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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
62882398
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InternetCoach ist jetzt online.

Sehr geehrte Damen und HerrenIch war jetzt 6 Wochen in der

Kundenfrage

Sehr geehrte Damen und Herren Ich war jetzt 6 Wochen in der Schön Klinik stationär. Akute Depressive Störungen aufgrund eines schweren Verschuldens meinerseits am Arbeitsplatz.( Pathologisches Stehlen )Bin völlig verzweifelt wie es dazu kommen konnte und wie es jetzt weitergehen soll .... Bräuchte einen Psychotherapeuten der mir jetzt weiterhelfen kann MFG XXX (Name von Moderation entfernt)

Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Ich kann Ihre Frustration und Verzweiflung gut nachvollziehen. Eine therapeutische Begleitung ist auf jeden Fall wichtig. Leider ist das in Deutschland nicht so ganz einfach. Die meisten Therapeuten mit Kassenzulassung haben lange Wartezeiten (meist 3-6 Monate). Es gibt oft Tageskliniken an groesseren Krankenhaeusern oder Unikliniken, die einen recht schnell aufnehmen koennen, damit Sie jetzt nicht alleine da stehen. Suchen Sie dazu nach einer nahegelegenen psychotherapeutischen/ psychiatrischen ambulanten Fachklinik oder einer Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz.

 

Eine weitere Moeglichkeit waere ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut.

Hier finden Sie psychologische Ausbildungsinstitute (meine Empfehlung aufgrund der Zwangshandlungen waere eine Verhaltenstherapie):

http://www.therapie.de/psyche/info/ausbildung/adressen-und-links/


Therapeuten OHNE Kassenzulassung muss man selbst bezahlen, dafuer bekommt man aber meist sehr schnell einen Termin. Manchmal sind Krankenkassen dazu bereit auch eine Therapie bei einem Therapeuten ohne Kassenzulassung/Approbation zu bezahlen, wenn man nachweisen kann, dass die Wartezeiten medizinisch untragbar sind (was in Ihrem Fall wahrscheinlich moeglich ist, denn Sie waren ja schon in einer Klinik und brauchen jetzt sofort weiterfuehrende Hilfe). Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach den entsprechenden Formularen und Antraegen.

Hier finden Sie dann Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung). Wie gesagt, bei Zwangshandlungen empfiehlt sich die Verhaltenstherapie:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/

Selbsthilfegruppen vor Ort oder online (nach "Selbsthilfe Zwangshandlung" und Ihrem Ort suchen) koennten auch hilfreich sein.

Eine gute Seite mit vielen Tipps gegen Depressionen finden Sie hier:

http://www.depression-behandeln.de/depression-behandlung.html

Bei Zwangshandlungen ist es oft wichtig, dass man lernt, sich lang genug zu entspannen, bis die Spannung abklingt ohne dass man die Zwangshandlung tun musste (in Ihrem FAll stehlen). Dazu haben sich z.B. Meditation und Yoga bewaehrt - beide helfen auch gegen Depressionen. Vielleicht gibt es an einer Volkshochschule in Ihrer Naehe da Kurse? Oft bieten auch private Schulen Yoga und Meditation an.

Ich hoffe,d ass ich Ihnen mit diesen Tipps weiterhelfen konnte. Sonst fragen Sie bitte weiter.

Ich bitte Sie, die Antwort NICHT zu bewerten, wenn Sie die Antwort noch nicht als hilfreich empfinden. Sie sind herzlich eingeladen beliebig oft nachzufragen, bis Sie eine zufriedenstellende Antwort erhalten – oder wir uns einigen, dass ich Ihnen leider nicht weiterhelfen kann.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.

Vielen Dank für die Antwort....


hätte da noch eine Frage ....Hab ja während dem Klinikaufenthalt viel Entspannung durchgeführt . autogenes Training Usw.....und auch die Therapien wobei eben auch noch andere Themen im Raum standen. Verlustängste , Existenzängste aufgrund einer Scheidung ... Jugendliche sind beim Exmann usw..... und auch das Problem in minem Umfeld immer alle Erwartungen der mir nahe stehenden Personen zu erfüllen um diese nicht zu enttäuschen ....... aber irgendwann ging es nicht mehr. Ich kann nicht verstehen wieso ich das mit dem Diebstahl gemacht habe und ich hab nur einen Wunsch dass das nie mehr passiert

Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
hier ist meine Erfahrung damit, wie unsere Psyche arbeitet: Wenn wir als Menschen Angst haben, dann bedeutet das, dass wir in in dem Bereich, wo wir Angst haben, das Gefuehl haben "nichts kontrollieren" zu koennen - wie z.B. bei Verlustaengsten, man nicht kontrollieren kann, ob der andere geht oder bleibt. Da wir also dort den kompletten "Kontrollverlust" spueren, versuchen wir in anderen Bereichen unseres Lebens, etwas zu finden, ueber das wir Kontrolle haben (wie z.B. die Wohnung putzen). Angst kommt mit viel Anspannung und oft kann man Kontrolle mit Spannungsabbau verbinden, wenn man etwas "gefaehrliches" tut, das man (denkt, dass man) kontrollieren kann - wie z.B. ganz schnell Autofahren oder eben Stehlen. Man tut etwas, das die Spannung steigen laesst, man schafft es, die Spannung ist komplett weg UND man hat sich bewiesen, dass man "in Kontrolle" ist. Dann ist die Anspannung und die Angst eine Weile weg - und man hat sich in einen Teufelskreis begeben, der natuerlich nicht lange gut gehen kann.

In einer Therapie ist es darum wichtig, dass Sie sich nicht nur das Stehlen an sich anschauen sondern es als "Symptom" Ihrer Aengstbewaeltigung sehen und sich darum mit Ihren Aengsten auseinanderzusetzen (auch das Beduerfnis, anderen Menschen alles Recht zu machen, beruht ja auf der Angst, abgelehnt oder nicht gut genug zu sein).

Die kognitive Verhaltenstherapie hat gute Erfolgsaussichten bei Angst. Und wenn Sie andere Wege finden, mit Ihrer Angst umzugehen, dann brauchen Sie auch nicht mehr Stehlen.

Hilft Ihnen diese Erklaerung?


Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

 

Ueber eine positive Bewertung meiner Antwort wuerde ich mich freuen. Vielen Dank.

 

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Frau Noble


 


ja die Antwort hat mir schon etwas weitergeholfen ..... Ich hab nur ein Problem noch .....Sie können sich ja vorstellen wie schlecht ich mich fühle nach dieser Aktion ...Mein Ex Chef steht hinter mir zu 100 % . Darüber bin ich ihm sehr dankbar . Aber dabei fühle ich mich so schlecht da ich sein Vertrauen absolut missbraucht habe und ihn so enttauscht habe . Ich möchte mich bei ihm nochmals entsculdigen aber ich kann nicht mehr in die praxis reingehen und vor allem meine Kolleginnen die haben mit mir abgeschlosssen. Ist es gut einen Brief zu schreiben ???? Ich kann mir das alles glaube ich niemals verzeihen

Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
ich kann das gut nachvollziehen und finde es schoen, dass Sie einen so tollen Chef haben. Ein Brief ist eine sehr gute Idee und wahrscheinlich ein wichtiger Schritt im Prozess des Heilens. Die effektivsten Entschuldigungen enthalten die folgenden Elemente:

1. Verantwortung uebernehmen fuer das, was man getan hat (z.B."Ich habe .....falsch gemacht.")

2. Das Gefuehl des anderen verstehen (z.B. "Das hat dir bestimmt weh getan..." "..dazu gefuehrt dass Sie mir nicht mehr vertrauen...." )

3. Entschuldigen ("Das tut mir leid")

4. Und ein Plan, wie man diese Situation in der Zukunft vermeiden kann ("Ich werde eine Therapie machen, um zu lernen, mit meiner Unsicherheit umzugehen.")

 

Dieser Brief kann so kurz oder so ausfuehrlich sein, wie Sie das wollen. Und fuer sich selbst und auch fuer den Respekt der Kollegen ist es dann natuerlich ganz wichtig, dass Sie genau das tun, was Sie unter 4. gesagt haben. So baut man wieder Vertrauen auf: man tut, was man sagt. Und auch wenn Sie bei Ihren Kolleginnen "unten durch sind", dann werden die meisten Menschen doch Respekt fuer jemanden haben, der einen Fehler zugibt und ganz konkret daran arbeitet, das nie wieder zu tun. Das erlebe ich in meiner Arbeit mit Alkoholikern und Drogensuechtigen immer wieder. Wenn diese wirklich tun, was sie versprechen, dann vergibt man ihnen. Wenn sie es nur versprechen und nicht tun, dann ist das natuerlich etwas anderes....

 

Ich wuerde Ihnen hier gerne noch einen laengeren Abschnitt ueber das Vergeben anhaengen. Denn auch wenn Sie sagen, dass Sie sich niemals verzeihen koennen, dann ist das Verzeihen das wichtigste Geschenk, dass Sie sich selbst machen koennen und sollten, um wieder ins Leben zurueckzukehren. Wir machen alle dumme Fehler. Wie wir dann damit umgehen, das spricht zu unserem Charakter. Wer aus Fehlern lernt, wird weiser.... Wirklich...

 

 

Manchmal macht alleine der Gedanke an bestimmte Menschen wütend. Das bedeutet normalerweise, dass diese Menschen einem ein Unrecht angetan oder einem wehgetan haben. Die Erfahrung, dass der Gedanke an diese Menschen einen wütend macht, bedeutet, dass diese Menschen immer noch eine gewisse Macht über jemanden und seine Gefühle ausüben. Diese Macht kann man einem Menschen nur wieder wegnehmen, wenn man ihm vergibt. „Moment,“ sagen Sie jetzt wahrscheinlich, „Ich will diesen Menschen aber gar nicht vergeben. Sie haben mir weh getan. Warum sollte ich ihnen vergeben?“ Natürlich musst man einem Menschen, der einem ein Unrecht antut nicht vergeben, aber wenn man ihm nicht vergibt, dann gibt man ihm Macht über die eigenen Gefühle und damit über das eigene Leben. Viele Menschen denken, dass Vergebung ein Gefühl ist, und dass man nicht vergeben kann, wenn man dieses Gefühl nicht hat. Diese Annahme stimmt aber so nicht. Vergebung ist zwar auch ein Gefühl, aber vor allem ist Vergebung eine Entscheidung. Und die Entscheidung zu vergeben hilft demjenigen, der vergibt, sehr viel mehr als demjenigen, dem vergeben wird. Nicht möglich? Lassen Sie uns den Vergebungsprozess einmal genauer anschauen.

Als erstes ist da die verletzende Tat oder das Vergehen. Es wurde einem etwas angetan, das falsch, ungerecht und schmerzhaft war. Dabei ist es unwichtig, wie schwerwiegend die Tat war. Die erste Reaktion des Verletzten ist es, den Schuldigen zur Verantwortung ziehen zu wollen. Die meisten Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Darum widerstrebt Vergebung dem gesunden Menschenverstand erst einmal. Redensarten wie „Vergeben und vergessen“ helfen da wenig, denn sie bestätigen (zu Unrecht), dass Vergeben gleichzusetzen ist mit dem Ignorieren eines Unrechts. Wenn man vergibt, tut man so als ob das Unrecht nie passiert wäre. Warum sollte man da vergeben? Weil Vergeben in keinster Weise bedeutet, dass man die Tat vergisst oder einfach über sie hinwegsieht. Das menschliche Gehirn ist ohnehin nicht in der Lage, ein erlebtes Unrecht zu vergessen, und damit ist diese Redensart unsinnig.

Manchmal wird ein Täter bestraft und dadurch das Bedürfnis des Verletzten nach Gerechtigkeit zumindest teilweise gestillt. Ein Gerichtsprozess, eine Haftstrafe oder ein Urteil, das das geschehene Unrecht öffentlich macht, helfen da oft ein bisschen. Aber letztendlich fühlt der Täter weder den Schmerz, den er einem anderen zugefügt hat, noch kann er die Tat zurücknehmen. Der Schmerz und die Verletzung bleiben und beeinflussen das Leben, das Verhalten und die Entscheidungen des betroffenen Menschen oft noch jahrelang. Eine Frau, die vor ihrer Ehe vergewaltigt wurde, kann manchmal 20 Jahre später ihrem Mann immer noch nicht vertrauen, obwohl er sie nie schlecht behandelt hat. Ein Kind, das den Unfalltod eines Freundes beobachtet hat, wird auch als junger Mensch noch mit der Angst leben, dass alle Menschen, die ihm nahestehen, ständig in Gefahr sind und sich darum vielleicht nicht auf eine intime Beziehung einlassen. Ein Mann, der in der Armut der Nachkriegszeit aufwuchs, wird niemals verstehen, wie andere so unbedacht mit Lebensmitteln umgehen oder Dinge wegschmeissen, die vielleicht noch benutzt werden können. Diese Erlebnisse prägen einen Menschen und machen Vergebung damit zu einem wichtigen Thema.

Wenn man ein Unrecht erlebt, spürt man als erstes Schmerz. Von einem leichten Ziehen im Brustbereich bis hin zur rohen Verzweiflung. Je nach Art des Vergehens spürt man diesen Schmerz nur, wenn man sich an die Tat erinnert, oder er ist so überwältigend, dass er zum Teil des täglichen Lebens wird. Vielen Menschen wird dieses Gefühl des Verletztseins zu viel, und sie werden wütend. Diese Wut ist angebracht und oft hilfreich. Sie beschützt einen davor, sich wieder in eine ähnliche Situation zu begeben und nochmals verletzt zu werden. Sie erlaubt es einem sich gegen den lähmenden Schmerz zu wehren und im täglichen Leben zu funktionieren. Die Wut macht stark genug, den Täter zu konfrontieren, die Polizei zu rufen, oder während der Gerichtsverhandlung etwas zu sagen.

Und dann? Dann bleibt man entweder im Schmerz oder in der Wut stecken. Diese Gefühle prägen dann das Leben. Sie beeinflussen alle Erlebnisse und Beziehungen. Oft scheint sich die Person gar nicht mehr erinnern zu können, dass das Leben einmal anders aussah und sich vor allem anders anfühlte. Sind Sie schon einmal jemandem begegnet, der in der Wut steckengeblieben war? Wollten Sie Zeit mit diesem Menschen verbringen? Wahrscheinlich nicht. Diese Menschen sind normalerweise bitter und pessimistisch. Sie sehen nur das schlechte im Leben und in anderen Menschen. Sie kritisieren alles und jeden und finden auch an einem wunderschönen sonnigen Sommertag etwas auszusetzen. Sie haben keine wirklichen Freunde und können sich über nichts von Herzen freuen. Sie hegen ständig Rachegedanken und sehen auch in unschuldigen Missverständnissen böse Absichten. Aus Menschen, für deren Schicksal man Mitleid empfand, sind Menschen geworden, die keiner wirklich mag. Kennen Sie einen solchen Menschen? Sind Sie es vielleicht sogar selbst?

Dann gibt es diejenigen, die nach der Verletzung im Schmerz stecken bleiben. Sind Sie da schon einmal jemandem begegnet? Diese Menschen sind normalerweise deprimiert, depressiv, müde, und erschöpft. Und wenn man Zeit mit ihnen verbringen, fühlt man sich danach genauso. Sie sehen sich als ständige Opfer und haben das Gefühl, dass die Welt darauf aus ist, ihnen wehzutun oder ihnen weiteres Unrecht zuzufügen. Jedesmal wenn man ihnen vorschlägt, wie sie ihr Leben verbessern oder sich einfach nur besser fühlen könnten, dann antworten sie: „Ja, aber....“ Und beschreiben ausführlich, warum der Vorschlag sowieso nicht umsetzbar ist, warum deine Idee von Anfang an unsinnig war, und warum alle Versuche, etwas Freude in ihr Leben zu bringen, ganz sicher fehlschlagen werden. Nach einem solchen Gespräch fühlt man sich hilflos, frustriert, entmutigt und ausgelaugt und man hat das Gefühl im Bauch, dass diese Menschen sich nicht wirklich besser fühlen wollen, dass sie irgendwie ganz zufrieden sind in ihrer Misere. Kennen Sie einen solchen Menschen? Erkennen Sie sich in dieser Beschreibung?

Wenn jemand bitter, wütend und unglücklich ist und sich dann entscheiden würde, seine Rachegedanken loszulassen und zu vergeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihm wehgetan hat oder sich selbst? Und jemand, der traurig, unzufrieden, einsam und erschöpft ist – wenn er sich dazu entscheiden würde, die Opferrolle aufzugeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihn zum Opfer gemacht hat oder sich selbst? Normalerweise weiss der Täter nicht einmal, dass die verletzte Person wütend oder traurig ist und falls er es weiss, dann betrifft es ihn oft wenig. Ein weiser Mensch sagte einmal, dass Rachegedanken wie ein Gift sind, das man selbst trinkt, in der Hoffnung, dass es den anderen umbringt. Leider vergiftet man damit nur sich selbst und sein Leben.

Um vergeben zu können, muss man sich erlauben, das Vergehen in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Was bewegte den Täter? Hat man selbst in irgendeiner Art und Weise zu der Tat beigetragen? Könnte ein Missverständnis zu der Tat beigetragen haben? Gibt es mildernde Umstände? Wiederholte der Täter etwas, das ihm angetan wurde? Diese Fragen und die entsprechenden Antworten entschuldigen weder den Täter noch die Tat. Was geschah, ist auch weiterhin falsch, ungerecht und schmerzhaft. Vergebung bedeutet weder, dass man die Tat vergisst noch dass man so tut, als ob sie nie geschehen sei. Man versucht auch nicht, die entsprechenden Reaktionen und Gefühle „wegzuerklären.“ Wenn man vergibt, dann trifft man die Entscheidung, sein Recht auf Rache nicht länger einzufordern. Man entscheidet sich lediglich, die verständlichen und gerechtfertigten Rachegedanken loszulassen, damit man nicht länger im Schmerz oder in der Wut steckenbleibt. Das eigene Leben wird dadurch besser. Dabei ist es eigentlich unwichtig, ob man dem Täter mitteilt, dass man ihm vergeben hat oder nicht. Vergebung ist ein einseitiger Prozess, eine Einbahnstrasse. Die Beziehung zum Täter wird durch das Vergeben nicht automatisch repariert. Wenn der Täter eine Strafe ableistet, bedeutet Vergebung nicht, dass die Strafe erlassen wird. Wenn es ein Urteil gab, dass den Täter schuldig sprach, dann bedeutet Vergebung nicht, dass er freigesprochen wird. Vergebung bedeutet, dass das Leben des Verletzten nicht mehr ausschliesslich von dem Bedürfnis bestimmt wird, dass der Täter den gleichen Schmerz empfindet, den der Verletzte spüren muss.

Manchmal ist Versöhnung möglich und wünschenswert. Zur Versöhnung gehören aber zwei. Im Idealfall entschuldigt sich der Täter und bittet um Vergebung. Dann vergibt der Betroffene und die Beziehung kann repariert und erneuert werden. Manchmal ist Versöhnung nicht möglich oder vielleicht sogar unklug. Wenn der Täter die Tat nicht bereut oder gar die Tat rechtfertigt, dann ist Versöhnung nicht wirklich möglich. In diesem Fall ist es ausserdem wahrscheinlich, dass die Person in Zukunft die gleiche oder eine ähnliche Tat begehen wird. Je nach Tat kann es darum unklug sein, sich mit dem Täter zu versöhnen und sich damit einer erneuten Verletzung auszusetzen. Frauen, die von ihren Partnern geschlagen werden, vergeben oft schnell und wollen sich sofort wieder versöhnen. Nur um dann wieder geschlagen zu werden. Vergebung ist nötig, damit das Leben für den Verletzten weitergehen kann. Versöhnung ist ein möglicher nächster Schritt, wenn alle betroffenen Personen bereit sind, sich und ihr Verhalten zu ändern, um eine gesunde Beziehung zu schaffen, in der es nicht regelmässig zu Verletzungen kommt.

Hier der wichtige Teil fuer Sie:

Und wenn mann sich selbst vergeben muss, weil man selbst der- oder diejenige ist, dem man am meisten wehgetan hat? Der Prozess ist genau der gleiche. Als erstes muss man aufhören, sich selbst bestrafen zu wollen. Menschen werden sehr kreativ, wenn es darum geht, sich selbst zu bestrafen. Manche sind eher offensichtlich, sie ritzen sich, sprechen über Selbstmord, gönnen sich nichts gutes, machen sich alle positiven Beziehungen kaputt und umgeben sich mit negativen und gemeinen Menschen. Andere sind schwerer zu erkennen. Da ist die Mutter, die darin aufgeht, dass sie für andere sorgt, sich aber ständig die eigenen Bedürfnisse untersagt. Sie wird für ihre Selbstaufopferung bewundert. Da ist der harte Arbeiter, der von allen respektiert wird. Er ist morgens da bevor die Kollegen kommen und geht abends als letzter nach Hause. Aber eigentlich tut er das alles nur damit er keine Zeit hat, darüber nachzudenken, was für ein schlechter Mensch er seiner Meinung nach wirklich ist. Selbstbestrafung ist sehr viel weiter verbreitet als man oft annimmt. Manchmal können Menschen nicht annehmen, dass ihnen vergeben worden ist. Auch wenn andere keine Rachegedanken mehr hegen, können sie sich selbst ihr Verhalten nicht vergeben. In diesem Fall kann man die Vergebung eines anderen erst akzeptieren, wenn man sich selbst vergeben hat.

Wie vergibt man sich also selbst? Als erstes gibt man zu, dass das eigene Verhalten falsch war. Dann spürt man den Schmerz, die Trauer, die Wut und die Frustration, die das eigene Verhalten hervorgerufen hat. Danach entscheidet man, sich zu vergeben. Dazu muss man sich die Umstände der Tat genauer anschauen und verstehen, was passierte. Was waren die Beweggründe? Die mildernden Umstände? Wenn man sich dann entscheidet zu vergeben, muss man gleichzeitig akzeptieren, dass einem vergeben wurde. Dazu gehört oft auch, dass man akzeptiert, dass man ein Mensch ist, der es Wert ist und es verdient hat, dass ihm vergeben wird. Gibt es Menschen, denen nicht vergeben werden kann? Bedenken Sie dabei, dass Vergebung nicht wirklich demjenigen hilft, dem vergeben wird, sondern demjenigen, der vergibt. Wenn es Menschen gibt, denen nicht vergeben werden kann, gibt es Menschen, die niemals vergeben dürfen und damit keinen Ausweg haben aus der Misere ihrer Wut oder ihres Opferdaseins. Wenn sie nicht vergeben dürfen, sind sie dazu verurteilt, zu bitteren oder hilflosen Menschen zu werden – und das alles nur weil ihnen wehgetan wurde. Falls Sie an dieser Stelle das Gefühl haben, steckengeblieben zu sein und nicht weiterzukommen, sollten Sie das Thema der Vergebung und vor allem der Selbstvergebung wahrscheinlich mit Hilfe eines Therapeuten oder Seelsorgers durcharbeiten.

Falls Sie entscheiden, dass Vergebung tatsächlich die beste Lösung ist, dann sollten Sie im Fall der Selbstvergebung immer auch auf Versöhnung hinarbeiten. Sie sollten sich darum bei sich selbst entschuldigen und diese Entschuldigung natürlich auch annehmen. Danach koennen Sie dann mit sich selbst aussöhnen, mit sich selbst Frieden schliessen und letztendlich mit sich selbst ins Reine kommen. Fehler sind menschlich. Wenn Sie sich für Fehler nicht vergeben koennen, werden Sie wahrscheinlich in Ihrem Schmerz oder Ihrer Wut steckenbleiben und Ihr Leben (und das Leben der Menschen in Ihrer Umwelt) wird wahrscheinlich frustrierend sein.


Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Antwort Mut machen kann, dass auch Sie diesen Lebensabschnitt hinter sich bringen koennen. Wenn Sie dazu Beweismaterial brauchen, dann koennten Sie mal zu einem Meeting der Anonymen Alkoholiker gehen und sich die Geschichten dort anhoeren. Sie werden dort wahrscheinlich hoeren, dass ein erfolgreicher Geschaeftsmann sagt, dass er fuer Stehlen Zeit im Gefaengnis verbracht hat, und dann sein Leben geaendert hat und heute das volle Vertrauen seiner Firma hat.... Diese Geschichten sind nicht ungewoehnlich. Und auch Sie koennen das schaffen.

 

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

 

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