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Johann Schweißgut
Johann Schweißgut, Diplom Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1005
Erfahrung:  Verhaltenstherapeut, Systemischer Berater und Coach, Supervisor
75300426
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Johann Schweißgut ist jetzt online.

ich habe das Problem, dass ich sehr unzufrieden mit meinem

Kundenfrage

ich habe das Problem, dass ich sehr unzufrieden mit meinem Leben bin, bei dem kleinsten falschen Gedanken ich sofort anfange zu heulen und immer wieder bestätigt bekomme, dass ich nichts kann. Ich weiß schon seit Langem, dass ich wenig Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein besitze, hatte vor 4 Jahren eine Freundin, die mich sehr zerstört hat, bin aber von ihr weggekommen und war seitdem glücklich. Allerdings habe ich seit März 2016 einen Freund, mein erster Freund, mit dem ich eigentlich auch superglücklich bin. In einem Monat fange ich an zu studieren und wir werden dann 2 Fahrtstunden mit dem Auto auseinander wohnen, weil ich wegziehen muss, und das macht mir schwer zu schaffen. Immer wenn ich bei ihm bin und mit ihm Zeit verbringe, dann ist alles gut. Es sei denn, irgendwas löst einen negativen Gedanken aus, dann bin ich sofort schlecht drauf und nah am Weinen. Wenn ich mich dann nicht irgendwie ablenke, heule ich sofort wieder rum. Ich weiß selbst oft nicht genau, warum ich auf einmal wieder so down bin, aber oft ist es, weil ich weiß, dass ich bald von ihm getrennt sein werde. Natürlich werden wir uns an den Wochenenden sehen, aber in meinem Inneren bin ich davon überzeugt, dass die Beziehung nicht mehr lange halten wird, sobald wir uns nicht mehr so oft sehen. Dass er eine bessere findet. Immerhin halte ich nicht sonderlich viel von mir und meinen Fähigkeiten, weswegen ich auch oft eifersüchtig war, sobald er mit einem anderen Mädchen Kontakt hatte. Ich fühle mich oft einfach wertlos, unattraktiv, als wären alle besser als ich. Das führt zur Eifersucht und schrecklichen Gefühlen. Mittlerweile kommt es mir so vor, als hat nicht nur die Freundin, die mich vor 4 Jahren so niedergemacht hat (über Jahre) ihren Anteil daran, sondern auch meine Mutter. Wenn ich mir jetzt Gedanken darüber mache, dann ist es nicht nur heute so, dass sie mich und meine Schwester ständig kritisiert, wir beide ihr nie etwas recht machen können und sie mir immer das Gefühl gibt, dumm zu sein. Ich erinnere mich an Szenen aus meiner Kindheit, in denen sie ausgerastet ist und schreiend aus dem Zimmer gerannt ist, weil wir irgendetwas nicht richtig gemacht haben. Sobald sie von der Arbeit kommt, warte ich nur darauf, dass sie sich wieder wegen irgendetwas beschwert, und ich fühle mich immer so schlecht. Ich hoffe, dass das mit ihr besser wird, sobald ich alleine wohne, doch auch vor dem Alleine wohnen habe ich mittlerweile ein wenig Angst, weil alles so neu ist. Generell habe ich Angst vor Ablehnung und Angst, nicht gut genug zu sein.
Ich würde gerne einfach so glücklich sein können wie mein Freund, dem es auch nicht besonders nah geht, dass ich bald weg sein werde, denn wir sehen uns ja noch am Wochenende. Dem es nicht nahe geht, wenn ich bei ihm war und dann wieder nach Hause fahre (im Gegensatz zu mir, ich bin oft den Tränen nahe, nur weil ich wieder nach Hause gehe). Dem es egal ist, wenn jemand was schlechtes über ihn sagt (er sagt immer "Lass das doch einfach nicht so an dich ran, kann dir doch egal sein was andere reden").
Dazu kommt noch, dass ich für meinen Freund gerne alles wäre. Für mich ist er alles, ich weiß, dass ich mich immer sehr auf einen Menschen fixiere, aber ich will nicht klammern. Ich hätte gerne, dass er, wenn er spontan was unternehmen will, als erstes an mich denkt, nicht an seinen besten Freund, ich hätte gerne, dass ich auch seine beste Freundin bin. Denn er ist gleichzeitig auch mein bester Freund. Manchmal habe ich das Gefühl, er ist von mir genervt, weil ich so an ihm hänge oder keine Ahnung wieso. Ich weiß, dass mein Selbstvertrauen nicht besonders hoch ist.
Ich wüsste nur einfach gerne, wie ich so glücklich und zufrieden mit meinem Leben werden kann, wie er. Wie ich nicht wegen winzigen Kleinigkeiten den Tränen nahe bin, mir ständig sage, dass ich scheiße bin und wie ich einfach eine ganz normale Beziehung führen kann, ohne dass ich gleich innerlich sterbe, wenn ich nicht bei meinem Freund bin oder weiß, er unternimmt was mit anderen. Einfach, wie man normal ist.
Danke.
Gepostet: vor 11 Monaten.
Kategorie: Psychologie
Experte:  Johann Schweißgut hat geantwortet vor 11 Monaten.

Sehr geehrte Kundin,

Sie haben ihr Problem und Ihr Leiden ausführlich beschrieben, vielen Dank.

Offenbar hatten Sie bisher in Ihrem Leben keine Möglichkeiten, Ihr Sebstbewusstsein aufzubauen und zu pflegen. Schwaches und starkes Selbstbewusstsein sind nicht angeboren oder vererbt. Sie sind das Ergebnis davon, wie man in der Vergangenheit sein Leben gestaltet hat.

Sie hatten offenbar sehr schwierige Bedingungen, die es Ihnen nicht ermöglicht haben, ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Die wichtigste Zeit dafür sind die ersten 12 Lebensjahre. Aber auch in der Zeit danach, auch im Erwachsenenalter, kann man sein Selbstbewusstsein entwickeln.

Sie haben offenbar als Kind bestimmte Persönlichkeitszüge Ihrer Mutter angenommen: z.B. Sie können beide nicht ertragen, wenn etwas aus Ihrer Sicht "falsch" läuft und Ihre Mutter hat wahrscheinlich ebenso wenig Selbstbewusstsein wie Sie. Da liegen die Gründe dafür, dass es Ihnen jetzt so schlecht geht.

Aber Sie können das alles in Ihrem weiteren Leben noch korrigieren. Das dauert allerdings seine Zeit, weil man das Selbstbewusstsein nur schrittweise aufbauen kann.

Es ist gut, dass Sie einen Ratgeber gekauft haben. Lesen Sie ihn, er wird Ihnen sicher wertvolle Hinweise geben.

Vielleicht sollten Sie sich auch an eine Psychotherapeutische Praxis vor Ort wenden, diese Hilfe ist sicher noch wertvoller. Diese Therapie wird von der Krankenkasse bezahlt. Über die folgende Adresse können Sie einen Therapeuten in Ihrer Region finden:

http://www.bptk.de/service/therapeutensuche.html.

Ein wichtiger positiver Schritt für Ihr Selbstbewusstsein wird sein, wenn Sie von zuhause, von Ihrer Mutter wegziehen. Dann wird es Ihnen vielleicht leichter fallen, die Eigenarten Ihrer Mutter abzulegen. Sie ist nämlich leider damit für Sie zu einem unbewussten Vorbild geworden, das Ihnen sehr schadet.

Sie sollten diese Dinge mal in aller Ruhe und offen mit Ihrem Freund besprechen. Er mag Sie offenbar sehr und wird Sie noch mehr mögen, wenn er merkt, dass Sie an sich arbeiten.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Rückfragen beantworte ich Ihnen gern.

Freundliche Grüße