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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1216
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Ich befinde mich zurzeit in einer Ausbildung und habe das Gefühl,

Kundenfrage

Ich befinde mich zurzeit in einer Ausbildung und habe das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst und das die Anderen alle besser sind als ich. Ich habe dieses Jahr im November Prüfung und habe das Gefühl, dass ich jetzt schon durchfalle. Schlafen kann ich auch nicht wirklich.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,
Sie haben ja einen Grossteil Ihrer Ausbildung schon hinter sich und anscheinend haben Sie ja auch alle Zwischenpruefungen bestanden und sind nicht gebeten worden, Ihren Ausbildungsplatz zu verlassen. Das deutet darauf hin, dass Sie wahrscheinlich schon kompetent sind und dass das Problem eher mit Selbstzweifeln zu tun hat, die dazu fuehren, dass man sich nicht mehr zutraut, dass man Dinge schafft und sie dann ja auch oft nicht schafft. Denn oft trifft ja das ein, was man erwartet.

Koennte es sein, dass die Ursache Ihrer Selbstzweifel tiefer liegt? Von den Symptomen, die Sie beschreiben, koennte es sich bei Ihnen um eine Form der Depression handeln, die sich Dysthymie nennt, eine chronische milde depressive Verstimmung, die nie dazu fuehrt, dass man morgens nicht aus dem Bett kann oder Suizidgedanken hat, die einem aber das Leben sehr erschwert. Alltaegliche Dinge, die bei anderen Menschen "nebenherlaufen", kosten einen Menschen mit Dysthymie viel Kraft. Darum sind diese Menschen chronisch muede und erschoepft. Es fuehlt sich so an, als ob die "Autopilot"-Funktion des Koerpers kaputt ist. Dinge, die man eigentlich weiss und kann, laufen nie ganz ohne Anstrengung, man muss trotz allem nachdenken und Energie investieren, um sie zu erledigen. Ausserdem ist es ebenfalls anstrengend, gute Dinge im Leben zu geniessen - wie z.B. eine Beziehung, einen netten Abend mit Freunden, einen Erfolg. All diese Dinge sind "nett" , aber man spuert nie die wirklich tiefe Freude, die andere Menschen zu empfinden scheinen. Weil man staendig so muede ist, faellt es einem schwer, Selbstvertrauen zu haben und zu glauben, dass man seine Ziele erreichen kann. Ausserdem scheinen manche Menschen mit Dysthymie oefter in Konflikte verwickelt zu werden, einmal weil man einfach zu erschoepft ist, um Probleme zu loesen, aber auch weil man in der "Wut" oder der "Frustration" zusaetzliche Energie findet. Wenn man wuetend ist, ist man nicht muede. Diese "Energietankstelle Konflikt" hat natuerlich langfristig sehr negative Auswirkungen auf wichtige Beziehungen.

Die Dysthymie faengt oft im Jugendalter an (16-25) und wird dann zu einer Gewohnheit. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass das Leben auch weniger anstrengend sein kann - man sieht es nur in anderen Menschen, und fragt sich manchmal, was man denn falsch macht oder warum man so anders zu sein scheint. Menschen mit einer Dysthymie werden selten als depressiv wahrgenommen - sie schaffen ja alles und sie lachen auch mal. Erst wenn man eine Behandlung macht - die oft Medikamente und Therapie beeinhaltet - merkt man auf einmal, wie sehr man die ganzen Jahre hat kaempfen muessen. Ein Satz, den ich oft hoere, ist: "Ich wusste gar nicht, dass das Leben so einfach sein kann."

Falls etwas von dem, was Sie hier gelesen haben, auf Sie zutrifft, empfehle ich Ihnen, mit Ihrem Hausarzt zu sprechen. Denn obwohl eine Therapie wichtig ist, um die Denkfehler zu erkennen und herauszufordern, die oft mit einer Depression einhergehen, ist eine Dysthymie oft v.a. physiologisch bedingt und spricht daher gut auf Medikamente an. Koennte das auf Sie zutreffen?



Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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