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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Hallo, bin verzweifelte Mutter einer inzwischen 30jährigen,

Kundenfrage

Hallo,
bin verzweifelte Mutter einer inzwischen 30jährigen, alleinerziehenden Tochter, und gehen mit ihr seit fast 15 Jahren durch alle Höhen und Tiefen.Sie lebt mit Sohn, nicht mehr bei uns.Seit ein paar Wochen hat sie wieder eine total chaotische Phase (mal wieder Job gekündigt, Auto gecrasht, Handy und Geldbeutel mit allen Ausweisen verloren oder klauen lassen, macht Schulden, nimmt Kredit auf, ist aggressiv, dauernd neue kurzfristige Beziehungen, lässt manchmal Sohn allein, raucht und trinkt vermehrt Alkohol usw.) Sobald ich anfange, dass sie endlich professionelle Hilfe braucht, schreit sie mich an, ihr ginge es gut. Am Sonntag will sie mit 6jährigem Sohn in Urlaub fliegen.... Ich denke, sie hat eine bipolare Störung, leider keinerlei Krankheitseinsicht. Was können wir als Eltern tun? Nur abwarten, bis sie kriminell wird oder irgendwo aufgelesen wird? Wir machen uns natürlich auch große Sorgen um den Sohn, der schon viel mitkriegt.
Oder soll ich am besten mal zu einem Psychotherapeuten? War schon in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige, was mir aber nicht so richtig weitergeholfen hat.
Danke XXXXX XXXXX für Ihre Antwort.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.


Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für das vertrauen und die offene
Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.



Ich verstehe Ihre Sorgen um Ihre Tochter als auch um die
Entwicklung Ihres Enkelsohnes. Sie haben sich im Vorfeld wie ich erlesen kann
schon mit der bipolaren Störung beschäftigt, da ich aber Ihren
Informationsstand nur erahnen kann, hier noch einige Ausführungen zu dieser
Störung.



Bei einer bipolaren Störung treten sowohl depressive (niedergeschlagene
Stimmung) als auch manische (Hochstimmung), Episoden auf. Die Bipolarität
gehört zu den affektiven Störungen. Leichtere Formen bei andauernder
Instabilität der Stimmung mit Perioden leichter Depression im Wechsel mit
gehobener Stimmung bezeichnet man als Zyklothymie. Relevant für die bipolare
Störung sind genetische Faktoren, Störungen im Neurotransmitterhaushalt,
kritische Lebensereignisse als Auslöser (nicht die Ursache nur der Auslöser)
und psychodynamische Faktoren oder
erlerntes Verhalten. Also würde um es zu
beschreiben, ein Außenstehender diesen Menschen erleben als z.B.Gestern noch tieftraurig, sich
gehenlassen, zurückgezogen usw.
(Depression) und z.B. eine Woche später beim nächsten Treffen total aus dem
Häuschen ist und Pläne schmiedet, die in keinem Verhältnis zu seinen
Möglichkeiten finanziell oder mental stehen, total extrovertiert ist, was schon
in Aufdringliche gegenüber Menschen die er kaum kennt geht und fast wie unter
Größenwahn agiert(Manie). Die
Symptomatik ist also identisch mit den Grundformen von Depression /Manie jedoch
treten beide Pole der affektiven Störung abwechselnd auf. Seltener können sie
auch gleichzeitig auftreten, aber meistens treten depressive und manische
Schübe hintereinander auf.



Der Verlauf ist Phasenhaft und dabei wechseln sich
gesunde Phasen mit Phasen der Depression und der Manie ab. Die Diagnostik kann
nur anhand des Verlaufs gestellt werden und eine bipolare Störung liegt vor
wenn jeweils eine depressive und eine manische PHASE DURCHLAUFEN WURDEN:
Grundlage für die Diagnose ist ein ausführlicher psychopathologischer Befund
mit Anamnese und Fremdanamnese. Differenzialdiagnose wäre eine schizoaffektive Störung (Hier
liegen zusätzlich schizophrene Symptome vor), eine Borderline-
Persönlichkeitsstörung kann auch einer bipolaren Störung ähneln.
Bei der
Therapie ist durchaus zu beachten, das auf Grund von Suizidalität in den
depressiven Phasen oder durch die Selbstschädigung der manischen Phase z.B;
finanzieller Ruin durch folgenschwere Investitionen, in der Manie ist das
Schlafbedürfnis auch sehr herabgesetzt was ebenfalls zu Unfällen führen kann)
das eine stationäre Therapie notwendig ist. Bei leichteren Verläufen kann eine
langfristige Dauermedikation mit Lithium ausreichen. Ein Drittel der affektiven
Störungen verlaufen bipolar. Therapeutische
Behandlungen erfolgen jeweils hinsichtlich der Richtlinien der jeweiligen
Episode die im Vordergrund ist bei entsprechender Motivation. Wobei natürlich
anzunehmen ist, das in einer Manie diese nicht vorliegt, denn der Betreffende
ist ja in Hochstimmung und warum soll er sich da in Therapie begeben. .



Was die medikamentöse
Behandlung betrifft, Lithium und
Antiepileptika sind Phasen Prophylaktika. Die über einen längeren Zeitraum
eingenommen das Auftreten einer erneuten Krankheitsphase reduzieren. Grundlage
ist aber auch hier wie bei jeder medikamentösen Behandlung eine genaue
Diagnostik. Dazu und im Rahmen der von Ihnen beschriebenen
Symptome würde ich Ihnen empfehlen Ihre Tochter
zu motivieren eine Konsultation eines
Psychiaters z.B. in einer psychiatrischen Institutsambulanz Notfallambulanz an
einer Uniklinik oder in einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie vorzunehmen
um auch eine Unterstützung mit Medikamenten zu ermöglichen und
entsprechend medikamentös eingestellt zu werden. Ein Psychologe ist für eine
medikamentöse Behandlung nicht der richtige Ansprechpartner, hier also bitte einen
Psychiater hinzuziehen. Des
Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller,
sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut
wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben) und diese Institute haben in der
Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren
Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen
Ambulanz vereinbaren und dort mit Ihr vorstellig werden.



Eine Selbsthilfegruppe für Angehörige mit
bipolarer Erkrankung ist sicher für Sie auch empfehlenswert, denn dort können
Sie sich mit anderen Angehörigen austauschen, die ähnliche Probleme haben und
lernen auch sich abzugrenzen um nicht noch selbst in eine Depression zu kommen



http://www.psychose.de/angehoerige-07.html



http://www.dgbs.de/



Da Ihre Tochter schon volljährig ist, sind Ihre
Handlungsmöglichkeiten als Eltern sehr begrenzt, hier eine Behandlung auch
gegen den Willen Ihrer Tochter zu erreichen. Eine Zwangseinweisung kommt nur im
Fall der Eigen/Fremdgefährdung zum Tragen. Ich würde Ihnen empfehlen den
sozialpsychiatrischen Dienst (an den Gesundheitsämtern tätig) von den Vorfällen in Kenntnis zu setzen. Der
sozialpsychiatrische Dienst hat die Aufgabe psychisch kranke Menschen zu
beraten und zu begleiten. Er kooperiert mit allen anderen Institutionen, die
vor Ort Hilfen für psychisch kranke Menschen anbieten. Der sozialpsychiatrische
Dienst steht unter fachärztlicher Leitung und besteht aus einem
interdisziplinärem Team( Ärzte, Psychologen, Krankenpfleger, Sozialarbeiter):
Eine Aufgabe ist auch die Vermittlung weitergehender therapeutischer,
pflegerischen, begleitenden und sozialrechtlichen Hilfen. Eine weitere
Möglichkeit ist es das Jugendamt zu informieren, dass Sie das Kindeswohl Ihres
Enkelkindes durch den Lebenswandel ihrer Tochter gefährdet sehen und auch vor allen Dingen auf Grund der Annahme
einer Suchterkrankung (Alkohol): Hier sollte dann eine Unterstützung durch
einen Sozialarbeiter ermöglicht werden
bzw. auch ebenfalls auf eine Behandlung
gedrängt werden. Für Sie ist es wichtig dass Sie weiterhin versuchen sich( bei
all der Sorge um Ihre Tochter) abzugrenzen
und es ist auf jeden Fall der richtige Weg hier auch professionelle Hilfe bei einem Psychologen einzuholen um sich
nicht in Schuldvorwürfen zu verlieren und selbst eine psychische Krankheit
auszubilden.



Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas helfen und wünsche Ihnen
viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg



Mit freundlichen Grüßen





Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine
fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern
beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei
unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.





Wenn meine Ausführungen für Sie hilfreich
waren, würde ich mich über eine positive Bewertung sehr freuen.





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