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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Koennen depressive ehepartner auch böse zu Ehefrauen sein,obwohl

Kundenfrage

Koennen depressive ehepartner auch böse zu Ehefrauen sein,obwohl er die unterstuetzung von mir bekommt.herzlichen danke angle
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.

Natürlich können und häufig ist dies auch nur eine ganz normale Reaktion auf das Verhalten von depressiven Partnern, dass Sie auch Mal Böse sein können bzw. häufig gibt es sogar verbal (manchmal körperliche) Aggressionen.

Die Situation im Alltag mit einem depressiven Menschen führt zwangsläufig zu emotionalen Überforderungssituationen beim jeweiligen Partner, ständig versucht der Partner unweigerlich Rücksicht zu nehmen, die Verantwortung wird häufig abgenommen und Entscheidungen werden getroffen. Jedoch wenn es nicht nach dem "Willen" der depressiven Person geht, etwas nicht richtig läuft, dann bekommt man die volle Breitseite des Unvermögens der depressiven Person voll zu spüren. Ohne es zu bemerken, werden Sie Co-abhängig und können aus diesem Teufelskreis (auch wegen schlechtem Gewissen und manchmal Schuldgefühlen) herausfinden und auch Sie brauchen dringend Hilfe. Auch ggf. durch psychotherapeutische Begleitung, wenn Sie dies noch nicht versucht haben, um dort eine Möglichkeit zu haben (zu finden) auch Ihre Sorgen und Probleme zu besprechen. Natürlich kann es sein, dass Sie diesen Weg schon ein Mal versucht haben und es aber an der therapeutischen Beziehung gescheitert war, dann haben Sie den Mut und suchen wieder nach einem geeigenten Therapeuten der Ihnen Hilft und ggf. somit auch Ihrem Zusammenleben. So Ihre Partnerin dazu bereit ist, auch psychisch in der Lage, könnte auch eine Paartherapie in Frage kommen um die Probleme eventuell gemeinsam zu lösen. Vor allem auf der Seite www.netzwerk-paartherpie.de bzw. www.paartherapie.de erfahren Sie wo sich ein geeigenter Psychotherapeut in Ihrer Nähe befindet.

Oftmals fühlen sich Angehörige, die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert. Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme, wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan (noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen- oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu können.

In einer kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben wie man am besten mit depressiv erkrankten Angehörigen umgehen sollte

  • depressive Verstimmung (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich hinterfragen oder beschönigen
  • dem Partner gegenüber die Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die depressive Person nur für sich selber tun)
  • statt Ratschläge zu erteilen, lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen
  • ständige Aufheiterungsversuche unterlassen, aber sich selber Mut machen
  • nicht an die Willenskraft (oder an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren
  • keine einschneidenden Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen, regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)
  • Verständnis dafür zeigen, dass die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die sexuelle Lust verloren geht
  • Gefühle, welche die depressive Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert, nicht noch zu fördern)
  • die ärztliche Behandlung des depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente unterstützen
  • wenn nötig selbst Arztbesuche organisieren
  • zu gemeinsamen Spaziergängen oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen entwickeln kann)
  • lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der Therapie) von Zukunftsperspektiven
  • sich selber etwas gönnen, nicht nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen
  • Kontakte mit anderen (im Beruf, Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden

Natürlich können Sie auch eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe für depressiv Erkrankte besuchen (wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, dies erfahren Sie über Ihre Krankenkasse bzw. sogenannte Selbsthilfekontaktstellen.) und sich durch den Austausch mit anderen Betroffenen weitere Informationen einzuholen bzw. auch von Erfahrungen anderer Personen zu lernen. Aber auch im Internet können Sie spezielle Hilfsangebote finden, so z.B. auf den Seiten

http://www.selbsthilfenetz.de, http://www.depressionen-depression.net u.a.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen helfen und Wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg.

Mit freundlichem Gruß

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine
fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern
beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei
unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.


Wenn meine Ausführungen für Sie hilfreich waren, würde ich mich über eine Honorierung sowie positive Bewertung sehr freuen.



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