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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Hallo, meine Mutter hat Morddrohungen gegen mich und meine Frau ausge

Kundenfrage

Hallo,

meine Mutter hat Morddrohungen gegen mich und meine Frau ausgesprochen. Was können wir tun, wir sind mit unserem latein am Ende, da wir schon bei mehreren Ärzten waren. Sie leidet wahrscheinlich an einer Demenz/Paranoia/Depression. Sie sucht ständig Schlüssel, Geldbeutel, etc. und behauptet wir würden ihr es verstecken. Schließt sich ein und findet dann nicht mehr den Schlüssel um aufschliesen zu können. Fragt zehn mal das selbe oder wiederholt zehn mal nacheinander das selbe.

Vielen Dank XXXXX XXXXX Antwort.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragestelle/r

vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Ich verstehe Ihr Problem und es ist auch sehr lobenswert, dass Sie sich um Ihre Mutter sorgen. Auf Grund der dünnen Explorationslage und nur dem Vorliegen Ihrer subjektiven Beschreibung kann ich nur eine Vermutung äußern, alles andere wäre fachlich nicht zu vertreten. Ich bitte um Ihr Verständnis.

Da Sie schreiben, der Wandel der Persönlichkeit Ihrer Mutter erfolgte sehr plötzlich, liegt der Verdacht nahe, das es sich eventuell um eine Depression/Demenz oder auch eine paranoide Schizophrenie handeln. Bei der paranoiden Schizophrenieform handelt es sich um die am häufigsten auftretende Form der Schizophrenie.

Die Schizophrenie stellt ein sehr komplexes Krankheitsbild dar. Für eine Diagnosestellung der paranoiden Schizophrenie müssen zusätzlich zur allgemeinen Schizophrenie noch weitere Kriterien erfüllt sein. So unterteilt sich die Schizophrenie in Positiv und Negativsymptomatik. Zu der Positivsymptomatik zählen u.a. Verhaltensweisen die eine Verzerrung normaler Funktionen darstellen. Dazu zählen Wahn, Halluzinationen und formale Denkstörungen (Sperrung des Denkens oder Gedankenabreißen, Zerfahrenheit, Neologismen(Wortneuschöpfungen)) Die Negativsymptomatik beinhaltet Krankheitszeichen, bei denen das Verhalten des Kranken im Vergleich zum Gesunden Defizite aufweist inForm von Symptomen 1.Ranges

– Gedankenlautwerden, akustische Halluzinationen, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung

und 2. Ranges nach Schneider

- Wahneinfall, Ratlosigkeit, depressive oder frohe Verstimmungen

Es gibt keine Symptome die ausschließlich bei der Schizophrenie auftreten. Alle Symptome können auch bei anderen psychischen Erkrankungen (z.B.Alzheimer; Alkohol und Medikamentenabhängigkeit) vorhanden sein.

Wie vielen Angehörigen von Betroffenen Psychotikern geht es auch Ihnen, es ist unheimlich schwer auf dem Hintergrund der schwerwiegenden Erkrankung nicht Co- abhängig zu werden. Das heißt, die Verantwortung trotz vlt. schon bestehender Betreuungsverhältnisse usw. nicht komplett abnimmt unter aller Aufbietung aller eigenen psychischen Kräfte (auch wenn Sie weit voneinander entfernt wohnen).

Einen wirklich richtigen Rat kann ich Ihnen auf Grund der sehr geringen Explorationsdatenlage nicht wirklich geben und dies ist auch fachlich nicht gerechtfertigt.

Jedoch möchte ich Ihnen vielleicht auf eine andere Weise zu versuchen zu helfen.

Aus meiner Erfahrung in der praktischen Arbeit hat sich sehr oft gezeigt, dass ein "mit schwimmen" im Wahn (Psychose, Schizophrenie) häufig besser ist, als gegen den Wahn des Angehörigen (Mutter) anzukämpfen und eventuell noch eine Eskalation zu riskieren. Sie sollten wissen, dass Ihre Mutter an das was Sie sagt bzw., macht glaubt und davon überzeugt ist und Sie können nur das Eine tun, z.B. die regelmäßige Medikamenteneinnahme kontrollieren (besser kontrollieren lassen). Viel darüber zu streiten, vlt. noch Vorhaltungen zu machen in Form, "das ist doch alles nicht die Wahrheit bzw. es gibt doch keine Zeichen usw." hilft rein gar nichts.

Anhand meiner Erfahrungen habe ich Ihnen nachfolgend ein klein wenig Hilfsmaterial zusammengestellt und Sie können vlt. dies für den alltäglichen Umgang mit Ihrer Mutter nutzen.

1. Auf sich selbst achten und Orientierung geben
Wenn eine Psychose mit einer Verunsicherung des inneren Selbst, vielleicht auch mit dem Verlust der eigenen Grenzen einhergeht, dann macht es keinen Sinn, wenn Mitmenschen „selbstlos" sind und handeln. Es ist zwar wichtig, Rücksicht zu nehmen und die Erkrankten immer wieder so selbstverständlich wie möglich ins Familienleben einzubeziehen.

2. Gleichzeitigkeit achten auf die Entwicklung
Wenn eine Psychose auch so etwas ist wie ein Rückgriff auf frühere Entwicklungsstufen ist, die aktuell (scheinbar) mehr Sicherheit bieten, dann wird so möglicherweise ein tieferer seelischer Konflikt vorübergehend unterlaufen, zugleich aber auch verschärft.

3. Chancen sehen das Rätsel zu verstehen
Wenn Psychosen Rätsel aufgeben, dann steckt darin auch für Angehörige die Chance, mehr über sich selbst, die Wahrnehmungen des anderen und die Bedingungen des Zusammenlebens zu erfahren. Das kann schmerzhaft und befreiend sein. Die psychotische Kommunikation ist vielleicht der einzige Ausweg.

4. Standhaft sein bei Existenzgefährdung
Wenn eine Psychose zum Verlust der eigenen Grenzen führt, kann das große Gefahr bedeuten. Eher für den Betreffenden selbst, seltener auch für andere.

5. Dabei sein (Anteil nehmen) durch Geduld und Gelassenheit
Wenn Psychosen mit panischen Ängsten verbunden sind, dann können sich diese quasi "durch die Poren" auf andere übertragen. Das macht es schwer, Notwendiges zu verwirklichen: zuversichtliche Gelassenheit und Geduld, räumliche Geborgenheit, Ruhe ohne neue angstauslösende Reize, körperliche Nähe ohne Grenzüberschreitung, Anwesenheit ohne Forderung.

6. Kontakt durch Rückzug als Schutz
Wenn eine Psychose zum Abbruch (fast) aller Kontakte führt, dann kann man das auch als Flucht oder Schutz vor Überforderung durch ein Zuviel an Beziehung(en) verstehen. Das jeweils bekömmliche Maß an Nähe und Distanz kann jeder Mensch nur für sich selbst herausfinden und immer wieder ins Gleichgewicht bringen.

7. Balance von Nähe und Distanz
Wenn eine Psychose aus menschlicher Isolation erwächst oder sich darin verstärkt, dann folgt daraus die Notwendigkeit und Schwierigkeit, den Kontakt zu halten oder (wieder) herzustellen. Dazu braucht es oft ein langwieriges Ringen. Angehörige sind in dieser Situation besonders gefordert. Auch scheinbar banale Kontakte können bedeutsam sein, wenn sie „selbstverständlich" sind. Auch seltene Kontakte können Halt geben, wenn sie verlässlich sind. Alltägliche Kontakte zu Nachbarn, zum Postboten oder zu einer Verkäuferin usw. haben den Vorteil, dass sie „ungefährlich" sind.

8. Grenzen des Verstehens respektieren
Wenn ein Mensch sich in der Psychose unverständlich macht, so schützt er sich damit auch vor dem Verstanden werden: Er prüft gewissermaßen das Bemühen der anderen um Verständnis und entflieht gleichzeitig in einen Bereich, in den letztlich niemand folgen kann. Um Verständnis zu ringen, ohne Verstehbarkeit zu fordern, Eigenheit und Schutzbedürfnis zu respektieren

Lassen Sie bitte nicht zu viel Zeit verstreichen und tun Sie schnellstmöglich etwas, auch ggf. gegen den Willen und das Einverständnis Ihrer Mutter damit Ihr adäquat geholfen werden kann bzw. beauftragen Sie einen Rechtsanwalt vor Ort der Ihre Rechte wahrnimmt , denn eine fortlaufende medikamentöse Behandlung bei Schizophrenie ist wichtig.

Ich hoffe ich konnte Ihnen in der Kürze der Ausführung etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft auf und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank