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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

meine Schwiegertochter hat sehr starke schwangerschaftsdeperessionen.

Kundenfrage

meine Schwiegertochter hat sehr starke schwangerschaftsdeperessionen. ich möchte sie morgen besuchen und wie besprochen die zwei enkelkinder mitnehmen. wie soll ich mich verhalten und wie kann ich ihr helfen?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.

Eine Schwangerschaftsdepression ist häufig kein seltenes Phänomen im Rahmen der ambulant/stationären psychiatrisch/psychologischen Behandlung und bedarf jedoch immer einer fachlich adäquaten Begleitung (sei dies medikamentös durch einen Facharzt für Psychiatrie oder in Kombination durch eine Psychotherpie bei einem Dipl.- Psychologen). Es ist wichtig, dass Sie auch durch Ihren Besuch mit den Enkelkindern Ihrer Schwiergertochter signalisieren, dass Sie auch trotz Ihrer Beschwerden und Probleme ein Teil der Familie ist und bleibt und Sie auch Verständnis zeigen für die zurzeit bestehenden massiven psychischen Probleme. Denn eine Schwangerschafts (Wochenbettdepression) ist nur phasenweise und sehr gut mit entsprechenden Möglichkeiten (psychiatrisch/psychologisch) zu behandeln.

Oftmals fühlen sich Angehörige, die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert. Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme, wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan (noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen- oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu können.

In einer kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben wie man am besten mit dem depressiv erkrankten Partner umgehen sollte

  • Depressive Verstimmung (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich Hinterfragen oder beschönigen
  • Dem Partner gegenüber die Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die depressive Person nur für sich selber tun)
  • Statt Ratschläge zu erteilen, lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen
  • Ständige Aufheiterungsversuche unterlassen, aber sich selber Mut machen
  • Nicht an die Willenskraft (oder an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren
  • Keine einschneidenden Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen, regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)
  • Verständnis dafür zeigen, dass die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die sexuelle Lust verloren geht
  • Gefühle, welche die depressive Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert, nicht noch zu fördern)
  • Die ärztliche Behandlung des depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente unterstützen
  • Wenn nötig selbst Arztbesuche organisieren (nur jedoch
  • Zu gemeinsamen Spaziergängen oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen entwickeln kann)
  • Lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der Therapie) von Zukunftsperspektiven
  • Sich selber etwas gönnen, nicht nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen
  • Kontakte mit anderen (im Beruf, Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden

Natürlich können Sie auch eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe für depressiv Erkrankte besuchen und wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, dies erfahren Sie über Ihre Krankenkasse bzw. sogenannte Selbsthilfekontaktstellen.

Unter anderem ist es über folgende Portale im Internet möglich.

http://www.diskussionsforum-depression.de/,

http://www.selbsthilfeforum-fuer-aengste-und-depressionen.de/,

http://www.depression-diskussion.de/

http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

Bitte achten Sie bei einer Begleitung/ Betreuung eines depressiven Menschen auch auf Ihre Grenzen der emotionalen Belastbarkeit und werden nicht durch eventuelles Co.- abhängiges Verhalten Selbst noch krank. Sollten Sie jedoch auf dem Weg der Hilfe für sich Selbst Hilfe benötigen, können auch Sie, ohne Angst gleich verrückt zu sein, psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiter helfen und wünsche Ihnen für die Zukunft viel Kraft, Mut und alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

 

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