen jetzt meinen Namen und frühere Adresse - bitte wahren Sie im A-Stil meine Anonymität.
Eine Therapeutische Ausbildung in Basel, Aeon (Psychosynthese) musste ich krankheitsbedingt abbrechen - "wenn Beziehungen krank machen".
Zurück zu Ihrem Rat - wie gesagt, Sie haben mit allem Recht. Ich schlafe im Gästezimmer, arbeite in meinem Arbeitszimmer - mehr Trenung IM Haus ist nicht möglich. Gemeinsame Mahlzeiten sind gestrichen.
Was mir noch schwer fällt (es geht um Kinder und die gemeinsame Immobilie), ist der kontrollierte Wutausbruch und das Schweigen, wenn jemand, den ich eben mal geliebt habe oder vielleicht zu lieben geglaubt habe (???), an mich appelliert, da nutzt die ganze Theorie nichts.
Ich werde mich noch mehr um Ignorieren bemühen und das Brüllen und Schweigen einüben - ich bin einfach nicht der Mensch, der auf Ansprache einfach so vernichtend schweigen kann (Geschirr ist schon geflogen).
Ihr empathisches Verständnis hat mir gut getan. Ihre Ratschläge haben mich unterstützt.
Vielleicht werde ich einfach ein paar Tage wegfahren, um mich wieder zu beruhigen und neu zu zentrieren.
Danke ***** ***** einen guten Tag für Sie.