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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
62882398
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Sehr geehrte Damen und Herren, ich weiss nicht wie ich mich

Kundenfrage

Sehr geehrte Damen und Herren, ich weiss nicht wie ich mich verhalten soll. Ich habe beobachtet wie mein Mann und unsere Nachbarin sich zärtlich küssten.
Ich bin enttäuscht, verletzt und wütend auf beide.

Danach kam dieser Brief.

Guten Morgen,
ich habe dich bis jetzt für eine erwachsene, emanzipierte Frau gehalten, die es nicht nötig hat sich hinter anonymen
Handys und verschlossenen Türen verstecken muß.
Wir haben ein Problem. daß ich gern persönlich mit dir geklärt hätte, wozu du mir aber nicht die Möglichkeit gibst.
Ich wollte mich bei dir entschuldigen und habe es mehrmals versucht!
Ja ich habe deinen Mann geküsst, wofür ich um ENTSCHULDIGUNG bitte, auch das ich deine Gefühle verletzt habe.
Aber ich entschuldige mich nicht für etwas, was ich nicht getan habe und nicht die Absicht hatte es zu tun, denn dein Mann ist für mich viel mehr. Er ist mein Nachbar, Kumpel und bester Freund mit dem ich tiefgreifende Gespräche
Führen kann(kein intimes Bettgeflüster),der mir schon oft Mut zugesprochen hat, eine schulter zum ausheulen angeboten und vieles mehr. Ich bin froh über diese Freundschaft, weil sowas zwischen Mann und Frau sehr selten ist. Der beste Freund ist entweder schwul oder ne Frau. Wir bringen uns Respekt Vertrauen und Achtung entgegen. Das alles ist Frank für mich, aber eines ganz bestimmt nie. Er ist keine Affäre ,kein Sexobjekt oder ein Mann für einen Quicke! ! !
Das würde unsere Beziehung grundlegend zerstören und dafür respektiere und mag ich ihn zu sehr um das aufs Spiel zu setzen. Wie du siehst, hab ich mögen gemeint nicht lieben, denn für LIEBE bist du zuständig und dir gehört
sein Herz.
Ich bin gefühlsmäßig ein ehr verschlossener Typ, aber du zwingst mich Farbe zu bekennen. Das hätte ich dir so mit Sicherheit nie erzählt, weil es mir schwer fällt die richtigen Worte auszusprechen.
Ich entschuldige mich in aller Form bei dir und hoffe du nimmst meine Entschuldigung an, denn auch deine Freundschaft bedeutet mir viel! Ob du mir verzeihen kannst, weiß ich nicht.


Ich wünsche dir einen schönen Tag

P.S. Das Leben ist kompliziert und Gefühle sind zarte Pflanzen oder können starke Bäume sein . ich kann nur hoffen, daß sie dir und mir nicht im Weg stehen!
Gepostet: vor 3 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 3 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,

auch wenn Ihnen die beiden - glaubhaft? - versichern, dass es sich nicht um eine sexuelle Affaere handelt, dann ist es auf emotionaler Ebene natuerlich doch eine grosse Enttaeuschung und ein grosser Schmerz, den Sie hier erleben. Das laesst sich nicht einfach beiseite schieben, aber es laesst sich verarbeiten.

Koennten Sie sich vorstellen, entweder gemeinsam mit Ihrem Mann ein Buch zu lesen oder sogar eine Paartherapie zu machen?
Hier ein paar moegliche Buecher (aber einfach bei Amazon.de mal stoebern):

Beziehungsregeln: Die ultimativen Tipps für alle, die Partnerschaftskrisen satt haben von Harriet Lerner und Ursula Pesch (9. Mai 2012)


Ist Ihre Beziehung noch zu retten? Wann Sie gehen und wann Sie bleiben sollten von Michael S. Broder (September 2004)

Vertrauen muss man wieder lernen. Das kommt nicht sofort zurueck. Und Ihr Mann muss sich natuerlich vertrauenswuerdig verhalten. Wird er das tun koennen?

Kunde: hat geantwortet vor 3 Jahren.

Hallo! Vielen Dank für die schnelle Antwort. Sicher kann ich mir ein Buch kaufen und darin lesen. Ferner würde ich gern einen Rat von ihnen erhalten.


 


Das Vertrauen ist doch weg. Eine Entschuldigung nur dahin geredet.


Ein Wort, ein Gedanke. Der Schmerz sitzt doch viel tiefer. Was ist mit dem Ehemann meiner Nachbarin? Soll ich es ihm sagen? Stehen hier zwei Ehen auf der Kippe? Ein Kuss, dann küssen, ....wo fängt der Seitensprung an. Oder wie oft haben sie es schon getan. Wie lange läuft da was.Sicher können Sie mir das nicht beantworten.


Oder ist der Brief ein Hilferuf, weil alles viel schlimmer ist. Was steht da zwischen den Zeilen? Nur das schlechte Gewissen, weil ich es gesehen habe? Ich bekomme die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Zärtliche Küsse, Umarmungen, ihr strahlendes lächeln das sie immer wieder meinem Mann zeigt.


 

Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 3 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
Ihre Gefuehle und Gedanken sind absolut gerechtfertigt. Und mit einer Entschuldigung ist es tatsaechlich nicht getan. Es ist verstaendlich, dass Sie sich wundern, wie lange da schon etwas laeuft und was genau passiert ist. Meist hilft die Antwort darauf dann aber doch wenig, denn es geht ja darum zu entscheiden, was als naechstes passiert - wie geht es weiter?

Und fuer Ihre Ehe koennen das nur Sie und Ihr Mann entscheiden - fuer die Ehe der Nachbarin sind Sie nicht wirklich zustaendig. Es geht nicht darum, dass SIE ein Buch lesen, sondern, dass Sie gemeinsam neue Richtlinien fuer Ihre Ehe aufstellen. Was wollen Sie gemeinsam? Was muss passieren, damit Sie das erreichen koennen?

Vertrauen muss man wiedergewinnen, das kommt nicht ueber Nacht zurueck. Beide Seiten koennen daran arbeiten, damit das Vertrauen wieder hergestellt wird. Sie indem Sie Ihrem Mann einen kleinen Vertrauensvorschuss geben (denn es ist absolut schrecklich fuer eine Beziehung, wenn Sie ihm jetzt 24 Stunden am Tag hinterherlaufen und ueberpruefen, was er macht) und er, indem er genau das tut, was er sagt. Wenn er also sagt: "Ich gehe zu Rewe und komme dann gleich nach Hause." Dann waere es wichtig, dass er anruft und Bescheid sagt, wenn er erst zu Rewe geht, dann zum Aldi und dann nach Hause kommt. Das ist ein banales Beispiel, aber so baut man Vertrauen auf - man sagt genau, was man tut und tut dann genau das, was man gesagt hat - in allen Lebensbereichen. Wenn Sie das tun, dann wird es wahrscheinlich so etwa ein Jahr dauern bis das Vertrauen wieder tragfaehig ist.

Bezueglich Ihrer Beziehung muessen Sie ganz klar Ihre Erwartungen ausdruecken, was wahrscheinlich auch beinhaltet, dass er keinen Kontakt zu der Nachbarin hat - ausser ein freundliches Hallo, wenn man sich auf der Strasse sieht. Was brauchen SIe noch von ihm? Das ist fuer jeden Menschen anders, darum muessen Sie da in sich hineinhorchen, um zu wissen, was Ihnen helfen koennte, zu heilen.

Oft braucht man einen "Ratgeber" und "Vermittler", damit der ganze Schmerz raus kann und damit man danach wieder nach Vorne sehen kann. DArum meine Empfehlung einer Paartherapie - auch das ist eine Erwartung, die Sie an Ihren Mann stellen koennten: "Wenn du willst, dass wir unsere Beziehung heilen, dann erwarte ich, dass wir gemeinsam eine Beratung machen."

Ich kann Ihnen nicht sagen, was genau hinter diesen Zeilen steht - aber wie gesagt, letztendlich wird es Ihnen auch nicht helfen, diese Bilder loszulassen. Man kann nicht vergessen, aber man kann verzeihen. Man kann - wenn der Schmerz nachlaesst und man weniger wuetend ist - anfangen, das Gesamtbild zu betrachten und dann die Entscheidung zu treffen, zu vergeben. Auch Vergebung braucht Zeit - geben Sie sich auch hier mindestens 6-12 Monate.

Im Moment ist es ganz wichtig, dass Sie sich ueberlegen, was Sie brauchen, um Ihre Ehe weiterzufuehren und das mit Ihrem Mann ansprechen - und wie gesagt, meine Empfehlung waere es, dazu einen Berater einzuschalten und vielleicht gemeinsam eines der Buecher zu lesen, damit Sie beide verstehen, was bei einer "Affaere" passiert und wie es alle Beteiligten betrifft und veraendert.

Helfen Ihnen diese Vorschlaege weiter? Leider gibt es keine "schnelle" Loesung und Ihr Schmerz wird Sie auch noch eine Weile begleiten. DAs ist normal und wichtig. Ich haenge Ihnen noch eine laengere Ausfuehrung zum Thema Vergebung an, damit Sie nachlesen koennen, wie dieser Prozess ablaeuft und es hoffentlich auch mit Ihrem Mann besprechen koennen. Ansonsten stehe ich fuer weitere Nachfragen natuerlich gerne zur Verfuegung.

Manchmal macht alleine der Gedanke an bestimmte Menschen wütend. Das bedeutet normalerweise, dass diese Menschen einem ein Unrecht angetan oder einem wehgetan haben. Die Erfahrung, dass der Gedanke an diese Menschen einen wütend macht, bedeutet, dass diese Menschen immer noch eine gewisse Macht über jemanden und seine Gefühle ausüben. Diese Macht kann man einem Menschen nur wieder wegnehmen, wenn man ihm vergibt. „Moment,“ sagen Sie jetzt wahrscheinlich, „Ich will diesen Menschen aber gar nicht vergeben. Sie haben mir weh getan. Warum sollte ich ihnen vergeben?“ Natürlich musst man einem Menschen, der einem ein Unrecht antut nicht vergeben, aber wenn man ihm nicht vergibt, dann gibt man ihm Macht über die eigenen Gefühle und damit über das eigene Leben. Viele Menschen denken, dass Vergebung ein Gefühl ist, und dass man nicht vergeben kann, wenn man dieses Gefühl nicht hat. Diese Annahme stimmt aber so nicht. Vergebung ist zwar auch ein Gefühl, aber vor allem ist Vergebung eine Entscheidung. Und die Entscheidung zu vergeben hilft demjenigen, der vergibt, sehr viel mehr als demjenigen, dem vergeben wird. Nicht möglich? Lassen Sie uns den Vergebungsprozess einmal genauer anschauen.

Als erstes ist da die verletzende Tat oder das Vergehen. Es wurde einem etwas angetan, das falsch, ungerecht und schmerzhaft war. Dabei ist es unwichtig, wie schwerwiegend die Tat war. Die erste Reaktion des Verletzten ist es, den Schuldigen zur Verantwortung ziehen zu wollen. Die meisten Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Darum widerstrebt Vergebung dem gesunden Menschenverstand erst einmal. Redensarten wie „Vergeben und vergessen“ helfen da wenig, denn sie bestätigen (zu Unrecht), dass Vergeben gleichzusetzen ist mit dem Ignorieren eines Unrechts. Wenn man vergibt, tut man so als ob das Unrecht nie passiert wäre. Warum sollte man da vergeben? Weil Vergeben in keinster Weise bedeutet, dass man die Tat vergisst oder einfach über sie hinwegsieht. Das menschliche Gehirn ist ohnehin nicht in der Lage, ein erlebtes Unrecht zu vergessen, und damit ist diese Redensart unsinnig.

Manchmal wird ein Täter bestraft und dadurch das Bedürfnis des Verletzten nach Gerechtigkeit zumindest teilweise gestillt. Ein Gerichtsprozess, eine Haftstrafe oder ein Urteil, das das geschehene Unrecht öffentlich macht, helfen da oft ein bisschen. Aber letztendlich fühlt der Täter weder den Schmerz, den er einem anderen zugefügt hat, noch kann er die Tat zurücknehmen. Der Schmerz und die Verletzung bleiben und beeinflussen das Leben, das Verhalten und die Entscheidungen des betroffenen Menschen oft noch jahrelang. Eine Frau, die vor ihrer Ehe vergewaltigt wurde, kann manchmal 20 Jahre später ihrem Mann immer noch nicht vertrauen, obwohl er sie nie schlecht behandelt hat. Ein Kind, das den Unfalltod eines Freundes beobachtet hat, wird auch als junger Mensch noch mit der Angst leben, dass alle Menschen, die ihm nahestehen, ständig in Gefahr sind und sich darum vielleicht nicht auf eine intime Beziehung einlassen. Ein Mann, der in der Armut der Nachkriegszeit aufwuchs, wird niemals verstehen, wie andere so unbedacht mit Lebensmitteln umgehen oder Dinge wegschmeissen, die vielleicht noch benutzt werden können. Diese Erlebnisse prägen einen Menschen und machen Vergebung damit zu einem wichtigen Thema.

Wenn man ein Unrecht erlebt, spürt man als erstes Schmerz. Von einem leichten Ziehen im Brustbereich bis hin zur rohen Verzweiflung. Je nach Art des Vergehens spürt man diesen Schmerz nur, wenn man sich an die Tat erinnert, oder er ist so überwältigend, dass er zum Teil des täglichen Lebens wird. Vielen Menschen wird dieses Gefühl des Verletztseins zu viel, und sie werden wütend. Diese Wut ist angebracht und oft hilfreich. Sie beschützt einen davor, sich wieder in eine ähnliche Situation zu begeben und nochmals verletzt zu werden. Sie erlaubt es einem sich gegen den lähmenden Schmerz zu wehren und im täglichen Leben zu funktionieren. Die Wut macht stark genug, den Täter zu konfrontieren, die Polizei zu rufen, oder während der Gerichtsverhandlung etwas zu sagen.

Und dann? Dann bleibt man entweder im Schmerz oder in der Wut stecken. Diese Gefühle prägen dann das Leben. Sie beeinflussen alle Erlebnisse und Beziehungen. Oft scheint sich die Person gar nicht mehr erinnern zu können, dass das Leben einmal anders aussah und sich vor allem anders anfühlte. Sind Sie schon einmal jemandem begegnet, der in der Wut steckengeblieben war? Wollten Sie Zeit mit diesem Menschen verbringen? Wahrscheinlich nicht. Diese Menschen sind normalerweise bitter und pessimistisch. Sie sehen nur das schlechte im Leben und in anderen Menschen. Sie kritisieren alles und jeden und finden auch an einem wunderschönen sonnigen Sommertag etwas auszusetzen. Sie haben keine wirklichen Freunde und können sich über nichts von Herzen freuen. Sie hegen ständig Rachegedanken und sehen auch in unschuldigen Missverständnissen böse Absichten. Aus Menschen, für deren Schicksal man Mitleid empfand, sind Menschen geworden, die keiner wirklich mag. Kennen Sie einen solchen Menschen? Sind Sie es vielleicht sogar selbst?

Dann gibt es diejenigen, die nach der Verletzung im Schmerz stecken bleiben. Sind Sie da schon einmal jemandem begegnet? Diese Menschen sind normalerweise deprimiert, depressiv, müde, und erschöpft. Und wenn man Zeit mit ihnen verbringen, fühlt man sich danach genauso. Sie sehen sich als ständige Opfer und haben das Gefühl, dass die Welt darauf aus ist, ihnen wehzutun oder ihnen weiteres Unrecht zuzufügen. Jedesmal wenn man ihnen vorschlägt, wie sie ihr Leben verbessern oder sich einfach nur besser fühlen könnten, dann antworten sie: „Ja, aber....“ Und beschreiben ausführlich, warum der Vorschlag sowieso nicht umsetzbar ist, warum deine Idee von Anfang an unsinnig war, und warum alle Versuche, etwas Freude in ihr Leben zu bringen, ganz sicher fehlschlagen werden. Nach einem solchen Gespräch fühlt man sich hilflos, frustriert, entmutigt und ausgelaugt und man hat das Gefühl im Bauch, dass diese Menschen sich nicht wirklich besser fühlen wollen, dass sie irgendwie ganz zufrieden sind in ihrer Misere. Kennen Sie einen solchen Menschen? Erkennen Sie sich in dieser Beschreibung?

Wenn jemand bitter, wütend und unglücklich ist und sich dann entscheiden würde, seine Rachegedanken loszulassen und zu vergeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihm wehgetan hat oder sich selbst? Und jemand, der traurig, unzufrieden, einsam und erschöpft ist – wenn er sich dazu entscheiden würde, die Opferrolle aufzugeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihn zum Opfer gemacht hat oder sich selbst? Normalerweise weiss der Täter nicht einmal, dass die verletzte Person wütend oder traurig ist und falls er es weiss, dann betrifft es ihn oft wenig. Ein weiser Mensch sagte einmal, dass Rachegedanken wie ein Gift sind, das man selbst trinkt, in der Hoffnung, dass es den anderen umbringt. Leider vergiftet man damit nur sich selbst und sein Leben.

Um vergeben zu können, muss man sich erlauben, das Vergehen in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Was bewegte den Täter? Hat man selbst in irgendeiner Art und Weise zu der Tat beigetragen? Könnte ein Missverständnis zu der Tat beigetragen haben? Gibt es mildernde Umstände? Wiederholte der Täter etwas, das ihm angetan wurde? Diese Fragen und die entsprechenden Antworten entschuldigen weder den Täter noch die Tat. Was geschah, ist auch weiterhin falsch, ungerecht und schmerzhaft. Vergebung bedeutet weder, dass man die Tat vergisst noch dass man so tut, als ob sie nie geschehen sei. Man versucht auch nicht, die entsprechenden Reaktionen und Gefühle „wegzuerklären.“ Wenn man vergibt, dann trifft man die Entscheidung, sein Recht auf Rache nicht länger einzufordern. Man entscheidet sich lediglich, die verständlichen und gerechtfertigten Rachegedanken loszulassen, damit man nicht länger im Schmerz oder in der Wut steckenbleibt. Das eigene Leben wird dadurch besser. Dabei ist es eigentlich unwichtig, ob man dem Täter mitteilt, dass man ihm vergeben hat oder nicht. Vergebung ist ein einseitiger Prozess, eine Einbahnstrasse. Die Beziehung zum Täter wird durch das Vergeben nicht automatisch repariert. Wenn der Täter eine Strafe ableistet, bedeutet Vergebung nicht, dass die Strafe erlassen wird. Wenn es ein Urteil gab, dass den Täter schuldig sprach, dann bedeutet Vergebung nicht, dass er freigesprochen wird. Vergebung bedeutet, dass das Leben des Verletzten nicht mehr ausschliesslich von dem Bedürfnis bestimmt wird, dass der Täter den gleichen Schmerz empfindet, den der Verletzte spüren muss.

Manchmal ist Versöhnung möglich und wünschenswert. Zur Versöhnung gehören aber zwei. Im Idealfall entschuldigt sich der Täter und bittet um Vergebung. Dann vergibt der Betroffene und die Beziehung kann repariert und erneuert werden. Manchmal ist Versöhnung nicht möglich oder vielleicht sogar unklug. Wenn der Täter die Tat nicht bereut oder gar die Tat rechtfertigt, dann ist Versöhnung nicht wirklich möglich. In diesem Fall ist es ausserdem wahrscheinlich, dass die Person in Zukunft die gleiche oder eine ähnliche Tat begehen wird. Je nach Tat kann es darum unklug sein, sich mit dem Täter zu versöhnen und sich damit einer erneuten Verletzung auszusetzen. Frauen, die von ihren Partnern geschlagen werden, vergeben oft schnell und wollen sich sofort wieder versöhnen. Nur um dann wieder geschlagen zu werden. Vergebung ist nötig, damit das Leben für den Verletzten weitergehen kann. Versöhnung ist ein möglicher nächster Schritt, wenn alle betroffenen Personen bereit sind, sich und ihr Verhalten zu ändern, um eine gesunde Beziehung zu schaffen, in der es nicht regelmässig zu Verletzungen kommt.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

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