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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1216
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Meine Frau hat gerade zum zweiten mal den Führerschein verloren,

Kundenfrage

Meine Frau hat gerade zum zweiten mal den Führerschein verloren, hat erst nach langem zähen Ringen überhaupt zugeben können Alkoholikerin zu sein. Sie hat mir über ihre erste ehe nicht die Wahrheit gesagt. Dort hat sie, genau wie mit mir, stark geklammert. In der ersten ehe hat sie auch getrunken und auch ihre Frau verprügelt. Sie agiert nicht reagiert immer nur wenn es für sie kein ausweichen mehrvgibt. Im August wurde sie mit psych. Kg in die Klinik gebracht will nun nur ambulante Therapie und auf jeden fall will sie nach Hause. Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
vielen Dank fuer Ihre Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Haben Sie schon einmal von "ALANON" gehoert? Das ist eine Selbsthilfegruppe fuer Angehoerige von Alkoholikern.

Sie beschreiben eine frustrierende Situation. Hier ist etwas Information darueber, was passiert, wenn man ueber laengere Zeit mit einem Alkoholiker zusammen ist.


Jeder, der mit einem Alkoholiker in Verbindung steht, wird auf irgendeine Weise von dessen Krankheit beeinflusst. Da sich eine Abhängigkeit schleichend entwickelt, bemerken Angehörige lange nicht, dass all ihre Bemühungen zu helfen das Suchtverhalten des Betroffenen eigentlich nur unterstützen und verlängern.

In Fachkreisen hat man hier den Begriff der Co-Abhängigkeit geprägt. Gemeint sind all jene typischen Verhaltensweisen von Bezugspersonen des Alkoholkranken, die damit die süchtige Fehlhaltung unterstützen. Menschen, die mit Suchtkranken zusammenleben, werden durch das Verhalten des Süchtigen, sowie dessen Konsequenzen mitbetroffen, beeinträchtigt und gekränkt, ohne zu wissen, was sie anders machen könnten. Angehörige versuchen meistens allein ihre Lebenssituation zu bewältigen und soviel Kontrolle wie möglich über diese chaotische Situation zu gewinnen. Das bedeutet gleichzeitig, dass dem Abhängigen Verantwortung abgenommen wird.

Heute kennt man mehrere typische Verhaltensstile, die von einer Co-Abhängigen Person praktiziert werden:

  • Vermeiden und beschützen: Der Abhängige wird davor bewahrt, die volle Tragweite der schädlichen Konsequenzen des Suchtmittelkonsums zu spüren.

  • Kontrolle: Der Co-Abhängige übernimmt die Kontrolle über den Suchtmittelkonsum des Abhängigen.


  • Der Co-Abhängige übernimmt zunehmend die persönlichen Verantwortlichkeiten des Abhängigen, seien dies Tätigkeiten im Haushalt oder am Arbeitsplatz.


  • Rationalisieren und Akzeptieren: Verhaltensweisen des Co-Abhängigen, mit denen er den Suchtmittelmissbrauch erklärt und rechtfertigt oder gar akzeptiert.


  • Unterstützung und Beteiligung des Co-Abhängigen bei der Beschaffung, der Zubereitung und dem Gebrauch des Suchtmittels.


  • Retten und sich dem Abhängigen nützlich machen: Der Abhängige wird übermäßig beschützt.

Verständnis für die Erkrankung des süchtigen Menschen zu haben darf nicht bedeuten, dass das Verhalten einfach toleriert wird. Es sollten klare Grenzen gesetzt werden, was in Kauf genommen wird und was nicht. Eine Alanon Gruppe koennte Ihnen da wahrscheinlich helfen, diese Grenzen aufzustellen. Aber eigentlich sind dabei v.a. IHRE Beduerfnisse wichtig. Was brauchen Sie? Und wie koennen Sie dafuer sorgen, dass Ihre Beduerfnisse respektiert werden? Werden diese Grenzen nicht eingehalten, ist es wichtig verbindlich zu sagen, wie man dann darauf reagieren wird - bis hin zum Beenden der Beziehung. In unserer beruflichen Praxis machen wir oft die Erfahrung, dass Süchtige im nachhinein das konsequente Verhalten von Angehörigen als hilfreich beschreiben. Die persönliche Abgrenzung ist keine Entscheidung gegen den süchtigen Menschen, sondern gegen seine süchtigen Verhaltensweisen.

Zudem scheint es notwendig, dass Angehörige sich selbst ein suchtunabhängiges Leben bewahren. Das Recht auf eine eigene Lebensgestaltung wird mit der Suchterkrankung eines Familienmitgliedes nicht grundsätzlich in Frage gestellt, auch wenn die Sucht eine wesentliche Beeinträchtigung darstellt. Die persönliche Selbstaufgabe des Co-Abhängigen stellt für den Suchtkranken keine Hilfe dar. Wichtig wäre persönliche Antworten auf folgende Frage zu finden: Wie kann man als Angehöriger eines Suchtkranken so gut wie möglich leben, sein Leben zufriedenstellend gestalten, wenn der andere sich nicht ändert und man selbst noch nicht bereit ist, sich vollständig zu lösen ?

Von großer Bedeutung sind auch die Kontakte zu anderen Menschen, denn ein hoher Preis der Co-Abhängigkeit ist in vielen Fällen innere Verzweiflung und Isolation. Die Beziehung zu Mitmenschen sichert soziale Kompetenz und die Fähigkeit zum eigenständigen Leben. Auch hier kann eine Selbsthilfegruppe viel Unterstuetzung leisten. Denn dort muessen Sie Ihre Fragen, Bedenken und Unsicherheiten nicht verstecken.

Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.al-anon.de/

http://www.alkohol-hilfe.de/Co/co.htm
http://www.forum-alkoholiker.de/
http://www.trocken-leben.de/Seiten/Angehoerige.htm

Das Ziel ist es, dass Sie sich auf sich und Ihr Leben konzentrieren. Dabei helfen neben dem Austausch mit anderen Betroffenen oder das Lesen von Buechern zum Thema.

Kraft zum Loslassen: Tägliche Meditationen für die innere Heilung von Melody Beattie (Taschenbuch - 1. Januar 1991)

Die Sucht gebraucht zu werden von Melody Beattie (Taschenbuch - 2004)

Wie Loslassen wirklich gelingt (So werden Ihnen Veränderungen glücken) [Broschiert]
Brigitte Neusiedl (Autor)

Loslassen, damit das Leben weitergeht [Taschenbuch] Theo Schoenaker (Autor)


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Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Erneut posten: Ungenaue Antwort.
Allgemeinplätze keine individuelle beratung
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
Sie haben natuerlich Recht, dass ich erst einmal allgemein geantwortet habe, um weitere Informationen zu bekommen, welches Wissen Sie haben. Also z.B. ob Sie schon von Alanon gehoert haben und mit dem Konzept der Coabhaengigkeit vertraut sind. Darum die "Info-Anfrage" meinerseits. Um genauer auf Ihre Situation einzugehen, braechte ich etwas mehr Hintergrundinformation. Sie umreissen eine sehr komplexe und schwierige Situation in 4 Saetzen. Das gibt mir einen Eindruck davon, wie die Situation aussieht, macht es aber schwer, wirklich zu verstehen, wie ich Ihnen am effektivsten helfen kann.
Mit freundlichen Gruessen.