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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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hallo es geht um meinen Verlobten.Er ist Quartalstrinker und

Kundenfrage

hallo es geht um meinen Verlobten.Er ist Quartalstrinker und hat laut seiner Aussgae keine Probleme.Ein anderes Problem ist,er ist Tablettenabhängig. Angeblich nimmt er Psychpharmaka(Ventafaxin),außerdem ist er Hartz IV Empfänger. Am Dienstag gab es Geld und seitdem ist er Dauer betrunken. Heute war es auch der Fall,dass er auf seine Mutter losgegangen ist. Er will aber unter keinen Umständen in eine Therapie bzw. Klinik. Können wir ihn dazu irgendwie "zwingen"?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Wenn Ihr Verlobter auf seine Mutter losgeht, dann sollten Sie die Polizei anrufen. Man kann jemanden nur zu einer Therapie "zwingen" wenn derjenige eine Gefahr fuer sich oder andere darstellt - ein Angriff auf eine andere Person wuerde in diese Kategorie fallen. Dann gilt das PsychKG und er kann auch gegen seinen Willen in eine Klinik eingewiesen werden. Ansonsten hat oft die Familie etwas Einfluss, indem man z.B. sagt, dass man weder mit Geld noch mit anderer Unterstuetzung aushilft, bis die betreffende person Hilfe akzeptiert. Waere das in Ihrer Situation moeglich?

 

 

Jeder, der mit einem Alkoholiker in Verbindung steht, wird auf irgendeine Weise von dessen Krankheit beeinflusst. Die direkten Folgen treffen jedoch seine Familie, die Menschen, die buchstäblich sein Leben und später seine Krankheit mit ihm teilen.

Die Freunde können sich abwenden, der Chef kann kündigen, Kollegen können ihn meiden. Aber die Familie des Alkoholkranken bleibt der Situation ausgesetzt, es sei denn sie ist zu einer grundlegenden Veränderung bereit und trennt sich von dem Menschen, den sie liebt oder einmal geliebt hat. Tag für Tag laufen in der Familie Situationen ab, die allen Familienmitgliedern feste Rollen aufzwingen. Da sich eine Abhängigkeit schleichend entwickelt, bemerken auch Angehörige lange nicht, dass all ihre Bemühungen zu helfen das Suchtverhalten des Betroffenen eigentlich nur unterstützen und verlängern.

In Fachkreisen hat man hier den Begriff der Co-Abhängigkeit geprägt. Gemeint sind all jene typischen Verhaltensweisen von Bezugspersonen des Alkoholkranken, die damit die süchtige Fehlhaltung unterstützen und eine rechtzeitige Behandlung verhindern. Menschen, die mit Suchtkranken zusammenleben, werden durch das Verhalten des Süchtigen, sowie dessen Konsequenzen mitbetroffen, beeinträchtigt und gekränkt, ohne zu wissen, was sie anders machen könnten. Angehörige versuchen meistens allein ihre Lebenssituation zu bewältigen und soviel Kontrolle wie möglich über diese chaotische Situation zu gewinnen. Das bedeutet gleichzeitig, dass dem Abhängigen Verantwortung abgenommen wird.

Suchtförderndes Verhalten von Partnern, Eltern oder anderen erwachsenen Bezugspersonen kann sehr unterschiedlich aussehen und letztendlich ist es dabei unerheblich welches Suchtmittel missbraucht wird - ob es sich um Alkohol oder eine andere Droge handelt. Heute kennt man mehrere typische Verhaltensstile, die von einer Co-Abhängigen Person praktiziert werden:

  • Vermeiden und beschützen: Der Abhängige wird davor bewahrt, die volle Tragweite der schädlichen Konsequenzen des Suchtmittelkonsums zu spüren.

 

  • Kontrolle: Der Co-Abhängige übernimmt die Kontrolle über den Suchtmittelkonsum des Abhängigen.
  • Der Co-Abhängige übernimmt zunehmend die persönlichen Verantwortlichkeiten des Abhängigen, seien dies Tätigkeiten im Haushalt oder am Arbeitsplatz.
  • Rationalisieren und Akzeptieren: Verhaltensweisen des Co-Abhängigen, mit denen er den Suchtmittelmissbrauch erklärt und rechtfertigt oder gar akzeptiert.
  • Unterstützung und Beteiligung des Co-Abhängigen bei der Beschaffung, der Zubereitung und dem Gebrauch des Suchtmittels.
  • Retten und sich dem Abhängigen nützlich machen: Der Abhängige wird übermäßig beschützt.

Im allgemeinen wird die Co-Abhängige Rolle von der Person übernommen, die dem Abhängigen emotional am nächsten steht. In einer Familie handelt es sich dabei oft um den Partner, also Sie.

 

 

Verständnis für die Erkrankung des süchtigen Menschen zu haben, darf nicht bedeuten, dass das Verhalten und dessen Auswirkungen auf die eigene Person toleriert wird. Es sollten klare Grenzen gesetzt werden, was in Kauf genommen wird und was nicht. Werden diese Grenzen nicht eingehalten, ist es wichtig verbindlich zu sagen, wie man dann darauf reagieren wird. In unserer beruflichen Praxis machen wir oft die Erfahrung, dass Süchtige im nachhinein das konsequente Verhalten von Angehörigen als hilfreich beschreiben. Die persönliche Abgrenzung ist keine Entscheidung gegen den süchtigen Menschen, sondern gegen seine süchtigen Verhaltensweisen.

Zudem scheint es notwendig, dass Angehörige sich selbst ein suchtunabhängiges Leben bewahren. Das Recht auf eine eigene Lebensgestaltung wird mit der Suchterkrankung eines Familienmitgliedes nicht grundsätzlich in Frage gestellt, auch wenn die Sucht eine wesentliche Beeinträchtigung darstellt. Die persönliche Selbstaufgabe des Co-Abhängigen stellt für den Suchtkranken keine Hilfe dar. Wichtig wäre persönliche Antworten auf folgende Frage zu finden: Wie kann man als Angehöriger eines Suchtkranken so gut wie möglich leben, sein Leben zufriedenstellend gestalten, wenn der andere sich nicht ändert und man selbst noch nicht bereit ist, sich vollständig zu lösen ?

Von großer Bedeutung sind auch die Kontakte zu anderen Menschen, denn ein hoher Preis der Co-Abhängigkeit ist in vielen Fällen innere Verzweiflung und Isolation. Gerade wenn das Selbstvertrauen, das Urteilsvermögen, die Überzeugung, dass das eigene Leben lebenswert sei usw. durch die Suchterkrankung eines Familienmitgliedes stark erschüttert ist, sind Menschen aus dem sozialen Umfeld sehr hilfreich. Die sozialen Bindungen zu Freunden, Bekannten, Verwandten oder auch Nachbarn unterstützen die Wahrung der Selbstachtung und Selbständigkeit des Angehörigen. Die Beziehung zu Mitmenschen sichert soziale Kompetenz und die Fähigkeit zum eigenständigen Leben.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.alkohol-hilfe.de/Co/co.htm
http://www.forum-alkoholiker.de/
http://www.al-anon.de/
http://www.trocken-leben.de/Seiten/Angehoerige.htm

Das Ziel ist es, dass Sie sich auf sich und Ihr Leben konzentrieren in der Hoffnung, dass Ihr Verlobter irgendwann genug "Leidensdruck" verspuert, um zu sagen: "Ich habe jetzt genug und will mich aendern." Leider scheinen wir uns als Menschen naemlich nur dann zu veraendern, wenn das Leben, so wie es ist "weh tut". Darum ist die hilfreichste Strategie fuer Angehoerige, es dem Betroffenen zu erlauben, Schmerzen zu erleiden ohne einzugreifen - das ist schwer.

 

Dabei helfen vielleicht der Austausch mit anderen Betroffenen oder das Lesen von Buechern zum Thema.

Kraft zum Loslassen: Tägliche Meditationen für die innere Heilung von Melody Beattie (Taschenbuch - 1. Januar 1991)

Die Sucht gebraucht zu werden von Melody Beattie (Taschenbuch - 2004)

Wie Loslassen wirklich gelingt (So werden Ihnen Veränderungen glücken) [Broschiert] Brigitte Neusiedl (Autor)

Loslassen, damit das Leben weitergeht [Taschenbuch] Theo Schoenaker (Autor)

 

 

 

Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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