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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1216
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Ich bin 2fache Mutter, 31jahre und lebe 9 jahre mit meinem

Kundenfrage

Ich bin 2fache Mutter, 31jahre und lebe 9 jahre mit meinem partner zusammen.seit 1, 5jahren leidet er an Depression und davor war er Alkoholiker. Ich komme mit der situation nicht mehr klar....ich selber trinke am wochenende.fuehle mich schlapp antriebslos.tu einfach die dinge dir ich machen muss.also haushalt kinder und einen 6 monate jungen hunde welpen....alles organisiert.aussen ist es ordentlich und sauber aber chaos in den meisten schraenken.ich moechte am liebsten meine sachen packen und abhauen waeren da nicht die kinder und der hund.
Gepostet: vor 3 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 3 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
Sie fuehlen sich in Ihrem Leben alleine und ausgelaugt. Das ist leider kein ungewoehnliches Gefuehl, wenn man mit einem Alkoholiker oder einem depressiven Menschen zusammen lebt.

Hier ist ein “Teufelskreis”, den ich immer wieder sehe in Menschen mit Symptomen, wie Sie die beschreiben. Es scheint, dass viele Menschen, die von Natur aus hilfsbereit sind und ihr Leben dem Ziel widmen, anderen Menschen zu helfen, aber auch Menschen, die gezwungenermassen in die “Helferrolle” geraten sind (also Menschen wie Sie, die Kinder oder Partner mit psychischen oder Gesundheitsproblemen haben) sich in diesem Verhaltensmuster wiederfinden.

Man hilft, man ist fuer andere da, man steckt zurueck, man stellt die eigenen Beduerfnisse in den Hintergrund. Oft bekommt man wenig zurueck. Ab und zu mal ein “Danke”, aber meist weird es als selbstverstaendlich hingenommen, dass man da ist, wenn man gebraucht wird. Man goennt sich selten etwas, man fuehlt sich oft sogar schuldig, wenn man Zeit, Energie und Geld fuer sich selbst beansprucht. Aber irgendwann ist man dann “leer”. Man hat alles gegeben, was man hat (und meist sogar mehr als man wirklich hat). Man fuehlt sich muede, erschoepft, depressiv. Typische Gedanken sind: “Warum immer ich?” “Wieso kann niemand so fuer mich da sein, wie ich fuer alle da bin?” Das Leben ist zu anstrengend.” “Ich kann nicht mehr.” “Auch wenn ich die ganze Nacht geschlafen habe, fuehle ich mich nicht ausgeschlafen.” “Es fuehlt sich so an, als ob sich die ganze Welt gegen mich verschworen hat.”

Wenn man dann diese Muedigkeit nicht mehr aushaelt, dann wird man wuetend. Denn Wut gibt zumindest ein bisschen Energie. Ausserdem kann man die ganze Frustration, die sich aufgesaut hat, rauslassen. Meist sind diese “Explosionen” sehr laut und erstaunen die Menschen um einen herum, denn “man ist doch sonst so ruhig und hilfreich.” Das Problem ist, dass man sich ja eigentlich als “netter Mensch” sieht und sich das sehr schwer mit diesen Wutausbruechen vereinbaren laesst. Darum entwickelt man schnell Schuldgefuehle (“Eigentlich sollte ich...” “Wie konnte ich nur...”)

Das beste “Gegenmittel” gegen Schuldgefuehle ist – richtig geraten – wenn man genz besonders nett ist und ganz viele nette Dinge fuer andere Menschen tut (v.a. fuer die, die den Wutausbruch erlebt haben) und damit steht man wieder am Anfang des Kreislaufs.


Der einzige Weg (den ich kenne), um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist dass man sich nicht mehr gibt als man wirklich hat und darum gar nicht erst in die “depressive Muedigkeit” verfaellt. Dazu ist es wichtig, dass man herausfindet, wie man den eigenen “Energietank” wieder auffuellt und wie man eine "dickere Haut" entwickelt, damit man sich nicht die Lasten der anderen Menschen auflaedt. Wichtig ist auch, Grenzen zu setzen: Wofuer bin ich verantwortlich? Wofuer bin ich nicht verantwortlich? Ist es wirklich okay, dass ich, wenn mein Partner einen schlechten Tag hat, gute Laune habe?

Schuldgefuehle sind hilfreich, wenn man “gegen ein Gesetz” verstoesst. Sie weisen darauf hin, dass man etwas falsch gemacht hat und sich entschuldigen sollte. Aber wenn man nicht alle Energie, die man hat, an andere verschenkt, dann tut man nichts falsches. Und wenn man gute Laune hat und damit den anderen, dem es nicht so gut geht, "ansteckt", dann ist das auch kein Verbrechen. Im Gegenteil. Man tut etwas richtiges. Nur wenn man selbst genug Energie hat und fuer die eigene Laune verantwortlich ist, kann man anderen helfen. Das ist nicht egoistisch, das ist “kluge Planung.” Wenn man anfaengt, diese Dinge zu aendern, hat man oft Schuldgefuehle - aber diese Schuldgefuehle sind ein gutes Zeichen. Sie bedeuten, dass man sich nicht laenger an die -oft unsinnigen- Gesetze haelt, die besagen, dass man fuer das Glueck und das Wohlbefinden eines anderen Menschen zustaendig ist.


Finden Sie sich in diesem Kreislauf irgendwo wieder?