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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Kann ein Alkoholiker, den sogenannten Entzug auch ohne stationäre

Kundenfrage

Kann ein Alkoholiker, den sogenannten Entzug auch ohne stationäre Klinik in Form von Sport schaffen?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben,

Es ist sehr lobenswert dass Si8e sich um Ihren Bekannten sorgen. Grundsätzlich sollte bei einem Alkoholiker der erkannt hat dass er ein Alkoholproblem hat die Entgiftung stationär erfolgen schon bedingt durch den Zusammenhang von auftretenden vitalen Symptomen bedingt durch den plötzlichen Entzug des Alkohols. Die Entwöhnung die sich daran anschließt wird vorzugsweise ebenfalls in einer Klinik durchgeführt um an den Ursachen für die Alkoholabhängigkeit zu arbeiten und diese durch Aufarbeitung zu beseitigen, denn ohne eine ausreichende Nachbehandlung nach einer Entgiftung ist die Gefahr des Rückfalls besonders groß. In diesem Rahmen kann natürlich Sport dann auch helfen und wird psychotherapeutisch dabei auch eingesetzt. Nach der Entwöhnung ist dann immer noch zu empfehlen dass der Patient sich weiterhin noch über eine gewisse Zeit ambulant betreuen lässt oder sich einer Selbsthilfegruppe anschließt um weiterhin in der Abstinenz bestärkt zu werden. Ein Alkoholiker-so dies diagnostiziert wurde- ist man ein Leben lang, denn der kleinste Rückfall reicht aus um wieder in alte Verhaltensmuster beim Trinken zu verfallen bedingt durch das Suchtgedächtnis dass sich beim kleinsten Tropfen wieder daran erinnert. So es sich bei Ihrem Bekannten um einen Alkoholiker handelt ist die Chance es ohne professionelle Hilfe langfristig zu schaffen sehr gering. Ich möchte Ihnen kurz erläutern was der Alkohol mit Ihm macht. Beide sowohl Missbrauch als auch Abhängigkeit sind eingebettet in einen Entwicklungsprozess des süchtigen Verhaltens und somit sind sie ein Teil des Suchtkreislaufs. Konsum- Genuss- Gewöhnung- Missbrauch. Abhängigkeit. Beim Übertritt in den Missbrauch entwickelt sich vornehmlich bei massivem Konsum schon eine psychische Abhängigkeit, die oft schleichend einsetzt. Der Konsument kann zwar noch ohne das Suchtmittel leben, aber es entsteht ein unbewusstes verlangen auf psychischer Ebene, während das Suchtmittel zunehmend und ansteigend funktionalisiert wird ( Missbrauch als Pseudoproblemlösung, Kompensationsmittel für fehlende und nichtbefriedigte Bedürfnisse, Gegenlangeweilemittel, Aktivitätsmittel, Schlafmittel, Antifrustrationsmittel u.a.) es kommt zur bewussten Suche nach dem Genuss. In der Abhängigkeit als letzte Stufe ist schließlich jegliche Genussfähigkeit verloren gegangen, es geht nur noch um den Konsum und darum , die psychischen und körperlichen Bedürfnisse ( ---- ich brauche mein Suchtmittel gegen die körperlichen Entzugssymptome----) regelmäßig zu befriedigen, mit allen zur Verfügung stehenden legalen und illegalen Mitteln. Zunächst ist es so, dass bei Abhängigkeit eine psychische und physische Abhängigkeit mit einhergehenden Entzugssymptomen vom Suchtmittel vorliegt. Bei Missbrauch besteht eher nur ein psychisches verlangen, jedoch ist die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit (vor allem bei tendenziell massiven Konsum) bereits vorhanden bzw.- beginnt sich schleichend zu manifestieren. So erklären missbräuchliche Konsumenten beim Konsum des Suchtmittels häufig noch Glücksgefühle und Genuss mit der Einnahme in Verbindung zu bringen und versuchen deshalb auch den Konsum mit diesem Argument zu rechtfertigen, d.h. die Klienten schließen für sich daraus, doch noch gar nicht abhängig zu sein bzw. sich auf dem Weg dorthin zu befinden. Der Konsum beim Suchtmittelmißbrauch ist auch eher situationsbezogen zu bestimmten Anlässen, wie etwa Partys und Diskobesuch. Der Konsum ist dann auch eher exzessiv- dass heißt man gibt sich die Kante. Bei Abhängigkeit dagegen gibt es kaum situations oder anlassbezogenen Konsum.

Beim Alkoholmissbrauch gibt es im Gegensatz zum Drogenmissbrauch, eine Chance auf das Erlernen eines kontrollierten Umgangs mit Alkohol. So ist es hier wesentlich zu beachten dass kein regelmäßiger Konsum erfolgt und man stets darauf achtet wann, wie und was man trinkt. Dinge wie Fähigkeit, Selbstreflexion, Selbstdisziplinfähigkeit, Selbstkontrollfähigkeit, Selbstverantwortungsübernahme (5x S des kontrollierten Umgangs)

Realisiert werden können und natürlich noch weitere Aspekte, wie z.B. Alkohol nur noch als Genussmittel zu konsumieren und das Suchtmittel nicht mehr zu funktionalisieren. Bei Suchtmittelabhängigkeit von Alkohol gibt es nur eine Chance durch Abstinenz d.h. durch den Verzicht auf jeglichen Konsum des Suchtmittels und das egal in welcher Form, Art und Weise. Ich würde Ihnen empfehlen sich auch noch Unterstützung in Form professioneller Hilfe dazu zunehmen , wie beispielsweise eine Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker um auch durch die Gespräche weiterhin bestärkt zu werden die Abstinenz aufrechtzuerhalten und die 5xS des kontrollierten Umgangs zu verinnerlichen, dann wird es auch weiterhin so gut funktionieren, dass Sie nicht mehr in alte Verhaltensweisen zurückfallen. Studien haben belegt und dieser Umstand ist auch wissenschaftlich kaum umstritten, man kann noch von einem normalen Umgang mit Alkohol davon ausgehen, wenn der Klient bzw. Klientin nicht mehr als 2 x 0,5 l Bier in der WOCHE oder 2-3 x 0,2 l Wein in der WOCHE konsumiert. Es ist oft schwierig dem Betroffenen zu vermitteln das er krank ist und das er sich als hilfebedürftig erkennt. Erst eine Konfrontation mit der Umwelt und sich daraus ergebene soziale Folgen oder gravierende körperliche Schäden (Leber, Bauchspeicheldrüse, Magenerkrankungen usw.) verbunden mit Krankenhauseinweisung, bringen eine Einsicht. Dann ist er motiviert sich in Behandlung zu begeben. Dies stellt eine enorme Belastung dar und auch betroffene Ehepartner, Kinder, Eltern und unter Umständen auch Arbeitskollegen können in belastende emotionale Zustände geraten.

Oft und vor allem ohne Konfrontation durch die Umwelt hat der Süchtige keine Möglichkeit seine Krankheit zu erkennen und sich professionelle Hilfe zu suchen, da noch kein Leidensdruck entstanden ist (d.h. kein merklicher Wille vorhanden ist wirklich etwas zu verändern, denn es läuft ja noch im Rahmen der sozialen Interaktion, im Beruf usw. noch alles).

Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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