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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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ich bin soldat und suche dringend hilfe wegen meiner probleme

Kundenfrage

ich bin soldat und suche dringend hilfe wegen meiner probleme will mein leben nicht so weiter leben habe leider eine kaufsucht ich denke einfach nicht so richtig nach dabei dass bringt mir dann jede Menge probleme
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie geben wahrscheinlich viel Geld aus fuer Dinge, die Sie gar nicht wirklich brauchen und haben vielleicht auch Schulden, die Ihnen zu schaffen machen. Als Soldat verdienen Sie wahrscheinlich auch nicht sehr viel. Oft ist dieses Thema sehr schwer anzusprechen, denn das Umfeld erwartet oft von einem, dass man mit seinen Finanzen umgehen kann.

 

Die Kaufsucht faellt in die Kategorie der Zwangsstoerungen und der Sucht (wie auch Internetsucht, Spielsucht, Arbeitssucht). Es freut mich sehr, dass Sie um Hilfe bitten und ich hoffe, dass ich Sie auf den richtigen Weg leiten kann, damit Sie diese Hilfe bekommen. Die Zwangshandlung ist das Kaufen. Sucht ist definiert als Kontrollverlust, Zwang zur Wiederholung, Dosissteigerung, Entzugserscheinungen wie etwa Schweißausbrüche, Zittern, innere Unruhe und Depressionen. Hinzukommen Schuldgefühle, dass man sich nicht im Griff hat. Durch die mit dem zwanghaften Kaufen verbundenen Geldausgaben kommt es häufig zu hohen Schulden bis hin zur Privatinsolvenz, Partnerschaftsproblemen und Arbeitsplatzproblemen.

Wie hinter jeder Sucht steckt auch hinter der Kaufsucht eine Sehnsucht - die Sehnsucht nach Anerkennung und Bestätigung und die Betäubung negativer Gefühle wie einer inneren Leere. Der Betroffene kommt in einen Teufelskreis: Der Drang nach Anerkennung und Bestätigung oder Gefühle wie Ärger und Stress verführen zum Kaufen. Das Kaufen führt nach kurzer Zeit zu Schuldgefühlen und Depressionen. Diese unangenehmen Gefühle versuchen Betroffene dann wieder mit Konsum zu betäuben.

Die Wurzeln für das Suchtverhalten liegen oft in der Kindheit: Mangel an Zuwendung und Anerkennung, Mangel an Liebe und Geborgenheit. Betroffene mussten sich die Zuwendung der Eltern verdienen, durften Gefühle nicht frei äußern. Sie haben erlebt, dass sie als Person nicht wichtig sind. Als Entschädigung gab es vielleicht Spielzeug. Als Erwachsene haben sie oft nicht gelernt, sich selbst ein gesundes Selbstwertgefühl zu verschaffen. Manche Menschen haben als Kind auch unter materieller Entbehrung gelitten und werden aus diesem Mangelempfinden heraus kaufsüchtig. Der Kauf bedeutet einen Ersatz an Zuwendung.

Kaufsuchtkranke haben oft nicht gelernt, sich mit Konflikten auseinanderzusetzen. Probleme in der Familie, Sorgen um den Arbeitsplatz, eine quälende innere Leere, Frustrationen oder Einsamkeit werden mit Konsum verdrängt. Auch gesellschaftliche Bedingungen spielen eine Rolle: Das Kaufen ist gesellschaftlich akzeptiert und wird gefördert. Kreditkarten erleichtern das Geldausgeben ebenso wie die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Bestellungen über das Internet zu tätigen.

Kaufen vermittelt das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun. Beim Kaufen erlebt der Betroffene, beachtet und umworben zu werden. Er fühlt sich kurzfristig aufgewertet, sein Selbstwertgefuehl steigt. Die Stimmung hellt sich wie bei der Einnahme einer Droge kurzfristig auf, weil durch das Kaufen das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Oder das Kaufen wirkt als Beruhigung bei unguten Gefühlen. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt. Es entsteht der Eindruck, Kontrolle über das Leben zu haben.

 

Die Entwöhnung kann manchmal aus eigenen Kräften geschafft werden. Oft verschwindet der Kaufzwang, wenn die Ursachen - frustrierende Arbeitsbedingungen, schwierige Beziehung, Konflikte mit den Eltern und vor allem das negative Selbstwertgefühl - beseitigt werden.

Die Leitfrage lautet dabei: Was brauche ich wirklich? Was fehlt mir? Zuwendung, Bestätigung, Selbstbewusstsein, eine sinnvolle Aufgabe? Wie kann ich mich mehr befriedigt und ausgefüllt fühlen, ohne zu shoppen und Geld auszugeben?

 



Wie bei jedem Suchtverhalten ist der Weg zweigleisig:
1. Unterbrechen des Suchtverhaltens - also Aufhoeren mit dem Kaufen (Betroffene sollten ihre Kredit- und Kundenkarten abschaffen, nur mit Einkaufszettel und Bargeld einkaufen, Spontankäufe vermeiden, den Dispositionskredit herabsetzen, nur in Begleitung des Partners einkaufen. Hilfreich ist es auch, Konsumgüter für einige Stunden oder einen Tag zurücklegen zu lassen und die Kaufentscheidung nochmals zu überschlafen.)
2. die Ursachen des Suchtverhaltens beseitigen durch Erarbeitung eines gesunden Selbstwertgefühls,Erlernen von Konfliktlösestrategien,Aufbau von befriedigenden Freizeitaktivitäten, Erlernen von Selbstbehauptungsstrategien usw. Dazu braucht man oft eine Therapie. Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das ist eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten. Hier finden Sie ebenfalls Listen von Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung) nach Postleitzahl geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/

Hier finden Sie psychologische Ausbildungsinstitute:

http://www.therapie.de/psyche/info/ausbildung/adressen-und-links/

 

 

Hier finden Sie ein paar wahrscheinlich interessante Artikel und Selbsthilfegruppen.

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,567355,00.html

http://www.lebenshilfe-abc.de/kaufsucht.html

http://www.kaufsuchthilfe.de/index2.html

http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

 

 

 

 

Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.