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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Hallo, mein Cousin ist letztes Jahr am 28.09.2011 an einem

Kundenfrage

Hallo, mein Cousin ist letztes Jahr am 28.09.2011 an einem schweren Autounfall gestorben. Habe ihn noch mal im Sarg gesehen und seitdem träume ich jede nacht davon und komme nicht drüber weg, es ist wie ein Trauma!was könnte ich tun um das alles zu verarbeiten?habe schon mit freunden, mit meinem partner geredet, aber alle können mir nicht helfen
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.


Sehr geehrte
Fragestellerin,

vielen Dank
für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte
mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.



Wie vielen
Patienten auch in meinem Praxisalltag geht es auch Ihnen. Auf Grund eines
traumatischen Ereignisses in der Vergangenheit gerät das ganze Leben aus dem
Gleichgewicht und dies physisch sowie psychisch. Jedoch um herauszufinden, ob
es sich wirklich um ein Trauma durch den
Anblick des Verstorbenen handelt ( im Normalfall wird der Bestatter den
Verstorbenen so hergerichtet haben, dass er den Eindruck vermittelt friedlich
zu schlafen- hier sind also Ihre eigenen Gedanken und Vorstellungen verbunden
mit dem Verkehrsunfall der Auslöser) , sollten Sie unbedingt einen dafür
speziell ausgebildeten Psychiater oder Psychologen aufsuchen und um dahingehend
auch Klarheit zu bekommen, sind die Symptome auch wirklich auf das Trauma
(traumatische Situation) zurückzuführen.



Nachfolgend
möchte ich mir erlauben, Ihnen ein paar Hinweise zu einer möglichen besser
ausgedrückt teilweisen Symptombeschreibung zu geben, die auf eine eventuelle
posttraumatische Belastungsreaktion (PSB) hindeuten könnten.



Symptomatik
einer einfachen PSB





Symptomtrias





1.
Intrusionen ( unwillkürliches Erinnern an das Trauma ) und teilweise auch



„flashbacks"
( unwillkürliches Wiedererleben des Traumas,



Wiederholungsträume,
Erinnerungen mit Gegenwartscharakter )



2.
Vermeidungsverhalten und allgemeiner emotionaler Taubheitszustand



3.
anhaltendes physiologisches Hyperarousal ( physiologische Übererregung )





Zeitkriterium





Dauer > 1
Monat bis zum Teil an das Lebensende





Oft treten
die Symptome der akuten Belastungsreaktion teilweise mit auf z.B.
Panikattacken, depressive Reaktionen, akute Stimmungsschwankungen usw.







D E N O S Kriterien ( disorder of stress not otherwise specified )







A. Störungen der Regulierung des affektiven Erregungsniveaus





B. Störungen der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins





C. Somatisierung





D. Chronische Persönlichkeitsveränderungen





E. Veränderungen in den Werte- und Bedeutungssystemen







A. Störungen
der Regulierung des affektiven Erregungsniveaus





chronische
Affektdysregulation mit verminderter Fähigkeit, die Intensität von Affekten zu
regulieren



unvorhersehbare
Wechsel der Stimmungslage durch Wiederbelebung traumatischer Affekte (Gefühle)
im täglichen Leben



häufig enger
Bezug zur „Borderline-Symptomatik"



Schwierigkeit,
Ärger und Wut zu modulieren (auszudrücken)



selbstdestruktives
und suizidales Verhalten



Schwierigkeit,
sexuelles Kontaktverhalten zu modulieren (auszudrücken) bzw. bewusst zu erleben



impulsive
und risikoreiche Verhaltensweisen









B. Störungen
der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins



(Dissoziative
Störungssymptomatik)





Amnesien,
Depersonalisation, dissoziative Identitätsstörung



Protektive
(schützende) Funktion von Dissoziationen in der ursprünglichen traumatischen
Situation



Personale
Traumatisierungen im Rahmen von Kindesmissbrauch unterliegen häufig einer
totalen oder partiellen Amnesie



Dissoziationsneigung
umso höher, wenn der Täter ein Familienmitglied ist





Psychogene
Amnesie





episodische
Unfähigkeit, wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die in ihrem
Ausmaß über ein gewöhnliches Vergessen deutlich hinausgeht und nicht durch eine
organische Genese erklärbar ist





Dissoziative
Fugue





Verhaltenssequenz,
die eine spontane und zielgerichtete Ortsveränderung, meist eine unerwartete
Reise, beinhaltet und verbunden ist mit der Unfähigkeit, das Zurückliegende zu
erinnern





Depersonalisation





Störung, bei
der ein Betroffener seine Person und seine Umgebung als unwirklich verändert
erlebt.





Dissoziative
Identitätsstörung





wechselnde
Identitäten - wechselnde Persönlichkeitszustände - Identitätswechsel -
Identitätsfluktuation („Persönlichkeiten")



Persönlichkeitszustände
variieren zwischen 2 und 100; meist unter 10; sie können sich als scheinbar
voneinander unabhängige „Persönlichkeiten" präsentieren



Persönlichkeitszustände
erhalten abwechselnd die Kontrolle über die Person



es kann,
aber muss nicht eine Amnesie für andere „Persönlichkeiten" bestehen





C.
Somatisierung





Somatisierungsstörungen
als typische Langzeitfolgen schwerer, insbesondere personaler Traumatisierungen



ausgeprägte
psychosomatische Symptombildungen z.B. Hypertonie, Schmerzsyndrome usw.



funktionelle
Abdominalbeschwerden nach sexuellem Missbrauch und körperlicher Misshandlung in
Kindheit und Jugend



Psychogene
(„hysterische") Krampfanfälle nach Inzesterfahrungen





D.
Chronische Persönlichkeitsveränderungen



Störungen
des Selbstwertgefühls



durchgängiges
Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit



niedrige
Selbstwirksamkeitserwartung



Gefühl des
Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit



Überzeugung,
als Person wertlos, moralisch minderwertig und schuldig zu sein



Überzeugung,
für den Missbrauch oder die Gefangenschaft selbst verantwortlich zu sein





E.
Veränderungen in Werte- und Bedeutungssystemen





Grundüberzeugungen
von Sicherheit und Geborgenheit verloren



die
Überzeugung, dass das Leben einer sinnvollen Ordnung folgt ist zerstört



verzerrte
Wahrnehmung des Schädigers = Überangst



Idealisierung
des Täters

Urvertrauen geht verloren



fehlende
Zukunftsperspektive





Wesentlich
ist hier aus meiner Sicht und dies habe ich mir zum Grundsatz bei der
Behandlung einer schweren PSB gemacht, auf der einen Seite Wissen im Umgang mit
dem Trauma zu vermitteln (psychoedukativer Ansatz), denn dies schafft häufig
durch mehr an Wissen Sicherheit und dann mit unterschiedlichen Verfahren auch
ambulant zu arbeiten.



Es geht
Ihnen vielleicht wie vielen Patienten auch, die vor oder gerade während einer
Therapie, durch die intensive Auseinandersetzung mit dem traumatisierenden
Ereignis (Geschehen) durch das unbewusste das Ganze noch ein Mal (durchleben)
um es dann auch endgültig verarbeiten zu können. Dieser Umstand und alles was
damit zu tun hat erzeugt ungeheure Angst. Da es mir an Explorationsmaterial
fehlt, ist es von ungeheurer Wichtigkeit, dass Sie eine traumaspezifische
Therapie bei einem hierfür auch ausgebildeten Dipl.- Psychologen absolvieren.
Dieser könnte z.B. das EMDR- Verfahren zur Anwendung bringen bzw. über
verschiedene traumaspezifische Techniken verfügen, um diese mit Ihnen zu üben
um so besser mit auftretenden Flashs besser umgehen zu können (letztgenanntes
z.B. durch ressourcenorientierte Traumatherapie nach PITT nach L. Reddemann).



Auf Grund
der von Ihnen doch schon als schwerwiegende Begleiterscheinungen beschriebenen
Symptome, würde ich hier eine psychiatrische medikamentöse (zeitbegrenzte)
Intervention (Behandlung) empfehlen, um die störenden diversen Symptome wie
Alpträume, Angst und Panik usw. im Bedarfsfalle zu mildern.



Sie können
auch sehr viel Neues und Wissenswertes über unterschiedliche Selbsthilfe- und
Informationsportale im Internet erfahren u.a. http://www.traumatherapie.de/ (hier finden Sie auch
weiterführende Klinikadressen), http://www.ipsis.de/ (Infos über sich vor Ort befindliche
Selbsthilfegruppen).



Alternative ist
eine ambulante Psychotherapie bei eine Psychotherapeuten vor Ort zu empfehlen, da ja wie Sie schreiben die
Aufarbeitung im Freundes und Familienkreis nicht ausreicht. Oft gibt es hier
jedoch auch zu lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Aber es gibt hier
eine kleinen Trick und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich
an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut
wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B.
"verhaltenstherapeutisches/ tiefenpsychologisches Ausbildungsinstitut +
Ort z.B. München) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz
oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer
psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren und dort vorstellig
werden.



Nur durch
eine gute Psychotherapie können Sie herausfinden, ob oder auch ob nicht ein Trauma
wirklich vorhanden ist und dazu benötigen Sie einen geschützten Raum den Ihnen
der Therapeut zur Verfügung stellt. Nur Sie haben den Schlüssel um das Schloss
aufzusperren wohinter sich eventuell Ihr Trauma verbirgt.



Ich hoffe.
meine Ausführungen konnten Ihnen etwas weiter helfen und wünsch Ihnen für Ihre
Zukunft viel Kraft, Mut und alles Gute.



Mit
freundlichen Grüßen





Die
Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich
ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur
punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen
Problemen sowie Konflikten.



Wenn meine Ausführungen für Sie
hilfreich waren, würde ich mich über eine positive Bewertung sehr freuen.

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