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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Hallo, ich mache mir sehr große Sorgen um einen guten Freund.

Kundenfrage

Hallo,
ich mache mir sehr große Sorgen um einen guten Freund. Er hat Alkoholprobleme und bis vor etwa 2 Jahren dies auch erfolgreich verheimlichen können. Jetzt gerät alles außer Kontrolle: er hat seine Arbeit verloren und lebt jeden Tag von der Hand in den Mund, ist verschuldet ohne Ende. Ich befürchte, dass er auch bald seine Wohnung verliert. Er sieht mittlerweile auch verwahrlost aus und läuft nur noch ungewaschen, unrasiert in Jogginghose rum.
Ich besuchte ihn letzte Woche und er war körperlich und psychisch in katastrophaler Verfassung. Trotztdem führten wir ein gutes Gespräch. Zum 1. mal sah er ein, dass sein Alkoholproblem dafür verantwortlich ist, dass er sein Leben nicht mehr im Griff hat. Ich bot ihm an, gemeinsam seinen Hausarzt aufzusuchen, um sich über Beratungsstellen und Vorgehensweisen zu informieren. Das möchte er auch in Anspruch nehmen. Ich möchte ihn gerne unterstützen, weiß aber nicht ob ich das richtig mache.
Gruß
Anna
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.


Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für
das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich
bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben,





Es ist sehr lobenswert dass Sie sich um Ihren Freund
sorgen. Um zu wissen was mit Ihm los ist, möchte ich Ihnen kurz erläutern was
der Alkohol mit Ihm macht. Beide sowohl Missbrauch als auch Abhängigkeit
sind eingebettet in einen Entwicklungsprozess des süchtigen Verhaltens und
somit sind sie ein Teil des Suchtkreislaufs. Konsum- Genuss- Gewöhnung-
Missbrauch. Abhängigkeit. Beim Übertritt
in den Missbrauch entwickelt sich
vornehmlich bei massivem Konsum schon eine psychische Abhängigkeit, die
oft schleichend einsetzt. Der Konsument kann zwar noch ohne das Suchtmittel
leben, aber es entsteht ein unbewusstes verlangen auf psychischer Ebene,
während das Suchtmittel zunehmend und ansteigend funktionalisiert wird ( Missbrauch als Pseudoproblemlösung,
Kompensationsmittel für fehlende und nichtbefriedigte Bedürfnisse,
Gegenlangeweilemittel, Aktivitätsmittel, Schlafmittel, Antifrustrationsmittel
u.a.)
es kommt zur bewussten Suche
nach dem Genuss. In der Abhängigkeit als letzte Stufe ist schließlich jegliche
Genussfähigkeit verloren gegangen, es geht nur noch um den Konsum und darum ,
die psychischen und körperlichen Bedürfnisse ( ---- ich brauche mein
Suchtmittel gegen die körperlichen Entzugssymptome----) regelmäßig zu
befriedigen, mit allen zur Verfügung stehenden legalen und illegalen Mitteln. Zunächst
ist es so, dass bei Abhängigkeit eine psychische
und physische Abhängigkeit mit einhergehenden Entzugssymptomen vom Suchtmittel vorliegt.
Bei Missbrauch besteht eher nur ein psychisches verlangen, jedoch ist die
Gefahr einer psychischen Abhängigkeit (vor allem bei tendenziell massiven
Konsum) bereits vorhanden bzw.- beginnt sich schleichend zu manifestieren. So
erklären missbräuchliche Konsumenten beim Konsum des Suchtmittels häufig noch
Glücksgefühle und Genuss mit der Einnahme in Verbindung zu bringen und
versuchen deshalb auch den Konsum mit diesem Argument zu rechtfertigen, d.h.
die Klienten schließen für sich daraus, doch noch gar nicht abhängig zu sein
bzw. sich auf dem Weg dorthin zu befinden. Der Konsum beim Suchtmittelmißbrauch
ist auch eher situationsbezogen zu bestimmten Anlässen, wie etwa Partys und
Diskobesuch. Der Konsum ist dann auch eher exzessiv- dass heißt man gibt sich
die Kante. Bei Abhängigkeit dagegen gibt es kaum situations oder
anlassbezogenen Konsum.





Beim Alkoholmissbrauch
gibt es im Gegensatz zum Drogenmissbrauch, eine Chance auf das Erlernen eines
kontrollierten Umgangs mit Alkohol. So ist es hier wesentlich zu beachten dass
kein regelmäßiger Konsum erfolgt und man stets darauf achtet wann, wie und was
man trinkt. Dinge wie Fähigkeit, Selbstreflexion, Selbstdisziplinfähigkeit,
Selbstkontrollfähigkeit, Selbstverantwortungsübernahme (5x S des kontrollierten
Umgangs)



Realisiert werden können und
natürlich noch weitere Aspekte, wie z.B. Alkohol nur noch als Genussmittel zu
konsumieren und das Suchtmittel nicht mehr zu funktionalisieren. Bei Suchtmittelabhängigkeit von Alkohol
gibt es nur eine Chance durch Abstinenz d.h. durch den Verzicht auf jeglichen
Konsum des Suchtmittels und das egal in welcher Form, Art und Weise. Studien
haben belegt und dieser Umstand ist auch wissenschaftlich kaum umstritten, man
kann noch von einem normalen Umgang mit Alkohol davon ausgehen, wenn der Klient
bzw. Klientin nicht mehr als 2 x 0,5 l Bier in der WOCHE oder 2-3 x 0,2 l Wein
in der WOCHE konsumiert.
Es ist oft schwierig dem Betroffenen zu vermitteln
das er krank ist und das er sich als hilfebedürftig erkennt. Erst eine
Konfrontation mit der Umwelt und sich daraus ergebene soziale Folgen oder
gravierende körperliche Schäden (Leber, Bauchspeicheldrüse, Magenerkrankungen
usw.) verbunden mit Krankenhauseinweisung, bringen eine Einsicht. Dann ist er
motiviert sich in Behandlung zu begeben. Dies stellt eine enorme Belastung dar
und auch betroffene Ehepartner, Kinder, Eltern und unter Umständen auch
Arbeitskollegen können in belastende emotionale Zustände geraten und dies ist
im Moment bei Ihnen beiden der Fall.



Wesentlich ist hier, dass Ihr
Freund erkennt,
ein Problem zu haben, nämlich auch
in Ihrer Beziehung, dass er sich nicht
weiter so legitimieren kann, doch nichts
schlimmes zu tun, nur eben jeden Abend zu trinken. Sie haben auf jeden Fall
richtig gehandelt dass Sie ihn darauf angesprochen haben und ihn auch zu einer
Behandlung motivieren.Langjähriger Alkoholkonsum führt letztendlich auch zu
Persönlichkeitsveränderungen die sich dann in genannten Verhaltensweisen zeigen
können, aber es könnte auch noch zusätzlich zur Alkoholkrankheit eine
Depression bestehen ( auch hier besteht
eine Komorbidität zur Suchtkrankheit) die erschwert
hier eine Intervention allein von Ihrer Seite . Im Gegenteil Sie müssen
vorsichtig sein um nicht noch Gefahr zu
laufen in eine Coabhängigkeit zu
rutschen, indem Sie aus lauter Sorge um Ihn weiterhin das Trinkumfeld wie er es
benötigt tolerieren.



Oft und vor allem ohne
Konfrontation durch die Umwelt hat der Süchtige keine Möglichkeit seine
Krankheit zu erkennen und sich professionelle Hilfe zu suchen, da noch kein
Leidensdruck entstanden ist (d.h. kein merklicher Wille vorhanden ist wirklich
etwas zu verändern, denn es läuft ja noch im Rahmen der sozialen Interaktion,
im Beruf usw. noch alles). Da Sie sich ja sehr um Ihn sorgen und er auch schon
Bereitschaft erklärt hat an sich zu arbeiten empfehle ich Ihnen den
Besuch einer Selbsthilfegruppe und/oder einer Suchtberatungsstelle( um im
Austausch mit anderen Angehörigen auch eine Abgrenzung zu ermöglichen).



http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm



http://www.alkohol-hilfe.de/



http://www.forum-alkoholiker.de/



Die Therapie des Alkoholismus lässt sich in folgende
Stufen unterteilen.



-Motivationsphase



-Körperliche Entgiftung



-Stationäre Entwöhnung



-ambulante Nachsorge.



Eine körperliche Entgiftung (1-2 Wochen) sollte auf jeden
Fall stationär vor einer Entwöhnungstherapie erfolgen. Danach
erfolgt eine stationäre Entwöhnungstherapie; hier ist das Ziel eine absolute Abstinenz. Diese Therapie erfolgt in einer
spezialisierten Suchtklinik und erstreckt sich über mehrere Monate. Die Therapeutischen
Angebote bestehen in Gruppengesprächen, der Strukturierung des Tagesablaufs,
Verhaltenstherapie, Selbstsicherheitstraining, Erlernen der Selbstkontrolle,
Training sozialer Kompetenzen usw. Medikamente werden im Einzelfall eingesetzt(
wie zum Beispiel CAMPRAL) um ein Verlangen nach dem Alkohol zu senken. Die
Behandlung mit dem Medikament ersetzt aber nicht die notwendige
psychotherapeutische Behandlung und muss auch unter ärztlicher Kontrolle
genommen werden.



Da die Rückfallgefahr im ersten Jahr besonders groß ist,
ist eine Nachsorge besonders wichtig und dies kann z.B. erfolgen im Rahmen der
regelmäßigen Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Zusätzlich kann auch
ambulante professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden z.b. bei freien
Psychotherapeuten. Nicht zu unterschätzen ist
die Arbeit der Selbsthilfegruppen wie z.b. die AA, ( Anonymen
Alkoholoker) Blaues Kreuz, Guttempler usw. gerade hier wird im Rahmen der Zusammenkunft sowohl trockener Alkoholiker als
auch Menschen die sich noch aktuell in der Abhängigkeit befinden, daran
gearbeitet die Hoffnung zu vermitteln das man es schaffen kann, es werden
Informationen bereitgestellt, soziale Kontakte angeboten und es besteht die
Möglichkeit diesen Raum zu nutzen um sich auszusprechen .



Ich würde Ihnen also empfehlen , die entsprechende
Motivation Ihres Freundes vorausgesetzt ein erstes Gespräch mit dem Hausarzt
und dann über diesen eine Überweisung zu einer stationären Entgiftung in einer entsprechenden
Klinik.





Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas helfen und wünsche Ihnen
viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg



Mit freundlichen Grüßen







Die Ausführungen und
Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende
psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell
Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen
sowie Konflikten.





Ich möchte Sie bitten,
so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt
hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button
"Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank



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