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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

eine Freundin ist nach einer manischen Phase nun in eine Depression

Kundenfrage

eine Freundin ist nach einer manischen Phase nun in eine Depression gefallen .Sie hat mich eben um Hilfe gebeten.Was kann ich tun ? Welchen kompetenten Ansprechpartner erreiche ich heute ?
Peter Zenner ,21244 Buchholz
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.

Ihre emotionale Not kann ich sehr gut verstehen und oft ist es scheinbar kaum möglich Menschen (Freunde) mit einer depressiven Erkrankung zu verstehen und schon gar nicht einem vertrautem Menschen der unter einer bipolaren Störung leidet.
Wichtig und das ist aus meiner praktischen Sicht eines der wesentlichsten Schritte, sich Selbst Hilfe zu suchen (denn eine belastende Situation ist es für Sie ja uch), um mit der Situation vor allem emotional fertig zu werden. Vor allem auf dem Hintergrund nicht selber Co.-abhängig zu werden.

Des Weitern können Sie sich auch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von depressiv Erkrankten anschließen. Wo sich eine solche Gruppe in Ihrer Nähe befindet erfahren Sie über die Krankenkasse oder so genannte Selbsthilfekontaktstellen (gibt es in jeder größeren Stadt). Oder Sie finden auch weiterführende Informationen u.a. über die Interentseite http://www.selbsthilfenetz.de/, http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm http://www.depressionen-depression.net/

Oftmals fühlen sich Angehörige (auch Freunde), die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert. Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme, wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan (noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen- oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu können.

In einer kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben wie man am besten mit depressiv erkrankten Angehörigen (Freunde) umgehen sollte. Dies gilt auch im Rahmen einer depressiven Phase innerhalb einer bipolaren Störung.

  • depressive Verstimmung (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich hinterfragen oder beschönigen
  • dem Partner gegenüber die Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die depressive Person nur für sich selber tun)
  • statt Ratschläge zu erteilen, lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen
  • ständige Aufheiterungsversuche unterlassen, aber sich selber Mut machen
  • nicht an die Willenskraft (oder an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren
  • keine einschneidenden Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen, regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)
  • Verständnis dafür zeigen, dass die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die sexuelle Lust verloren geht
  • Gefühle, welche die depressive Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert, nicht noch zu fördern)
  • die ärztliche Behandlung des depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente unterstützen
  • wenn nötig selbst Arztbesuche organisieren
  • zu gemeinsamen Spaziergängen oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen entwickeln kann)
  • lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der Therapie) von Zukunftsperspektiven
  • sich selber etwas gönnen, nicht nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen
  • Kontakte mit anderen (im Beruf, Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden
Wichtig ist in Ihrem Falle sich auch Selbst Hilfe zu suchen, wenn Sie der psychischen Belastung nicht mehr gewachsen sind. Dies kann im professionellen Rahmen über den Kontakt mit einem Dipl.- Psychologen geschehen oder Sie schließen sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von bipolare Störungen an. Wo sich eine solche Gruppe in Ihrer Nähe befindet erfahren Sie über die Krankenkasse oder soganennte Selbsthilfekontaktstellen (gibt es in jeder größeren Stadt).

Oder Sie finden auch weiterführende Informationen u.a. über die Interentseite http://www.selbsthilfenetz.de/, http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

http://www.depressionen-depression.net/,

 

Bitte lassen Sie keine unnötige Zeit vergehen und wenn notwendig veranlassen Sie geeigente Maßnahmen (z.B. Suizidprofylaxe, umgehende Kontaktaufnahme, d.h. zur freiwillige Einweisung motivieren, Freundin nicht alleine lassen, nach Ablenkungsmöglichkeiten suchen usw.) bzw. lassen Ihre Freundin (bei Verweigerung) Zwangseinweisen auch gegen Ihren Willen, da z.B. bei schweren depressiven Krisen ein hohes maß an Eigengefährdung besteht und eine Einweisung durch den Notarzt nach PsychKG erfolgen muss. Sein Sie konsequent und lassen sich eventuell von ihrem sozialen Umfeld dabei helfen (z.B. Kinder, Schwager/ Schwägerin) bzw. suchen Sie sich Hilfe über den Sozial-Psychiatrischen- Dienst (SPD) des Landkreises (erfahren Sie über das Gsundheitsamt). Diese letztgenannte Behörde ist dafür zuständig Ihnen zu helfen. Aber auch in jeder nahegelegenen Universitätsklinik, ggf. Fachklinik für Psychiatrie können Sie rund um die Uhr einen Ansprechpartner (Bereitschaftspsychiater) erreichen und können dies auch selber veranlassen und Ihre Freundin ins Auto setzen.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg.

Mit freundlichem Gruß

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank