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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Einen schönen guten Morgen an Ihr Team, ich brauche Hilfe

Kundenfrage

Einen schönen guten Morgen an Ihr Team,

ich brauche Hilfe für meine 25-jährige Tochter. Vermutlich hat sie Depressionen. Sie meldet sich bei keinem Familienmitglied mehr, nimmt das Telefon nicht ab, reagiert nicht auf Mails oder SMS und auch nicht auf Briefe. Wir haben uns auch nicht gestritten. Der letzte Kontakt war vor ca. 8 Wochen. Sie bekommt einfachste behördliche Angelegenheiten nicht geregelt, nimmt keine dringenden Arztbesuche wahr usw. Wir bekommen einfach keinen Zugang mehr zu ihr. Ich habe Angst, dass sie sich etwas antun könnte und brauche dringend Rat an welche Stelle ich mich wenden kann um sie aus ihrem Tief herauszuholen.

Bitte um Antwort und vielen Dank XXXXX XXXXX Mühe

E. Timm
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.


Sehr geehrte Fragestellerin, vielen Dank für das
entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich
bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Ich verstehe die Sorgen die Sie sich um Ihre Tochter
machen und es ist äußerst lobenswert dass Sie auf diesem Weg weitere Informationen zur Hilfe einholen.



Im Fall des Vorliegens einer schweren psychischen Störung
kann eine Einweisung in ein
psychiatrisches Krankenhaus notwendig sein. Wenn die/der Betroffene nicht dazu
in der Lage ist seine gesundheitliche Situation
realistisch einzuschätzen, kann es notwendig sein, Ihn/Sie gegen
ihren/seinen Willen einer stationären Behandlung zuzuführen. Dies wird
durch die Unterbringungsgesetze der Länder geregelt.(PsychKG) Vorrausetzung für
eine Zwangseinweisung ist neben dem Vorliegen einer psychischen Erkrankung das
Vorhandensein einer akuten Gefahr für die eigene Person oder andere Personen (
Eigen- und Fremdgefährdung) Diese Unterbringung wird von der Polizei veranlasst und das
Amtsgericht verfügt über die Einweisung nach ärztlichem Gutachten. Sie haben auch die Möglichkeit im Rahmen der von Ihnen
beschriebenen Symptome den Notarzt für
ihre Tochter zu rufen, um eine Einweisung
über den Notarzt nach PsychKG zu veranlassen. Sollte dies aber nicht so möglich sein, können Sie über den
Sozial-Psychiatrischen-Dienst des Gesundheitsamtes des Landkreises (Stadt) eine
psychiatrisch/ psychologische Begleitung durch eine z.T. auch aufsuchende
Tätigkeit verlangen. Der sozialpsychiatrische Dienst hat die Aufgabe psychisch
kranke Menschen zu beraten und zu begleiten. Er kooperiert mit allen anderen
Institutionen, die vor Ort Hilfen für psychisch kranke Menschen anbieten. Der
sozialpsychiatrische Dienst steht unter fachärztlicher Leitung und besteht aus
einem interdisziplinärem Team( Ärzte, Psychologen, Krankenpfleger,
Sozialarbeiter): Eine Aufgabe ist auch die Vermittlung weitergehender
therapeutischer, pflegerischen, begleitenden und sozialrechtlichen Hilfen.



Sie können eigentlich, solange keine
Eigen/Fremdgefährdung vorliegt nur immer wieder versuchen Ihre Tochter
weiterhin zu einer Behandlung zu motivieren.



Oftmals
fühlen sich Angehörige, die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert.
Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu
helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle
wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in
bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung
der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher
Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter
Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem
Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen
schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung
meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme,
wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In
Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und
Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu
vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und
liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und
dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die
Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon
ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die
größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie
sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht
absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan
(noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen-
oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders
zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die
Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit
Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als
nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu
können.



In einer
kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu
erheben wie man am besten mit depressiv erkrankten Angehörigen umgehen sollte






  • depressive Verstimmung
    (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich hinterfragen oder
    beschönigen

  • dem Partner gegenüber die
    Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die
    depressive Person nur für sich selber tun)

  • statt Ratschläge zu erteilen,
    lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen

  • ständige Aufheiterungsversuche
    unterlassen, aber sich selber Mut machen

  • nicht an die Willenskraft (oder
    an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren

  • keine einschneidenden
    Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher
    regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen,
    regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)

  • Verständnis dafür zeigen, dass
    die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die
    sexuelle Lust verloren geht

  • Gefühle, welche die depressive
    Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um
    die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert,
    nicht noch zu fördern)

  • die ärztliche Behandlung des
    depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente
    unterstützen

  • wenn nötig selbst Arztbesuche
    organisieren

  • zu gemeinsamen Spaziergängen
    oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person
    profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen
    entwickeln kann)

  • lebenswichtige Entscheidungen
    während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst
    zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die
    schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der
    Therapie) von Zukunftsperspektiven

  • sich selber etwas gönnen, nicht
    nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen

  • Kontakte mit anderen (im Beruf,
    Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um
    nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden



Natürlich
können Sie auch eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe für depressiv Erkrankte
besuchen (wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, dies erfahren
Sie über Ihre Krankenkasse bzw. sogenannte Selbsthilfekontaktstellen.) und sich
durch den Austausch mit anderen Betroffenen weitere Informationen einzuholen.



http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm



http://www.depressionen-depression.net/





Ich hoffe ich konnte Ihnen in der Kürze der
Ausführung etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem
weiteren Weg



Mit
freundlichen Grüßen





Die Ausführungen und Meinungen des
Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische
Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen,
Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.





Wenn meine Ausführungen für Sie hilfreich
waren, würde ich mich über eine positive Bewertung sehr freuen.











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