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Johann Schweißgut
Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1100
Erfahrung:  Verhaltenstherapeut, Systemischer Berater und Coach, Supervisor
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Johann Schweißgut ist jetzt online.

Ich bin 36 Jahre alt und seit knapp zwei Jahren mit meinem

Kundenfrage

ich bin 36 Jahre alt und seit knapp zwei Jahren mit meinem Freund zusammen. Leider belastet ein Thema unsere Beziehung erheblich! Er spekuliert an der Börse. Leider nicht erfolgreich! In den letzten 15 Jahren hat er ca. 250.000,- an der Börse verloren. Aktuell beträgt der Schuldenberg ca. € 150.000,-. Er hat diverse aktive Kredite, die er monatlich tilgt. Tagtäglich studiert er die Kurven, rechnet und pendelt zwischen „short“ und „long“. Leider ist das Glück nicht auf seiner Seite. In vielen Gesprächen habe ich versucht ihn dabei zu unterstützen davon wegzukommen. Leider ohne Erfolg! Er macht sich große Vorwürfe, schämt sich und verachtet sich selbst dafür aber aufhören kann er nicht. Er kann sich selbst nicht eingestehen zu versagen bzw. einen Fehler gemacht zu haben. Auch über die Möglichkeit sich „Hilfe“ zu suchen haben wir besprochen. Darauf hat er die Antwort, dass er die Fragen und Antworten bereits kennt. Nachts wacht er schweißgebadet auf und am Abend trinkt er eine Fl. Wein um die Themen zu verdrängen. Auf dem Heimweg von einer Veranstaltung ist er vor mir weinend zusammengebrochen. Ganz aufgelöst hat er mir gesagt, dass er es nicht schafft und ich jemand Besseres verdient habe, dass er keine Familie ernähren kann.
Er hat mir vor einem Jahr versprochen, keine weitere Kredite aufzunehmen. Dieses Versprechen hatte übrigens auch schon seinen Eltern und seiner Ex-Freundin gegeben und hat sich nicht daran erhalten. Ich habe nun erfahren, dass er dieses Versprechen auch mir gegenüber gebrochen hat. Er hat neue Kredite aufgenommen und auch seine Ex-Freundin hat ihm Geld geliehen. Durch einen Jobwechsel bekommt er im Januar knapp € 100.000,-. Er hat mir nun versprochen, dass er ab dem Tag wo das Geld fließt nur noch mit einem definierten Budget spekuliert und als Vertrauensbeweis mir gegenüber, mir alle Konten offen legt um dies zu prüfen. Für mich ergibt es keinen Sinn, bis Januar zu warten und das habe ich ihm gegenüber auch so kommuniziert aber er meint, dass dies schon ein sehr großes Entgegenkommen ist und was ich denn noch mehr wolle. Er wirft mir vor, dass ich ihn jedesmal wenn ich mit diesem Thema anfange ihn damit verletzte und dass er eh schon genug mit diesem Thema zu kämpfen hat. Ignorieren kann ich es aber auch nicht, weil es einfach nur falsch ist und ich nicht dabei zusehen kann wie wöchentlich weitere Euros verspielt werden. Mein Kopf sagt "geh", mein Herz sagt "bleib"... ich weiß nicht was ich tun soll

Gepostet: vor 2 Monaten.
Kategorie: Psychologie
Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 2 Monaten.

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, vielen Dank, ***** ***** sich mit Ihrer Frage justanswer anvertrauen. Mein Name ist Johann Schweißgut

Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 2 Monaten.

Guten Morgen,

ja, Sie stecken in einer sehr schwierigen Zwickmühle.

Nach Ihrer Beschreibung vermute ich, dass Ihr Freund an einer Spielsucht leidet, die er in Börsenspekulationen auslebt. Spielsucht gilt als Krankheit. Sie kann mit einer Psychotherapie erfolgreich behandelt werden.

Aber das hilft Ihnen leider nicht weiter, solange Ihr Freund sich weigert, professionelle Hilfe einzuholen. Das ist leider Standard bei Sucht: Die Einsicht fehlt bei dem Betroffenen und Hilfe wird abgelehnt.

Ich fürchte, dass auch Sie ihm nicht helfen können. Gut gemeintes Reden von Ihnen wird leider nicht zu einer Abkehr von der Sucht führen. Es ist so wie bei einem Alkoholabhängigen oder Drogenabhängigen, die "Droge" ist viel stärker als der Wille der abhängigen Menschen.

Sie sagen, Ihr Kopf sagt "geh" und Ihre Herz "bleib". Das klingt so, als müssten Sie sich für oder gegen ihn entscheiden. Wenn Sie gehen, wird es Ihnen das Herz brechen. Wenn Sie bleiben, besteht die Gefahr, dass Sie in den Schuldenkreislauf und dessen Folgen mit hineingezogen werden und dass Sie die psychische Belastung nicht ertragen können.

Ich nehme an, Sie lieben ihn sehr. Wenn das stimmt, dann muss es vielleicht gar nicht eine Entscheidung für oder gegen ihn geben. Sie können ja auch Ihrem Herzen folgen und zugleich alles tun, um sich selbst vor negativen Auswirkungen und Folgen zu schützen. Sie können sich finanziell schützen, indem Sie ihm keine Geld leihen, nicht einen Cent! Auch, indem Sie ihn nicht heiraten, weil Sie als Ehefrau mit in Haftung genommen werden können (es sei denn, Sie machen einen Ehevertrag, der Vermögenstrennung festlegt). Sie können sich auch psychisch schützen, indem Sie sein Suchtverhalten ignorieren und jede Auseinandersetzung mit ihm darüber vermeiden. Wenn Sie ihn so akzeptieren, wie er ist, inklusive seine Sucht, könnte Sie das psychisch entlasten.

Das wäre aber sehr schwer. Sie würden miterleben, wie er sich zugrunde richtet, ohne dass sie irgendetwas dagegen unternehmen können. Ich weiß nicht, ob Ihre Liebe so stark und tief ist, dies aushalten zu können. Falls Sie es irgendwann nicht mehr aushalten können, würde tatsächlich nur die Trennung als Lösung bleiben.

Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine positivere Antwort geben kann.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Kunde: hat geantwortet vor 2 Monaten.
Hallo Herr Schweißgut,
vielen Dank, ***** ***** sich meinem Problem annehmen. -einfach das Thema ausblenden! Das verlangt mein Freund auch, er sagt es sei sein Thema und er beschäftigte sich täglich schon genug damit, da bräuchte ich mir nicht auch noch Gedanken machen. Ich habe es versucht auszublenden. Aber soll man etwas ausblenden oder ignorieren, von dem man überzeugt ist, dass es dem anderen nicht gut tut, dass es nicht richtig ist! Ich kann doch nicht zusehen, wie der wichtigste Mensch in meinem Leben leidet. Täglich gibt es Situationen, Sequenzen in denen ich ihn beobachte wie er kopfschüttelnd in sein Handy schaut und Kurse studiert. Es belastet ihn so sehr und mir bricht es fast das Herz ihn da so sitzen zu sehen! Er findet Trost im Alkohol, im Schnitt trinkt er pro Tag eine Flasche Wein, gerne auch nach der Arbeit mit Kollegen/Kolleginnen. Ich glaube das er dadurch vergessen kann, -sich auch mal als "Gentleman" fühlen darf, der einen Drink ausgibt, ohne dass er gleich daran erinnert wird, es sich nicht leisten zu können. Einen Tag komplett ohne Alkohol gibt es selten. An zwei Tage ohne Alkohol kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern. Auch hier ist eine Sucht versteckt und er hat mir schon oft versprochen weniger zu trinken. Wenn ich meinen Verstand einschalte und alles von oben, ohne Emotionen betrachte, sagt mein Kopf, dass ich so langfristig nicht glücklich werden kann. Aber wie soll ich jemand verlassen, den ich liebe, der mich glücklich macht und zum lachen bringt. Neben dem "day-trading Thema", welches er versucht soweit es geht zu verdrängen wenn wir zusammen sind, ist er der fürsorglichste und liebevollste Mensch den ich kenne. Ich fühle mich jedoch so hilflos. Er ist der festen Überzeugung, dass er doch auch irgendwann "Glück" haben muss. Er setzt sich immer bis auf´s äußerte für seine Mitmenschen, Kollegen, Mitarbeiter, Freunde und Familie ein. Er möchte für andere immer nur das Beste!! Er hofft, wenn er anderen gutes tut, wird auch ihm irgendwann gutes getan.
Wir haben schon oft darüber gesprochen eine Familie zu gründen, zu heiraten. Aber wie soll das funktionieren? Dann denke ich wieder, nimm ihn doch einfach so wie er ist!
Seine Eltern haben ihm vor einigen Jahren finanziell geholfen, mit seinem Versprechen damit aufzuhören. Über die aktuelle Lage sind sie jedoch nicht informiert. Habe ich das Recht, mit ihnen zu sprechen? Seine Eltern sind ihm sehr wichtig, ihnen zu beichten, versagt zu haben bringt er nicht übers Herz.Glauben Sie daran, dass er alleine einen Weg aus der Spielsucht finden kann? Dass er im Januar damit aufhört?
Laut seinen Berechnungen ist er im Jan 2020 schuldenfrei, wenn er keine weiteren Schulden aufbaut!!Herzlichen Dank
Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 2 Monaten.

Wie ich bereits sagte, eine Sucht ist durch den eigenen Willen nicht zu beeinflussen. Bei ihm ist es ja offenbar nicht nur die Spiel- sondern auch die Alkoholsucht. Das macht die Abhängigkeit doppelt. Deshalb ist - es tut mir leid für Sie - das Ende seines Spielsucht-Verhaltens ab Januar 18 nicht zu erwarten. Es sei denn, er macht eine Therapie.

Ja, es ist schrecklich, wenn man mit ansehen muss, dass ein geliebter Mensch sich selbst zugrunde richtet. Es haben sich schon Milliionen von Partnern von Süchtigen für sie aufgerieben, um zu helfen, und sind damit gescheitert. Auch seine Eltern werden ihm nicht helfen können, ihr damaliger Versuch ist ja auch kläglich gescheitert.

Ich habe den Eindruck, dass Sie ihn wirkllich sehr lieben. Aber Sie sollten auch an Ihre Belastbarkeit und Ihre Zukunft (Kinder?) denken. Viele Partner ertragen eine solche Belastung über viele Jahre. Sie versuchen zu akzeptieren, dass der Abhängige so ist wie er ist. Aber dass hinterlässt auf die Dauer Spuren in ihrer Psyche und Gesundheit.

Kunde: hat geantwortet vor 2 Monaten.
Sie sprechen in beiden Fällen von einer Sucht?! Daran gibt es keinen Zweifel? Wie wird eine Spielsucht definiert?
Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 2 Monaten.

Sucht bedeutet, dass der Betroffene sein Verhalten zu einer bestimmten Sache nicht unterlassen kann, obwohl es ihm schadet.

Bei der Spielsucht ist es das Spielen um Geld, meistens bei Glücksspielen und manchmal auch bei riskantem "Spielen" an der Börse. Der Betreffende kann nicht aufhören, obwohl deutlich wird, dass er sich damit finanziell zugrunde richtet.

Bei einer Alkoholsucht ist es der Konsum von Alkohol, den der Betroffene nicht beenden oder dauerhaft reduzieren kann, obwohl ihm bekannt istd, dass regelmäßiger Konsum in großen Mengen nachweislich die Gesundheit massiv schädigt.

Zur Sucht gehört auch, dass die Betreffenden nicht zur Einsicht über die Problematik ihres Verhaltens fähig sind.

Nach Ihrer Beschreibung seines Verhaltens halte ich es für wahrscheinlich, dass er spielsüchtig ist. Eine endgültige Diagnose kann aber nur vor Ort nach einer eingehenden psychologischen oder psychiatrischen Untersuchung gestellt werden.