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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Mein 3 jähriger ist in einer sehr anstrengenden Trotzphase.

Kundenfrage

Mein 3 jähriger ist in einer sehr anstrengenden Trotzphase. Beide Elternteile sind klassische Alphatiere, somit auch das Kind. Wir sind beide voll berufstätig. Vormittags geht er in den Kindergarten, nachmittags ist er bei mir in der Arbeit. Am Wochenende kommt mein Lebensgefährte (Vater des Kindes) oder wenn ich unter der Woche frei habe fahren wir zu ihm (räumliche Trennung 180km). Wenn ich gegen 16:00 Uhr Schluss habe machen wir oft noch etwas gemeinsam (schwimmen, Zoo usw.) Nun die Frage: er hat zum Teil richtig heftige Ausraster. Schmeißt sein Essen durch die Wohnung, läßt Gläser mit Absicht zerbrechen, reißt die Pflanzen um usw. Ich bin sehr konsequent, rede sehr viel mit ihm aber leider hat er mich jetzt schon 2 mal dazu gebracht, dass ich ihm einen Klapps auf den Hinter gebe. Wie kann ich das vermeiden
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.

Im Rahmen der kindlichen Entwicklung, da haben Sie völlig Recht, bezeichnet man bestimmte zu durchlebende Phasen in denen sich ein Kind befindet als sogenannte Trotzphasen, jedoch sind diese Zeitintervalle sehr begrenzt und dienen oft nur dem Zweck Grenzen auszutesten. Was Sie jedoch beschreiben, geht vor allem an den beschriebenen Verhaltensweisen über ein normales Maß hinaus und Kinder in dieser Lebensspanne (3 Jahre) können nur z.B. emotionales Ungleichgewicht, Unzufriedenheit, Ärger aber auch Angst zum Teil nur so äußern, wie von Ihnen obig beschrieben und es ist erst ein Mal zu explorieren, ob Ihre Sohn im Kindergarten auch solche Verhaltensauffälligkeiten zeigt, oder gerade nur Ihnen (beiden Eltern) eine Unzufriedenheit mit der momentanen für Ihn nicht zufriedenstellenden Situation darstellt (Ihnen zeigt).

Leider reagieren aus meiner Erfahrung her Eltern sehr häufig zu spät (oft leider gar nicht), denn Auffälligkeiten, woher Sie auch immer her kommen mögen haben einen Grund. Hier kann es im Rahmen der Psyche zu unverarbeiteten Konflikten kommen, die Ihren Sohn emotional zu sehr belasten, er deshalb diese Auffälligkeiten zeigt die nicht altersentsprechend der Trotzphase sein müssen hat, sich Ihrer Konsequenz im Handeln so verweigert. Dies kann auch auf Grund einer Angst entstehen, die für dieses Alter (gerade im Hinblick auf die Verhaltensweisen Ihres Sohnes typisch sein können) und unbedingt vlt. auch präventiv (vorbeugend) behandelt werden sollten bzw. abgeklärt werden ob diese Änsgte behandlungswürdig sich manifestiert haben.

Im folgenden möchte ich Ihnen ein Mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel dieser Thematik zu bringen und vielleicht können Sie ja dadurch schon durch den besseren Umgangs bzw. dem "Mehrwissen" Ihrer Tochter besser hilfreich zur Seite stehen.

Trennungsängste sind zunächst ganz normale Ängste und sind in jeder kindlichen Entwicklung, aber auch bei Erwachsenen (z.B. Trennung vom Lebenspartner) Bestandteil gewöhnlicher Lebenserfahrung. Insbesondere Kleinkinder haben Trennungsängste. Trennungsängste vermindern sich mit zunehmendem Alter (Sechsjährige leiden doppelt so viel unter Trennungsängsten, wie Zehnjährige.)

In der beobachtbaren kindlichen Entwicklung treten am frühesten Separationsängste (Trennungsängste und Verlustängste) bei Kindern auf. Mit der Vergrößerung des Wahrnehmungsbereiches ergeben sich auch zusätzliche Angstreize. Das heisst, die angstmachenden Situationen werden mehr. Die Trennungsangst wird besonders stark im Dunkeln und beim Alleinsein (Einschlafschwierigkeiten, Schlafstörungen, nächtliche Angstattacken). Nach Freud ist die Trennungsangst der Schlüssel für alle neurotischen Ängste. Nach Bolwby ist die Trennung von der geliebten Person oder deren Verlust der möglicher Schlüssel für alltägliche Ängste des Kindes. Weitere Psychologen gehen davon aus, dass alleine Eltern dafür verantwortlich sind und unbewusst bzw. durch bewusste Handlungen (zu langes klammern und nicht los lassen wollen) Ihre eigene Angst (die vlt. auch schon seit der Kindheit oder z.B. durch eine aktuelle Trennungsproblematik bei den Eltern vorliegen könnte, auch Streitigkeiten zwischen den Eltern die Ihre Tochter mitbekommt) übertragen wird und das Kind damit völlig überfordert ist. Hat das Kind schon einen gewissen Grad an Autonomie erlangt, dominiert die Angst davor, die Zuneigung der Eltern verlieren zu können. Nach und nach kommt die Angst vor Strafe dazu. Darüber hinaus verinnerlicht das Kind im Laufe der Entwicklung die Forderungen der Eltern und die sozialen Regeln ("ich meine als Kind es allen Elternteilen Recht machen zu müssen, ansonsten fühle ich mich schlecht" usw.).

Angst steht manchmal versteckt hinter der Konkurrenz und dem Wettbewerb etwa durch die Notenzensur (später in der Schule durch Leistungsbezug) aber auch durch Geschwisterrevalität, die bei vielen Kindern nur deshalb "motivierend" wirken, weil diese - meist sozialisationsbedingt - Angst haben vor dem Verlieren oder dem Unterliegen, Angst vor einer Blamage oder gar Angst vor der Einschränkung ihrer existentiellen Möglichkeiten in Form von Zukunftsangst haben bzw. als "Außenseiterin" da zu stehen.

  • Angst haben müssen, verlassen zu werden (real oder weil Mutter/Vater selbst diese Angst hat, darüber spricht, oder weil die Phantasie darüber besteht),
  • Angst haben, sich selbst überlassen zu werden (real oder weil Eltern diesbezüglich Schuldgefühle äußern).
  • häufig am Tag mit Gewalt und Bedrohungen konfrontiert werden (real oder z. B. im Fernsehen und diese nicht verarbeitet werden können).

Die Ängste werden stärker, wenn das Kind für sie bestraft oder verspottet wird (dies könnte ja auch im Kindergarten vorkommen), oder wenn es dafür übermäßig viel Zuwendung erfährt.

Wichtig aus meiner Sicht ist hier eine dringende diagnostische Abklärung der Auffälligkeiten durch einen Kinder- und Jugendpsychiater (nicht Kinderazt), meist angeschlossen an eine Universitätsklinik oder in einer niedergelassenen Praxis unter Hinzuziehung eines Dipl.- Psychologen für eventuelle Testdiagnostik. Bitte bedenken Sie, eine Pille (Medikament) wird nur die Symptome lindern, aber Ihnen der Ursache, was wirklich mit Ihrem Sohn los ist nicht näher bringen. Denn wenn man ggf. das Wissen hat um was es sich handelt, kann man ggf. geeignete Behandlungs- und Hilfsmaßnahmen einleiten. Deshalb ist Ihr Kind nicht verrückt oder gehört gar in die Psychiatrie, nein Sie als Eltern sind in der "Pflicht" Ihn zu begleiten und Ihm zu helfen, das es Ihm aber auch Ihnen besser geht, weil Ihr Sohn keine Verhaltensauffälligkeiten mehr zeigt.
Sie können sich an einen ambulant niedergelassenen Kollegen (Psychologin oder Psychologen) mit einer Zusatzqualifikation für Kinder u.- Jugendpsychologie oder Jugendpsychiatrie in Ihrer Nähe wenden und einen Termin ausmachen. Die Kosten dafür werden im Regelfall von der Krankenkasse übernommen. Über die Krankenkasse erfahren Sie auch ohne Probleme welche Kollegen für eine Diagnostik (Abklärung um welche Form es sich genau handelt im Rahmen der psychischen Störung) und psychotherapeutische Behandlung (eventuell verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch) in Ihrem Umfeld hierfür in Frage kommen.
Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut für Kinder und Jugendpsychotherapie wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B. verhaltenstherapeutisches oder tiefenpsychologisches Ausbildungsinstitut für Kinder und Jugend + größere Orte in der Umgebung) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren und dort mit Ihrem Sohn vorstellig werden.
Es besteht für Sie auch die Möglichkeit sich einer Selbsthilfegruppe für Eltern auch für von Kinder und Jugendliche anzuschließen und von anderen Eltern und deren Erfahrungen zu lernen. Oft werden solche Elterngruppen über die Erziehungsberatungsstelle angeboten bzw. Sie erfahren hierzu weiteres über eine Selbsthilfekontaktstelle oder Krankenkasse, wo sich eine Gruppe in der Nähe befindet. Natürlich können Sie sich auch im Internet bestimmten hierzu bestehenden Foren im Internet besuchen u.a. www.selbsthilfenetz.de/, www.eltern.de/, www.selbsthilfenetz.de/, www.angstportal.de/Trennungsangst.de, http://www.imedo.de/
Es ist wichtig, wenn Sie Ihrem Sohn langfristig entsprechend helfen wollen sich Informationen zu beschaffen und wenn Sie dies zu sehr belasten sollte (auch vor allem emotional), sich auch umgehend z.B. psychologische Hilfe zur Begleitung suchen, denn sonst unterliegen Sie schnell der Gefahr der Co.- Abhängigkeit (man versucht oft unbewusst auf Grund der eigenen Defizite genau z.B. zu viel zu kontrollieren, man ist Überforsorglich usw.). Dies kann auch über eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Nähe geschehen und die Beratung ist hier in der Regel kostenlos. Zum Teil werden hier auch familientherapeutische Begleitungen angeboten, die aus der Erfahrung heraus oft sehr nützlich sein können, vor allem auch auf dem Hintergrund der familiären Dynamik (Trennung vom Kidesvater usw.).
Bitte tun Sie etwas und haben Sie keine Angst davor, was vielleicht die Umwelt meinen könnte, Sie wären vielleicht "schlechte Eltern" oder gar "Eltern die versagt haben in der Erziehung". Nein das sind Sie ganz und gar nicht, sondern Sie scheuen weder Kosten und Mühen um Ihrem Sohn adäquat zu helfen.

Als letzten Hinweis den ich mir noch erlauben möchte zu geben ist Ihnen ein gutes Buch zu diesem Thema zu empfehlen. Es heisst ganz einfach Trennungsangst und ist von Franz Petermann.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiter helfen und wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.

Mit freundlichem Gruß

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Wenn Sie mit der Beantwortung Ihrer Frage meinerseits zufrieden waren, möchte ich Sie bitten diese Frage zu honorieren sowie eine positive Bewertung abzugeben. Vielen Dank für Ihre Bemühungen im Voraus.

diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
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Erfahrung: Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
diplompsychologe und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.

Als weiteres Feedback zu Ihrer Beantwortung möchte ich folgendes schreiben. Grundsätzlich habe ich mir bei 49,- Euro wahrscheinlich ein bisschen zuviel erwartet als eine Standardantwort welche immer wieder kopiert wird. Da Sie in einem der Absätze meinen Sohn als meine Tochter bezeichnen und weitere Textpassagen genau so auch im Internet zu googeln sind weiß ich mit Sicherheit, dass dies eine 08/15 Antwort ist. Nichts desto Trotz scheint aber der Weg in die richtige Richtung zu führen.


Mit freundlichen Grüßen

Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für das Akzeptieren meiner Antwort und ich bedauere sehr, dass Sie einen solchen Eindruck hatten.

Trotzdem Danke ich Ihne für das entgegengebrachte Vertrauen und Wünsche Ihnen alles Gute.

Mit freundlichem Gruß

Bekannt aus:

 
 
 
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