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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Mein Sohn 20 Jahre, hat zu nichts Lust, seinen ganzen Freundeskreis

Kundenfrage

Mein Sohn 20 Jahre, hat zu nichts Lust, seinen ganzen Freundeskreis aufgegeben, keine Lust zu Arbeiten, Lehrstelle abgebrochen ect.... Jetzt habe ich durch seine Schwester erfahren , das er zu Ihr sagte er hätte keine Lust mehr zu Leben. Was kann ich tun, er hat sich auch von mir abgewandt, wohnt bei seiner Mutter mit der ich keinen Kontakt mehr habe
und die weiß sich anscheinend auch nicht zu helfen, bzw, erkennt den Ernst der Lage nicht.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Fragesteller, vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Ich verstehe die Sorgen die Sie sich um Ihren Sohn machen und es ist äußerst lobenswert dass Sie auf diesem Weg weitere Informationen zur Hilfe einholen.

Im Fall des Vorliegens einer schweren psychischen Störung kann eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus notwendig sein. Wenn die/der Betroffene nicht dazu in der Lage ist seine gesundheitliche Situation realistisch einzuschätzen, kann es notwendig sein, Ihn/Sie gegen ihren/seinen Willen einer stationären Behandlung zuzuführen. Dies wird durch die Unterbringungsgesetze der Länder geregelt.(PsychKG) Vorrausetzung für eine Zwangseinweisung ist neben dem Vorliegen einer psychischen Erkrankung das Vorhandensein einer akuten Gefahr für die eigene Person oder andere Personen ( Eigen- und Fremdgefährdung) Diese Unterbringung wird von der Polizei veranlasst und das Amtsgericht verfügt über die Einweisung nach ärztlichem Gutachten. Sie haben auch die Möglichkeit im Rahmen der von Ihnen beschriebenen Symptome den Notarzt für ihren Sohn zu rufen, um eine Einweisung über den Notarzt nach PsychKG zu veranlassen (wenn es wieder zu Suizidalen Äußerungen in Ihrem Beisein kommt). Sollte dies aber nicht so möglich sein, können Sie über den Sozial-Psychiatrischen-Dienst des Gesundheitsamtes des Landkreises (Stadt) eine psychiatrisch/ psychologische Begleitung durch eine z.T. auch aufsuchende Tätigkeit verlangen. Der sozialpsychiatrische Dienst hat die Aufgabe psychisch kranke Menschen zu beraten und zu begleiten. Er kooperiert mit allen anderen Institutionen, die vor Ort Hilfen für psychisch kranke Menschen anbieten. Der sozialpsychiatrische Dienst steht unter fachärztlicher Leitung und besteht aus einem interdisziplinärem Team( Ärzte, Psychologen, Krankenpfleger, Sozialarbeiter): Eine Aufgabe ist auch die Vermittlung weitergehender therapeutischer, pflegerischen, begleitenden und sozialrechtlichen Hilfen.

Sie können eigentlich, solange keine Eigen/Fremdgefährdung vorliegt nur immer wieder versuchen Ihren Sohn weiterhin zu einer Behandlung zu motivieren Letztendlich können Sie auch als Vater (ich nehme mal an Sie haben das gemeinsame Sorgerecht) beim Amtsgericht eine Begutachtung Ihres Sohnes veranlassen. Auch Kinder- und Jugendliche können nach einem ganz bestimmten Gesetzesteil, nämlich den § 1631 b BGB geschlossen untergebracht werden. hierzu muss ein Antrag beim Jugendamt erfolgen mit meist einer in diesem Zusammenhang erfolgten Begutachtung Ihrer Sohnes und die Beantragung selbst (sollten sie ggf. anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen) erfolgt durch einen Unterbringungsbeschluss beim zuständigen Familiengericht. Allein der soziale Rückzug und der verschwundene Lebenswille Ihres Sohnes rechtfertigen schon den Antrag und es ist daher dringend etwas zu unternehmen, wenn die Mutter bei der er lebt keine Hilfsmöglichkeiten in Anspruch nimmt und den Ernst der Lage nicht erkennt.

Oftmals fühlen sich Angehörige, die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert. Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme, wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan (noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen- oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu können.

In einer kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben wie man am besten mit depressiv erkrankten Angehörigen umgehen sollte

  • depressive Verstimmung (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich hinterfragen oder beschönigen
  • dem Partner gegenüber die Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die depressive Person nur für sich selber tun)
  • statt Ratschläge zu erteilen, lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen
  • ständige Aufheiterungsversuche unterlassen, aber sich selber Mut machen
  • nicht an die Willenskraft (oder an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren
  • keine einschneidenden Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen, regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)
  • Verständnis dafür zeigen, dass die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die sexuelle Lust verloren geht
  • Gefühle, welche die depressive Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert, nicht noch zu fördern)
  • die ärztliche Behandlung des depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente unterstützen
  • wenn nötig selbst Arztbesuche organisieren
  • zu gemeinsamen Spaziergängen oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen entwickeln kann)
  • lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der Therapie) von Zukunftsperspektiven
  • sich selber etwas gönnen, nicht nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen
  • Kontakte mit anderen (im Beruf, Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden

Natürlich können Sie auch eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe für depressiv Erkrankte besuchen (wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, dies erfahren Sie über Ihre Krankenkasse bzw. sogenannte Selbsthilfekontaktstellen.) und sich durch den Austausch mit anderen Betroffenen weitere Informationen einzuholen.

http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

http://www.depressionen-depression.net/

Ich hoffe ich konnte Ihnen in der Kürze der Ausführung etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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