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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Gibt es ein Buch, damit ich einer Bekannten aufzeigen kann,

Kundenfrage

Gibt es ein Buch, damit ich einer Bekannten aufzeigen kann, dass sie Angst vor Nähe hat, damit sie sich anschließend in Therapie begibt? Mit freundlichem Gruß

 

Warte jetzt fast zwei stunden auf eine Antwort. Kann ich die Anwort auch noch morgen erhalten?

Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Es tut mir leid, dass Sie so lange warten mussten. Vielleicht koennten Sie Ihrer Bekannten den folgenden Text zu lesen geben?

 

Wenn wir uns abgelehnt fühlen, dann bewerten wir eine Reaktion, eine Aussage oder ein Verhalten eines anderen als Ablehnung (ob dies so gemeint war oder nicht, sei einmal dahingestellt). Die meisten Menschen haben Angst vor Ablehnung und fühlen sich verletzt, wenn sie sich abgelehnt fühlen. Warum ist das so?

Die Angst vor Ablehnung ist eng mit der Selbstablehnung verbunden. Je mehr wir uns selbst ablehnen, je mehr wir uns selbst für minderwertig oder nicht liebenswert halten, je mehr wir an unserem Wert zweifeln, umso mehr haben wir Angst vor Ablehnung, umso mehr leiden wir unter einer negativen Bewertung unserer Mitmenschen und umso schmerzlicher empfinden wir eine Ablehnung durch diese.

 

Woher kommt die Angst vor Ablehnung?

In den meisten Fällen entsteht die Angst vor Ablehnung schon in unserer Kindheit, genauer gesagt in den ersten 7 Lebensjahren. In dieser Zeit lernen viele von uns:

  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich lieb bin.
  • Ich bin nur liebenswert, wenn ich lieb bin.
  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich eine gute Leistung bringe.

Wenn wir von unseren Eltern nur angenommen und gelobt werden, wenn wir uns so verhalten, wie sie es sich wünschen, und sie uns ablehnen, wenn wir uns anders verhalten, dann lernen wir: gemocht werde ich nur dann, wenn ich tue, was andere von mir verlangen. Tue ich, was ich will, stoße ich auf Ablehnung.

Dabei reicht es schon, dass wir als Kinder den Eindruck haben, nicht um unserer Selbst willen gemocht zu werden. Es müssen keine Worte fallen und wir müssen nicht geschlagen werden, um das Gefühl zu haben, nicht in Ordnung zu sein und abgelehnt zu werden. Schon ein strafender oder tadelnder Blick reichte vielleicht, um uns in Lebensgefahr zu sehen.

Warum nehmen wir uns als Kinder solche Worte so zu Herzen und warum reagieren wir als Erwachsene immer noch so verängstigt? Der Grund ist: Wir sind als Kinder völlig abhängig von der Zuwendung und Fürsorge unserer Eltern. Ohne sie können wir nicht überleben. Eine Ablehnung empfinden Kinder immer als ein im Stich-Gelassen- und Verstoßen-Werden. Und das kommt für ein drei- oder fünfjähriges Kind gefühlsmäßig einem Todesurteil gleich.

Haben wir als Kind kein Grundvertrauen, dass man für uns sorgen wird, dann entwickeln wir eine große Angst vor Ablehnung.

Als Erwachsene hängt unser Leben nicht mehr vom Urteil anderer Menschen ab. Dennoch empfinden wir bei Ablehnung reflexartig so, wie das drei- oder fünfjährige Kind, das seinen Eltern auf Gedeih und Verderben ausgeliefert war. Der Grund ist: Wir tragen quasi immer noch den kleinen verängstigten Jungen oder das kleine verängstigte Mädchen in uns, die eine Ablehnung als existenzielle Bedrohung empfinden.

Eine andere Lektion in unserer Kindheit und Jugendzeit bestand vielleicht darin, uns auf sehr persönliche und verletzende Weise auf unsere Fehler und Schwächen aufmerksam zu machen. Wir mussten uns vielleicht häufig anhören: Du taugst nichts. Du bist ein Tollpatsch. Du bist so was von blöd. Wegen dir muss man sich schämen.

Dadurch haben wir gelernt, an uns zu zweifeln und haben kein Selbstvertrauen entwickelt. Wir haben Angst zu versagen oder nicht zu genügen und deshalb abgelehnt zu werden.

Und natürlich hatten auch Erfahrungen mit unseren Spiel- und Schulkameraden einen Einfluss auf unsere seelische Entwicklung. Vielleicht wurden wir in der Schule gemobbt. Vielleicht hatten wir eine körperliche oder persönliche Auffälligkeit und wurden deshalb zur Zielscheibe von Spott und Hänseleien, die an unserem Selbstwertgefühl genagt haben und von denen wir uns nie mehr erholt haben.

Was tun gegen die Angst vor Ablehnung?

Wenn wir lernen, unseren Selbstwert und damit unser Selbstwertgefuehl zu stärken, dann machen wir uns unabhängiger von der Reaktion anderer und erleben eine Ablehnung nicht mehr als Todesurteil. Eine Ablehnung ist dann nur noch bedauerlich und schade, aber nicht mehr bedrohlich. Und damit verlieren wir unsere Angst vor der Ablehnung.

Und noch eines ist sehr wichtig: in der Regel fühlen wir uns durch die Worte oder das Verhalten des anderen als ganzer Mensch abgelehnt, fühlen wir unseren Wert herabgesetzt. D.h. wir beziehen seine Reaktion auf uns und nicht auf unser Verhalten. Dies ist ein großer Denkfehler. Es mag ja sein, dass einem anderen nicht gefällt, was wir sagen oder tun oder er unsere Ansichten ablehnt. Aber warum sind wir dann als Mensch ablehnenswert, wenn dem anderen an uns ein bestimmtes Verhalten nicht gefällt?

Das ist genauso, als würde man einen Apfelbaum verurteilen, der neben schönen Äpfeln auch wurmstichtige Äpfel trägt, weil man sagt: ein Baum, der wurmstichige Äpfel trägt ist minderwertig. Und selbst wenn ein Baum nur wurmstichige Äpfel tragen würde, käme wohl niemand auf die Idee, ihn deshalb zu fällen.

Und noch eines sollten Sie bedenken: über wen sagt eine Ablehnung etwas aus? Über den Abgelehnten oder den Ablehnenden? Letztlich nur über den Ablehnenden. Seine Ablehnung ist Ausdruck seiner Werte, seiner Ansichten, seiner Moral, seines Geschmacks, seiner Weltanschauung.

Wenn Sie ein modernes Gemälde schrecklich finden, heißt das, dass dieses Bild wertlos ist? Nein, es gibt viele, denen dieses Gemälde gefällt. Folglich sagt Ihre Ablehnung nichts über den Wert oder die Qualität des Bildes aus, sondern lediglich etwas über Ihren Geschmack.

Die meisten Menschen, die Angst vor Ablehnung haben, haben irgendwann in ihrem Leben entschieden, dass sie minderwertig, nicht liebenswert, unwichtig oder wertlos sind, wenn sie alleine sind. Darum setzen sie alles daran, nicht alleine zu sein/nicht abgelehnt zu werden, denn dann koennen sie vermeiden, sich so zu fuehlen. Oft fuehrt das dazu, dass sie versuchen, anderen deren Wuensche und Beduerfnisse vom Gesicht abzulesen und oft entsprechend handeln bevor ein Wunsch ausgesprochen wurde. Oder, dass sie sich nie eigene Beduerfnisse goennen, denn das koennte ja dazu fuehren, dass die andere Person einen als Last empfindet und verlaesst.
Oft leben Menschen, die diese Schlussfolgerung gezogen haben, in staendiger Angst, etwas falsch zu machen und darum verlassen zu werden. Diese Menschen sind auch bewundernswert sensibel und haben ein riesengrosses Einfuehlungsvermoegen, was sie zu wunderbaren Freunden macht. Andererseits, werden sie auch oft ausgenutzt.
Was kann man tun, um diese Angst loszuwerden? Eine kognitive Therapie zeigt oft recht gute Erfolge, denn da findet man herau, warum man diese Schlussfolgerung gezogen hat (Allein = Wertlos), und kann diese Glaubenssaetze dann herausfordern und aendern. Denn oft hat man diese Glaubenssaetze als Kind gelernt und verinnerlicht. Und nicht alles, was man als Kind glaubt, erweist sich als hilfreich, wenn man erwachsen ist.

 

Ein Buch waere z.B. Einsamkeit ueberwinden: von innerer Leere zu sich selbst und anderen finden von Doris Wolf

 

Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Frau Noble,

haben Sie vielen Dank für Ihre Antwort, aber

so ist es leider nicht.

Meine Bekannte war zweites von fünf Kindern.

Sie war als Kind immer lieb, schlief brav in jeder Ecke und verlangte keinerlei Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit zog ihr zwei Jahr älterer Bruder auf sich, während sie komplikationslos mitlief, aber wohl zu wenig Zuneigung erfuhr.

Ihre früher fast täglichen Bulimie-Anfälle hat sie wohl gut im Griff. Sie finden wohl nur noch in der Regel einmal monatlich statt.

Sie hat sich gerade etwas auf eine für sie völlig ungewöhnliche Liebesbeziehung eingelassen. Wenn man ihr jedoch zu nahe kommt, gemeinsame Wochenend-Touren oder private Übernachtungen, reagiert sie panisch und vertreibt den Partner.

Wenn es dann doch einmal zu gemeinsamen Touren kommt, dürfen diese nur eine gemeinsame Übernachtung beinhalten und sie empfindet sie im Nachhinein als seeehr schön. Wenn jemand ihr zu nahe kommt, beendet sie die Beziehung, obwohl sie diesen Mensch sehr mag.

 

Haben Sie vielen Dank für Ihre Mühe.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Walter Klein

Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank XXXXX XXXXX zusaetzliche Information. Natuerlich kennen Sie diese Person sehr viel besser als ich, aber selbst nach der zusaetzlichen Information denke ich weiterhin, dass sie unter diese Angst vor Ablehnung leidet, denn gerade diese ist meist das zentrale Element der Bulimie. Man fuehlt sich nicht "perfekt" genug und versucht darum zumindest den "perfekten Koerper" zu erzwingen. Gleichzeitig bestraft man sich durch das Brechen dafuer, dass man so "imperfekt" ist und schon wieder essen musste.

Ihre Bekannte hat wahrscheinlich als Kind immer versucht, "perfekt" zu sein und trotzdem immer das Gefuehl gehabt, nicht perfekt genug zu sein, um wirklich Aufmerksamkeit zu bekommen - die kindliche Logik funktioniert da etwas anders als die Logik, mit der wir uns heute diese Situation anschauen. Sie sagen "sie verlangte keine Aufmerksamkeit", die damalige kindliche Logik koennte das eher als "ich bin nicht liebenswert genug, um Aufmerksamkeit zu bekommen" interpretiert haben.

 

Ich moechte mich keinesfalls aufdraengen und Sie davon ueberzeugen, dass meine Antwort "richtig" ist, aber meine Vermutung ist, dass Ihre Bekannte, wenn sie ganz ehrlich ist, wahrscheinlich zustimmen wuerde, dass sie sich innerlich ganz unsicher fuehlt und Angst davor hat, abgelehnt zu werden. Bis zu dem Extrem, dass sie lieber eine Beziehung beendet und in der Position des "Ablehnenden" ist, als das Risiko einzugehen, abgelehnt zu werden. Denn je wichtiger einem ein Mensch wird, desto schmerzhafter waere es, wenn dieser einen ablehnt. Damit waere das "Vertreiben" von Partner, die ihr zu wichtig werden, eine logische Schlussfolgerung. Die Angst vor dem moeglichen Schmerz - vor der moeglichen Ablehnung - wird umso groesser, je enger die Beziehung wird. Darum ist ein "Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken (eine Angst) ohne Ende...."

 

Ein anderes Buch, das die Situation wahrscheinlich gut zusammenfasst, waere: Das Drama des begabten Kindes von XXXXX XXXXX. Es geht dabei nicht um Intelligenz und schulische Begabung sondern um ein Feingefuehl fuer Emotionen und die Beduerfnisse anderer Menschen, die Ihrer Bekannten wahrscheinlich bekannt vorkommen.

 

Wie gesagt, ich kann nur aus meiner professionellen Sicht und meiner langjaehrigen Erfahrung eine Antwort geben, das bedeutet nicht,d ass ich immer richtig liege, aber ich habe viel mit jungen Frauen mit Bulimie gearbeitet und meist unter der Oberflaeche genau diese Angst gefunden. Vielleicht waere es es wert, der Dame den obigen Text zu zeigen und nach ihrer Meinung zu fragen.

 

 

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
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Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.

 

Sehr geehrte Frau Noble,

vielen Dank für Ihre kompetente Antwort.

Ich werde sie an die Betroffene weiterleiten.

Sind sie auch in einer Praxis tätig, eventuell in der Nähe von Aachen/Köln?

Einen schönen Abend.

Walter Klein

 

Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrter Fragesteller,
vielen Dank fuer die Akzeptierung der Antwort und das Kompliment. Ich hoffe, dass die betroffene Dame diese Einblicke hilfreich findet und hoffentlich Hilfe bekommt und annimmt. Ich habe eine private Online-Praxis, lebe und arbeite aber ansonsten in den USA.
Nochmals vielen Dank und freundliche Gruesse,
Annegret Noble

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